Horizontalsperre
Auch: Horizontalabdichtung, Querschnittsabdichtung
Eine Horizontalsperre ist eine waagerechte Sperrschicht im Mauerwerk, die kapillar aufsteigende Feuchte aus dem Erdreich aufhält. In Altbauten fehlt sie oft oder wirkt nicht mehr, und nachträglich lässt sie sich durch Injektion, durch einen Horizontalschnitt mit eingelegter Sperre, durch eingeschlagene Bleche oder durch Mauertausch herstellen.[1]
So stoppt die Horizontalsperre die aufsteigende Feuchte
Schematische Darstellung einer alten Kellerwand mit feuchter unterer Zone, einer Injektionsreihe in Sockelhöhe und einem Sägeschnitt mit Blech. Die Nummern folgen der Feuchte vom Erdreich bis zur trockenen Wand über der Sperre.
- Feuchte steigt aus dem Erdreich: Fehlt die Abdichtung oder wirkt sie nicht mehr, zieht das Mauerwerk Wasser aus dem Erdreich und trägt es kapillar entgegen der Schwerkraft nach oben. Die untere Zone der Wand bleibt nass und salzbelastet.
- Bohrlöcher in Sockelhöhe: Für die Injektion werden Löcher in festgelegter Anordnung in die Wand gebohrt, in Sockelhöhe über dem Gelände oder in Kellerwänden oberhalb der Stau- und Druckwasserebene.
- Creme füllt die Poren: Aus der Kartuschenpistole wird Injektionscreme auf Silan- oder Siloxanbasis eingebracht. Sie läuft aus waagerechten Löchern nicht heraus, Hohlräume müssen vorher nicht verschlossen werden.
- Durchgehende Sperre: Poren verstopft: Der Wirkstoff verteilt sich um jedes Bohrloch und verstopft, verengt oder hydrophobiert die Poren. Die Zonen überlappen sich zu einer durchgehenden Sperrschicht gegen den kapillaren Transport.
- Darüber trocknet die Wand aus: Oberhalb der Sperre kommt kein Wasser mehr nach. Die Wand gibt ihre Feuchte ab, bis sie die Ausgleichsfeuchte erreicht, und erst danach lohnen Trocknung und neuer Putz.
- Sägeschnitt mit Blech: Die mechanische Alternative ist der Horizontalschnitt: Mit einer Schwert- oder Seilsäge wird ein durchgehender waagerechter Schnitt geführt und ein Blech oder eine Folie eingelegt. Die Sperrwirkung liegt nahezu bei hundert Prozent.
Wie Feuchte im Mauerwerk aufsteigt
Fehlen Abdichtungen oder wirken sie nicht mehr, gelangt nach einem Fachbeitrag im Malerblatt Feuchtigkeit ins Mauerwerk und steigt dort kapillar entgegen der Schwerkraft auf.[2] Für eine Sanierung empfehlen die Autoren, die nachträgliche Horizontalsperre mit einer nachträglichen Bauwerksabdichtung zu verbinden.[2]
Das Umweltbundesamt nennt die nachträgliche Horizontalsperre im Bohrlochinjektionsverfahren oder mit mechanischen Verfahren als Maßnahme gegen erhöhte Bauteilfeuchte bei aufsteigender Feuchte, gegebenenfalls ist dafür Mauerwerk auszutauschen.[3] Welche Feuchtezufuhr ein Bauteil hat, ist nach dem Leitfaden vorher durch Bauwerksdiagnostik anhand von Feuchteprofilen und des Konstruktionsaufbaus zu ermitteln, und in der Praxis überlagern sich oft mehrere Profile.[3] Wer eine Ferienimmobilie kaufen will, lässt alte Kellerwände darum vorher auf aufsteigende Feuchte prüfen.
Das Injektionsverfahren
Beim Injektionsverfahren werden nach BauNetz Wissen Löcher in festgelegter Anordnung ins Mauerwerk gebohrt und Injektionsstoffe drucklos oder unter Druck eingebracht, die sich in der Wand verteilen, etwa wasserlösliche Silikate, lösemittelhaltige Produkte, Bitumen- oder Paraffinprodukte.[1] Das Verfahren greift wenig in die Bausubstanz ein, ist vergleichsweise einfach und wird häufig angewendet, seine Dauerhaftigkeit hängt aber stark vom Material und von Feuchtegehalt und Salzbelastung der Wand ab.[1] Die eingesetzten chemischen Stoffe müssen nach BauNetz Wissen zudem aktuellen gesundheitlichen und ökologischen Vorgaben genügen.[1]
Die Injektionsstoffe sollen die kapillaren Poren nach dem Malerblatt verstopfen, verengen oder wasserabweisend machen oder verengend und hydrophobierend zugleich wirken. Bewährt haben sich danach Paraffine, Siliconate, Alkalisilicat und Alkalimethylsiliconat, Siloxane, Polyacrylatgel, Polyurethanharz und Siliconmikroemulsionen.[2]
Flüssige Stoffe laufen drucklos aus Vorratsbehältern nach dem Schwerkraftprinzip ein oder werden im Niederdruckverfahren eingepresst, und je nach Verfahren gehört dazu, den Durchfeuchtungsgrad vorher durch Vortrocknen oder Aufheizen der Wand zu senken.[2] Injektionscremes auf Silan- oder Siloxanbasis haben einen Wirkstoffgehalt von bis zu 80 Prozent und laufen auch aus waagerecht gebohrten Löchern nicht heraus, sodass Hohlräume vorher nicht verschlossen werden müssen.[2] Eine zertifizierte, hochkonzentrierte Injektionscreme braucht nach dem Beitrag auch bei hohen Durchfeuchtungsgraden nur eine einmalige Füllung der Bohrlöcher.[2]
Eingesetzt wird die Injektion nach dem Beitrag in Sockelhöhe über dem Gelände und in Kellerwänden oberhalb der Stau- und Druckwasserebene. Ihr Ziel ist, dass die Wand oberhalb der Injektionszone ihre Ausgleichsfeuchte erreicht.[2]
Was die WTA von Injektionsstoffen verlangt
Die WTA regelt die Mauerwerksinjektion im Merkblatt 4-10, dessen aktuelle Fassung vom März 2024 stammt.[4] Der Erfolg hängt danach im Wesentlichen von richtiger Planung und sorgfältiger Ausführung mit WTA-zertifizierten Injektionsstoffen ab.[4]
Das Merkblatt enthält Prüfkriterien, mit denen sich die Wirksamkeit einzelner Injektionsstoffe vergleichen lässt, samt ihren Anwendungsgrenzen, und es beschreibt flankierende Maßnahmen, Qualitätskontrolle, Zertifizierung, Bauabnahme und ein Formblatt zur Dokumentation der Injektionsarbeiten.[4] Ein eigener Abschnitt enthält die Stellungnahme der WTA zur Wirksamkeit elektrophysikalischer und paraphysikalischer Verfahren zur Mauerentfeuchtung.[4]
Als ergänzende Merkblätter nennt die WTA unter anderem die zur Mauerwerksdiagnostik, zum nachträglichen Abdichten erdberührter Bauteile, zur nachträglichen mechanischen Horizontalsperre, zur Feuchtemessung an mineralischen Baustoffen und zu Sanierputzsystemen.[4]
Durchfeuchtungsgrad, Druckwasser und Planung
Wie gut ein Injektionsstoff wirkt, hängt davon ab, wie nass die Wand ist. Ein Vortrag des Fachbetriebs Isotec zu den WTA-Merkblättern zeigt, dass die Wirksamkeit von Injektionsstoffen bei Durchfeuchtungsgraden von 60, 80 und 95 Prozent geprüft wird, die höchste Stufe mit einem Spezialparaffin, und dass zertifizierte Stoffe ein eigenes Abzeichen der WTA tragen.[5]
Gegen drückendes Wasser hilft keine Horizontalsperre. Mauerwerksinjektionen sind nach der dort zitierten Fassung des WTA-Merkblatts wie alle übrigen Horizontalsperrverfahren im Druckwasserbereich und als Abdichtung gegen Druckwasser nicht einsetzbar.[5]
Für mechanische Horizontalsperren verlangt das WTA-Merkblatt 4-7 nach demselben Vortrag, einen unabhängigen, sachkundigen Fachplaner zu beauftragen, weil der nachträgliche Einbau ein Eingriff in das Tragwerk ist, und für die statische Beurteilung des Bau- und Endzustands ist ein Tragwerksplaner hinzuzuziehen.[5] Passive Verfahren zur Mauerentfeuchtung empfiehlt die WTA nach dem Vortrag nicht.[5]
Nach dem Vortrag des Fachbetriebs Isotec zu den WTA-Merkblättern 4-7 und 4-10, Folie 12.[5]
Mechanische und elektrische Verfahren
Beim Horizontalschnittverfahren wird nach BauNetz Wissen mit einer Schwertsäge bis zu einer Mauerdicke von 1,20 Metern oder mit einer Seilsäge ein durchgehender waagerechter Schnitt ins Mauerwerk geführt und darin ein Dichtungselement aus Blech oder Folie verlegt.[1] Die Sperrwirkung liegt nahezu bei hundert Prozent, die Ausführung ist leicht zu prüfen, und das Verfahren gilt als sehr zuverlässig, verlangt aber hohe Gerätekosten und kann bei Gewölbeauflagern statische Probleme bereiten.[1]
Beim Ramm-Riffelblechverfahren werden Chromstahlplatten in die Fuge unter einer Ziegelreihe eingeschlagen. Beim Mauertausch wird ein Abschnitt des alten Mauerwerks entfernt, meist durch überlappende Kernbohrungen, und durch neues Mauerwerk oder Beton ersetzt, was salzbelastetes Material vollständig beseitigt, aber viel Arbeit macht und eher in Sonderfällen gewählt wird.[1]
Elektrophysikalische Verfahren wie die Elektroosmose bauen mit Elektroden eine Gleichspannung auf, die dem kapillaren Aufstieg entgegenwirken soll. Elektrodenlose Varianten mit Schwingkreisen oder elektromagnetischen Feldern gelten nach BauNetz Wissen als fachlich umstritten, und Fachverbände empfehlen die Elektroosmose oft nur als ergänzende Maßnahme.[1]
Nach BauNetz Wissen, Mauerwerkstrockenlegung, und dem Malerblatt vom 03.06.2011.[1][2]
Was vorher geklärt werden muss
Nicht jede nasse Wand hat aufsteigende Feuchte. Nach dem Umweltbundesamt ist bei feuchten Bauteilen zwischen Oberflächenfeuchte durch zu hohe Luftfeuchte oder zu kalte Oberflächen und Wasser im Bauteil zu unterscheiden, und die Ursache der Feuchtezufuhr müssen Fachleute ermitteln, damit ursachengerecht saniert werden kann.[3]
In Altbauten ohne Abdichtung erdberührter Bauteile müssen nach dem Leitfaden nicht in jedem Fall zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen erfolgen, wenn kein Schimmelbefall vorliegt, maßgeblich ist die Analyse des Bausachverständigen vor Ort.[3] In Räumen der Nutzungsklasse III wie Kellern ohne Zugang zur Wohnung ist nach der Nutzung zu entscheiden, ob überhaupt Maßnahmen nötig sind, und bei selten betretenen Lagerräumen für feuchteunempfindliche Gegenstände sind sie in der Regel verzichtbar.[3]
Wird statt einer Horizontalsperre nur innen abgedichtet, etwa mit einem mehrlagigen System aus starrer und flexibler Dichtungsschlämme, kann die Feuchte in der Wand weiter aufsteigen, solange keine waagerechte Abdichtung sie aufhält.[3] Die Verfahren für nachträgliche Horizontalsperren beschreiben nach dem Leitfaden die WTA-Merkblätter 4-7 und 4-10, das nachträgliche Abdichten erdberührter Bauteile das Merkblatt 4-6.[3]
Nach der Sperre
Eine Horizontalsperre unterbricht den Nachschub, getrocknet ist die Wand damit noch nicht. Das Wasser, das bereits im Mauerwerk steckt, muss zur Oberfläche entweichen, und erst wenn Messungen das bestätigen, folgt der neue Putz.
Wir messen vor der Maßnahme Feuchte und Salze in mehreren Höhen und Tiefen, klären die Ursache und schlagen ein Verfahren erst vor, wenn feststeht, dass die Feuchte tatsächlich aufsteigt. Nach der Sperre messen wir an denselben Stellen erneut und dokumentieren den Verlauf. Erst wenn die Werte oberhalb der Sperrzone deutlich sinken, bauen wir den neuen Putz auf, bei salzbelasteten Wänden mit einem Sanierputzsystem.
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Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Mauerwerkstrockenlegung: Verfahren. Fachwissen Mauerwerk, Sanierung. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
- Malerblatt, Konradin Medien: Wie funktioniert eigentlich eine Horizontalsperre? Rainer Spirgatis und Thomas Rosenberger, Remmers Baustofftechnik, 03.06.2011. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. aktualisierte Auflage April 2024, Kap. 6.3.4, S. 135 bis 137. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
- Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA): Merkblatt 4-10: Injektionsverfahren mit zertifizierten Injektionsstoffen gegen kapillaren Feuchtetransport, Kurzfassung. Ausgabe 03.2024/D. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- ISOTEC GmbH, Fachbetrieb Kortholt und Stutz: Nachträgliche Horizontalsperren nach WTA, Vortrag Architectus-Veranstaltung. 2017, Folien 5, 7, 12 und 18. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
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