Trinkwasser nach dem Leerstand: Wie lange laufen lassen?
Die Antwort in Kürze
Nach ein paar Stunden ohne Entnahme reicht es, das Wasser so lange fließen zu lassen, bis es dauerhaft kalt kommt.[1] Hat es länger als eine Woche gestanden, ist eine Veränderung sehr wahrscheinlich, und es sollte nicht ohne weitere Schritte genutzt werden.[2] Bleibt eine Ferienwohnung mehr als vier Wochen leer, rät das Umweltbundesamt, die Leitungen vorher abzusperren und beim Wiederkommen zu spülen.[3]
Was in stehendem Wasser passiert
Steht Trinkwasser mehrere Stunden oder Tage in den Leitungen, spricht man von Stagnationswasser, und gerade bei Ferienwohnungen oder leerstehenden Wohnungen können daraus nach dem Umweltbundesamt Probleme für die ganze Installation entstehen.[3] Trinkwasser ist nie völlig keimfrei, und in nicht durchströmten Bereichen fördern die etwas höheren Temperaturen aus dem Mauerwerk und das ruhende Wasser die Bildung von Biofilmen.[3]
Dazu kommt der Werkstoff. Aus Leitungen, Schläuchen, Rohrverbindern, Dichtungen und Armaturen lösen sich auch bei geprüften Materialien langsam Stoffe, deren Konzentration nach längerer Stagnation typischerweise im Bereich von Nanogramm oder Mikrogramm pro Liter liegt.[3] Wer das Wasser nach längeren Standzeiten zuerst ablaufen lässt, nimmt sie nicht auf.[3]
Hamburg Wasser ordnet das nüchtern ein: Belastet ist stehendes Wasser nicht automatisch, Risiken gibt es trotzdem, etwa Partikel, die sich aus den Rohren lösen, und Mikroorganismen, die im Wasser in geringsten Mengen vorhanden sind und sich nicht vermehren sollen.[1]
Leitungsabschnitte, die dauerhaft zu wenig oder gar nicht genutzt werden, sind nach dem Umweltbundesamt eine latente Gefahr für die übrige Installation und sollten im Zweifel über ihr Absperrventil abgetrennt werden.[3] Wer nur Teile einer Anlage nutzt, etwa eine Ferienwohnung in einem größeren Haus, spricht nach dem Ratgeber mit den anderen Nutzern oder dem Eigentümer, damit das Problem behoben wird.[3] Läuft nach dem Aufdrehen braunes Wasser aus einer Leitung, die lange still stand, kann der Notdienst prüfen, ob ein Abschnitt undicht geworden ist.
Wer wofür zuständig ist
Für die Qualität bis zur Übergabestelle im Gebäude ist nach dem Umweltbundesamt der Wasserversorger verantwortlich, für die Installation dahinter der Hauseigentümer oder Betreiber.[3] Die Nutzer sorgen dafür, dass regelmäßig Wasser entnommen wird, und das örtliche Gesundheitsamt überwacht die Trinkwasserqualität.[3] In einer Ferienwohnung liegt darum beim Eigentümer, was in ihren Leitungen passiert. Steht ohnehin eine Badsanierung an, lassen sich dabei Zapfstellen, die kaum jemand nutzt, mitsamt der Leitung entfernen.
Wie lange laufen lassen
Hamburg Wasser rät, nach etwa vier Stunden ohne Zapfen das Wasser fließen zu lassen, bis es nicht mehr kälter wird, und betont das besonders nach dem Urlaub oder längerer Abwesenheit.[1] Der Fachverband DVGW beschreibt für kurze Standzeiten dasselbe Vorgehen: den Hahn vollständig öffnen und warten, bis das Wasser spürbar kalt ist und nicht mehr kälter wird.[2] Manche Steuerungen für einen Wasserstopp im Ferienhaus spülen die Leitungen zeitgesteuert, damit das Wasser während des Leerstands nicht zu lange steht.
Das abgelaufene Wasser muss nicht verloren sein. Es eignet sich zum Putzen, zum Blumengießen oder für den Garten.[3] Warmes Wasser aus der Leitung ist nach Hamburg Wasser eher nicht zum Trinken und Kochen gedacht, weil sich Stoffe aus dem Leitungsmaterial im warmen Wasser besser lösen können.[1]
Wenn das Haus Wochen oder Monate leer stand
Schon nach einigen Tagen Stillstand können sich Schwermetalle und andere Stoffe im Wasser anreichern und Keime vermehren, und nach mehr als sieben Tagen gilt eine Veränderung des Wassers als sehr wahrscheinlich.[2] Lassen sich solche langen Standzeiten nicht durch regelmäßigen Wasseraustausch vermeiden, spricht der DVGW von einer Betriebsunterbrechung, nach der die Installation anders in Betrieb genommen werden muss.[2]
Dazu gehört eine Spülung der gesamten Trinkwasserinstallation für kaltes und warmes Wasser, und abhängig vom Befund einer mikrobiologischen Untersuchung auch eine Desinfektion.[2] Mit der Wiederinbetriebnahme beauftragt man ein Fachinstallationsunternehmen, und Proben dafür nimmt nur eine zugelassene Untersuchungsstelle, nach der Spülung.[2] Welche Installationsbetriebe beim Versorger zugelassen sind, erfährt man nach dem DVGW beim Wasserversorger, und gearbeitet werden darf an der Trinkwasserinstallation nur von solchen Vertragsinstallationsunternehmen.[2]
Das Umweltbundesamt rät, Leitungen vor einem Leerstand von mehr als vier Wochen abzusperren und bei der Rückkehr zu spülen, und schon ab drei Tagen sollen die Entnahmestellen so lange geöffnet werden, bis das Wasser vollständig ausgetauscht ist.[3] Hamburg Wasser empfiehlt für Ferienwohnungen, die monatelang leer stehen, die Leitungen regelmäßig durchzuspülen.[1]
Legionellen im warmen Wasser
Legionellen gelangen nach dem Umweltbundesamt vor allem über fein zerstäubtes Wasser in die Lunge, etwa beim Duschen, während Trinken keine Gefahr bedeutet und eine Übertragung von Mensch zu Mensch keine Rolle spielt.[3] Die Legionärskrankheit verläuft in etwa 10 bis 15 Prozent der Fälle tödlich.[3] Massenhaft vermehren sich die Bakterien zwischen 25 und 55 °C, ab etwa 70 °C sterben sie ab, darum soll warmes Trinkwasser mindestens 55 °C haben und kaltes möglichst unter 20 °C bleiben.[3]
Eine Untersuchungspflicht auf Legionellen trifft nach der Trinkwasserverordnung Betreiber, die das Wasser im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit abgeben, wenn es Duschen gibt und der Warmwasserspeicher mehr als 400 Liter fasst oder mindestens eine Leitung zwischen Erwärmer und Entnahmestelle mehr als 3 Liter enthält, ohne die Zirkulationsleitung.[4] Untersucht wird dann mindestens alle drei Jahre, und Anlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern sind ausgenommen.[4] Nach dem Umweltbundesamt betrifft das etwa Mehrfamilienhäuser mit vermieteten Wohnungen.[3] Wird der technische Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten je 100 Milliliter überschritten, muss der Eigentümer die Ursachen von einer Fachperson analysieren und beheben lassen.[3]
Geräte am Wasser
Fest angeschlossene Kaffeemaschinen, Wasserspender und ähnliche Geräte werden nach dem DVGW unmittelbar vor dem Normalbetrieb mehrfach durchgespült, nach den Anweisungen des Herstellers.[2] Nach der Spülung gehört zum normalen Betrieb, jede Entnahmestelle regelmäßig zu nutzen und das Wasser in der Anlage mindestens wöchentlich, besser alle drei Tage zu erneuern.[2]
Häufige Fragen
Kann ich das Wasser abkochen, statt es laufen zu lassen?
Nein. Hitze tötet zwar temperaturempfindliche Erreger, die Spurenstoffe, die sich aus dem Leitungsmaterial gelöst haben, bleiben aber im Wasser.[3]
Woran erkenne ich frisches Wasser?
An der Temperatur. Es kommt kühler aus der Leitung als das Wasser, das gestanden hat.[3][1]
Brauche ich nach dem Winter einen Installateur?
Nach langen Standzeiten ohne regelmäßigen Wasseraustausch ja: Die Spülung bei der Wiederinbetriebnahme gehört nach dem DVGW in die Hände eines Fachinstallationsunternehmens.[2]
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Belege
Quellen
- Hamburger Wasserwerke (HAMBURG WASSER): Stagnationswasser: Kurz laufen lassen. Beitrag vom 21.04.2026. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
- DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches: Trinkwasserinstallationen: Stagnation und Wiederinbetriebnahme. DVGW-Kompaktinfo, Stand März 2024. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
- Umweltbundesamt: Ratgeber TrinkWas: Trinkwasser aus dem Hahn. Kapitel 03 und 04, Stand April 2020. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18
- Bundesministerium der Justiz: Trinkwasserverordnung (TrinkwV), § 31 Untersuchungspflichten in Bezug auf Legionella spec. § 31 Abs. 1 und 2. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2
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