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Laibung im waagerechten Schnitt: Wandpfeiler mit Temperaturfeld und Isothermen, links altes Fenster außenbündig mit kalter Laibung und Kondensat, rechts neues Fenster in der Wandmitte mit Dämmplatte auf der Laibung

Laibung

Auch: Leibung, Fensterlaibung

Die Laibung ist die Schnittfläche zwischen einem Fenster oder einer Tür und der umgebenden Wand, also die seitliche Fläche der Wandöffnung, deren Tiefe innen und außen von der Art des Einbaus, vom Rahmen und vom Anschlag abhängt.[1] Weil dort Wand, Rahmen und Anschlussfuge zusammentreffen, gehört sie zu den Wärmebrücken, und ihre Oberflächentemperatur hängt stark von der Einbaulage des Fensters ab.[2][3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So wird die Laibung warm oder kalt

Laibung, Funktionsweise: waagerechter Schnitt durch eine Außenwand mit Fenster, links altes Fenster außenbündig mit kalter innerer Laibung, Kondensat und Schimmel, rechts neues Fenster im mittleren Drittel mit Dämmplatte auf der inneren Laibung und warmer Ecke, Isothermen im Temperaturfeld der Wand, außen kalt, innen warm

Schematische Darstellung einer ungedämmten Außenwand mit Fenster im waagerechten Schnitt, von oben gesehen: oben draußen kalt, unten der warme Raum, links ein altes Fenster außenbündig, rechts das neue Fenster im mittleren Drittel der Wand mit Dämmplatte auf der Laibung, dazwischen eine Bruchlinie. Die Nummern folgen der Laibung, der Lage der Fenster, den Isothermen in der Wand und der Fuge.

  1. Laibung: Seitenfläche der Öffnung: Die Laibung ist die Schnittfläche zwischen Fenster und Wand, also die Seite der Öffnung, innen und außen. Wie tief sie ist, bestimmen Wanddicke, Rahmen und Anschlag.
  2. Altes Fenster außenbündig: Beim alten Fenster sitzt der Rahmen bündig mit der Außenkante der Wand. In der Baupraxis ist diese Lage noch häufig, obwohl sie die Fortschritte bei Verglasung und Rahmen zum großen Teil aufhebt.
  3. Isothermen ziehen nach innen: Die Linien gleicher Temperatur verlaufen in der ungedämmten Wand von außen nach innen. Sitzt das Fenster außen, biegen sie am Rahmen nach innen ab, und die Kälte reicht bis an die Oberfläche der inneren Laibung.
  4. Kalte Laibung: Kondensat, Schimmel: An der kalten Oberfläche schlägt sich die Feuchte der Raumluft nieder, zuerst in der Ecke zwischen Laibung und Rahmen. Bleibt die Fläche nass, wächst dort Schimmel, und der Putz ist nur an der Oberfläche feucht, nicht bis ins Mauerwerk.
  5. Neues Fenster mittig gesetzt: In einer massiven Wand gehört das Fenster in das mittlere Drittel der Wandtiefe. Der Anschluss liegt dann an einer wärmeren Stelle, und die Laibung bleibt auch ohne Außendämmung deutlich wärmer.
  6. Dämmplatte innen: Laibung bleibt warm: Eine Dämmleiste oder eine dünne Dämmplatte auf der inneren Laibung hebt die Oberflächentemperatur an, ohne dass die ganze Außenwand gedämmt werden muss. Sie verlangt etwas breitere Rahmenprofile und dichte Anschlussfugen.
  7. Innen luftdicht, außen regendicht: In jeder Einbaulage muss die Fuge innen luftdicht und außen schlagregendicht sein. Feuchte Raumluft darf nicht in die Fuge, Regen nicht in die Wand, sonst nützt die beste Lage nichts.

Formen und Aufgaben der Laibung

Neben der rechtwinkligen Laibung gibt es nach BauNetz Wissen gebogene, schräg geschnittene, geknickte, gefaltete, flächenbündig fluchtende oder plastisch überhöhte Formen, und Sturz, Brüstung, Sohlbank und Fensterbank können abgesetzt oder Teil der Laibung sein.[1] Laibungen können Aufgaben des Sonnenschutzes übernehmen oder Rollos und Lamellen aufnehmen, als Sitzlaibung wie ein Möbel genutzt werden oder Nischen für Sensoren, Klingeltableaus und Leuchten bieten.[1] Bei Türen heißt dieselbe Fläche Türlaibung, und unterschieden wird beim Anschlag zwischen Außen- und Innenanschlag.[1]

Zeigt sich nach starkem Regen Nässe an der Innenlaibung, kann sie Leitungen zu Rollladenmotoren, Fensterkontakten von Alarmanlagen oder Steckdosen unter der Fensterbank erreichen. Wer die Fensterbank abnehmen oder die nasse Laibung freilegen will, stellt vorher im Verteilerkasten die Sicherung dieses Raums aus, nur das Licht abzuschalten hilft nicht. Wurde der Verteilerkasten selbst nass, warten alle außerhalb des Raums auf Feuerwehr oder örtlichen Netzbetreiber, und wo zur gleichen Zeit im Keller Wasser hochsteigt, geht keiner die Treppe hinunter.

Einbaulage und Wärme in der Laibung

Wärmetechnisch sollte der Fensterrahmen nach einem Beitrag in der Fachzeitschrift GLASWELT möglichst vollständig in der Dämmebene der Wand sitzen und der Blendrahmen möglichst weit überdämmt werden, und die Tauwasserfreiheit sowie die inneren Oberflächentemperaturen im Bereich des Anschlusses sind nach DIN 4108-2 nachzuweisen.[3] Durch einen geplanten und optimierten Einbau lassen sich danach auch bei der Modernisierung von Altbauten ausreichend hohe Oberflächentemperaturen innen erreichen, was Schimmelbildung vermeidet.[3] In der Baupraxis werden Fenster nach dem Beitrag häufig noch außenbündig oder sogar weiter innen in der gemauerten Wand montiert, obwohl eine ungünstige Einbausituation die Fortschritte bei Verglasung und Rahmen größtenteils zunichtemachen kann.[3]

Bei einem Wärmedämmverbundsystem liegt die optimale Einbaulage nach dem Beitrag unabhängig von der Dämmdicke etwa im raumseitigen ersten Drittel der Dämmung, und es genügt, die Rückseite des Blendrahmens bündig mit der Außenkante des Mauerwerks zu setzen.[3] Dass das Optimum nicht genau in der Mitte der Dämmung liegt, erklärt der Beitrag mit dem Verlauf der Isothermen, die zum großen Teil durch die Überdämmung laufen und erst danach in die Dämmung am Blendrahmen einschwenken, und ein noch tieferes Versetzen bringt nur geringe Verbesserungen, die den höheren Aufwand nicht rechtfertigen.[3] In monolithischen Wänden sollte das Fenster im mittleren Drittel der Wand sitzen, und hat das Mauerwerk bereits eine geringe Wärmeleitfähigkeit, sind die Verluste auch bei außenbündigem Einbau in der Mauerwerksebene akzeptabel, wobei sich der Blendrahmen dann leichter überdämmen lässt.[3]

Sitzt der Rahmen in der Dämmebene, braucht seine Befestigung nach dem Beitrag zusätzliche Elemente und Arbeitsgänge gegenüber dem einfachen Verdübeln im Mauerwerk, und ein überdämmter Blendrahmen lässt das Fenster von außen schlanker wirken.[3] Rahmen mit hohem Wärmeschutz haben danach häufig größere Profiltiefen, ihre Ansichtsbreite kann aber ebenso schmal ausfallen wie bei herkömmlichen Fenstern.[3] Bevor die Laibung nach dem Einbau innen verputzt wird, zeigt die Wasserschadensanierung am Anschluss, ob die Wand dort trocken genug ist.

Wärmebrücken an der Laibung nach DIN 4108 Beiblatt 2

DIN 4108 Beiblatt 2 enthält Planungs- und Ausführungsbeispiele für typische Wärmebrücken, darunter Fenster-, Tür- und Fassadenanschlüsse, dazu Referenzwerte für den Wärmebrückennachweis und Verfahren zum Gleichwertigkeitsnachweis von Anschlussdetails.[4] Die Ausgabe vom Juni 2019 führte zwei energetische Kategorien A und B für den pauschalen Wärmebrückenzuschlag ein und wurde im Februar 2025 durch eine Berichtigung ergänzt.[4]

Nach § 24 des Gebäudemodernisierungsgesetzes sind Wärmebrückenzuschläge mit Überprüfung und Einhaltung der Gleichwertigkeit nach DIN 4108 Beiblatt 2 in der Ausgabe 2019-06 zu ermitteln, und bei nachgewiesener Gleichwertigkeit kann der pauschale Zuschlag nach Kategorie A oder B verwendet werden.[5]

Fenstertausch: alte Lage oder weiter außen

Wird ein Fenster an derselben Stelle ersetzt, an der das alte saß, ändert sich in der Laibung nach einem Faktencheck der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz wenig, und der besser gedämmte Rahmen kann die Temperatur am Anschluss sogar leicht anheben.[2] Gab es dort vorher keinen Schimmel und hält häufigeres Lüften die durchschnittliche Raumluftfeuchte auf dem früheren Stand, entsteht nach dem Faktencheck auch danach keiner.[2]

Anders liegt der Fall, wenn das neue Fenster weiter außen sitzt, etwa aus optischen Gründen: In einer ungedämmten Wand nimmt die Temperatur von innen nach außen ab, der Anschluss rückt an eine kältere Stelle, und die Wärmebrücke an der Laibung wird stärker.[2] Taucht nach dem Einbau eines neuen Fensters im ersten Winter an der Innenseite ein feuchter Fleck an der Wand auf, ist oft diese kältere Stelle die Ursache. Eine Dämmleiste oder eine dünne Dämmplatte auf der inneren Laibung kann dem nach dem Faktencheck entgegenwirken, ohne dass die ganze Außenwand gedämmt werden muss.[2] Nach einer Schimmelsanierung an dieser Stelle kann eine solche Dämmleiste verhindern, dass sich an der kalten Kante erneut Schimmel bildet.

Weitergehende Maßnahmen zum Feuchteschutz sind nach einem Merkblatt des Verbands Fenster und Fassade, auf das sich der Faktencheck beruft, nur bei Gebäuden mit Baujahr vor 1978 und ganz an der Außenkante bündig sitzenden Fenstern zu untersuchen.[2] In jeder Lage muss das Fenster nach der Verbraucherzentrale innen luftdicht und außen schlagregendicht in die Laibung eingebaut werden.[2]

Wenn die Außenwand ungedämmt bleibt

Bleiben die Außenwände beim Fenstertausch ungedämmt, können Wandbereiche wie Stahlbetonstürze, Heizkörpernischen oder Wand-Innenecken nach der Energieagentur Rheinland-Pfalz einen schlechteren U-Wert haben als die neuen Fenster, und als beste Lösung nennt sie, die Außenwand gleichzeitig oder zeitnah zu dämmen.[6] Als Ergänzung empfiehlt das Infopapier zentrale oder dezentrale Lüftungsanlagen, die die Raumfeuchte regulieren.[6]

Lässt sich beides nicht umsetzen, kann als Notlösung eine gezielte Wärmebrückendämmung von Laibung, Sturz und Brüstung helfen, bevorzugt innen und außen in kompletter Wandstärke, und sie verlangt eine sehr genaue Detailplanung, eine gewissenhafte Ausführung mit dichten Anschlussfugen und etwas breitere Rahmenprofile, damit Platz für die Laibungsdämmplatten bleibt.[6] Als weitere Notlösung beschreibt das Infopapier Hygro-Thermometer mit Schimmelalarm, nach deren Anzeige die Nutzer lüften oder die Raumtemperatur erhöhen.[6]

Kondensat oder Leck an der Laibung

Feuchte an einer Innenlaibung kann aus der Raumluft kommen, wenn die Fläche zu kalt ist, oder von außen, wenn Regen über einen undichten Anschluss eindringt. Wir messen die Oberflächentemperatur der Laibung, die Raumluftfeuchte und die Feuchte im Putz in der Tiefe, denn ist der Putz nur an der Oberfläche feucht, spricht das für Kondensat, ist er bis ins Mauerwerk nass, für Wasser von außen.

Kommt das Wasser von außen, orten wir die Stelle am Anschluss und trocknen Putz und Mauerwerk nach der Reparatur. Bei Kondensat zeigen wir dem Eigentümer, welche Stellen zu kalt sind, und entfernen vorhandenen Schimmel fachgerecht, bevor die Laibung neu verputzt oder gestrichen wird. Vor dem Anstrich messen wir Putz und Mauerwerk an der Laibung noch einmal, damit unter der neuen Farbe keine Restfeuchte eingeschlossen bleibt.

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Belege

Quellen

  1. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Fensterlaibung. Fachwissen Fenster und Türen, Konstruktion und Funktion, Fensterlaibung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
  2. Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e. V.: Faktencheck Energie und Bauen 6: Schimmel durch dreifach verglaste Fenster im Altbau? Stand Februar 2025, Seiten 4, 6 und 7. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  3. GLASWELT, Fachzeitschrift (Eugen Ulmer KG): Nur richtiger Einbau bringt volle Fensterqualität (I): Fenster optimal einbauen (Uwe Friedrich, BINE Informationsdienst). GLASWELT 3/2004, Seiten 41 bis 44. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
  4. DIN Media GmbH: DIN 4108 Beiblatt 2:2019-06, Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden, Wärmebrücken, Planungs- und Ausführungsbeispiele. Ausgabe 2019-06, Produktbeschreibung, Berichtigung 1 von 2025-02 und Änderungsvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
  5. Bundesministerium der Justiz: Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Modernisierung der Wärmeversorgung in Gebäuden (Gebäudemodernisierungsgesetz, GModG). § 24. Abgerufen am 12.10.2026. ↑
  6. Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH: Infopapier: Empfehlungen für den Austausch von Fenstern in Bestandsgebäuden mit ungedämmten Außenwänden. Stand 08.04.2024, Abschnitte Ausgangslage und Lösungsmöglichkeiten. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
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