Abwasser im Haus nach Rückstau: Was ist zu beachten?
Die Antwort in Kürze
Abwasser, das bei Starkregen oder Verstopfung aus Bodenablauf, Toilette oder Waschbecken im Keller drückt, ist verschmutzt und kann Fäkalien und Keime enthalten. Fassen Sie es nur mit Handschuhen an, halten Sie Kinder und Tiere fern und lassen Sie die Rückstausicherung prüfen. In Wuppertal etwa muss sich der Grundstückseigentümer nach der Abwassersatzung selbst gegen Rückstau aus dem öffentlichen Kanal sichern.[1] Was an Ihrem Wohnort gilt, steht in der Satzung Ihrer Gemeinde.
Die ersten Schritte
- Strom im Keller an der Sicherung abschalten, bevor jemand das Wasser betritt; steht der Sicherungskasten im Wasser oder steigt das Wasser noch, bleibt der Keller tabu, und Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber werden gerufen
- keine Toilette, Dusche oder Waschmaschine im Haus benutzen, solange der Kanal zurückstaut, sonst läuft noch mehr Wasser im Keller aus
- Kinder und Haustiere fernhalten
- nur mit Gummistiefeln und Handschuhen arbeiten
- Schaden und Wasserstand fotografieren, bevor Sie aufräumen
Hat das Haus eine Rückstauklappe, sehen Sie nach, ob sie geschlossen hat oder blockiert ist. Eine manuell bedienbare Klappe lässt sich bei anhaltendem Rückstau von Hand schließen, wenn sie dafür ausgelegt ist.
Was beim Rückstau passiert
Bei Starkregen oder einer Kanalverstopfung steigt der Wasserspiegel im öffentlichen Kanal, und Abwasser wird in die privaten Leitungen zurückgedrückt.[1] Es tritt dort aus, wo im Haus die tiefsten Abläufe liegen: am Bodenablauf im Keller, an der Kellertoilette, an Waschbecken oder Duschen im Untergeschoss.
Maßgeblich ist die Rückstauebene. In der Abwassersatzung der Wuppertaler Stadtwerke ist sie die Straßen- oder Geländeoberkante oberhalb der Stelle, an der die private Anschlussleitung angeschlossen ist, und Ablaufstellen darunter, typischerweise im Keller, brauchen einen Schutz.[1] Entwässerungskanäle sind nach dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz meist nicht auf Sturzfluten ausgelegt.[2]
Gesundheitsschutz beim Aufräumen
Abwasser ist kein Leitungswasser. Das Umweltbundesamt nennt nach Überflutungen Schimmel, Bakterien, Chemikalien, Fäkalien und Heizölreste als Gefahren und empfiehlt Schutzhandschuhe, Einwegschutzanzüge und bei der Entsorgung schimmelbefallener Stücke Atemschutzmasken.[3] Waschen Sie sich nach der Arbeit gründlich die Hände, und tragen Sie verschmutzte Kleidung nicht durch die Wohnung. Wer nach dem ersten Rückstau Sandsäcke vor den Kellerabgang legt, hält beim nächsten Gewitter zumindest das Oberflächenwasser draußen.
Was binnen 24 bis 48 Stunden nicht trocken zu bekommen ist, sollte nach dem Umweltbundesamt weg.[3] Polster, Matratzen, Teppiche und Kartons, die Abwasser aufgesogen haben, fotografieren Sie vor dem Entsorgen, damit der Versicherer den Schaden nachvollziehen kann. Lebensmittel aus dem Keller, die nass geworden sind, gehören ebenfalls in den Müll. Für die Zeit nach dem Reinigen lohnt es, Trocknungsgeräte mieten zu lassen, die Umfang und Hergang des Schadens mit ihren Laufzeiten belegen.
Reinigen, desinfizieren, trocknen
Ein Keller nach Rückstau wird zuerst grob gereinigt: Schlamm und Wasser heraus, dann Boden und Wände bis zur Wasserstandslinie mit Wasser und Reiniger abwaschen. Glatte, nicht saugende Flächen wie Fliesen, die mit Fäkalien in Berührung waren, desinfizieren wir danach. Poröse Materialien wie Gipsputz, Gipskarton oder Dämmstoffe, die mit Abwasser getränkt sind, lassen sich weder zuverlässig reinigen noch wirksam desinfizieren und werden entfernt.
Erst danach wird getrocknet. Hat Abwasser die Dämmschicht unter einem Estrich erreicht, wird der Bodenaufbau geöffnet und die Dämmung ausgebaut, denn sie lässt sich von innen weder reinigen noch desinfizieren. Ob das nötig ist, zeigt die Messung zusammen mit der Frage, wie weit das Abwasser gekommen ist.
Wer haftet und wer zahlt
Grundstückseigentümer müssen sich in Wuppertal nach der Abwassersatzung eigenverantwortlich gegen Rückstau sichern, und fehlt die Sicherung, drohen eine eigene finanzielle Haftung und der Verlust des Versicherungsschutzes.[1]
Versichert ist ein Rückstauschaden durch Starkregen in der Wohngebäudeversicherung nur mit einem zusätzlichen Elementarschutz. Ob Rückstau im einzelnen Vertrag mitversichert ist, regeln die Bedingungen, und sie können eine vorhandene, funktionsfähige Rückstausicherung voraussetzen. Melden Sie den Schaden umgehend und befolgen Sie die Anweisungen Ihres Versicherers.[2]
Woran Sie erkennen, wie weit das Abwasser kam
Nach dem Abfließen kann am Mauerwerk und an Möbeln ein Rand zurückbleiben, der zeigt, wie hoch das Wasser stand. Fotografieren Sie diese Linie an mehreren Wänden, bevor Sie reinigen, denn sie ist für Versicherung und Sanierung die wichtigste Angabe. Bis zu dieser Höhe gelten Putz, Tapete und Dämmung als belastet. Reicht das Abwasser bis in Wände und Boden, schickt der Notdienst ein Team, das diese Schichten entfernt, bevor neu verputzt wird.
Schwieriger ist der Boden. Abwasser kann über Fugen, Bodenabläufe und Randfugen in den Estrich gelaufen sein, ohne dass oben etwas zu sehen ist. Wir öffnen deshalb an einer Stelle den Belag oder bohren eine Messöffnung, prüfen Feuchte und Geruch der Dämmschicht und entscheiden danach, wie weit zurückgebaut werden muss.
Wenn im Keller eine Toilette oder Dusche liegt
Sanitäre Anlagen unterhalb der Rückstauebene sind besonders gefährdet, weil ihr Abfluss direkt mit dem Kanal verbunden ist. Eine einfache Rückstauklappe hilft hier nur eingeschränkt, denn solange sie geschlossen ist, kann auch aus dem Keller nichts abfließen. Für solche Räume kommt deshalb eine Hebeanlage in Frage, die das Abwasser über die Rückstauebene pumpt.[1]
Ob eine Klappe genügt oder eine Hebeanlage nötig ist, hängt von der Nutzung ab: Ein selten genutzter Bodenablauf in der Waschküche ist anders zu bewerten als eine Einliegerwohnung mit Bad im Untergeschoss. Das klärt ein Fachbetrieb bei der Prüfung nach dem Schaden, zusammen mit der Frage, ob die vorhandene Sicherung richtig eingebaut und gewartet war.
Rückstausicherung prüfen und warten
Rückstauklappen schließen bei Rückstaudruck selbsttätig.[1] Die Wuppertaler Stadtwerke verlangen, dass Fachfirmen die Anlagen mindestens jährlich warten.[1] Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt allgemein, eine Rückstausicherung einbauen zu lassen.[2]
Nach einem Rückstau lohnt eine Kamerabefahrung der Grundleitung. Sie zeigt, ob Ablagerungen, Wurzeln oder ein Versatz den Abfluss behindern und ob die Rückstausicherung an der richtigen Stelle sitzt.
Häufige Fragen
Ist ein Rückstau ein Fall für die Leitungswasserversicherung?
Bei Starkregen nicht. Ein solcher Rückstau gehört zu den Elementargefahren, die zusätzlich versichert werden müssen, und ob er eingeschlossen ist, steht in Ihrem Vertrag. Ein verstopftes Rohr im eigenen Haus kann anders zu bewerten sein, das klärt der Versicherer.
Muss ich nach einem Rückstau den Keller desinfizieren?
Glatte Flächen wie Fliesen, die mit Fäkalien in Berührung waren, ja. Durchnässte, saugende Baustoffe lassen sich nicht wirksam desinfizieren und werden ausgebaut.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- WSW Wuppertaler Stadtwerke: Rückstausicherung. Abschnitte zu Rückstau, Rückstauebene, Verantwortung und Wartung. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Naturgefahr: Starkregen. Abschnitte zu Rückstau, Schutzmaßnahmen und Versicherung. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2↑3
- Umweltbundesamt: Wasser weg, was nun? Meldung vom 10.06.2013. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2
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