Rohrbelüfter
Auch: Belüftungsventil, Rohrbelüftungsventil
Ein Rohrbelüfter ist ein Belüftungsventil mit Membran, das am oberen Ende einer Abwasserleitung sitzt, bei Unterdruck in der Leitung Luft einströmen lässt und bei Überdruck dicht schließt, damit keine Kanalluft in den Raum gelangt.[1] Er ersetzt in den Fällen, die DIN 1986-100 in Abschnitt 6.5.5 nennt, die Lüftung über das Dach, und seine Anforderungen und Prüfungen stehen in DIN EN 12380.[2][3]
Wie das Ventil arbeitet
Nach dem Hersteller Dallmer wird die Membran des Rohrbelüfters angesaugt, sobald in der Leitung Unterdruck entsteht, etwa beim Spülen der Toilette ein Stockwerk höher, und das Ventil öffnet und lässt Luft aus dem Raum nachströmen, bei Überdruck legt sich die Membran dicht auf ihren Sitz.[1] Ohne diese Luft würde der Unterdruck das Sperrwasser aus den Geruchsverschlüssen der angeschlossenen Waschbecken und Duschen ziehen.[1] Das Ventil sitzt am Ende der Leitung, nicht in ihrem Verlauf, und es ersetzt keinen Geruchsverschluss, denn es sperrt die Kanalluft nur, solange die Membran dicht anliegt.
Drückt bei Rückstau Abwasser aus einem ungesicherten Belüftungsventil im Keller, wird vor dem Betreten die Kellersicherung ausgeschaltet, am Lichtschalter bleibt die Spannung auf den Steckdosen. Erreicht das Wasser den Sicherungskasten, verlässt jeder den Raum, Feuerwehr oder Netzbetreiber übernehmen das Abschalten, und solange das Wasser weiter steigt, bleibt der Keller zu.
Wann DIN 1986-100 Belüftungsventile zulässt
Die Lüftung der Entwässerungsanlage führt nach BauNetz Wissen als Hauptlüftung über das Dach, Abdeckungen auf der Lüftungsleitung sind unzulässig, und die Mündung hält zu Fenstern 1,00 m nach oben oder 2,00 m seitlich Abstand.[4] Belüftungsventile lässt DIN 1986-100 nach einem Beitrag der IKZ-HAUSTECHNIK vom 15.05.2014 in Abschnitt 6.5.5 in vier Fällen zu, unter anderem als Ersatz für Umlüftungen und indirekte Nebenlüftungen sowie für weitere Fallleitungen in Ein- und Zweifamilienhäusern, wenn mindestens eine Fallleitung über das Dach entlüftet.[2][1]
BauNetz Wissen nennt als Bedingung, dass die Ventile ohne bauliche Maßnahmen austauschbar bleiben, und erweitert die Zulassung auf Nutzungseinheiten, die mit Ein- und Zweifamilienhäusern vergleichbar sind.[4] Für eine Anschlussleitung DN 70 ohne Fallleitung, etwa in einem Anbau, nennt der Beitrag der IKZ-HAUSTECHNIK das Ventil ebenfalls als zulässige Lösung.[2] Für den Hausbesitzer heißt das: In einem Einfamilienhaus darf die zweite Fallleitung mit einem Ventil enden, wenn die erste über das Dach geht, in einem Mehrfamilienhaus bleibt die Dachlüftung für jede Fallleitung die Regel.
Klassen nach DIN EN 12380
DIN EN 12380 vom März 2003 ist die deutsche Fassung der europäischen Norm EN 12380 von 2002 und legt auf 25 Seiten Anforderungen, Prüfverfahren und Konformitätsbewertung für Belüftungsventile fest.[3] Dallmer gibt in seiner Tabelle 1 die Klassen wieder: Ventile des Typs A dürfen oberhalb der höchsten Anschlussleitung eingebaut werden, Ventile des Typs B auch darunter, und die Temperaturklasse I gilt von minus 20 bis plus 60 Grad, die Klasse II von 0 bis 60 Grad und die Klasse III von 0 bis 20 Grad.[1]
Für ein Ventil im Keller eines Wohnhauses reicht nach dieser Einteilung die Klasse A II, für einen ungeheizten Dachraum braucht es die Klasse A I.[1] Hutterer und Lechner verweisen für Österreich auf die ÖNORM B 2501 und führen ihre Ventile ebenfalls in der Klasse A I.[5]
Einbau: senkrecht, belüftet, erreichbar
Dallmer verlangt den Einbau senkrecht, an einer Stelle mit Zugang zu frischer Luft und so, dass das Ventil für Wartung und Austausch erreichbar bleibt, mindestens 10 cm über der höchsten Anschlussleitung und bei Fallleitungen mindestens 60 cm über dem höchsten Abzweig.[1] Unterhalb der Rückstauebene darf ein Belüftungsventil danach nur sitzen, wenn die Ablaufleitung gegen Rückstau gesichert ist, und an Hebeanlagen sind Belüftungsventile nicht zulässig, weil dort Überdruck entsteht.[1]
Die Zahl der Bögen in der Leitung zum Ventil ist nach Dallmer nicht begrenzt, und Hutterer und Lechner nennen für die Wartung das Insektengitter, das frei von Staub und Spinnweben bleiben muss, damit das Ventil Luft bekommt.[1][5] Ein Ventil, das in einem geschlossenen Vorwandkasten ohne Lüftungsgitter sitzt, zieht keine Luft und arbeitet nicht. Ein Ventil im Dachboden, in der Garage oder in einem unbeheizten Anbau braucht die Temperaturklasse für Frost, sonst friert die Membran fest und das Ventil bleibt entweder offen oder zu.
Wie viel Luft der Rohrbelüfter liefern muss
Der Luftstrom, den ein Belüftungsventil liefern muss, folgt nach Dallmer aus DIN EN 12056-2 Abschnitt 5.7, mit Tabelle 10 für Anschlussleitungen und Tabelle 11 für Schmutzwasserfallleitungen, und für Belüftungsventile in Anschlussleitungen beträgt die minimale Luftmenge Qa beim System I das Einfache des Gesamtschmutzwasserabflusses Qtot, Fallleitungen werden nach Tabelle 11 bemessen.[1] Hutterer und Lechner rechnen in einem Beispiel den Schmutzwasserabfluss aus den Anschlusswerten der Gegenstände mit dem Abflusskennwert des Gebäudes und wählen danach ein Ventil, dessen Luftstrom mindestens so groß ist.[5]
Dallmer ordnet seine Ventile nach dem Luftstrom in Größen von der Anschlussleitung bis zur Fallleitung mehrerer Geschosse ein, und der Hersteller nennt die Typenklasse je Größe.[1] Ein zu kleines Ventil liefert bei der Spülung der Toilette zu wenig Luft, und die Siphons gurgeln trotz Ventil, ein zu großes Ventil schadet nicht.
Grenzen und typische Fehler
Ein Rohrbelüfter lässt nur Luft hinein, er kann den Überdruck nicht ablassen, der entsteht, wenn der Kanal zurückstaut oder eine Hebeanlage anspringt, und darum bleibt mindestens eine Lüftung über das Dach Pflicht.[1][4] Membranen altern, verkleben mit Fett und Staub oder bleiben nach Jahren offen stehen, und dann riecht es im Bad nach Kanal, ohne dass ein Siphon leer ist.
Wer ein Ventil nachrüstet, weil nach dem Dachausbau die Lüftungsleitung verschwunden ist, hält sich an die vier Fälle der Norm, denn ein Mehrfamilienhaus ohne jede Dachlüftung lässt die Norm nicht zu.[2]
Im Bestand taucht das Ventil an Stellen auf, an die niemand mehr denkt: hinter der Revisionsklappe einer Vorwand, im Hängeschrank über der Spüle oder im Dachboden neben dem gekappten Lüftungsrohr. Dort altert es ungesehen, und wenn es Luft zieht, bemerkt es niemand, bis es im Sommer im Bad nach Kanal riecht, weil die Membran nicht mehr schließt.
Rohrbelüfter beim Geruchsproblem prüfen
Riecht es in einem Bad nach Kanal, obwohl alle Siphons Wasser haben, suchen wir das Belüftungsventil in der Vorwand oder unter dem Waschtisch und prüfen, ob es Luft bekommt und ob die Membran schließt. Wir messen zugleich die Feuchte an Vorwand und Boden, denn ein Ventil, das bei Rückstau Abwasser durchgelassen hat, hinterlässt Nässe im Kasten.
Das Ventil tauscht der Installateur, die Nässe im Vorwandkasten trocknen wir und ersetzen durchfeuchtete Dämmung. Fehlt die Lüftung über Dach ganz, halten wir das im Bericht fest, denn dann hilft kein neues Ventil. Haben wir in einem Haus mehrere Ventile gefunden, tragen wir sie mit Lage und Klasse in den Bericht ein, damit der nächste Installateur sie findet.
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Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Dallmer GmbH + Co. KG: Rohrbelüfter: Auf einen Blick. Ausgabe 09/2024 (Druckvermerk 04/2026), Abschnitte zur Funktion, zu Einsatzfällen, Tabelle 1 zu den Klassen, Einbauhinweise und Bemessung. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
- STROBEL VERLAG GmbH & Co. KG (IKZ-HAUSTECHNIK): Normgerecht entwässern (Ishorst). Beitrag vom 15.05.2014, Abschnitt zu Belüftungsventilen nach DIN 1986-100 Abschnitt 6.5.5. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- DIN Media GmbH: DIN EN 12380:2003-03, Belüftungsventile für Entwässerungssysteme, Anforderungen, Prüfverfahren und Konformitätsbewertung. Ausgabe 2003-03, Einführungsbeitrag. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Lüftung der Entwässerungsanlage. Fachwissen Gebäudetechnik, Entwässerung, Beitrag Lüftung der Entwässerungsanlage. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3
- HL Hutterer & Lechner GmbH: Rohrbelüfter (Kapitel 10 des Produktkatalogs). Broschüre Rohrbelüfter, Abschnitte zu Einbau, Wartung und Berechnungsbeispiel. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3
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