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Schimmel nach dem Fenstertausch: Woran liegt es?

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Neue Fenster werden luftdicht eingebaut und sind dichter als ihre Vorgänger, die praktisch von selbst ein Stück weit gelüftet haben, darum kann Tauwasser leichter entstehen.[1] Wird das Lüften nicht angepasst oder ist die Wand schlechter gedämmt als das neue Fenster, schlägt sich die Feuchte an der kältesten Stelle nieder, oft in der Laibung oder an der Außenwand.[1][2]

Was sich mit dem neuen Fenster ändert

Alte Fenster mit mangelhaften oder fehlenden Dichtungen ließen ständig etwas Luft durch, und mit dieser Luft zog auch Feuchte ab. Durch den vorgeschriebenen luftdichten Einbau sind neue Fenster dichter, und es kommt weniger Frischluft in die Räume.[1] Wird die Gebäudehülle energetisch ertüchtigt, wird sie dichter, und der passive Luftaustausch geht zurück, das muss durch mehr aktives Lüften ausgeglichen werden.[2]

Das Umweltbundesamt rät Vermietern ausdrücklich, ihre Mieter nach Sanierungsmaßnahmen über den Anpassungsbedarf beim Lüften zu informieren.[2] Wer selbst eingebaut hat, sollte das eigene Lüftungsverhalten ebenso überprüfen, am besten mit einem Hygrometer, das die Raumluftfeuchte anzeigt.

Die Wand wird zur kältesten Stelle

Bei alten Fenstern war die Scheibe die kälteste Fläche im Raum, an ihr schlug sich die Feuchte zuerst nieder. Neue Verglasungen sind auf der Innenseite deutlich wärmer, und so kann die Feuchte an anderer Stelle kondensieren, etwa an einer ungedämmten Außenwand, in der Fensterlaibung oder am Rollladenkasten.

Die Verbraucherzentrale erwähnt dazu eine Faustregel, nach der der U-Wert des Fensters schlechter sein müsse als der der Wand, weil sich sonst Tauwasser in der Wand sammle.[1] Sie hält diese Regel nicht immer für sinnvoll, denn Feuchte kann sich an kühlen Wandstellen auch bei schlechten Fenstern sammeln, und ohne ausreichende Lüftung entstehen Probleme unabhängig davon, welche Fenster und Wände verbaut sind.[1]

Der Einbau entscheidet mit

Das Fenster sollte Teil der Dämmebene sein und bei vorhandener Dämmung mit dieser eine lückenlose Schicht bilden, andernfalls können Probleme mit Tauwasser oder sogar Schimmel entstehen.[1] Auch der Randverbund der Verglasung spielt eine Rolle: Abstandhalter aus Aluminium oder Stahl bilden eine Wärmebrücke am Glasrand, die raumseitige Oberflächentemperatur sinkt, und das Risiko von Tauwasser und Schimmel steigt.[3] Wärmetechnisch verbesserte Abstandhalter, die sogenannte Warme Kante, können die Wärmeverluste im Randbereich mehr als halbieren.[3]

Nach der Norm für den Mindestwärmeschutz, DIN 4108-2, ist an der ungünstigsten Stelle der Innenoberfläche eine Temperatur von mindestens 12,6 °C einzuhalten, gerechnet mit 20 °C innen, 50 Prozent relativer Raumluftfeuchte und minus 5 °C außen.[4] Dann gilt eine Wand als frei von Schimmel und Tauwasser, vorausgesetzt, der Raum wird ausreichend beheizt, gelüftet und üblich genutzt.[4]

So lüften Sie mit dichten Fenstern

Oft reicht es, die neuen Fenster etwas häufiger zu öffnen als die alten.[1] Die Verbraucherzentrale nennt dafür einige Regeln.[1]

Wie oft gelüftet werden muss, hängt von Außentemperatur, Wohnungsgröße und Personenzahl ab, zwei Personen in einer Wohnung mit 50 Quadratmetern werden nach der Verbraucherzentrale durch Lüften etwa alle zwei Stunden ausreichend versorgt.[1] Bildet sich nach dem Tausch Schimmel am Fenster, sitzt er meist zuerst in Dichtung und Rahmenecken.

Lüftungstechnik als Ergänzung

Mit wenig Aufwand lässt sich eine kontrollierte Lüftung nachrüsten, etwa mit kleinen elektrischen Lüftern oder automatischen Lüftungsklappen im Fensterrahmen.[1] Wer sichergehen will, lässt ein professionelles Lüftungskonzept erstellen, das in seltenen Fällen beim Fenstertausch sogar vorgeschrieben sein kann.[1] Gibt es nur in einzelnen Räumen eine Lüftungsanlage, etwa einen Abluftventilator im Bad, muss die übrige Wohnung weiterhin über die Fenster gelüftet werden.[2]

Wer für neue Fenster eine staatliche Förderung beantragt, muss nach der Verbraucherzentrale zudem prüfen lassen, ob die Räume ausreichend gegen Tauwasser geschützt sind, etwa durch geeignete Lüftungsmöglichkeiten.[1]

Was nach dem Einbau zu prüfen ist

Ob das Lüften passt, zeigt sich im ersten Winter nach dem Einbau. Wer dann genau hinsieht und Werte notiert, kann früh gegensteuern, bevor sich Schimmel festsetzt. Zeigt sich nach dem Fenstertausch Wasser in der Laibung, stellt der Notdienst das Wasser ab, bevor der Befall sich festsetzt. Sammelt sich Tauwasser vor allem am Rand des neuen Fensters, prüft ein Betrieb für Fenster und Türen, ob der Anschluss an die Wand dicht und gedämmt ist.

Wenn schon Schimmel da ist

Zeigt sich nach dem Fenstertausch Schimmel in der Laibung, in den Ecken oder an der Außenwand, lohnt eine Messung der Oberflächentemperaturen und der Luftfeuchte über einige Tage. So wird klar, ob das Lüften angepasst werden muss oder ob ein Anschluss, eine Wärmebrücke oder eine undichte Fuge die Ursache ist. Erst danach wird der Befall entfernt und die Stelle instand gesetzt. Ist der Fensterbauer noch in der Gewährleistung, sollten Sie ihn früh einbeziehen und die Messwerte mit Fotos festhalten.

Häufige Fragen

Sind neue Fenster schuld am Schimmel?

Nicht die Fenster selbst. Sie verändern aber den Luftaustausch und die Verteilung der kalten Flächen im Raum, und wird das Lüften nicht angepasst, kann sich Feuchte an Wänden und Laibungen niederschlagen.[1][2]

Wie erkenne ich eine Warme Kante?

Am Randverbund zwischen den Scheiben: Statt eines Abstandhalters aus Aluminium oder Stahl wird ein wärmetechnisch verbessertes Material verwendet, etwa Edelstahl, der eine fast zehnmal geringere Wärmeleitfähigkeit als Aluminium hat, oder Kunststoff.[3] Die Angabe findet sich in den Unterlagen des Fensters.

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Belege

Quellen

  1. Verbraucherzentrale Bundesverband: Fenster sanieren oder austauschen: Darauf sollten Sie achten. Abschnitte zum Einbau, Lüftung mit dichten Fenstern und Förderung, Stand 12.02.2026. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17
  2. Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig? Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung. Abschnitt Lüftungsverhalten nach der Sanierung der Wohnung überprüfen, Stand 13.12.2024. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  3. Bundesverband Flachglas e. V.: BF-Merkblatt 004/2008 Kompass Warme Kante für Fenster und Fassaden, Änderungsindex 6. Abschnitte 2.1 bis 2.3, Stand 04/2025. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3
  4. Gebäudeforum klimaneutral der Deutschen Energie-Agentur (dena): Mindestwärmeschutz: Grundlage energieeffizienter Gebäude. Artikel, Stand November 2021. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2
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