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Hohlräume trocknen: Vorwand, Schacht und Zwischendecke

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

In Vorwänden, Installationsschächten und abgehängten Decken lassen sich die einzelnen Schichten nach dem österreichischen Leitfaden zur Bauteiltrocknung meist nicht ausreichend über die Raumluft trocknen, deshalb wird Trockenluft über Öffnungen hindurchgeführt.[1] Vorher sind in der Regel Sondierungsöffnungen nötig, um die Baustoffe auf Schimmel zu prüfen.[1] Bleibt Befall im Hohlraum, kann nach einer Forschungsarbeit eine dichte Trennung zum Raum genügen.[2]

Zuerst Leck und Strom

Tropft es aus einer abgehängten Decke oder läuft Wasser hinter einer Vorwand, kommt zuerst das Absperrventil. Danach werden die Stromkreise, deren Leuchten, Dosen oder Leitungen im nassen Bereich liegen, an der Sicherung ausgeschaltet. Ist der Sicherungskasten nass geworden, gehört er in die Hände von Feuerwehr oder Netzbetreiber, und läuft der Keller weiter voll, bleibt er für alle tabu.

Zu den Sofortmaßnahmen zählt ein österreichischer Leitfaden für die technische Trocknung von Bauteilen, die betroffenen Stromkreise spannungsfrei zu schalten sowie nasse Wandverkleidungen, abgehängte Decken und Gipskarton abzunehmen, mit einem Auge für verdeckten Schimmel.[1] Feuchte Gipskartonplatten sind nach dem Leitfaden zu entfernen.[1]

Warum Hohlräume nicht von allein trocknen

Bei mehrschichtigen Bauteilen wie Boden- und Deckenaufbauten, Installationsschächten, abgehängten Decken, Vorsatzschalen und Leichtbauwänden können die einzelnen Schichten nach dem Leitfaden meist nicht ausreichend über die Raumluft getrocknet werden.[1] Durch passende Öffnungen lassen sich diese Schichten mit Trockenluft durchfluten und so trocknen.[1]

Das IFS, das Schadeninstitut der öffentlichen Versicherer, schildert, wie lange Wasser in einem Hohlraum unentdeckt bleiben kann: Ein Mieter klagte über Schimmel in seiner Küche, und die Fehlerstelle fand sich schließlich hinter einer Vorwand im Gäste-WC.[3] Dort hatte sich am Zulauf zum Unterputz-Spülkasten eine Verbindung gelöst, die nie verpresst worden war, und das Haus war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt.[3] Bei der Druckprobe nach der Installation fiel der Fehler nach dem IFS nicht auf, weil das Rohr in der Hülse verkantet war und sich die Verbindung erst mit der Zeit durch den Betriebsdruck löste.[3]

Erst hineinsehen, dann trocknen

Bei Hohlräumen sind nach dem Leitfaden in der Regel Sondierungsöffnungen erforderlich, um die Baustoffe auf Schimmel prüfen zu können, besonders unter dem Estrich, bei Trockenbauwänden, Wandverkleidungen, abgehängten Decken und Schächten.[1] Die Öffnungen sind so herzustellen, dass beschädigte Abdichtungen, Dampfsperren und Dampfbremsen mit möglichst geringem Aufwand wieder fachgerecht instand gesetzt werden können.[1]

Die Verteilung der Feuchte in den Schichten lässt sich nach dem Leitfaden meist nur über Materialproben mit Laborauswertung ermitteln, und bei Holzkonstruktionen ist die Holzfeuchte zu bestimmen.[1] Ein Blick mit der Kamera durch eine kleine Bohrung zeigt schon, ob Dämmung, Ständer und Rückseite der Platten sauber sind oder ob mehr geöffnet werden muss.

Wie die Trockenluft durch den Hohlraum geführt wird

Der Abstand zwischen Einblas- und Abluftöffnungen hängt nach dem Leitfaden unter anderem vom Schichtaufbau, von der Luftdurchlässigkeit, vom Grad der Durchfeuchtung und von den eingesetzten Geräten ab.[1] Mit steigendem Feuchtegehalt nimmt die Luftdurchlässigkeit ab, deshalb bilden sich zwischen den Öffnungen und entlang von Leitungen Luftstraßen, und Bereiche abseits davon trocknen erst über den Feuchteausgleich und damit deutlich langsamer.[1] Dasselbe gilt für die Löcher im Estrich, über die ein nasser Fußbodenaufbau getrocknet wird.

Solche Straßen lassen sich nach dem Leitfaden durch eine geschickte Anordnung der Öffnungen und das Abdichten weiterer Durchtrittswege vermeiden.[1] Stehendes Wasser ist vor oder mit Beginn der Trocknung abzusaugen.[1] Bei dicken Schichten wie gebundenen Schüttungen wird nach dem Leitfaden in mehreren Ebenen getrocknet, meist mit verlängerten Bodenstutzen.[1] Die Luftgeschwindigkeit sollte so gewählt werden, dass auf der Abluftseite zu Beginn höchstens 80 Prozent relative Feuchte erreicht werden.[1] Adsorptionstrockner liefern sehr trockene und meist deutlich wärmere Luft als Kondensationstrockner, was die Trocknung verkürzt, an Parkett aber zu Fugen und Rissen führen kann.[1]

Bleibt Schimmel im Hohlraum?

Eine Forschungsarbeit des Aachener Instituts für Bauschadensforschung hat Schimmelschäden in Bauteilen ausgewertet: Am häufigsten fand sich Befall in Fußbodenkonstruktionen und in leichten Wandkonstruktionen.[2] Sind die Randfugen bauüblich dicht und findet kein Luftaustausch zwischen Raum und Bauteilinnerem statt, hat Schimmel im Bauteil nach dem Bericht keine Auswirkung auf die Raumluft.[2]

Sind anhaltende Gerüche und Schäden am Material ausgeschlossen, können Schimmelschäden in Bauteilen nach dem Bericht in der Regel auch ohne Rückbau instand gesetzt werden, und das vermeidet zugleich das Risiko, beim Ausbau ganze Räume mit Sporen zu belasten.[2] Ausdrücklich nicht behandelt hat die Arbeit holzzerstörende Pilze und Gefahrstoffe wie Asbest, die bei einer Trocknung freigesetzt werden können.[2] Ob befallene Schichten ausgetauscht werden oder bleiben, hängt nach dem Bericht häufig weniger an der Hygiene als an der Frage, ob sich ein Anspruch gegen Mieter, Verkäufer oder Versicherer durchsetzen lässt.[2]

Wann die Verkleidung doch fallen muss

Nasse Gipskartonplatten werden nach dem Leitfaden entfernt, weil auf ihnen und auf organischen Dämmstoffen schon nach wenigen Tagen Feuchte Schimmel entstehen kann.[1] Riecht es dauerhaft, ist Holz angegriffen oder lässt sich der Hohlraum nicht dicht zum Raum abschließen, ist der Rückbau der sichere Weg. Nach Rückbau oder Trocknung schließen Trockenbauarbeiten die Vorwand wieder, sobald die Messwerte stimmen.

Läuft ein Schacht durch mehrere Wohnungen, gehören Hausverwaltung und Nachbarn früh informiert, denn die Feuchte macht an der eigenen Wohnungstür nicht halt. Wie bei einer nassen Holzbalkendecke kann das Wasser dort auch in die Decken zwischen den Geschossen ziehen. Bevor Vorwand, Schacht oder Decke wieder geschlossen werden, sollten Sie die Messwerte gesehen haben, und bewahren Sie Fotos der geöffneten Stellen auf.

Häufige Fragen

Muss die Vorwand ganz abgerissen werden?

Nicht unbedingt. Zuerst zeigen Sondierungsöffnungen nach dem österreichischen Leitfaden, ob Baustoffe befallen sind, nasse Gipskartonplatten werden aber entfernt.[1] Befall ohne Gerüche und Materialschäden lässt sich nach dem Aachener Institut in der Regel auch durch dichte Abschottung beherrschen.[2]

Warum dauert die Trocknung im Hohlraum so lange?

Die Trockenluft sucht sich nach dem Leitfaden Luftstraßen, und Bereiche abseits davon trocknen erst über den Feuchteausgleich.[1]

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Belege

Quellen

  1. Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (Österreich), Arbeitskreis Innenraumluft: Leitfaden zur technischen Bauteiltrocknung. Ausgabe 2019, Sofortmaßnahmen, Bestandsaufnahme sowie Kapitel 3.2.1 und 3.4. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19
  2. Aachener Institut für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik (AIBau) und LBW Bioconsult: Instandsetzung von Schimmelschäden durch Abschottung: Partikeldichtheit von Baustoffen, Abschlussbericht. Juli 2019, Kapitel 4.2 und 8. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  3. Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS): Eine Ansammlung von Installationsfehlern. Schadenbericht vom 06.10.2017. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3
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