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Aufsteigende Feuchtigkeit: Kellerwand im Schnitt saugt Wasser aus dem Erdreich, Feuchte steigt bis über den Sockel, Salze blühen innen aus, Messraster, Injektion der Horizontalsperre und Trocknungsgerät im Keller

Aufsteigende Feuchtigkeit

Auch: aufsteigende Feuchte, kapillar aufsteigende Feuchte

Aufsteigende Feuchtigkeit ist Wasser, das ein Mauerwerk aus dem Erdreich kapillar ansaugt und in der Wand verteilt, wenn Fundamente, Kellerwände oder das aufgehende Mauerwerk nicht ausreichend gegen den Boden abgedichtet sind.[1][2] Mit dem Wasser gelangen gelöste Salze in die Wand, die an der Oberfläche auskristallisieren und Putz und Stein schädigen können.[2] Vor jeder Sanierung steht eine Ursachenanalyse, denn auch Schlagregen, Kondensation oder eine hohe Salzbelastung können eine Wand durchfeuchten.[3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So steigt Feuchtigkeit aus dem Erdreich in die Wand

Aufsteigende Feuchtigkeit, Funktionsweise: Keller im Schnitt mit feuchtem Erdreich und Grundwasser, Kellerwand saugt Wasser kapillar an, Feuchte steigt bis über den Sockel, Salzausblühungen und abplatzender Putz innen, Messraster, Leitung als andere Quelle, Injektionspacker für die Horizontalsperre und Trocknungsgerät

Schematische Darstellung eines Kellers im Schnitt: links feuchtes Erdreich mit Grundwasser, daneben die Kellerwand ohne wirksame Sperre, rechts der Kellerraum mit Messraster, Leitung, Injektionspacker und Trocknungsgerät. Die Nummern begleiten das Wasser vom Erdreich durch die Wand bis zu Salzen und Putz und zeigen, wie geprüft, gesperrt und getrocknet wird.

  1. Feuchte steigt bis über den Sockel: Ohne wirksame Horizontalsperre zieht die Wand Wasser aus dem Boden nach oben, über das Gelände hinaus bis in den Sockel und die Wand des Erdgeschosses. Wie hoch es kommt, hängt von Porengefüge, Nachschub und Verdunstung ab.
  2. Erdreich feucht: Bodenfeuchte, Sickerwasser und Grundwasser stehen am Fundament und an der Kellerwand an. Ist die Wand nicht gegen den Boden abgedichtet, saugt sie dieses Wasser von unten und von der Seite an, und es kommt immer neues nach.
  3. Wasser steigt kapillar in der Wand: In den feinen Poren des Mauerwerks wandert das Wasser aufwärts, entgegen der Schwerkraft, und nimmt gelöste Salze aus Boden und Stein mit. An der Oberfläche verdunstet das Wasser, die Salze bleiben zurück, kristallisieren aus und sprengen Putz und Stein.
  4. Andere Quellen prüfen: Leitung, Schlagregen: Ein nasser Sockel beweist noch keine aufsteigende Feuchte. Eine undichte Leitung, Schlagregen auf die Außenwand, Kondensat an kalten Flächen oder Salze, die Luftfeuchte anziehen, zeichnen ähnliche Bilder, darum wird die Quelle vor jeder Sanierung geklärt.
  5. Messraster über Höhe und Tiefe: Wir messen die Feuchte in einem Raster, das die ganze Wandhöhe und den Querschnitt abdeckt. Steigt das Wasser von unten auf, sind die Werte am Wandfuß am höchsten und werden nach oben kleiner, eine Leitung oder Regen von außen ergeben ein anderes Muster.
  6. Injektion: neue Horizontalsperre: In einer Reihe gebohrter Löcher wird mit oder ohne Druck ein Injektionsstoff eingebracht, der die Poren verschließt und das Wasser stoppt. Alternativ sägt das Horizontalschnittverfahren die Wand auf und legt ein Dichtungselement aus Blech oder Folie ein.
  7. Danach technisch trocknen: Die Sperre stoppt den Nachschub, das Wasser in der Wand bleibt aber. Darum trocknen wir das Mauerwerk anschließend technisch, ersetzen den salzhaltigen Putz durch ein passendes System und messen, bis die Werte unauffällig sind.

Wie Feuchtigkeit aus dem Boden in die Wand gelangt

Mineralische Baustoffe nehmen Wasser über ihre Kapillarporen auf, und eine Wand, die ohne wirksame Sperre auf feuchtem Grund steht, saugt Bodenfeuchte an, von unten ebenso wie von der Seite.[2][1] Neben diesem kapillaren Saugen kann auch drückendes oder nicht drückendes Wasser aus Grundwasser, Schichtenwasser oder Sickerwasser auf das Mauerwerk einwirken.[2]

Das Umweltbundesamt zählt aufsteigende Feuchte durch eine unzureichende Abdichtung gegenüber dem Erdreich zu den baulichen Ursachen von Schimmelbefall, in einer Reihe mit Wärmebrücken, Leckagen und Neubaufeuchte.[1] Betroffen sind nach dem Leitfaden Mauerwerk, Fundamente und Kellerwände, die nicht ausreichend gegen das Erdreich geschützt sind.[1]

Steht nach Starkregen oder Hochwasser Wasser im Keller, wird vor jeder Begutachtung der Wände der Strom über die Sicherungen dieser Räume abgeschaltet, ein Lichtschalter allein trennt die Leitungen nicht. Liegt der Sicherungskasten im Nassen, bleibt der Raum geschlossen, bis Feuerwehr oder Netzbetreiber vor Ort sind, und solange der Wasserstand im Keller noch steigt, geht dort niemand hinein.

Andere Feuchtequellen ausschließen

Eine nasse Sockelzone beweist für sich allein noch keine aufsteigende Feuchtigkeit. Nach dem Umweltbundesamt gelangt Wasser auch durch Schlagregen über ungeschützte Außenwände, durch undichte Anschlussfugen etwa an Fensterlaibungen und durch Undichtheiten im Dach in die Konstruktion.[1] Große Mengen können außerdem aus Leitungswasserschäden, undichten Heizungsrohren, geplatzten Schläuchen oder mangelhaften Abdichtungen an Duschen und Wannen stammen.[1]

Eine weitere Quelle steckt oft schon in der Wand: Salze nehmen Wasserdampf aus der Umgebungsluft auf, sobald die relative Luftfeuchte in Mauerwerksnähe eine bestimmte Schwelle überschreitet, und es bildet sich eine Salzlösung, die große Flächen feucht erscheinen lassen kann.[2] Auch an kalten Oberflächen, an denen die Taupunkttemperatur unterschritten wird, setzt eine Durchfeuchtung ein, und Regen, der auf die Außenseite trifft, löst Gips und Salze im Mauerwerk.[2]

BauNetz Wissen rät deshalb, vor der Wahl eines Verfahrens zur Trockenlegung Art und Quelle der Feuchtigkeit gründlich zu klären und dabei aufsteigende Feuchte, Schlagregen, Kondensation und eine hohe Salzbelastung auseinanderzuhalten.[3] Bei der Auswahl zählen neben Kosten und Aufwand auch die baulichen Randbedingungen, die Verträglichkeit der Materialien und die Dauerhaftigkeit der Maßnahme.[3]

Aufsteigende Feuchtigkeit messen und beurteilen

Wie Wassergehalt und Feuchte mineralischer Baustoffe gemessen werden, beschreibt das WTA-Merkblatt 4-11 in der Ausgabe von 2016.[4] Es unterscheidet unter anderem die hygroskopische Feuchte, die ein Baustoff durch Sorption aufnimmt, die überhygroskopische Feuchte, den Durchfeuchtungsgrad und die Sättigungsfeuchte.[4]

Als direkte Verfahren zur quantitativen Bestimmung des Wassergehalts nennt das Merkblatt das Darr-Verfahren und das CM-Verfahren, dazu kommt das hygrometrische Verfahren, mit dem sich die Ausgleichsfeuchte eines Baustoffs ohne eigene Messung des Wassergehalts bestimmen lässt.[4] Zahlreiche indirekte Messverfahren hat die WTA in einem eigenen Sachstandsbericht zur Vorgängerausgabe behandelt.[4] Ergänzend verweist es auf die Merkblätter 4-5 zur Mauerwerksdiagnostik, 4-6 zum nachträglichen Abdichten erdberührter Bauteile und 4-10 zu Injektionsverfahren gegen kapillaren Feuchtetransport.[4]

Um Schäden bei der Sanierung zu vermeiden, gehört nach der Deutschen Burgenvereinigung eine sorgfältige Bestands- und Zustandserfassung dazu, mit einer Bilanz von Feuchte und Salzen, die den ganzen Querschnitt der Wand und ihre Höhe erfasst.[2] Kapillarfeuchte und hygroskopische Feuchte bergen dabei nach dem Ratgeber ein eigenes Risiko für die Wahl der Baustoffe.[2]

Folgen für Putz, Dämmwirkung und Raumklima

An der Wandoberfläche verdunstet das Wasser, die gelösten Salze reichern sich dort an und kristallisieren aus, sobald ihre Löslichkeit unterschritten wird.[2] Sichtbar wird das als weißer Belag, als bärtige Kristalle über dem Sockel oder als Kruste auf größeren Flächen, und wo sie in den oberflächennahen Poren kristallisieren, schälen, mehlen oder schuppen Putz und Stein ab, im schlimmsten Fall bis zum Zerfall des Gefüges.[2] Besonders empfindlich reagieren nach dem Ratgeber Kalkmörtel, tonig-ferritisch gebundene Sandsteine, schwach gebrannte Ziegel und Tuffsteine, und welche Salze im Spiel sind, lässt sich exakt nur im Labor an Mauerwerksproben bestimmen.[2]

Feuchte verschlechtert außerdem die Dämmwirkung einer Wand, denn Wasser leitet Wärme mit 0,6 W/(mK) und erhöht so die Wärmeleitfähigkeit vor allem hygroskopischer Baustoffe.[5] Für zweischaliges Mauerwerk, das Regenwasser aufnimmt, nennt das Fraunhofer-Institut für Bauphysik einen um etwa 10 Prozent höheren Wärmeverlust, je zur Hälfte durch die höhere Wärmeleitfähigkeit und durch Verdunstungskühlung.[5]

Für alle Feuchteschäden in der Baukonstruktion verlangt das Umweltbundesamt, den Eintrag von Feuchte sofort abzustellen und die nassen Bauteile ohne Verzug zu trocknen, damit weder sichtbarer noch verdeckter Schimmelbefall entsteht.[1] Bei Hochwasser kommt nach dem Leitfaden hinzu, dass verunreinigtes Wasser neben Schimmelwachstum auch eine mikrobielle und chemische Kontamination in die Gebäude bringt, und Häufigkeit und Ausmaß solcher Schäden nehmen als Folge des Klimawandels und fehlender Rückhalteflächen seit Jahren zu.[1]

Aufsteigende Feuchtigkeit dauerhaft unterbinden

Gegen kapillar aufsteigendes Wasser wird eine Horizontalsperre eingebaut. Beim Horizontalschnittverfahren schneidet eine Schwert- oder Seilsäge die Wand durchgehend auf, und in den Schnitt kommt ein Dichtungselement aus Blech oder Folie, beim Injektionsverfahren werden Löcher in definierter Anordnung gebohrt und mit oder ohne Druck mit Injektionsstoffen gefüllt.[3]

Die Sperrwirkung des Schnittverfahrens beträgt nach BauNetz Wissen nahezu hundert Prozent, an Bereichen wie Gewölbeauflagern können jedoch statische Probleme auftreten.[3] Wie lange eine Injektion wirkt, entscheiden nach BauNetz Wissen vor allem der verwendete Stoff sowie die Feuchte- und Salzverhältnisse im Mauerwerk.[3] Elektrodenlose Geräte auf Basis von Schwingkreisen oder elektromagnetischen Feldern gelten als fachlich umstritten.[3]

Für die einzelnen Verfahren hat die WTA eigene Merkblätter herausgegeben, die das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege in seinen Arbeitshilfen aufführt, etwa zur Mauerwerksinjektion gegen kapillare Feuchtigkeit aus dem Jahr 2003, zur nachträglichen mechanischen Horizontalsperre von 2015 und zum nachträglichen Abdichten von Gebäudesockeln von 2019.[6] Für die Trocknung nach dem Einbau einer Sperre führt dieselbe Liste das WTA-Merkblatt 6-16 zur technischen Trocknung durchfeuchteter Bauteile aus dem Jahr 2019.[6]

Wie wir bei nassen Wandsockeln vorgehen

Bei einem nassen Wandsockel messen wir in einem Raster über Höhe und Tiefe der Wand und gleichen die Werte mit dem Raumklima, den Oberflächentemperaturen und dem Zustand von Dachentwässerung, Fugen und Leitungen ab. Kommt das Wasser von unten, liegen die höchsten Werte am Wandfuß, eine Leitung, eine Fuge oder Regen von außen zeichnen ein anderes Bild.

Bestätigt sich aufsteigende Feuchtigkeit, planen wir die Sperre nach den Merkblättern der WTA, trocknen das Mauerwerk danach technisch und ersetzen salzbelasteten Putz durch ein geeignetes Putzsystem.[4] Nach einem Hochwasser trocknen wir zuerst die Folgen der Überflutung und prüfen erst danach, ob zusätzlich eine dauerhafte Ursache aus dem Erdreich besteht.

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Belege

Quellen

  1. Umweltbundesamt (UBA): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Stand 2024, Kapitel 3 Einleitung (S. 47) und Kapitel 3.1.8 Feuchte in der Baukonstruktion durch Leckagen und aufsteigende Feuchte (S. 60). Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
  2. Deutsche Burgenvereinigung, Beirat für Denkmalerhaltung: Salze, Gips und Feuchte im Mauerwerk: 11 Fragen und 11 Antworten. Praxis-Ratgeber zur Denkmalpflege Nr. 13, Fragen 2, 4, 5 und 6 (S. 3 bis 6). Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
  3. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Trockenlegung von Mauerwerk: Gängige Verfahren und deren Vor- und Nachteile. Fachwissen Mauerwerk, Sanierung: Einleitung, Horizontalschnittverfahren, Injektionsverfahren und elektrophysikalische Verfahren. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  4. Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA): Merkblatt 4-11: Messung des Wassergehalts bzw. der Feuchte von mineralischen Baustoffen (Kurzfassung). Merkblatt 4-11, Ausgabe 03.2016, Erläuterungen, Inhaltsverzeichnis und Kurzfassung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
  5. Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP): Einfluss der Feuchte auf die Wärmedämmwirkung, Vortrag Hartwig M. Künzel. Vortrag Hartwig M. Künzel, Folien 3 und 15. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
  6. Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (NLD): Fachinformationen und Arbeitshilfen zur Praktischen Baudenkmalpflege. Literaturliste zu Feuchte und Salzen, S. 40. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2

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