Rollladenkasten
Auch: Rolladenkasten, Rollkasten
Der Rollladenkasten ist die Umschließung des Rollraums über einem Fenster, die den aufgewickelten Rollladenpanzer aufnimmt und bis auf den Auslassschlitz für den Panzer allseitig geschlossen ist.[1] Er wird als Fertigkasten beim Bau der Wand eingesetzt, als Aufsatzkasten mit dem Fenster eingebaut oder als Vorbaukasten vor Fenster oder Fassade montiert.[1][2]
So funktioniert ein Rollladenkasten
Schematische Darstellung des Sturzes eines Fensters mit Rollladenkasten im senkrechten Schnitt: links Regen, rechts der Raum, im Kasten die Welle mit dem aufgerollten Panzer, rundum Dämmschale und überdämmte Außenschürze, unten der Auslassschlitz und der Revisionsdeckel. Die Nummern folgen dem Panzer vom Fenster in den Kasten, der Feuchte zum Schlitz und der Hülle des Kastens bis zum Deckel.
- Rollladenpanzer vor dem Fenster: Der Panzer hängt in den Führungsschienen vor dem Fenster und nimmt Regen, Schmutz und Kälte ab. Was an ihm hängt, fährt er beim Hochziehen mit nach oben.
- Nasser Panzer rollt auf die Welle: Im Kasten wickelt sich der Panzer auf die Welle, in der bei elektrischem Antrieb der Rohrmotor sitzt. Nach Regen kommt er nass in den Rollraum, und das Wasser tropft dort von den Lamellen.
- Schlitz: Feuchte läuft nach außen: Die Feuchte aus dem Panzer sammelt sich auf dem Boden des Kastens und muss durch den Auslassschlitz wieder nach außen. Das gelingt nur, wenn der Kasten waagerecht sitzt, zum Raum geneigt bleibt das Wasser innen.
- Außenschürze überdämmt: Die Außenwand des Kastens bekommt eine durchgehende Dämmung, die mit der Fassadendämmung zusammenläuft. Sie hilft aber nur, wenn der Schlitz schmal bleibt, ein weit offener Rollraum hat innen Außentemperatur.
- Dämmschale rundum: Oben und zur Raumseite ist der Rollraum mit Dämmschalen ausgekleidet, denn der Kasten zählt energetisch zur Wand oder zum Fenster und muss den Mindestwärmeschutz erfüllen. Am Übergang zum Baukörper und zum Fensterprofil entscheidet die Dämmung, ob die Oberfläche innen warm genug bleibt.
- Revisionsdeckel waagerecht, gedichtet: Der Deckel zur Raumseite lässt sich ohne Beschädigung abnehmen und schließt mit elastischen Dichtprofilen oder Schaumbändern, die nach jedem Öffnen wieder sauber anliegen. Er wird waagerecht eingebaut, nie zum Raum geneigt.
- Raumluft stößt an den dichten Deckel: Ist der Deckel dicht, bleibt die warme, feuchte Raumluft im Zimmer, und die kalte Luft aus dem Rollraum kommt nicht herein. Sitzt der Deckel schlecht, drückt der Wind über den Schlitz Außenluft durch die Fugen ins Zimmer, und an den kalten Rändern schlägt sich Feuchte nieder.
Bauarten von Rollladenkästen
Nach der Technischen Richtlinie Rollläden des Bundesverbands Rollladen + Sonnenschutz wird der Kasten beim Einbaurollladen schon während der Wanderstellung eingesetzt, mit Revisionsöffnung zur Raumseite oder nach außen, beim Aufsatzrollladen vor dem Einbau auf dem Fenster befestigt und beim Vorbaurollladen als Element mit den Führungsschienen vor Fenster oder Fassade montiert.[1] Unterschieden werden außerdem nichttragende, selbsttragende und tragende Kästen, und Fertigkästen lassen sich mit Teilen aus bewehrtem Leichtbeton oder stabilen Ziegelplatten als Sturzersatz ausführen.[1]
Kästen, die nicht werkmäßig hergestellt werden, fasst die Richtlinie als Tischler- und Rabitzkästen zusammen: Beim Tischlerkasten trägt eine Konstruktion aus Holz oder Holzwerkstoffplatten, beim Rabitzkasten wurden Putzträger auf einer Unterkonstruktion aus Stahl befestigt und überputzt.[1] Solche Kästen finden sich vor allem im Bestand und regional bei zweischaligem Mauerwerk, und heute entstehen sie in der Regel aus Verbundmaterialien wie Gipskarton mit Dämmplatten.[1]
Vorbaukästen wurden nach der Richtlinie ursprünglich als Minirollladen für die Altbausanierung entwickelt und sind wegen ihrer kleinen Baumaße inzwischen auch im Neubau verbreitet.[1] Weil sie vor dem Fenster sitzen und die Gebäudehülle nicht durchbrechen, verhindern sie nach dem Bauprofessor-Lexikon Wärmebrücken über dem Fenster, und für sie entfallen nach der Richtlinie die Anforderungen an den Wärmeschutz.[3][1]
Läuft nach Schlagregen oder einem Leck in der Wohnung darüber Wasser aus dem Rollladenkasten, kann es den Rohrmotor, dessen Zuleitung und die Rollladentaste neben dem Fenster erreichen. Bevor jemand den Deckel abnimmt, wird der Stromkreis des Antriebs an der Sicherung ausgeschaltet, denn die Taste am Fenster hält den Motor nur an und trennt ihn nicht vom Netz. Ist der Sicherungskasten selbst nass geworden, fasst ihn niemand an, Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber werden gerufen, und einen Keller, in dem gleichzeitig Wasser steigt, betritt keiner.
Aufsatzkasten: Rollladen und Fenster als ein Element
Beim Aufsatzrollladen liegt der Kasten nach BauNetz Wissen oberhalb des Fensters, beide bilden eine Einheit und werden gemeinsam eingebaut, was sich für Gebäude eignet, in deren Außenwand Welle und Panzer keinen Platz finden.[2] Der Kasten verkleinert dafür die Rohbauöffnung und damit die mögliche Fensterfläche, und für echte Rundbogenfenster ist er ungeeignet.[2] Bildet sich über dem Fenster auf der Raumseite ein feuchter Fleck an der Wand, hat oft der Anschluss des Kastens an die Fassade eine undichte Stelle.
Die äußeren Kastenwände können sichtbar bleiben oder hinter einer Aluminiumblende liegen, verbreiteter ist es nach BauNetz Wissen aber, Putz oder Vormauerschale der Fassade über den Kasten zu ziehen.[2] Der Kastendeckel sitzt raumseitig, meist an der Unterseite, und nach dem Lösen von Endprofil und Gurt lässt sich der Panzer nach innen rollen, sodass beschädigte Lamellen getauscht werden können, ohne das ganze Element auszubauen.[2] Wenn neben dem Rollladenkasten Wasser aus der Decke tropft, kann die Quelle ebenso ein Leck im Stockwerk darüber sein wie Regen von außen. Über den geöffneten Deckel prüft eine Leckageortung dann den Kasten selbst und seine Anschlüsse.
Aufsatzkästen aus Kunststoff haben nach dem Bauprofessor-Lexikon Dämmschalen aus Polystyrol oder PUR, und nach der Richtlinie werden Aufsatzkästen beidseitig überputzt oder überdämmt, wobei eine vorhandene Revisionsöffnung an der Unterseite liegt.[3][1] Beim Mini-Aufsatzkasten bleiben die senkrechten Flächen teilweise sichtbar, und sein Rollraum ist kleiner als bei einem Aufsatzkasten.[1] Läuft Wasser aus dem Kasten in die Laibung, sperrt der Notdienst ab, und die Trocknung zielt danach auf Sturz und Wand rund um den Kasten.
Wärmeschutz am Rollladenkasten
Fertig- und Aufsatzkästen gelten energetisch als Teil der Wand oder des Fensters und müssen deshalb Anforderungen an Wärme- und Schallschutz erfüllen, und für werkmäßig hergestellte Kästen einschließlich Deckel gilt nach der Richtlinie die Rollladenkastenrichtlinie als Anlage 13 der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen.[1] Den Mindestwärmeschutz regelt danach DIN 4108-2 mit einem mittleren Wärmedurchlasswiderstand des ganzen Kastens von mindestens 1,0 m²K/W und bei innenliegender Revision mindestens 0,55 m²K/W im Bereich des Deckels, woraus sich ein Wärmedurchgangskoeffizient von höchstens 0,85 W/(m²K) ergibt.[1]
Eine harmonisierte Norm für Rollladenkästen gibt es nach der Richtlinie nicht, eine CE-Kennzeichnung ist deshalb nicht möglich, und werkmäßig hergestellte Kästen tragen stattdessen ein Übereinstimmungszeichen, in dem der Wärmedurchgangskoeffizient und bei schalldämmenden Kästen das bewertete Schalldämm-Maß stehen.[1] Kästen aus handwerklicher Fertigung brauchen kein solches Zeichen, müssen die Anforderungen aber ebenso erfüllen, belegt durch eine Herstellererklärung ohne Formvorschriften.[1]
Mindestanforderungen an den Schallschutz von Rollladenkästen enthalten die Landesbauordnungen nach der Richtlinie nicht, bei hohen Anforderungen an den Schutz gegen Außenlärm empfiehlt sie aber Kästen mit hoher Schalldämmung, und für handwerklich gefertigte Kästen beschreibt DIN 4109-35 ein Verfahren nach konstruktiven Merkmalen.[1]
Wärmebrücken und Auslassschlitz
Im Bereich von Wärmebrücken verlangt DIN 4108-2 nach der Richtlinie einen Temperaturfaktor von 0,7, was unter den Randbedingungen der Norm einer Oberflächentemperatur von 12,6 °C entspricht.[1] Bei Einbau- und Aufsatzkästen gilt das für die Übergänge zwischen Kasten und Baukörper oben und seitlich sowie zwischen Kasten und oberem Fensterprofil, Vorsatz- und Mini-Aufsatzkästen zählen dagegen zum Fenster.[1]
DIN 4108 Beiblatt 2 erleichtert den Nachweis linienförmiger Wärmebrücken mit Anschlussbeispielen, und hält ein Rollladenkasten den dort genannten Wärmebrückenverlustkoeffizienten ein, ist die Gleichwertigkeit nach der Richtlinie gegeben.[1] Mit der Ausgabe vom Juni 2019 kamen in die Anhänge des Beiblatts weitere Regeln zur Modellierung von Fenster-, Rollladenkasten- und Dachflächenfensteranschlüssen.[4]
Für die Berechnung zählt nach der Richtlinie, wie weit der Schlitz für den Panzer offen ist: Sind die Spalte beiderseits des Panzers zusammen höchstens 2 mm breit, gilt der Rollraum nach DIN EN ISO 10077-2 als unbelüftet, bei einem Gesamtmaß bis 35 mm als leicht belüftet und darüber als gut belüftet, mit Außentemperatur im Kasten.[1] Eine Überdämmung der Außenschürze hilft nur in den ersten beiden Fällen, schmale Spalte lassen sich mit Dichtungen wie Bürsten herstellen, und eine durchgehende Abrollleiste am Einlauf der Führungsschienen verringert die Belüftung des Kastens zusätzlich.[1]
Luftdichtheit des Rollladenkastens
An den Revisionsöffnungen von Einbau- und Aufsatzkästen darf die auf die Kastenlänge bezogene Luftdurchlässigkeit nach DIN 18073 bei 10 Pa Druckdifferenz höchstens 0,25 m³ je Stunde und Meter betragen, womit die Anforderung von DIN 4108-2 an das ganze Bauteil erfüllt ist.[1] Grundlage ist nach der Richtlinie ein Forschungsvorhaben des ift Rosenheim, und Kästen ohne raumseitige Konstruktionsfugen, etwa mit Revision von außen, erfüllen die Anforderung ohne weiteres.[1]
Der Revisionsdeckel muss sich ohne Beschädigung abnehmen lassen, Verklebungen scheiden deshalb aus, ebenso vorkomprimierte Dichtungsbänder, die nach dem Öffnen keinen definierten Sitz mehr bieten.[1] Geeignet sind nach der Richtlinie geschlossenzellige, nicht vorkomprimierte Schaumkunststoffbänder oder elastische Dichtprofile am Deckel oder am Kasten, deren Ecken ohne Unterbrechung ausgebildet sind, und für Gurtführungen verlangt DIN 18073 mindestens die Luftdichtheitsklasse 1.[1]
Wie ein schlecht sitzender Deckel wirkt, beschreibt ein Gutachten in der Fachzeitschrift GLASWELT: Die Deckel erreichten nicht die Dicke von 15 mm, für die die Nut am Fenster ausgelegt war, hatten darin 8 mm Spiel und lagen in den Ecken nicht an, was Staubspuren an den Fugen belegten.[5] Über den trichterförmigen, etwa 20 mm breiten Auslassschlitz strömte Luft in den Rollraum, baute dort je nach Wind einen Überdruck auf und drückte kalte Außenluft durch die Undichtheiten ins Zimmer.[5]
Einbau in gedämmte und zweischalige Wände
Bei Wänden mit Außendämmung soll der Kasten nach der Richtlinie in die Dämmung einbinden, statt auf das Kernmauerwerk beschränkt zu bleiben, mit einer durchgehenden Überdämmung von vorzugsweise 40 mm.[1] Für zweischaliges Mauerwerk empfiehlt sie Klinkerkästen mit dünner Außenschürze, denn bei außen offenen Kästen drohen Fehlstellen in der Dämmung, Verschmutzung in der Bauphase und Störungen durch vorstehende oder herabfallende Mörtelteile.[1]
Die Einbauhöhe des Fensters ist so auf den Kasten abzustimmen, dass der Revisionsdeckel waagerecht montiert werden kann, und zur Raumseite geneigt sein darf er keinesfalls, weil sonst die Feuchte, die der Panzer in den Kasten trägt, nicht wieder nach außen abgeführt wird.[1] Bauseits vorhandene Kästen sind auf ihre Einbaulage zu prüfen, und Durchbiegung und Abweichung aus der Waagerechten dürfen höchstens 5 Promille der Kastenlänge und nicht mehr als 10 mm betragen.[1]
Wasser im Rollladenkasten
Tropft Wasser aus dem Rollladenkasten oder zeigen sich Flecken an Deckel und Sturz, kann Schlagregen über Auslassschlitz und Führungsschienen eingedrungen sein, ebenso Wasser aus einem Leck in der Wohnung darüber. Wir messen die Feuchte an Sturz, Laibung und Decke, öffnen den Deckel und prüfen, ob Dämmung und Kastenboden nass sind und von welcher Seite das Wasser kommt.
Kommt es von außen, richtet ein Fenster- oder Rollladenbauer den Anschluss, kommt es aus einer Leitung, orten wir die undichte Stelle. Danach trocknen wir Sturz und Mauerwerk, und der Deckel wird erst wieder eingesetzt, wenn die Messung keine erhöhte Feuchte mehr zeigt.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e. V.: TR Rollläden, Technische Richtlinie des Technischen Kompetenzzentrums. Gesamtausgabe September 2024, Abschnitte 2.2, 2.3.1, 2.3.5.1 und 4.3. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21↑22↑23↑24↑25↑26↑27↑28
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Aufbau-/Aufsatzrollläden. Fachwissen Sonnenschutz, Rollläden, Aufbau-/Aufsatzrollläden. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- f:data GmbH (Bauprofessor Lexikon): Rollladen. Lexikon, Baukonstruktion, Rollladen, Beitrag vom 04.12.2020. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
- DIN Media GmbH: DIN 4108 Beiblatt 2:2019-06, Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden, Wärmebrücken, Planungs- und Ausführungsbeispiele. Ausgabe 2019-06, Produktbeschreibung und Änderungsvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑
- GLASWELT, Fachzeitschrift (Eugen Ulmer KG): Aus der Gutachterpraxis: Einbruchsichere Rollläden? (Heinrich Schultes). GLASWELT 5/2004, Seiten 30 und 31. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
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