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Unbeheiztes Ferienhaus im Winter: Was passiert mit der Feuchtigkeit?

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Kühlt Luft ab, steigt ihre relative Feuchte, weil kalte Luft weniger Wasserdampf aufnehmen kann als warme.[1][2] Schimmel braucht nach dem Bundesverband Schimmelpilzsanierung vor allem Feuchte, eine relative Feuchte von 80 Prozent reicht ihm bereits, und in Innenräumen wächst er bei jeder Temperatur.[1] In einem kalten Haus geraten Wände, Möbel und Textilien darum leicht in den kritischen Bereich, besonders an den kältesten Stellen.[1][3]

Warum kalte Luft feucht wird

Die relative Feuchte ist nach dem Deutschen Wetterdienst das Verhältnis zwischen dem Dampfdruck, der zum Messzeitpunkt tatsächlich in der Luft herrscht, und dem höchsten Dampfdruck, der bei ihrer Temperatur möglich ist.[2] Warme Luft kann nach dem Bundesverband Schimmelpilzsanierung mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte, und die relative Feuchte gibt an, wie viel Prozent dieses Höchstwerts erreicht sind.[1]

Kühlt Luft an einer kalten Oberfläche ab, bleibt die absolute Feuchte bis zum Kondensationspunkt gleich, weil der mögliche Höchstwert aber sinkt, steigt die relative Feuchte, und unter Umständen wird eine Feuchte überschritten, bei der Schimmel wachsen kann.[1] In einem Haus, das über Wochen auskühlt, gibt es kaum warme Flächen, und jede Außenwand, jede Ecke und jeder Raum hinter einem Schrank wird zur kalten Oberfläche.

Ab wann es kritisch wird

Schimmelpilze wachsen nach dem Bundesverband auf nahezu allen Materialien, sie brauchen Nährstoffe wie Staub, Zellulose oder Ablagerungen und Feuchte, und eine relative Feuchte von 80 Prozent ist bereits ausreichend.[1] Je länger die Feuchte auf Oberflächen oder in Materialien einwirkt, desto höher ist das Risiko eines Befalls.[1] Bleibt die relative Feuchte auch in kühleren Außenecken unter 80 Prozent, wächst in den meisten Fällen kein Schimmel.[1]

Auch die Bauphysik rechnet mit diesem Wert. Für den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 setzt das Gebäudeforum klimaneutral der Deutschen Energie-Agentur 80 Prozent Luftfeuchte an der Bauteiloberfläche als Grenze für Schimmel an.[3] Gerechnet wird mit 20 °C und 50 Prozent Feuchte in der Raumluft bei minus 5 °C draußen, und die Innenoberfläche muss an ihrer ungünstigsten Stelle wenigstens 12,6 °C erreichen.[3]

Die Mindeststandards sollen nach dem Gebäudeforum an jeder Stelle der Innenoberfläche von Außenwänden Schimmel und Tauwasser verhindern, Voraussetzung ist aber, dass der Raum ausreichend beheizt und gelüftet und üblich genutzt wird.[3] Ein Ferienhaus, das über den Winter kalt steht, liegt außerhalb dieser Annahmen.

Was Möbel, Matratzen und Wände speichern

Feuchte steckt nicht nur in der Luft. Wände, Möbel und Stoffe nehmen nach dem Bundesverband Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und geben sie später nur langsam wieder ab, und das führt zu einer lang anhaltend erhöhten Luftfeuchte.[1] Polster, Matratzen, Vorhänge und Bücher in einem kalten Ferienhaus sind solche Speicher. Steht das Ferienhaus erst seit kurzem, fehlt oft noch die Neubautrocknung, und die Baufeuchte in Putz und Mauer kommt im Winter dazu.

Große Möbel vor Außenwänden sind besonders gefährdet. Der Bundesverband rät, voluminöse Möbel nicht vor Außenwände zu stellen oder, wenn es nicht anders geht, mit Abstand, damit die Luft auf allen Seiten zirkulieren kann.[1] Bettwäsche wird aufgeschlagen, damit Feuchte auch aus den Matratzen ausdiffundieren kann.[1] In und hinter Schränken und Küchenzeilen vor Außenwänden lohnt nach dem Bundesverband ein eigener Blick auf die Feuchte, ebenso in kühleren Räumen wie Abstellkammern und Schlafzimmern.[1]

Die kältesten Stellen im Blick

Zur Kontrolle empfiehlt der Bundesverband elektronische Hygrometer an den kritischen Stellen, und das sind die kältesten: Außenwände und Außenecken der Räume mit der niedrigsten Temperatur sowie Räume mit viel Feuchte wie Bad und Küche.[1] Dort sollte die relative Feuchte deutlich unter 80 Prozent liegen, empfohlen werden dauerhaft höchstens 60 Prozent.[1] Moderne Digital-Hygrometer können bei hoher Feuchte eine Nachricht an das Handy senden.[1]

Ein Gerät im Raum oder im Regal reicht nach dem Bundesverband nicht, zusätzlich gehören Messpunkte an kalte Bauteile wie Außenwände und Fensternischen.[1] Ein Hygrometer im Wohnzimmer zeigt sonst gute Werte, während es hinter dem Kleiderschrank im Schlafzimmer längst zu feucht ist.

Lüften und Feuchte vermeiden

Auch ungenutzte Räume müssen nach dem Bundesverband gelüftet werden.[1] In Wohnhäusern sorgt im Winter ein thermischer Effekt dafür, dass Luft nach oben strömt, und trägt sie viel Feuchte mit, kann es in weniger beheizten Räumen wie oberen Etagen oder Schlafzimmern zu Schimmel kommen.[1] Türen zu kühleren Räumen bleiben in der kalten Jahreszeit geschlossen.[1]

Bei der Abreise zählt, was an Feuchte im Haus bleibt. Ein Wäscheständer mit feuchter Wäsche kann nach dem Bundesverband 8 Liter Wasser an die Raumluft abgeben.[1] Tropfnasse Textilien bleiben nicht im Raum, Duschvorhänge werden abgetrocknet, und auf Topfpflanzen in Feuchträumen wird verzichtet.[1] Wer vor dem Winter noch einmal lüftet, Bad und Küche trocken wischt und keine nasse Wäsche zurücklässt, nimmt dem Haus Feuchte, die es über Wochen nicht mehr loswürde.

Heizen, temperieren oder entleeren

Ob ein Ferienhaus über den Winter leicht temperiert oder ganz kalt gelassen wird, ist eine Abwägung zwischen Energie, Frostschutz und Feuchte. Wer gar nicht heizt, muss die Wasserleitungen entleeren und sollte Feuchte und Temperatur messen, um zu sehen, ob sich das Haus im kritischen Bereich bewegt. Eine leichte Grundtemperierung hält Oberflächen wärmer und die relative Feuchte an ihnen niedriger.[1]

Lüftungsanlagen, dezentral oder zentral, transportieren feuchte Luft nach dem Bundesverband direkt ins Freie, reduzieren das Schimmelrisiko wesentlich und sollten über einen Feuchtesensor gesteuert sein.[1] Gasheizer taugen nicht, um ein kaltes Haus aufzuheizen, denn beim Verbrennen von Gas entsteht neben Kohlendioxid sehr viel Wasser, und das erhöht die Schimmelgefahr erheblich.[1]

Häufige Fragen

Kann ein Haus bei Frost schimmeln?

Ja. Schimmel wächst nach dem Bundesverband Schimmelpilzsanierung in Innenräumen bei jeder Temperatur, es kommt auf die Feuchte an der Oberfläche an.[1]

Wie feucht darf es im Ferienhaus werden?

An den kältesten Stellen deutlich unter 80 Prozent relativer Feuchte, empfohlen sind dauerhaft höchstens 60 Prozent.[1] Messen Sie dort, wo Wände am kältesten sind.

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Belege

Quellen

  1. Bundesverband Schimmelpilzsanierung e.V. (BSS): Energiekrise: Heizen und Lüften bei niedrigen Raumtemperaturen. Abschnitte 1 bis 8. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21↑22↑23↑24↑25↑26
  2. Deutscher Wetterdienst (DWD): Wetterlexikon: Relative Feuchte. Begriffserklärung. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2
  3. Gebäudeforum klimaneutral der Deutschen Energie-Agentur (dena): Mindestwärmeschutz: Grundlage energieeffizienter Gebäude. Stand November 2021. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
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