Saisonstart: Ferienwohnung nach dem Winter wieder in Betrieb nehmen
Die Antwort in Kürze
Erst ansehen, dann aufdrehen: Gehen Sie durch das Haus, bevor Sie Wasser und Heizung einschalten, und beobachten Sie beim Befüllen den Wasserzähler. Stand die Trinkwasseranlage über Wochen still, wird sie vor der ersten Nutzung gespült, nach einer Betriebsunterbrechung am besten von einem Fachbetrieb.[1] Warmes Wasser soll im ganzen Netz mindestens 55 °C erreichen, damit sich keine Legionellen vermehren.[2]
Der erste Rundgang
Bevor irgendetwas eingeschaltet wird, lohnt ein Rundgang mit offenen Augen und Nase. Achten Sie auf modrigen Geruch, auf Verfärbungen an Zimmerdecken, in Raumecken und hinter Möbeln, auf Wasser im Keller oder unter Spülen und auf Spuren, die Sturm und Frost an Dach, Fenstern und Fassade hinterlassen haben. Fotografieren Sie alles, was auffällt, bevor Sie aufräumen. Finden Sie Wasser im Keller oder in der Nähe von Steckdosen, schalten Sie vor dem Betreten die passende Sicherung aus, und ist der Sicherungskasten selbst nass, bleibt der Raum zu, bis ihn Feuerwehr oder Netzbetreiber stromlos gemacht haben.
- Decken und Wände unter Bad und Küche auf Flecken prüfen
- Fußböden an Wasseranschlüssen auf Verfärbungen und gewölbte Beläge ansehen
- Fenster, Türen und Dachflächenfenster auf eingedrungenes Wasser kontrollieren
- Keller, Hausanschlussraum und Heizraum begehen
- Außenleitungen, Außendusche und Gartenwasserhahn auf Risse ansehen
- Dachrinnen und Fallrohre auf Laub und Schäden vom Winter prüfen
- Lichtschächte, Kellerabläufe und Rückstauklappen ansehen
Wasser langsam aufdrehen
Öffnen Sie das Absperrventil langsam und beobachten Sie den Wasserzähler, solange alle Hähne geschlossen sind. Bewegt er sich, tritt irgendwo Wasser aus, vielleicht aus einer Leitung, die im Winter gefroren war. Dann wird das Ventil wieder geschlossen, bis die Stelle gefunden ist, und bei verdeckten Leitungen hilft eine Leckageortung.
Bleibt der Zähler ruhig, öffnen Sie einen Hahn nach dem anderen und warten jeweils, bis das Wasser ohne Spucken und Luftblasen kommt. Prüfen Sie dabei Siphons, Eckventile und Anschlüsse von Spül- und Waschmaschine auf Tropfen, denn Frost oder ausgetrocknete Dichtungen können sich erst unter Druck zeigen. Läuft der Zähler bei geschlossenen Hähnen weiter, ohne dass ein Tropfen zu sehen ist, findet eine Leckageortung die undichte Stelle in Wand oder Boden.
Spülen nach langem Stillstand
Nach einer längeren Betriebsunterbrechung muss die Trinkwasserinstallation nach dem Fachverband DVGW anders wieder in Betrieb genommen werden als nach einer Nacht: Gespült wird das ganze Netz, das kalte wie das warme, und wenn die mikrobiologische Untersuchung es verlangt, folgt eine Desinfektion.[1] Beauftragen soll man damit ein Fachinstallationsunternehmen, das weiß, wie die Spülung nach den technischen Regeln abläuft.[1]
Für eine Spülung reicht in den meisten Fällen Wasser ohne Zusätze.[1] Danach schließt der normale Betrieb an: Alle Entnahmestellen werden regelmäßig genutzt, und das Wasser in der Installation soll alle sieben Tage, besser alle drei Tage, ausgetauscht werden.[1] Bei Ferienwohnungen, die über Monate leer stehen, rät Hamburg Wasser zu regelmäßigem Durchspülen, damit das Wasser nicht zu lange steht.[3] Das abgelaufene Wasser lässt sich nach dem DVGW zum Putzen oder für den Garten verwenden.[1]
Eine mikrobiologische Untersuchung nach der Wiederinbetriebnahme empfiehlt der DVGW, um nachzuweisen, dass das Wasser hygienisch einwandfrei ist, und die Proben werden erst nach der Spülung genommen.[1] Probenahme und Untersuchung übernimmt eine zugelassene Untersuchungsstelle, welche Installationsbetriebe zugelassen sind, sagt der örtliche Wasserversorger.[1]
Warmwasser und Legionellen
Mit dem Warmwasser kommt ein besonderes Risiko. Nach dem Umweltbundesamt soll das warme Wasser im gesamten Netz nicht unter 55 °C fallen, und wo es den Trinkwassererwärmer verlässt, sollen es mindestens 60 °C sein, damit sich keine Legionellen vermehren.[2] Abschnitte, die kaum genutzt werden, sollen nach dem Amt regelmäßig gespült werden.[2]
Stellen Sie den Warmwasserbereiter darum nach dem Winter nicht auf Sparbetrieb. Lassen Sie ihn auf Temperatur kommen, bevor geduscht wird. Spülen Sie Duschen und Wannen zuerst, kalt und warm, und halten Sie dabei Abstand, damit Sie den Sprühnebel nicht einatmen.
Geräte und Trinkwasser
Fest an die Wasserleitung angeschlossene Kaffeemaschinen und Wasserspender werden nach dem DVGW unmittelbar vor dem normalen Betrieb mehrfach durchgespült, nach den Anweisungen des Herstellers.[1] Zum Trinken und Kochen nehmen Sie nur Wasser, das kalt und frisch aus der Leitung kommt, Warmwasser eignet sich nach Hamburg Wasser eher nicht dafür.[3]
Heizung wieder in Betrieb nehmen
War die Heizung über den Winter abgeschaltet oder entleert, nimmt sie der Heizungsbauer wieder in Betrieb, füllt sie auf und prüft Druck und Dichtheit. Lief sie im Frostschutzbetrieb, lohnt ein Blick auf Störungsanzeigen und Wasserdruck, bevor die Temperatur hochgestellt wird, und ein Wartungstermin vor der Saison hält die Anlage zuverlässig.
Heizung, Lüften und Feuchte
Nach einem kalten Winter sind Wände und Möbel ausgekühlt. Heizen Sie das Haus vor der Ankunft der ersten Gäste auf und lüften Sie dabei mehrmals kräftig, damit die Feuchte aus Polstern, Matratzen und Wänden abziehen kann. Zeigen sich nach ein paar Tagen Flecken oder bleibt ein muffiger Geruch, lohnt eine Messung, bevor die Saison richtig beginnt. Zeigt die Messung Schimmel auf größerer Fläche, gehört vor der ersten Belegung eine Schimmelsanierung durch einen Fachbetrieb dazu.
Was Gäste wissen sollten
Legen Sie für die Gäste eine kurze Notiz bereit: wo das Hauptabsperrventil sitzt, wie die Heizung bedient wird, wen sie bei einem Wasserschaden anrufen und dass sie bei Tropfen, Flecken oder Geruch sofort Bescheid geben. Je früher ein Schaden gemeldet wird, desto weniger Wasser läuft in Wände und Böden.
Halten Sie fest, was beim Saisonstart auffällt und was erledigt wurde. Diese Notizen helfen bei der Vorbereitung des nächsten Winters und, falls ein Schaden doch erst später sichtbar wird, auch gegenüber der Versicherung.
Häufige Fragen
Muss ich nach dem Winter einen Installateur holen?
Nach einer langen Betriebsunterbrechung rät der DVGW, die Wiederinbetriebnahme mit Spülung einem Fachinstallationsunternehmen zu überlassen.[1] Wurde das Wasser regelmäßig ausgetauscht, lassen Sie die Leitungen gründlich durchlaufen, bis das Wasser gleichbleibend kalt kommt.[3]
Wie heiß muss das Warmwasser sein?
Im Leitungsnetz nicht unter 55 °C, und direkt hinter dem Trinkwassererwärmer mindestens 60 °C, damit sich keine Legionellen vermehren.[2]
Wann sollte ich mit dem Saisonstart beginnen?
Einige Tage vor den ersten Gästen. Dann bleibt Zeit für Spülung und Aufheizen und für eine Reparatur, falls der Rundgang einen Schaden zeigt.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches: Trinkwasserinstallationen: Stagnation und Wiederinbetriebnahme. Abschnitte Maßnahmen bei Betriebsunterbrechungen, Spülung und mikrobiologische Untersuchungen, Stand März 2024. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
- Umweltbundesamt: Bewusster Umgang mit Warmwasser schont Umwelt und Geldbeutel. Abschnitt Hygienische Anforderungen beachten. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Hamburger Wasserwerke (HAMBURG WASSER): Stagnationswasser: Kurz laufen lassen. Beitrag vom 21.04.2026. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3
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