Wasser und Strom: Wann wird ein Wasserschaden lebensgefährlich?
Die Antwort in Kürze
Lebensgefährlich wird es, wenn Wasser Steckdosen, Leitungen, Geräte oder den Sicherungskasten erreicht und jemand ins Wasser tritt oder ein nasses Gerät anfasst. Schalten Sie deshalb die Sicherungen ab, bevor Sie einen nassen Raum betreten. Steht der Sicherungskasten selbst im Wasser, bleibt der Raum zu, und Sie holen die Feuerwehr oder den örtlichen Netzbetreiber. Wer einen Stromschlag bekommen hat, braucht eine ärztliche Kontrolle mit EKG, auch ohne Beschwerden.[1]
Warum Wasser und Strom so gefährlich sind
Verunreinigtes Leitungs- oder Regenwasser leitet Strom. Liegt eine nasse Steckdose, ein Verlängerungskabel oder ein Gerät unter Spannung, kann das Wasser selbst zum Leiter werden, und wer darin steht oder ein nasses Gehäuse berührt, gerät in den Stromkreis. Dazu muss nichts sichtbar Funken sprühen.
Auch geringe Spannung reicht für schwere Folgen. Läuft Wasser aus der Wohnung darüber durch eine Deckenleuchte, kann die nasse Decke selbst unter Spannung stehen. Die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse weist darauf hin, dass ein Herzkreislaufstillstand durch Herzkammerflimmern bei Hochspannungs- und bei Niederspannungsunfällen auftreten kann, auch nach kurzem Kontakt.[1]
Die gefährlichen Situationen
- ein gefluteter Keller mit Steckdosen, Waschmaschine, Trockner oder Heizung
- Wasser, das aus einer Deckenleuchte, einem Deckenauslass oder einem Rauchmelder tropft
- Wasser im oder am Sicherungskasten, auch nur einzelne Tropfen
- nasse Steckdosenleisten und Kabel hinter Möbeln
- elektrische Geräte, die im Wasser standen und wieder eingeschaltet werden
Während eines Hochwassers rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz, sich nicht im Keller aufzuhalten, weil das lebensgefährlich ist, und weist auf die Stromschlaggefahr hin.[2] Elektrische Geräte und Heizungen in Räumen, die volllaufen können, sollen rechtzeitig abgeschaltet werden, gegebenenfalls der Strom komplett über die Sicherungen.[2]
So schalten Sie den Strom sicher ab
Schalten Sie im Sicherungskasten die Leitungsschutzschalter für die betroffenen Räume aus, und wenn Sie unsicher sind, den Hauptschalter oder alle Schalter. Ist der Sicherungskasten selbst nass oder steht Wasser davor, bleiben Sie draußen und verständigen die Feuerwehr oder Ihren örtlichen Netzbetreiber, geprüft wird die Anlage danach von einer Elektrofachkraft.
Überflutete Räume betritt niemand, solange die Anlage unter Spannung stehen kann. Bei einer Photovoltaikanlage genügt es nach ELEKTRO+ nicht, die Anlage im Haus abzuschalten: Erzeugt das Dach noch Strom und liegen Wechselrichter und Netzanschluss im überfluteten Bereich, bleiben die Räume gesperrt.[3] Ein Fehlerstrom-Schutzschalter, der nass geworden ist, hat nach ELEKTRO+ sein geprüftes Schutzverhalten verloren, verlassen Sie sich also nicht auf ihn.[3]
Wenn jemand einen Stromschlag bekommen hat
An erster Stelle steht für Helfende immer der Eigenschutz.[1] Berühren Sie eine Person nicht, solange sie noch Kontakt zum Strom haben kann, schalten Sie zuerst die Sicherung oder den Hauptschalter aus. Danach leisten Sie Erste Hilfe und rufen den Rettungsdienst, wenn die Person bewusstlos ist, nicht normal atmet oder Verbrennungen hat. Bleiben Sie bei ihr, bis Hilfe da ist, und merken Sie sich, wie lange der Kontakt ungefähr gedauert hat und wo der Strom eingetreten ist.
Auch wer sich danach gut fühlt, muss zum Arzt. Nach der Berufsgenossenschaft muss die betroffene Person eine ärztliche Kontrolle mit Ableitung eines EKG erhalten, auch wenn keine Beschwerden vorliegen.[1]
Gefahr auch nach dem Abtrocknen
Mit dem Wasser verschwindet die Gefahr nicht. Das Institut für Schadenverhütung der öffentlichen Versicherer beschreibt einen Fall, in dem nach einem Stromausfall ein Wassertropfen in der Elektroverteilung eines Reihenhauses entdeckt wurde. Ein Elektronotdienst tauschte die defekten Schutzschalter und maß, ohne Feuchtigkeit zu finden, doch in der folgenden Nacht roch es verbrannt, und am Morgen schlug beim Öffnen der Klappe eine Stichflamme heraus.[4]
Nach dem Gutachten sammelt sich bei einem Wassereintritt in eine Elektroverteilung erfahrungsgemäß Wasser in der nach oben offenen Phasenschiene, so dass es dort zum Kurzschluss kommt.[4] Der Brand beschädigte im selben Schacht Wasserleitungen und löste einen umfangreichen Wasserschaden aus.[4]
Trocknungsgeräte und Verlängerungskabel
Nach dem Wasser kommt die Technik: Bautrockner, Ventilatoren und Verdichter können über Wochen laufen. Sie brauchen Strom aus Steckdosen, die selbst trocken und geprüft sind, und Kabel, die nicht durch Pfützen oder über nasse Böden führen. Mehrfachsteckdosen gehören nicht auf den Boden eines frisch getrockneten Raums, und Kabel dürfen nicht unter Türen eingeklemmt werden.
Wir legen die Stromversorgung der Geräte bei jedem Einsatz so an, dass die Kreise nicht überlastet werden, und prüfen bei jeder Kontrolle, ob Kabel, Stecker und Geräte trocken stehen. Fällt eine Sicherung immer wieder, ist das ein Warnzeichen, und der betroffene Kreis bleibt aus, bis die Ursache gefunden ist. In solchen Räumen schaltet der Notdienst erst den Strom frei und beginnt dann mit dem Sichern des nassen Bereichs.
Wieder einschalten erst nach Prüfung
Nass gewordene Schutzschalter jeder Art werden nach ELEKTRO+ ersetzt, durchnässte Sicherungen ebenso.[3] Die Leitungen werden über ihren Isolationswiderstand gemessen, und vor der erneuten Inbetriebnahme wird die ganze Anlage nach DIN VDE 0100-600 geprüft.[3] Dosen, Schalter und Steckdosen, die nass waren, werden geöffnet und getrocknet oder ersetzt. Ob eine Leitung nach dem Wasserschaden weiter genutzt werden kann, zeigt die Isolationsmessung zwischen den Adern und gegen Erde.
Elektrische Geräte, die im Wasser standen, gehören vor dem nächsten Einschalten in die Hand des Kundendienstes. Das gilt besonders für Geräte mit Heizung oder Motor, etwa Waschmaschine, Trockner, Gefrierschrank oder Heizungsregelung, denn in ihnen bleibt Feuchte in Steckverbindungen und Platinen, die von außen nicht zu sehen ist. Ein FI-Schutzschalter, der Wasser abbekommen hat, wird ebenfalls ersetzt, auch wenn er sich wieder einschalten lässt. Eine Steckdose, die nach dem Abtrocknen wieder funktioniert, ist damit noch nicht sicher. Bei einem Wasserschaden prüfen wir deshalb zuerst, ob Strom im nassen Bereich anliegt, und stellen Trocknungsgeräte nur an Stromkreise, die geprüft und abgesichert sind.
Häufige Fragen
Darf ich den Stecker eines nassen Geräts ziehen?
Nur, wenn Sie trocken stehen und Stecker und Steckdose nicht im Wasser sind. Sicherer ist es, zuerst die Sicherung des Raums abzuschalten.
Muss ich nach einem kleinen Schlag zum Arzt?
Ja. Nach der Berufsgenossenschaft BG ETEM braucht jede betroffene Person eine ärztliche Kontrolle mit EKG, auch ohne Beschwerden.[1]
Wann darf ich den Strom wieder einschalten?
Erst wenn eine Elektrofachkraft die Anlage geprüft hat. Nass gewordene Schutzschalter und Sicherungen werden ausgetauscht, und die Anlage wird vor der Inbetriebnahme komplett geprüft.[3]
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM): Eigenschutz geht vor. etem, Magazin der BG ETEM, Ausgabe 6.2024. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Was tun bei Hochwasser? Ratgeber Vorsorge und Handeln bei Hochwasser, Teil 2. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2
- Initiative ELEKTRO+: Elektrosicherheit bei Überflutungen: Hinweise für Elektrofachkräfte. Abschnitte zum Betreten, zu Schutzeinrichtungen und zur Prüfung. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS): Wasser in der Elektroverteilung. Schadenbericht vom 15.10.2018. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2↑3
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