Raumlufttemperatur
Die Raumlufttemperatur ist die Temperatur der Luft, die den Menschen umgibt, gemessen ohne Einwirkung von Wärmestrahlung.[1] Sie bestimmt die konvektive Wärmeabgabe des Körpers und muss strahlungsgeschützt gemessen werden.[2] Von ihr zu unterscheiden ist die empfundene Raumtemperatur, in die auch die Temperatur von Wänden, Fenstern, Decke und Fußboden eingeht.[1]
So wird die Raumlufttemperatur gemessen und bewertet
Schematische Darstellung eines Wohnzimmers mit Stativ in der Raummitte, strahlungsgeschütztem Thermometer im Lamellenschild und schwarzer Globe-Kugel, durchgestrichenem Wandthermometer in der Sonne, Vorhang über dem Heizkörper, Raumthermostat an der Wand und offener Tür in einen kalten Nebenraum mit Tauwasser. Die Nummern folgen vom richtigen Messen über die empfundene Temperatur zu den Werten für Räume und den Fehlern.
- Luft in Raummitte im Schatten messen: Die Raumlufttemperatur ist die Temperatur der Luft, gemessen ohne Einwirkung von Wärmestrahlung. Das Thermometer sitzt darum im Lamellenschild auf dem Stativ in der Raummitte, mit Abstand zu Heizkörpern und Außenwänden.
- Nicht in der Sonne, nicht an der Wand: Ein Thermometer an der Innenwand oder in der Sonne zeigt die Strahlung, die es trifft, und verfehlt die Raumlufttemperatur. Das Wandthermometer neben dem Fenster ist darum durchgestrichen.
- Empfunden: Luft plus Wandflächen: Die operative Raumtemperatur gilt als Empfindungstemperatur und setzt sich aus der Raumlufttemperatur und der mittleren Temperatur der umschließenden Flächen zusammen. Gemessen wird sie mit der schwarzen Kugel des Globe-Thermometers, oft als einfacher Mittelwert beider Werte.
- Wohnen 19 bis 21, Schlafen 18 °C: Für ein gemütliches Raumklima reichen nach der Energieberatung der Verbraucherzentrale im Wohnzimmer und in der Küche 19 bis 21 °C, im Bad 21 bis 23 °C, und im Schlafzimmer sorgen 18 °C für angenehmen Schlaf. Das Raumthermostat an der Wand hält den gewählten Wert.
- Unter 14 bis 16 °C: Tauwasser: Nachts und bei Abwesenheit kann die Temperatur gesenkt werden, in wenig genutzten Räumen aber nicht unter 14 bis 16 °C, weil sonst Feuchtigkeit kondensiert. Im kalten Nebenraum hinter der Tür läuft Tauwasser an der Laibung herab, seine Tür zu wärmeren Räumen bleibt besser geschlossen.
- Heizkörper frei lassen: Heizkörper dürfen nicht durch Verkleidungen, Möbel oder Vorhänge abgedeckt werden, damit das Thermostatventil richtig arbeiten kann. Im ungünstigsten Fall wird die gewünschte Raumlufttemperatur sonst gar nicht mehr erreicht, der Vorhang über dem Heizkörper ist darum durchgestrichen.
Raumlufttemperatur und empfundene Temperatur
Die Raumlufttemperatur kann im Raum örtlich verschieden sein, betrachtet wird ihr Mittelwert.[2] Die operative Raumtemperatur gilt als Empfindungstemperatur und setzt sich aus der Raumlufttemperatur und der mittleren Temperatur der umschließenden Flächen zusammen, gemessen werden kann sie mit einem Globe-Thermometer.[2]
Berechnet wird die operative Temperatur mit einem Wichtungsfaktor, der vor allem von der Luftgeschwindigkeit abhängt und bei 0 bis 0,2 Metern je Sekunde zwischen 0,43 und 0,57 liegt, in der Literatur wird oft 0,5 empfohlen, also der einfache Mittelwert.[2] Die Norm-Innentemperatur der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 entspricht nach dem Fachbeitrag der operativen Raumtemperatur.[2] Den Einfluss von Raumluftfeuchte, Aktivität und Bekleidung enthält die operative Temperatur allerdings nicht, bei gleicher operativer Temperatur sind deshalb sehr unterschiedliche Anteile Unzufriedener möglich.[2]
Für die Praxis heißt das: Ein Thermometer an der Innenwand oder in der Sonne zeigt nicht die Raumlufttemperatur. Gemessen wird in der Raummitte, im Schatten und mit Abstand zu Heizkörpern und Außenwänden. Für die Feuchte an der Wand selbst zählt die Messung im Bauteil, und Malerarbeiten beginnen erst, wenn dieser Wert stimmt.
Raumlufttemperatur in Wohnräumen
Für ein gemütliches Raumklima reichen nach der Energieberatung der Verbraucherzentrale im Wohnzimmer und in der Küche 19 bis 21 °C, im Bad sollten es 21 bis 23 °C sein, und im Schlafzimmer sorgen 18 °C für angenehmen Schlaf.[3] Nachts und wenn niemand zu Hause ist, kann die Temperatur gesenkt werden, in wenig genutzten Räumen sollte sie aber nicht unter 14 bis 16 °C sinken, weil sonst Feuchtigkeit kondensiert.[3] Wer die Wohnung tagsüber verlässt, senkt die Temperatur deshalb besser nur maßvoll, damit Wände und Möbel nicht auskühlen.
Nach der Energieberatung der Verbraucherzentrale.[3]
In Schlafräumen sollte die Raumlufttemperatur nach dem Umweltbundesamt nicht unter 16 °C fallen, es sei denn, die Fenster stehen die ganze Nacht offen, denn jeder Schlafende gibt nach der Behörde über Nacht Feuchte in der Größenordnung eines Viertelliters ab.[4] Senkt man die Raumtemperatur um 1 °C, sinken die Heizkosten nach der Energieberatung um rund 6 Prozent, und wer von 24 auf 20 °C senkt, spart zwischen 20 und 25 Prozent.[3] Beim Lüften sollten Heizkörper nach derselben Quelle komplett abgedreht und grundsätzlich nicht durch Verkleidungen, Möbel oder Vorhänge abgedeckt werden, damit das Thermostatventil richtig arbeiten kann.[3] Verbaute oder zugehängte Heizkörper können nach dem Umweltbundesamt im ungünstigsten Fall dazu führen, dass die gewünschte Raumlufttemperatur gar nicht mehr erreicht wird.[4]
Raumlufttemperatur und Schimmel
Schimmel wächst nach dem Bundesverband Schimmelpilzsanierung bei jeder Temperatur, entscheidend ist die Feuchtigkeit, und bleibt die relative Feuchte auch an kritischen Stellen wie kühlen Außenecken unterhalb von 80 Prozent, wächst nach dem Verband in den meisten Fällen kein Schimmel.[5] Bei Außentemperaturen unter 10 °C sollte die relative Raumluftfeuchte nach dem Verband die ganze Zeit deutlich unter 50 Prozent liegen.[5]
Eine niedrige Raumlufttemperatur ist deshalb nicht von sich aus ein Problem, sie wird es zusammen mit Feuchte. Wird die Heizung zum Energiesparen gedrosselt, ist besonders auf ausreichendes Lüften zu achten.[5] Die Frage, wie weit die Temperatur sinken darf, hängt darum vor allem davon ab, wie feucht die Räume sind und wie gut gelüftet wird.
Nachts oder während längerer Abwesenheit darf die Heizung nach dem Umweltbundesamt gedrosselt werden, ist die Raumluft aber feucht, erst nach ausreichendem Lüften.[4] Wenig oder nicht genutzte Räume sollten auch über längere Zeit geringfügig beheizt und ihre Türen zu wärmeren Räumen geschlossen gehalten werden.[4]
Raumlufttemperatur in Arbeitsräumen
In Arbeitsräumen muss die Lufttemperatur nach der ASR A3.5 abhängig von Arbeitsschwere und Körperhaltung mindestens bestimmte Werte erreichen, bei leichter Arbeit im Sitzen 20 °C, bei leichter Arbeit im Stehen oder Gehen 19 °C und bei schwerer Arbeit im Stehen oder Gehen 12 °C.[1] Die Lufttemperatur soll 26 °C nicht überschreiten, und in Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Kantinen- und Erste-Hilfe-Räumen müssen während der Nutzung mindestens 21 °C herrschen, in Waschräumen mit Duschen sollen es mindestens 24 °C sein.[1] Für die meisten Arbeitsplätze reicht die Lufttemperatur aus, um zu beurteilen, ob eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur vorliegt, Arbeitsplätze mit hoher Luftfeuchte, Wärmestrahlung oder Luftgeschwindigkeit sind gesondert zu betrachten.[1]
Nach Tabelle 1 der ASR A3.5.[1]
Auf Baustellen reicht es nach der Regel in Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär- und Kantinenräumen, wenn 18 °C vorhanden sind und sichergestellt ist, dass während der Nutzung 21 °C erreicht werden können.[1] Durch Lüften, das die Nutzer selbst auslösen, darf in diesen Räumen kurzzeitig von den Werten abgewichen werden.[1] Werden die Mindestwerte trotz aller technischen Möglichkeiten nicht erreicht, ist der Schutz in dieser Rangfolge sicherzustellen: arbeitsplatzbezogene technische Maßnahmen wie Wärmestrahlungsheizung oder Heizmatten, organisatorische Maßnahmen wie Aufwärmzeiten und personenbezogene Maßnahmen wie geeignete Kleidung.[1]
Steigt die Lufttemperatur im Raum über 30 °C, müssen nach der Regel wirksame Maßnahmen ergriffen werden, und über 35 °C ist ein Raum ohne besondere Maßnahmen wie bei Hitzearbeit nicht als Arbeitsraum geeignet.[1] Technische Maßnahmen, die die Lufttemperatur senken und dabei die absolute Luftfeuchte erhöhen, dürfen die Belastung der Beschäftigten nach der Regel nicht erhöhen.[1]
Raumlufttemperatur richtig messen
Gemessen wird die Raumlufttemperatur strahlungsgeschützt, also so, dass Sonne, Heizkörper oder Lampen den Fühler nicht direkt erwärmen.[2] Für die empfundene Temperatur misst man zusätzlich die Oberflächentemperaturen oder verwendet ein Globe-Thermometer.[2]
Für die Bewertung von Feuchte und Schimmelrisiko braucht es neben der Lufttemperatur auch die relative Feuchte und die Temperatur der kältesten Oberflächen, etwa in Raumecken oder an Fensterlaibungen. Erst aus allen drei Werten ergibt sich, ob an einer Stelle Tauwasser entstehen kann, wie der Begriff Taupunkt erklärt. Erhöht Sonneneinstrahlung durch Fenster oder Glaswände die Raumtemperatur über 26 °C, sind diese Bauteile nach der ASR A3.5 mit geeigneten Sonnenschutzsystemen auszustatten.[1]
Wie wir mit der Raumlufttemperatur arbeiten
Bei Schimmelfragen messen wir Raumlufttemperatur, Luftfeuchte und Oberflächentemperaturen gleichzeitig und über mehrere Tage, damit Heiz- und Lüftungsgewohnheiten sichtbar werden. Ein Datenlogger zeigt, ob ein Raum nachts stark auskühlt oder ob die Feuchte nach dem Duschen stundenlang hoch bleibt. Im selben Raum kann die Luft einundzwanzig Grad haben und die Außenwandecke hinter einem Schrank nur vierzehn, und genau dort messen wir. Bei ungleich beheizten Wohnungen messen wir jeden Raum einzeln, denn der kälteste Raum bestimmt, wo zuerst Feuchte kondensiert, und der Durchschnitt der Wohnung sagt darüber wenig.
Wir geben den Bewohnern konkrete Werte für die einzelnen Räume mit und erklären, warum ein kaum beheiztes Schlafzimmer mit offener Tür zum warmen Flur besonders gefährdet ist. Was sich dabei ändert, prüfen wir bei einer zweiten Messung, und die Ergebnisse beider Messungen halten wir für Bewohner und Vermieter schriftlich fest.
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Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Ausschuss für Arbeitsstätten, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.5 Raumtemperatur (inoffizielle Lesefassung). Punkte 3.1 bis 3.3, 4.1 Allgemeines, 4.2 Lufttemperaturen in Räumen mit Tabelle 1, 4.3 Übermäßige Sonneneinstrahlung, 4.4 Maßnahmen bei hohen Lufttemperaturen und Punkt 5 Baustellen. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
- TAB Technik am Bau, Bauverlag BV GmbH: Norbert Nadler: Thermische Behaglichkeit, TAB 9/2010. Abschnitte d) Raumlufttemperatur und e) Operative Raumtemperatur mit Berechnungsansatz. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Verbraucherzentrale Bundesverband, Energieberatung der Verbraucherzentrale: Gesundes Raumklima. Abschnitt Heizen Sie bewusst. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- Umweltbundesamt (UBA): Richtig heizen: Schimmelbildung vermeiden. Abschnitte Schlafräume, Ungenutzte Räume, Heizung kann nachts oder bei längerer Abwesenheit gedrosselt werden und Wärmeabgabe der Heizkörper nicht behindern. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Bundesverband Schimmelpilzsanierung e.V. (BSS): Energiekrise: Heizen und Lüften bei niedriger Raumtemperatur. Abschnitte 2 Erhöhte relative Feuchtigkeit und 3 Schimmelwachstum vermeiden. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3
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