Wärmedämmverbundsystem
Auch: WDVS, Thermohaut, Vollwärmeschutz
Ein Wärmedämmverbundsystem, kurz WDVS, ist eine Außendämmung aus Dämmstoffplatten, die auf die Außenwand geklebt, gedübelt oder in Schienen gehalten und mit einem gewebebewehrten Unterputz und einem Oberputz beschichtet werden.[1] Alle Teile gehören zu einem geprüften System, dessen Verwendung eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung regelt.[1][2]
So ist ein Wärmedämmverbundsystem aufgebaut
Schematische Darstellung: Hausfassade mit stufenweise aufgeschnittenem System aus Kleber, Dämmplatten, Dübeln, Unterputz mit Gewebe und Oberputz, über dem Fenster ein Brandriegel. Die Nummern folgen den Schichten von der Wand nach außen bis zur Suche nach Wasser hinter dem System.
- Dämmplatten geklebt und gedübelt: Die Dämmplatten werden auf die Außenwand geklebt, zusätzlich gedübelt oder in Schienen gehalten. In Deutschland bestehen rund 85 Prozent der jährlich verlegten Flächen aus Polystyrol-Partikelschaum, rund 12 Prozent aus Mineralwolle.
- Unterputz mit Glasgewebe: Auf den Platten liegt ein Unterputz, der mit Glasgewebe bewehrt ist. Das ganze System ist geprüft, und die Zulassung legt fest, welche Produkte verwendet werden dürfen, die Dübel eingeschlossen.
- Oberputz bildet die Oberfläche: Der Oberputz schließt das System nach außen ab. Da es die ganze Außenwand überdeckt, verlieren Wärmebrücken an Decken und Innenwänden ihre Wirkung, und auf einer massiven Wand leistet es je nach Dämmdicke 85 bis 95 Prozent des Wärmeschutzes.
- Brandriegel über dem Fenstersturz: Bei entflammbarem Dämmstoff liegt über Fenster- und Türstürzen ein mindestens 200 mm hoher Streifen aus nicht brennbarer Mineralwolle. Er soll verhindern, dass ein Brand in das nächste Geschoss überschlägt.
- Wasser an der Fensterbank: Undichte Anschlüsse an Fensterbänken und Durchdringungen lassen Wasser hinter das System laufen. Von außen bleibt der Schaden lange unsichtbar, innen zeigt sich irgendwann ein feuchter Fleck.
- Wärmebild zeigt nasse Bereiche: Mit Feuchtemessung an Fensterbänken, Anschlüssen und Putzrissen und mit Wärmebildern grenzen wir nasse Stellen ein. Öffnen wir das System, halten wir den Aufbau auf Fotos fest, ersetzen nasse Dämmstoffe und schließen die Stelle mit Teilen aus der passenden Zulassung.
Aufbau eines Wärmedämmverbundsystems
Nach dem Merkblatt 24 der bayerischen Hinweise zum Energiesparen werden die Dämmstoffplatten nur geklebt, geklebt und zusätzlich gedübelt oder nur gedübelt, und bei einer besonderen Ausführung halten im Untergrund verankerte Profile die Platten als Schienensystem.[1] Von den etwa 40 Millionen Quadratmetern, die in Deutschland nach dem Merkblatt jährlich verlegt werden, bestehen rund 85 Prozent aus Polystyrol-Partikelschaum und rund 12 Prozent aus Mineralwolle, daneben kommen Mineralschaum, Phenolschaum, Polyurethan, Holzweichfaser und Holzwolle zum Einsatz.[1]
Auf den Platten liegen ein mit Glasgewebe bewehrter Unterputz und ein Oberputz, in Sonderfällen auch Flachverblender aus kunstharzvergütetem Mörtel, andere Dekorelemente oder keramische Spaltplatten.[1] Die umgangssprachlichen Bezeichnungen Thermohaut und Vollwärmeschutz gelten nach dem Merkblatt als veraltet, fachlich richtig ist allein der Begriff Wärmedämm-Verbundsystem.[1]
In einer Fassade mit Wärmedämmverbundsystem stecken Außenleuchten, Außensteckdosen und Leitungen für Markisen oder Rollläden. Zeigt sich Wasser aus der Fassade innen an der Wand, wird vor jedem Öffnen der Stromkreis dieser Wand an der Sicherung abgeschaltet, ein Lichtschalter reicht dafür nicht. Ist Wasser bis an den Sicherungskasten gekommen, geht niemand mehr in das Zimmer an der nassen Fassade, Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber stellen den Strom ab, und bei weiter steigendem Wasser im Keller geht niemand nach unten.
Was das System für Wand und Raumklima leistet
Ein WDVS dient vor allem dem winterlichen Wärmeschutz, und weil es außen liegt, verringert es auch die Formänderungen der Außenwand durch Temperaturwechsel.[1] Bei üblichen massiven Wänden trägt es je nach Dämmstoffdicke 85 bis 95 Prozent zum Wärmeschutz der ganzen Wand bei.[1] Ob die Dämmung nach einem Schaden noch trocken ist, zeigen kleine Bohrungen im Putz, und zu den Sofortmaßnahmen gehört, die Eintrittsstelle abzudecken.
Da das System alle Außenwandflächen überspannt, schaltet es Wärmebrücken an einbindenden Decken und Wänden nach dem Merkblatt aus und mindert sie an Gebäudekanten und Ecken so stark, dass sie bedeutungslos werden.[1] Bei fachgerechter Ausführung ist deshalb auch bei erhöhter Raumluftfeuchte kein Tauwasser auf der raumseitigen Oberfläche zu erwarten, und mit elastischen Dämmstoffplatten wird sogar der Schallschutz besser als bei der unbekleideten Wand.[1]
Wer auf der Außenseite einer bestehenden Wand Dämmschichten anbringt oder den Außenputz erneuert, muss nach § 36 und Anlage 7 des Gebäudemodernisierungsgesetzes bei Wohngebäuden einen Wärmedurchgangskoeffizienten von höchstens 0,24 W/(m²·K) erreichen.[3] Ausgenommen sind Außenwände, die nach dem 31.12.1983 nach den damals geltenden Energiesparvorschriften gebaut oder erneuert wurden, und lässt sich aus technischen Gründen nur eine dünnere Schicht anbringen, reicht die dickste machbare Lage, solange ihr Dämmstoff höchstens 0,035 W/(m·K) leitet.[3] Diese Werte gelten auch, wenn ein altes System erneuert wird, weil innen ein feuchter Fleck an der Wand aufgetaucht ist.
Zulassung, Details und Dokumentation
Allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen regeln den Einsatz der Systeme, verwendet werden dürfen nur die darin aufgeführten Bauprodukte, die alle vom Systemhersteller zu liefern sind, und das gilt auch für die Dübel.[1] Die Bedingungen der Zulassung, etwa die Außenlufttemperatur während der Ausführung, und die Verarbeitungshinweise des Herstellers sind verbindlich.[1] Läuft trotzdem Wasser hinter die Dämmung, findet eine Leckageortung die undichte Stelle meist an Anschlüssen und Durchdringungen.
Für Sockel, Dachanschluss, Gebäudekanten, Laibungen, Fensterbänke und Stürze geben die Systemhersteller Ausbildungsvorschläge, ebenso für Leuchten, Schalter, Vordächer, Geländer und Werbeanlagen, deren schwere Lasten im Standsicherheitsnachweis enthalten sein müssen.[1] Zu angrenzenden Bauteilen sind ausreichende Bewegungsfugen vorzusehen, und in die Verschlüsse von Gerüstverankerungen darf kein Wasser eindringen.[1] Bei dünnen Putzschichten zeichnen sich Dübelköpfe in manchen Klimalagen tellerförmig auf der Oberfläche ab, was technisch kein Nachteil ist, und wird der Dübelkopf etwa 20 mm tief in den Dämmstoff eingepresst und mit einem Dämmstoffteller abgedeckt, ist das nach dem Merkblatt nicht zu erwarten.[1]
Das Merkblatt empfiehlt, alle später verdeckten Bauzustände in einem fotografischen Bautagebuch festzuhalten und dem Eigentümer zu übergeben.[1] Am Ende jeder Zulassung steht ein Formblatt, mit dem der Ausführende bestätigt, nach ihren Vorgaben gearbeitet zu haben, und dieses auch für die Gewährleistung wichtige Dokument muss der Bauherr erhalten.[1]
Brandschutz beim Wärmedämmverbundsystem
Wie sich ein WDVS im Brandfall verhält, hängt nach BauNetz Wissen von Art und Dicke des Dämmstoffs, vom organischen Anteil der Putzschicht, von der Dicke der Armierungsschicht und von der Ausbildung der Details an Öffnungen und Einbauten ab.[2] Geprüft wird das Brandverhalten auf Basis der DIN 4102-1, die Systeme sind in der Regel bis zu einer Dicke von 300 mm geprüft, und Mineralwolle nach DIN EN 13162 ist nicht brennbar, EPS-Hartschaum nach DIN EN 13163 schwer oder normal entflammbar, und die Bauordnungen der Länder stellen je nach Gebäudehöhe Mindestanforderungen.[2]
Nach BauNetz Wissen auf Grundlage der Technischen Systeminfo 6, maßgebend sind die Zulassung des Systems und die jeweilige Landesbauordnung.[2]
Bei Systemen mit entflammbarem Dämmstoff werden nach der Darstellung einzelne Bereiche mit Stein- oder Mineralwolle ausgeführt, etwa mindestens 200 mm hohe, nicht brennbare Streifen über Fenster- und Türstürzen oder umlaufende Brandriegel, damit ein Brand nicht in weitere Geschosse überschlägt.[2] Brandwände dürfen nicht mit brennbaren Baustoffen überbrückt werden, und wird ein altes WDVS aufgedoppelt, gelten die aktuellen Anforderungen, so dass stellenweise das alte System entfernt werden muss.[2]
Algen und Tauwasser auf der Fassade
Über mikrobielles Wachstum an Fassaden gibt es nach dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik zunehmend Beschwerden, meist in den ersten Jahren nach der Fertigstellung.[4] Neben Schlagregen befeuchtet Tauwasser die Oberfläche, wenn sie in klaren Nächten durch langwellige Abstrahlung unter die Taupunkttemperatur abkühlt, und das ist vor allem auf Nordseiten ohne Schlagregen von Bedeutung.[4]
Im Vergleich zu monolithischen Wänden aus Porenbeton oder Ziegeln sind Wände mit WDVS nach den Untersuchungen stärker gefährdet, im Freilandversuch zeigte eine monolithische Wand trotz eines U-Werts von 0,22 statt 0,35 W/(m²K) nur sehr kurze Betauungszeiten.[4] Auf einem Standard-WDVS mit weißem Anstrich wurde morgens nach einer klaren Nacht fast doppelt so viel Wasser gemessen wie auf einem weißen Dickputz, ein dunkler Anstrich brachte nur eine geringe Verbesserung, dickere Putze verringerten die Tauwassermenge etwas, vor allem weil sie einen Teil davon unter die Oberfläche leiten, und ein infrarotaktiver Anstrich verringerte die Betauungsstunden um etwas über 20 Prozent, war 2006 aber noch nicht ausreichend witterungsstabil.[4]
Alte Dämmplatten zurückbauen und entsorgen
Dämmstoffe aus Polystyrol, die das Flammschutzmittel HBCD enthalten, sind bei Abbruch und Sanierung nach dem Umweltbundesamt getrennt zu sammeln und werden thermisch behandelt, wobei das HBCD vollständig zerstört wird und die Wärme genutzt wird.[5] Damit folgt die Entsorgung dem Zerstörungsgebot der POP-Verordnung für Abfälle mit langlebigen organischen Schadstoffen, und werkstofflich recycelt werden können solche Dämmstoffe nur, wenn der seit dem 22.03.2016 geltende Grenzwert von 100 mg/kg unterschritten wird.[5]
HBCD-freier Verschnitt aus dem Anbringen von Wärmedämmverbundsystemen lässt sich dagegen zerkleinern und zu Polystyrol-Regranulat verarbeiten, während Polystyrol aus dem Rückbau bislang wegen bautypischer Anhaftungen thermisch verwertet werden muss.[5] Ob ein Dämmstoff HBCD enthält, zeigt ein Schnelltest auf Basis der Röntgenfluoreszenzanalyse.[5]
Wasser hinter dem Wärmedämmverbundsystem finden
Läuft Wasser hinter ein WDVS, bleibt der Schaden von außen lange unsichtbar, darum messen wir die Feuchte an Fensterbänken, Anschlüssen und Rissen im Putz und nutzen Thermografie, um durchfeuchtete Bereiche einzugrenzen. Wo das System geöffnet werden muss, dokumentieren wir den Aufbau mit Fotos, tauschen durchnässte Dämmstoffe aus und schließen die Fläche mit Bauteilen, die zur Zulassung des vorhandenen Systems passen. Zusammen mit dem Eigentümer klären wir, ob das alte System HBCD enthalten kann und wie es getrennt entsorgt wird.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie mit der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr: Hinweise zum Energiesparen, Merkblatt 24: Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS). Stand September 2014, Abschnitte Begriffe, Bedeutung und Hinweise zur Ausführung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Brandschutz bei Wärmedämmverbundsystemen. Fachwissen Dämmstoffe, Brandschutz, nach der Technischen Systeminfo 6 des Fachverbands. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
- Bundesministerium der Justiz: Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Modernisierung der Wärmeversorgung in Gebäuden (Gebäudemodernisierungsgesetz, GModG). § 36 und Anlage 7, Nummer 1b mit den Fußnoten 1 und 2. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP: IBP-Mitteilung 478: Vermeidung von Algen- und Schimmelpilzwachstum an Fassaden durch Beschichtungen mit verringerter langwelliger Abstrahlung. IBP-Mitteilung 478, 33 (2006), Untersuchungsergebnisse und Fazit. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Umweltbundesamt: Wie werden HBCD-haltige Dämmstoffe entsorgt und können sie recycelt werden? UBA fragen: Wie werden HBCD-haltige Dämmstoffe entsorgt und können sie recycelt werden? Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
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