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Trittschalldämmung: Fußboden im Schnitt mit Federn in der Dämmschicht unter dem Estrich, Schuh tritt auf, Schallbögen enden an der Dämmung, harte Lage mit Rohr darunter, Randstreifen

Trittschalldämmung

Die Trittschalldämmung ist die federnde Dämmschicht unter einem schwimmenden Estrich, die den Körperschall vom Begehen einer Decke von der Rohdecke fernhält.[1] Ihre Wirkung hängt vor allem von der dynamischen Steifigkeit ab: Je geringer sie ist, desto besser dämmt der Aufbau.[2] Eingesetzt werden Platten aus expandiertem Polystyrol, Mineralwolle, Blähperlit oder Holzfasern.[2]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So federt die Trittschalldämmung den Schritt ab

Trittschalldämmung, Funktionsweise: Fußboden im Schnitt mit Rohdecke, harter Ausgleichslage mit Rohr, weicher Trittschalldämmung als Federreihe, Estrich und Parkett, Schuh tritt auf, Federn darunter zusammengedrückt, Schallbögen enden an der Dämmung, Randstreifen an der Wand

Schematische Darstellung eines Fußbodens im Schnitt mit Trittschalldämmung als Federreihe unter dem Estrich. Die Nummern folgen dem Aufbau vom Zweimassensystem bis zum Randstreifen.

  1. Estrich und Decke: zwei Massen: Estrich und Rohdecke bilden mit der Dämmschicht dazwischen ein zweischaliges Bauteil. Die Resonanzfrequenz hängt von den Massen beider Schalen und von der dynamischen Steifigkeit der Zwischenschicht ab.
  2. Dämmschicht wirkt als Feder: Die Dämmschicht trägt den Estrich wie eine Feder. Der Schritt wird in der Platte gehalten und kommt an der Rohdecke nur gedämpft an.
  3. Je weicher die Feder, desto besser: Entscheidend ist die dynamische Steifigkeit, angegeben in Meganewton je Kubikmeter: Je geringer sie ist, desto besser dämmt der Aufbau. Für erhöhte Anforderungen gelten nur Dämmstoffe mit höchstens 10 Meganewton je Kubikmeter.
  4. Höchstens 5 mm nachgiebig: Die Zusammendrückbarkeit der Dämmschicht unter schwimmenden Estrichen darf höchstens 5 Millimeter betragen, bei hohen Lasten und unter Gussasphalt höchstens 3 Millimeter. Bei mehreren Lagen zählt die Summe.
  5. Rohr: Ausgleich, Dämmung voll dick: Liegen Rohre oder Kabel auf der Rohdecke, wird bis zu ihrer Oberkante ausgeglichen, damit die Trittschalldämmung durchgehend in voller Dicke liegt. Wird sie über Rohren dünner, nimmt die Schallübertragung zu.
  6. Harte Lage unten, weiche oben: Bei Wärme- und Trittschallanforderungen liegen zwei Lagen unter dem Estrich: unten die druckfeste Wärmedämmung, oben der Dämmstoff mit der geringeren Zusammendrückbarkeit.
  7. Randstreifen: keine Schallbrücke: Die Dämmstoffe werden dicht gestoßen und vollflächig verlegt, der Randstreifen trennt den Estrich von der Wand. Schallbrücken entstehen sonst durch Spachtelmasse, harte Fußleisten, Türzargen und Heizkörperkonsolen.

Wie eine Trittschalldämmung wirkt

Estrich und Rohdecke bilden mit der Dämmschicht dazwischen ein zweischaliges Bauteil, und die Dämmschicht wirkt darin wie eine Feder.[1] Bei der Resonanzfrequenz schwingen beide Schalen gegeneinander mit größter Amplitude, und in diesem Bereich steigt der Trittschallpegel.[1] Die Frequenz hängt von der flächenbezogenen Masse beider Schalen und von der dynamischen Steifigkeit der Zwischenschicht ab.[1]

Die Technische Information des Industrieverbands Hartschaum gibt dafür die Formel f0 = 160 · √(s′ · (1/m1 + 1/m2)) an, mit der Masse der Estrichplatte m1, der Masse der Rohdecke m2 und der dynamischen Steifigkeit der Trittschalldämmung s′.[1] Eine andere Deckendicke verändert die Resonanzfrequenz danach kaum, eine andere dynamische Steifigkeit der Dämmung dagegen deutlich.[1]

Tiefe Frequenzen können als Estrichdröhnen stören, besonders bei fersenbetontem Gehen, in wenig möblierten Räumen und bei niedrigem Grundgeräuschpegel.[1] Liegt die Eigenfrequenz des Aufbaus unter 50 Hz, nimmt die Wahrscheinlichkeit dafür ab, und bei einer 20 Zentimeter dicken Decke erreicht man das nach dem Verband mit einem Estrich von mindestens 100 Kilogramm je Quadratmeter, etwa 6 Zentimetern Zementestrich, und einer dynamischen Steifigkeit unter 10 MN/m³.[1]

Kurzzeichen und Kennwerte der Trittschalldämmung

Die Anwendungsgebiete der Dämmstoffe regelt DIN 4108-10, und unter Estrichen gelten zwei Kurzzeichen: DEO für die Dämmung der Decke oder Bodenplatte unter Estrich ohne Schallschutzanforderungen und DES für die Dämmung mit Schallschutzanforderungen.[2] Die schalltechnischen Eigenschaften werden weiter unterteilt, sh steht für eine Trittschalldämmung mit erhöhter, sm mit mittlerer und sg mit geringer Zusammendrückbarkeit.[2]

Entscheidend für die Auswahl sind nach dem Bundesverband Estrich und Belag die dynamische Steifigkeit, angegeben als SD mit einem Wert in MN/m³, und die Zusammendrückbarkeit, angegeben als CP mit einem Wert in Millimetern.[2] Für erhöhte und sehr hohe Anforderungen empfiehlt die Technische Information nur Trittschalldämmstoffe mit einer dynamischen Steifigkeit von höchstens 10 MN/m³.[2] Ist der Trittschall nach neuem Estrich lauter als vorher, liegt das oft an einer zu steifen Dämmung oder an einer harten Verbindung zur Wand.

Die Stärke einer Trittschalldämmplatte wird mit zwei Zahlen angegeben, etwa 45-3: Die erste ist die Lieferdicke in Millimetern, die zweite die Zusammendrückbarkeit unter Belastung.[3] EPS-Trittschallplatten entsprechen der Produktnorm DIN EN 13163, tragen das CE-Zeichen und heißen dort EPS T.[1] Sie erfüllen die Anforderungen des Anwendungstyps DES, und ihr Feder- und Dämpfungsvermögen beschreibt die Produktnorm über Stufen der dynamischen Steifigkeit.[1] Nach dem Industrieverband bleibt die Trittschall- und Wärmedämmleistung von EPS während der Nutzung konstant.[1]

EPS-Trittschallschutz-Systeme des Industrieverbands Hartschaum
System Plattentyp und Dicke Zusammendrückbarkeit Flächenlast bis
SD 10 EPS 045 DES sm, 40 bis 60 mm bis 3 mm 4 kN/m²
SD 15 EPS 045 DES sm, 30 und 35 mm bis 3 mm 4 kN/m²
SD 20 EPS 045 DES sm, 20 und 25 mm bis 2 mm 4 kN/m²
SD 20 EPS 040 DES sg, 40 mm bis 2 mm 5 kN/m²

Auszug aus Tabelle 1 der Technischen Information Trittschallschutz mit EPS, Stand 05/2023; SD steht für die dynamische Steifigkeit in MN/m³.[1]

Wie weit sich die Dämmschicht zusammendrücken darf

Nach DIN 18560-2 darf die Zusammendrückbarkeit der Dämmschicht unter schwimmenden Estrichen höchstens 5 Millimeter betragen, wenn die Einzellasten bis 2,0 kN und die Flächenlasten bis 3 kN/m² reichen, bei höheren Lasten und grundsätzlich unter Gussasphaltestrich höchstens 3 Millimeter.[3] Bei mehrlagigen Dämmschichten darf die Summe der einzelnen Lagen diese Grenzen nicht überschreiten.[2] Unter Heizestrichen und unter Stein- oder Keramikbelägen darf die Zusammendrückbarkeit der Dämmschicht nach der Technischen Information ebenfalls nicht mehr als 5 Millimeter betragen.[2]

Eine kombinierte Wärme- und Trittschalldämmung ist nach Baukobox nur begrenzt möglich, weil mit der Dämmstärke auch die Zusammendrückbarkeit steigt, und deshalb liegen bei beiden Anforderungen meist zwei Schichten unter dem Estrich: eine druckfeste Wärmedämmung und eine Trittschalldämmung mit bekannter Zusammendrückbarkeit.[3] Wird ein alter Aufbau zurückgebaut, kann darunter alte Mineralwolle liegen, die beim Ausbau besondere Schutzmaßnahmen verlangt.

Werden Trittschall- und Wärmedämmplatten zusammen verlegt, muss der Dämmstoff mit der geringeren Zusammendrückbarkeit oben liegen, die härteren Wärmedämmplatten dürfen aber als untere Lage einen Rohrausgleich bilden.[2] Aus schalltechnischer Sicht ist es nach dem Bundesverband unerheblich, ob die harte Wärmedämmschicht oben oder unten liegt.[2] Nach einem Wasserschaden entscheidet die Messung in beiden Lagen, ob Sie Trocknungsgeräte mieten oder die Dämmung ausbauen lassen.

Verlegen ohne Schallbrücken

Die Dämmstoffe müssen dicht gestoßen verlegt werden, bei mehreren Lagen mit versetzten Stößen, und höchstens zwei Lagen dürfen aus Trittschalldämmstoffen bestehen.[2] Die Dämmschicht muss vollflächig aufliegen, Hohlstellen unter den Platten sind zu beseitigen.[2]

Unter schwimmenden Estrichen kommen nach dem Bundesverband je nach Anforderung Dämmschichten aus Mineralwolle, expandiertem oder extrudiertem Polystyrol, Polyurethan-Hartschaum, Phenolharzschaum, Schaumglas, Holzwolle, Blähperlit, expandiertem Kork und Holzfasern in Frage, deren Eignung für Wärme- oder Schallschutz DIN 4108-10 oder eine andere Anwendungsnorm ausweist.[2]

Liegen Rohre oder Kabel auf der Rohdecke, ist nach der Technischen Information immer ein Ausgleich bis zur Oberkante der Einbauten nötig, mit Ausgleichmörtel, gebundenen Schüttungen oder Wärmedämmplatten, damit die Trittschalldämmung durchgehend in voller Dicke verlegt werden kann.[2] Fehlt dafür die Konstruktionshöhe, wird die Dämmung über den Rohren dünner, und die Schallübertragung kann zunehmen.[2] Trassen für Leitungen sollen kreuzungsfrei, möglichst geradlinig und parallel zu den Wänden geplant werden.[2]

Trittschalldämmung und Schallschutzanforderungen

Die Mindestanforderungen an den Schallschutz von Decken legt DIN 4109-1 fest, verbindlich unter anderem für Geschosshäuser mit Wohnungen und Arbeitsräumen, für Doppel- und Reihenhäuser, Beherbergungsstätten, Krankenanstalten und Schulen.[1] Einen bewerteten Norm-Trittschallpegel von höchstens 53 dB erreicht man nach dem Industrieverband im Regelfall mit einer EPS-T-Platte 20-2, für erhöhten Schallschutz kommen Platten 40-3 bis 60-3 mit einer dynamischen Steifigkeit von 10 MN/m³ zum Einsatz.[1] In einem Rechenbeispiel des Verbands für eine 180 Millimeter dicke Stahlbetondecke mit 65 Millimetern Zementestrich auf 20 Millimetern EPS mit einer dynamischen Steifigkeit von 20 MN/m³ ergibt sich ein bewerteter Norm-Trittschallpegel von 45,0 dB bei massiven Flankenwänden und von 49,1 dB bei leichten Gipsdielenwänden.[1]

Ein erhöhter Schallschutz muss nach der Technischen Information des Bundesverbands Estrich und Belag in der Regel vorher zwischen Bauherr und Planer vereinbart werden, und für den Schallschutz im eigenen Wohnbereich stellt die Norm ohne Vereinbarung keine Anforderungen.[2]

Trittschalldämmung nach einem Wasserschaden

Wie verschiedene Dämmschichten nach einem Wasserschaden trocknen, hat das Fraunhofer-Institut für Bauphysik an vier Fußböden mit 50 Millimeter dickem Zementestrich untersucht, drei davon schwimmend auf unterschiedlichen Dämmschichten.[4] Die Böden wurden drei Tage geflutet, trockneten eine Woche ohne Geräte und danach etwa vier Wochen mechanisch bei 20 °C Raumtemperatur und 60 Prozent Luftfeuchte.[4]

Gemessen wurde die Feuchte der Dämmung an eingelegten Balsaholzplättchen, und am Ende lagen alle drei gedämmten Böden unter der Marke von 20 Masseprozent, die das Institut als trocken wertete.[4] Den niedrigsten Estrichwert erreichte der Boden mit Perlitschüttung und Mineralfaserdämmung, und ein Verbundestrich ohne Dämmschicht, unter dem keine Geräte liefen, trocknete in derselben Zeit deutlich schlechter.[4]

Dämmung und Estrich vor und nach der Trocknung
Dämmschicht Dämmung nass Dämmung am Ende Estrich nass Estrich am Ende
EPS 25 mm und Mineralfaser 25 mm 100 M-% 13,7 M-% 9,6 M-% 5,4 M-%
zweimal EPS 30 mm 75,4 M-% 16,5 M-% 9,6 M-% 4,1 M-%
Perlitschüttung 40 mm und Mineralfaser 12 mm 79,5 M-% 14,1 M-% 9,6 M-% 2,7 M-%
keine, Verbundestrich entfällt entfällt 9,6 M-% 6,3 M-%

Räume E bis H im vierten Versuchsabschnitt des Prüfberichts P17-027.1/2017; Dämmungswerte an Balsaholzplättchen gemessen.[4]

Das Ergebnis betrifft diese Aufbauten unter Laborbedingungen. Für den einzelnen Schaden zählt, welcher Dämmstoff tatsächlich liegt, wie lange das Wasser stand und ob es sauber oder verschmutzt war.

Wie wir die Trittschalldämmung bei einem Schaden prüfen

An einer Bohrung oder einer geöffneten Stelle sehen wir, welcher Dämmstoff unter dem Estrich liegt: Polystyrol, Mineralwolle, eine Schüttung oder Holzfaser. Davon hängt ab, wie wir trocknen und ob eine Trocknung überhaupt sinnvoll ist.

Nach der Trocknung achten wir darauf, dass die Dämmung nicht an Höhe verloren hat und keine Schallbrücke entstanden ist, etwa durch Bohrlochverschlüsse, die bis in die Dämmschicht reichen, oder durch Fugenmassen, die den Randstreifen überbrücken.

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Belege

Quellen

  1. Industrieverband Hartschaum (IVH): Technische Information: Trittschallschutz mit EPS. Stand 05/2023, S. 1 bis 5. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15
  2. Bundesverband Estrich und Belag (BEB): Technische Information: Dämmschichten unter Estrichen (Wärme- und Schallschutz). Ausgabe 01/2011, Abschnitte 1 und 3, S. 1 und 7 bis 10. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17
  3. baukobox GmbH: Estrich: Expertenwissen. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3
  4. Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP): Prüfbericht P17-027.1/2017: Trocknungsverhalten von Fußbodenaufbauten und angrenzenden Wänden sowie von Deckenaufbauten mit natürlicher und mechanischer Trocknung nach einem Wasserschaden. Stuttgart, 28.02.2017, Abschnitt 3.6, S. 10 und Tabelle 3, S. 20. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
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