Fäkalkeime
Auch: Fäkalbakterien, Darmkeime
Fäkalkeime sind Krankheitserreger und Bakterien, die mit dem Stuhl von Menschen oder Tieren ausgeschieden und über fäkal verunreinigtes Wasser übertragen werden können, etwa wenn Abwassersysteme überflutet werden.[1] Für Escherichia coli und intestinale Enterokokken im Trinkwasser legt die Trinkwasserverordnung einen Grenzwert von 0 je 100 Milliliter fest.[2] Nach einem Rückstau oder Hochwasser können sie in Böden, Wänden und Gegenständen stecken.
So wird mit Fäkalkeimen nach Rückstau und Hochwasser umgegangen
Schematische Darstellung eines Kellers mit Abwasser aus dem Bodenablauf, abgeschnittener Trockenbauwand, Sack mit Gipskarton, Gummistiefeln, Handschuh und FFP2-Maske am Haken, Eimer und Schrubber, Wasserkocher mit Glas, Trocknungsgerät und Lupe mit Stäbchen und Kokken. Die Nummern folgen vom Eintritt des Abwassers über den Schutz zur Sanierung.
- Rückstau bringt Abwasser hoch: Fäkalkeime kommen mit Schmutzwasser aus der Kanalisation, mit einem Rückstau durch Bodenabläufe und Toiletten oder mit Hochwasser, das Kläranlagen, Gruben und Ställe überspült hat. Ein Schaden aus der Trinkwasserleitung bringt sie nicht mit, vor dem Betreten ist die Sicherung aus.
- Stäbchen und Kokken: Über fäkal verunreinigtes Wasser können Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen und Hepatitis A übertragen werden, bei Überflutungen auch die Leptospirose. Für Escherichia coli und intestinale Enterokokken im Trinkwasser gilt der Grenzwert 0 je 100 Milliliter.
- Stiefel, Handschuhe, FFP2-Maske: Bei der Reinigung nach Überschwemmung gehören Gummistiefel, wasserdichte Handschuhe, wasserabweisende Kleidung und FFP2-Maske dazu, Hände werden vor Essen und Rauchen gewaschen. Menschen mit Immunschwäche, Hauterkrankungen oder offenen Wunden räumen nicht mit auf, der Tetanusschutz wird geprüft.
- Abkochen, bis das Amt freigibt: In Überschwemmungsgebieten wird Wasser nur aus öffentlichen Anlagen genutzt, Abkochgebote sind zu befolgen, Einzelbrunnen erst nach Freigabe durch das Gesundheitsamt. Nicht wasserdicht verpackte Lebensmittel mit Wasserkontakt werden entsorgt.
- Poröses ausbauen und entsorgen: Was sich nicht binnen 24 bis 48 Stunden trocknen lässt, wird entsorgt, befallene poröse Materialien wie Tapeten, Gipskartonplatten oder poröses Mauerwerk lassen sich nicht reinigen. Durchtränkte Beläge und Dämmungen gehen in geschlossenen Behältern aus dem Haus.
- Erst reinigen, dann trocknen: Gründliches Reinigen und das Entfernen von Schlamm stehen an erster Stelle, Desinfektion wirkt auf durchnässten Materialien nicht und ersetzt keinen dieser Schritte. Danach trocknen wir technisch und prüfen Rückstauklappe, Bodenablauf und Hebeanlage.
Was Fäkalkeime sind
Über fäkal verunreinigtes Wasser können Erreger übertragen werden, die zu Magen-Darm-Erkrankungen oder Hepatitis A führen, und bei Überflutungen kann auch die Leptospirose eine Rolle spielen, deren Erreger vor allem Nagetiere mit dem Urin ausscheiden und die über kleine Hautwunden, Schleimhäute oder den Mund übertragen wird.[1] Ein Kryptosporidiose-Ausbruch in Halle im Jahr 2013 hat gezeigt, dass abgetrocknete Überflutungsgebiete unter Umständen noch mehrere Monate mit Kryptosporidien belastet sein können.[1]
Im Haus kommen Fäkalkeime mit Schmutzwasser aus der Kanalisation, mit einem Rückstau durch Bodenabläufe und Toiletten oder mit Hochwasser, das Kläranlagen, Gruben und Ställe überspült hat. Ein Leitungswasserschaden aus der Trinkwasserleitung bringt sie dagegen nicht mit, solange kein Abwasser beteiligt ist.
Ist nach Rückstau oder Hochwasser Wasser im Keller oder in den Wohnräumen, wird zuerst die Sicherung für diese Bereiche ausgeschaltet, ein gedrückter Lichtschalter schützt niemanden. Befindet sich der Sicherungskasten unter Wasser, holt man Feuerwehr oder örtlichen Netzbetreiber und betritt den Raum nicht selbst, und solange das Wasser im Keller weiter steigt, geht dort niemand hinunter. Den Strom schaltet man erst nach der Prüfung durch eine Elektrofachkraft wieder ein.
Fäkalkeime im Trinkwasser
Für Trinkwasser in verschlossenen Behältnissen verschärft die Verordnung den Maßstab auf 0 je 250 Milliliter und nimmt dort zusätzlich Pseudomonas aeruginosa auf.[2]
Nach Anlage 1 Teil I und Teil II der Trinkwasserverordnung.[2]
In Überschwemmungsgebieten sollte Wasser nach dem Merkblatt des Landesamts für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern nur aus öffentlichen Anlagen genutzt werden, Wasser aus Einzelbrunnen oder kleinen Anlagen dort nicht als Trinkwasser, für Toilettenspülung und Gebäudereinigung aber schon.[3] Sind Teile der Trinkwasser-Installation verunreinigt, werden sie gründlich gereinigt und erst nach längerem Ablaufen wieder genutzt, ausbaubare Teile aus Wasserhähnen, Duschen oder Geschirrspülerzuleitungen sollten vorher etwa 5 Minuten ausgekocht werden.[3]
Einzelbrunnen sollten nach einer Überschwemmung erst nach Freigabe durch das Gesundheitsamt wieder genutzt werden, und Anordnungen wie Abkochgebote sind zu befolgen.[1] Wer unsicher ist, ob das Leitungswasser im Haus betroffen ist, fragt beim Wasserversorger oder Gesundheitsamt nach.
Wie hoch das Risiko durch Fäkalkeime ist
Das Risiko von Ausbrüchen durch Überschwemmungen wird nach dem Robert Koch-Institut in der Öffentlichkeit meist überschätzt, gerade in Industrieländern, und in den letzten zehn Jahren gab es bei Überschwemmungen in Deutschland keine Hinweise auf außergewöhnliche Infektionsgeschehen.[1] Eine allgemeine Impfung gegen Hepatitis A ist nach den Erfahrungen früherer Hochwasser in der Regel nicht erforderlich, sie kann bei besonderer Gefährdung erwogen werden, etwa wenn sauberes Trink- und Waschwasser fehlt.[1]
Diese Entwarnung gilt nicht für alle: Abwehr- und immungeschwächte Menschen sowie Menschen mit akuten oder chronischen Hauterkrankungen oder offenen Wunden sollten nach dem Merkblatt nicht an Aufräumarbeiten mit Kontakt zu Wasser und Schlamm teilnehmen.[3] Treten Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Fieber auf, sollte möglichst schnell die Hausarztpraxis aufgesucht werden.[3] Kinder sollen nicht im Überschwemmungswasser baden oder spielen.[1]
Für Beschäftigte in Kanalisation und Klärwerken empfiehlt die Ständige Impfkommission unabhängig von Hochwasser eine Impfung gegen Hepatitis A, die auch für Einsatzhelfer sinnvoll sein kann.[1] Weil bei Aufräumarbeiten die Verletzungsgefahr steigt, sollte der Impfschutz gegen Tetanus geprüft werden, Erwachsenen wird eine Auffrischung alle zehn Jahre empfohlen.[1]
Schutz vor Fäkalkeimen beim Aufräumen
Bei der Reinigung von Häusern und Wohnungen nach einer Überschwemmung rät das Robert Koch-Institut zu Gummistiefeln, wasserdichten Handschuhen und wasserabweisender Kleidung und dazu, sich vor dem Zubereiten von Speisen, dem Essen und dem Rauchen sorgfältig die Hände mit einwandfreiem Wasser zu waschen.[1] Während der Aufräumarbeiten sollte nach dem Merkblatt nicht gegessen werden, und Kleidung wird mit sauberem Wasser gereinigt.[3]
Der Bundesverband Schimmelpilzsanierung nennt für die Sanierung nach Hochwasser zusätzlich FFP2-Atemschutzmasken, wasserfeste Schutzkleidung, bei stehendem Wasser Gummistiefel, danach Sicherheitsschuhe mit dicker Sohle und flüssigkeitsdichte Arbeitshandschuhe, die auch bei kleinen Schnittwunden vor Entzündungen schützen.[4] Bei Abbrucharbeiten und Arbeiten über Kopf gehört eine Schutzbrille dazu, und nicht betroffene Etagen werden luftdicht abgeschottet.[4]
Die Reihenfolge zählt: zuerst Strom und Standsicherheit klären, dann Wasser und Schlamm entfernen, nach einem Hochwasser aber erst abpumpen, wenn der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist, danach ausräumen und reinigen. Wer mit bloßen Händen in Schlamm greift oder in Turnschuhen durch einen überfluteten Keller watet, setzt sich genau den Keimen aus, vor denen die Schutzausrüstung schützen soll.
Desinfizieren nach einem Abwasserschaden
Das Umweltbundesamt rät von einer Behandlung durchnässter Räume mit Desinfektionsmitteln ab, weil im Hochwasser neben Fäkalien zahlreiche Chemikalien stecken können, die sich mit Desinfektionsmitteln umsetzen, und weil die Desinfektion bei durchnässten Materialien nicht wirkt, da nicht alle Mikroorganismen erreicht werden.[5] Auch von toten Schimmelpilzsporen gehen Gefahren aus, befallene Materialien wie Holz, Tapeten und Putz gehören deshalb entfernt.[5]
Bei Verdacht auf fäkale Verunreinigung empfiehlt das Merkblatt aus Mecklenburg-Vorpommern dagegen eine desinfizierende Reinigung der betroffenen Flächen und Gegenstände mit handelsüblichen Mitteln auf Chlor- oder Aldehydbasis nach den Herstellerangaben, Kellerräume werden nach dem Auspumpen gründlich gereinigt, gegebenenfalls desinfiziert und getrocknet.[3] Geschirr und Gebrauchsgegenstände werden vor der Benutzung mit heißem, sauberem Wasser gründlich gereinigt.[3]
Der Bundesverband Schimmelpilzsanierung hält es für möglich, Oberflächen mit direktem Kontakt zum Schmutzwasser vorsorglich zu entkeimen, wobei er das Abflämmen durch eine Fachfirma für die zuverlässigste Methode hält und als Alternative eine 10-prozentige Wasserstoffperoxidlösung nennt.[4] Alkohole sollten nicht großflächig eingesetzt werden, weil sich explosive Gas-Luft-Gemische bilden können, und von chlorhaltigen Mitteln rät der Verband ab, weil sie zu langanhaltender Belastung mit Chlorgasverbindungen im Gebäude führen können.[4]
Gemeinsam ist allen drei Empfehlungen, dass gründliches Reinigen und das Entfernen von Schlamm und befallenen Materialien an erster Stelle stehen. Ein Mittel auf nasse, verschlammte Flächen zu sprühen ersetzt keinen dieser Schritte.
Gegenstände, Lebensmittel und Baustoffe
Was sich nicht binnen 24 bis 48 Stunden trocknen lässt, sollte nach dem Umweltbundesamt entsorgt werden, um Keim- und Schimmelbildung vorzubeugen, und befallene poröse Materialien wie Tapeten, Gipskartonplatten, poröses Mauerwerk oder poröse Deckenverschalungen lassen sich nicht reinigen.[5] Leicht ausbaubare Baustoffe wie Gipskartonplatten oder leichte Trennwände werden ausgebaut, Möbel mit geschlossener Oberfläche feucht gereinigt, getrocknet und gegebenenfalls mit 70-prozentigem Ethylalkohol desinfiziert.[5]
Nicht wasserdicht verpackte Lebensmittel, die Kontakt mit Überschwemmungswasser hatten, werden sofort entsorgt, verunreinigte Konservendosen vor dem Öffnen gründlich gereinigt, Kühl- und Tiefkühlkost nach längerem Stromausfall verworfen, und Obst und Gemüse aus überfluteten Gärten wird nicht mehr gegessen.[3] Müll und Abfall sollten schnellstmöglich beseitigt und Fäkal-, Sammel- und Güllegruben geleert werden, damit sich Krankheiten nicht verbreiten.[3]
Nach Rückgang des Wassers sollte die Versicherung informiert und der Schaden fotografisch dokumentiert werden, und zur Sicherheit ist zu prüfen, ob Stromschlaggefahr besteht und ob Heizöl oder andere Chemikalien ausgetreten sind.[5] Das Umweltbundesamt empfiehlt, nach dem Entfernen des Schlamms möglichst bald und wenn möglich technisch zu trocknen.[5]
Wie wir nach einem Schaden mit Fäkalkeimen vorgehen
Wir arbeiten in solchen Räumen mit Schutzanzug, flüssigkeitsdichten Handschuhen, Stiefeln und Atemschutz und richten eine Trennung zwischen schmutzigem und sauberem Bereich ein. Schlamm und Schmutzwasser werden abgesaugt, durchtränkte Beläge, Dämmungen und Gipskarton ausgebaut und in geschlossenen Behältern entsorgt.
Danach reinigen wir die freigelegten Flächen gründlich, trocknen technisch und dokumentieren Ausbau, Reinigung und Messwerte für die Versicherung. Zum Schluss sehen wir uns an, wie das Abwasser ins Haus kam, und prüfen Rückstauklappe, Bodenablauf und Hebeanlage, wie die gleichnamigen Begriffe erklären. Was nach Hochwasser insgesamt zu tun ist, beschreibt der Begriff Hochwasserschaden.
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Belege
Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI): Infektionsrisiken in Überschwemmungsgebieten in Deutschland. Stand 23.01.2024, Abschnitt Generelle Empfehlungen. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
- Bundesministerium der Justiz, Gesetze im Internet: Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung, TrinkwV). Anlage 1 Mikrobiologische Parameter, Teil I Allgemeine Anforderungen an Trinkwasser. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3
- Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern (LAGuS): Merkblatt über hygienische Verhaltensweisen für Personen in Hochwasser- oder Überschwemmungsgebieten zur Vermeidung von Infektionsgefahren. Stand Juni 2013, Abschnitte 1 Trinkwasserversorgung, 3 Allgemein hygienische Maßnahmen und 7 Medizinische Hinweise. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
- Bundesverband Schimmelpilzsanierung e.V. (BSS): BSS-Merkblatt 2: 10 Tipps für die Schadensbeseitigung nach Hochwasser. Tipp 1 Arbeits- und Umgebungsschutz, Tipp 3 Reinigung und Behandlung von Oberflächen und Tipp 9 Feinreinigung. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Umweltbundesamt (UBA): Fragen und Antworten zum Thema Hochwasser. Fragen Was sollte nach Rückgang des Hochwassers beachtet werden, Sollte nach einem Hochwasser desinfiziert werden und Kann ich vom Hochwasser durchnässte Materialien retten. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
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