Grüne Fassade: Algen und Pilze an der Außenwand
Die Antwort in Kürze
Algen und Pilze wachsen auf Fassaden, die lange feucht bleiben, und die Feuchte entsteht nach Baunetz Wissen überwiegend durch Tauwasser, das sich nachts auf der Oberfläche niederschlägt.[1] Die bauphysikalische Funktion der Fassade leidet nach dem Umweltbundesamt nicht darunter.[2] Gegen den Belag hilft nasses Abwaschen oder Abbürsten, auf Dauer schützen Dachüberstände, Tropfkanten und zurückgeschnittene Pflanzen, biozidhaltige Anstriche wirken nur zeitlich begrenzt.[2]
Warum die Fassade grün wird
Algen und Pilze siedeln sich nach Baunetz Wissen an, wenn die Oberfläche dauerhaft feucht ist, und die Feuchte entsteht überwiegend durch Betauung.[1] Wärmedämmverbundsysteme haben selbst kaum Speichermasse, deshalb kühlen sie nachts durch Abstrahlung unter die Lufttemperatur ab, und Tauwasser schlägt sich auf dem Putz nieder.[1] Die dünnen Oberputze sind wasserabweisend, das Wasser bleibt als Tropfen stehen und braucht sehr lange, um abzutrocknen.[1]
Gedämmte Fassaden sind nach einem Fachartikel der Ostschweizer Fachhochschule besonders betroffen, weil die Dämmung den Wärmestrom von innen nach außen unterbricht und kaum Wärme speichert.[3] Die Oberfläche bleibt dadurch länger unter dem Taupunkt, und es bilden sich feinste Wassertröpfchen.[3] Eine grüne Wand kann also die Folge einer gut gedämmten Wand sein und muss nichts mit einem Leck zu tun haben. Zeigt sich innen dennoch Feuchte, klärt eine Leckageortung, ob doch eine Leitung in der Außenwand undicht ist.
Wo das Risiko am größten ist
Was dauerhaft trocken ist, bleibt nach den Merkblättern des Umweltbundesamts in der Regel frei von Pilzen und Algen, und was rasch abtrocknen kann, wird weniger befallen.[2] Ein höheres Risiko nennt das Amt für Senken und Gewässernähe, feuchtes Klima mit Nebel und Schlagregen, Bäume und Sträucher direkt an der Fassade, Beschattung und eine Ausrichtung nach Westen oder Norden.[2] Auch ein fehlender oder kleiner Dachüberstand, eine mangelhafte Wasserführung und fehlende Tropfkanten erhöhen das Risiko.[2]
Die Nordfassade ist nach dem Fachartikel die Seite mit dem höchsten Befallsrisiko, weil dort die Abtrocknung durch die Sonne fehlt oder gering ist, und Tauwasser steht auf ihr länger als auf der Südseite.[3] Vom gesamten Schlagregen, der an einem Gebäude abläuft, entfallen nach dem Fachartikel dagegen rund 50 Prozent allein auf die Westfassade in der Hauptwindrichtung.[3] Läuft Regen durch eine Rissbildung an der Fassade ins Haus, sichert der Notdienst die Innenseite, bevor die Wand dahinter durchfeuchtet.
Schönheitsfehler oder Schaden?
Die Verfärbungen beeinträchtigen nach dem Umweltbundesamt keineswegs die bauphysikalische Funktionalität der Fassade, und Algen- und Pilzbewuchs ist nicht notwendigerweise ein Baumangel.[2] Auch auf die Wirksamkeit der Dämmung haben die Schäden nach Baunetz Wissen keine Auswirkung, optisch sind sie aber oft erheblich.[1] Der Fachartikel nennt den Befall vor allem ein ästhetisches Problem und nur selten einen materialtechnischen Schaden.[3]
Anders liegt der Fall, wenn zur grünen Außenseite eine feuchte Innenwand kommt, wenn der Putz abplatzt oder eine Stelle unter einer Rinne oder Fensterbank dauernd nass ist. Dann läuft Wasser, wo es nicht hingehört, und eine Messung der Materialfeuchte zeigt, ob das Mauerwerk betroffen ist.
Reinigen, ohne neuen Schaden anzurichten
Sinnvoll sind nach dem Merkblatt für Heimwerker das regelmäßige Ansehen der Fassade, das Reinigen bei Staub und erstem Bewuchs durch nasses Abwaschen oder Abbürsten und das Freihalten von Regenrinnen.[2] Büsche und Bäume in der Nähe betroffener Flächen sollten zurückgeschnitten werden, damit die Fassade besser abtrocknet.[2] Eine einfache, mechanische Reinigung kann das Befallsrisiko nach dem Amt sogar senken.[2] Dieser Bewuchs außen ist, anders als Schimmel an der Decke im Innenraum, kein Zeichen für zu wenig Lüften.
Vorsicht gilt beim Hochdruckreiniger: Ist eine Fassade mit Bioziden behandelt, kann er nach dem Umweltbundesamt die Auswaschung der Biozide verstärken, die Umwelt belasten und die Schutzwirkung zerstören.[2] Ungeeignete Reinigungsmaßnahmen können der Fassade und der Umwelt schaden, das Amt empfiehlt deshalb individuell zugeschnittene Instandhaltungspläne.[2]
Biozide: begrenzte Wirkung, belastete Gewässer
Biozidhaltige Anstriche und Putze wirken an der Fassade nach dem Umweltbundesamt nur zeitlich begrenzt, und die Wirkstoffe werden mit dem Regen ausgewaschen und gelangen in Boden, Grundwasser und Gewässer.[2] Bei Wärmedämmverbundsystemen sind nach dem Amt solche mit dem Blauen Engel oder vergleichbare Systeme ohne Filmschutz zu bevorzugen, und lässt sich ein chemischer Schutz nicht vermeiden, sollten Produkte mit verkapselten Bioziden gewählt werden.[2]
Biozidhaltige Produkte erkennen Sie nach dem Merkblatt an Hinweisen wie „filmgeschützt“ oder „Schutz gegen Algen und Pilze“ und an einem Produktcode mit „F“.[2] Seit September 2013 müssen Anbieter nach dem Merkblatt über alle bioziden Inhaltsstoffe von Farben und Putzen kostenfrei innerhalb von 45 Tagen Auskunft geben.[2] Die Verarbeitung biozidhaltiger Mittel sollte geschulten Fachleuten überlassen werden.[2] Für Bewohner gibt es bei bestimmungsgemäßem Umgang mit biozid ausgerüsteten Fassaden nach dem Amt derzeit keine Hinweise auf Gefährdungen, ein direkter Kontakt mit den Mitteln sollte aber vorsorglich vermieden werden.[2]
Vor dem Neuanstrich die Ursache planen
Bevor eine Fassade gereinigt, gestrichen oder verputzt wird, sind nach dem Umweltbundesamt Konstruktion und Umgebung zu prüfen und Sachverständige, Fachbetriebe oder der Fachhandel zu Rate zu ziehen.[2] Ausreichende Dachüberstände, Gefälle an Terrasse und Einfahrt sowie Fensterbänke mit passender Tropfkante halten die Oberfläche trocken, und diese Maßnahmen wirken im Vergleich zum Biozideinsatz dauerhaft.[2]
Baunetz Wissen beschreibt weitere Ansätze: dickere mineralische Oberputze, die Feuchte sofort aufnehmen statt sie als Tropfen stehen zu lassen, dunklere Farbtöne, die mehr Strahlungswärme gewinnen, und infrarotreflektierende Anstriche, die die Oberflächentemperatur anheben.[1] Über die Langzeitwirkung von Beschichtungen mit Nanopartikeln gibt es nach Baunetz Wissen noch keine Erkenntnisse.[1]
Häufige Fragen
Ist eine grüne Fassade ein Zeichen für Feuchte im Mauerwerk?
Nicht unbedingt. Die Feuchte entsteht nach Baunetz Wissen überwiegend durch Tauwasser auf der Oberfläche.[1] Wird auch die Wand innen feucht, lohnt sich eine Messung der Materialfeuchte.
Darf ich die Fassade mit dem Hochdruckreiniger säubern?
Bei Fassaden mit Bioziden kann der Hochdruckreiniger nach dem Umweltbundesamt die Auswaschung verstärken und die Schutzwirkung zerstören.[2] Das Amt nennt nasses Abwaschen oder Abbürsten bei erstem Bewuchs.[2]
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- BauNetz Media GmbH (BauNetz Wissen): Grauschleier an Fassaden: Algen und Pilze. Fachwissen Dämmstoffe, Schäden und Mängel. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Umweltbundesamt: Entscheidungshilfen zur Verringerung des Biozideinsatzes an Fassaden, Merkblätter 1 bis 5. Stand 03/2023, Merkblatt 1, Merkblatt 2 mit Tabelle 1 und Merkblatt 5. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21
- OST Ostschweizer Fachhochschule, Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik: Michael Burkhardt: Algen an Fassaden: Biozide folgenlos für Umwelt durch Verkapselung? (Aachener Bausachverständigentage 2021). Abschnitte 1 und 2, S. 75 bis 76. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
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