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Rohrkamera: Grundleitung unter dem Garten im Schnitt, Kamera mit Licht in der Leitung, Revisionsschacht, Steuereinheit mit Monitor, Baum mit Wurzeln, Riss und Versatz in der Leitung, Hauswand und Straßenkanal

Rohrkamera

Auch: Kanalkamera, Inspektionskamera

Eine Rohrkamera, im Abwasserbereich Kanalkamera genannt, wird in eine Abwasser- oder Grundleitung eingeführt und zeigt das Rohr von innen. Mit ihr wird der Zustand der Grundstücksentwässerung meist beurteilt, das Bayerische Landesamt für Umwelt nennt die optische Inspektion mit der Kanalkamera den üblichen Weg des Dichtheitsnachweises.[1] Sie zeigt Risse, Versatz, Wurzeleinwuchs und Ablagerungen, aber keine Undichtheit, die man nicht sieht.

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So befährt die Rohrkamera die Grundleitung

Rohrkamera, Funktionsweise: Grundleitung unter dem Garten im Schnitt mit Revisionsschacht, Schiebekamera mit Lichtkegel in der Leitung, Steuereinheit mit Monitor auf dem Rasen, Riss, Versatz, eingewachsene Wurzeln, Ablagerung und Abzweig vom Hofeinlauf

Schematische Darstellung eines Grundstücks im Schnitt mit der Grundleitung vom Haus zum Kanal, dem Revisionsschacht und der Steuereinheit auf dem Rasen. Die Nummern folgen der Befahrung vom Schacht bis zum Abzweig.

  1. Zugang über den Revisionsschacht: Die Kamera kommt über einen Revisionsschacht, eine Revisionsöffnung im Haus oder vom öffentlichen Kanal aus in die Leitung. Vorher wird die Leitung gereinigt, damit die Kamera den Zustand sieht und nicht die Ablagerungen.
  2. Kopf dreht und schwenkt, mit Licht: Der Kamerakopf ist dreh- oder schwenkbar und beleuchtet das Rohr. So lassen sich auch Muffen und Anschlüsse von allen Seiten betrachten.
  3. Farbbild mit Meterangabe: Die Steuereinheit zeigt ein seitenrichtiges, aufrechtes Farbbild und zeichnet es digital auf. Meterangabe, Datum und Leitungsbezeichnung werden eingeblendet, so ist jede Aufnahme später einer Stelle im Rohr zuzuordnen.
  4. Riss und Versatz werden sichtbar: Die Kamera zeigt Risse, versetzte Muffen, Ablagerungen und die Lage von Anschlüssen. Die Schäden werden nach Klassen eingeteilt, daraus folgen Sanierungsprioritäten und Fristen.
  5. Wurzeln im Rohr: Wurzeln von Bäumen in der Nähe wachsen über undichte Muffen in die Leitung ein und werden zum Abflusshindernis. Die Befahrung zeigt, wo sie sitzen.
  6. Abzweig: Kamera biegt ab: Im verzweigten Leitungssystem ist ein abbiegefähiges Kamerasystem günstiger, weil es vom Kontrollschacht aus auch in Abzweige vordringt. Ab etwa DN 150 kommen selbstfahrende Kameras mit Hochdruckreinigung in Frage.

Warum bei Abwasser die Kamera zuerst kommt

Abwasserleitungen stehen nicht unter Druck. Ein Leckgeräusch, wie es die akustische Ortung braucht, entsteht dort nicht, und auch Tracergas hilft nur eingeschränkt. Die Kamera zeigt den Schaden dagegen direkt und dazu seine Art, und davon hängt ab, wie saniert wird.

Die optische Inspektion liefert nach dem Landesamt keinen Nachweis der Dichtheit im Sinne von DIN EN 1610, sie wird aber nach DIN 1986-30 als Dichtheitsnachweis anerkannt, wenn keine sichtbaren Schäden festgestellt werden.[1] Außerdem zeigt sie mehr als die Dichtheit: Standsicherheit, Wurzeleinwuchs und andere Abflusshindernisse, die Lage von Anschlüssen und Lage und Art der Schäden.[1]

Vorbereitung und Zugang zur Leitung

Vor der optischen Inspektion sind die Leitungen nach dem Landesamt zu reinigen. Die Kamera kommt über einen Revisionsschacht, eine Revisionsöffnung im Haus oder vom öffentlichen Kanal aus über den Anschlusskanal in die Leitung, und es gibt Kombinationen aus Kamera und Reinigungsdüse sowie Satellitenkameras, die in Abzweige vordringen können.[1] Bei einer Leckageortung an Abwasserleitungen im Haus ist die Revisionsöffnung oft der einzige Zugang, ohne etwas aufzustemmen.

Die Durchführungshinweise des Umweltministeriums Schleswig-Holstein unterscheiden verzweigte und unverzweigte Leitungssysteme. Im unverzweigten System mit Kontrollschacht oder Reinigungsöffnung kann eine normale Schiebekamera eingesetzt werden, im verzweigten System ist ein abbiegefähiges Kamerasystem oft günstiger, weil es vom Kontrollschacht aus arbeitet und nicht von den Einläufen, etwa einer abgebauten Toilette.[2] Ab etwa DN 150 kann auch eine selbstfahrende, abbiegefähige Kamera mit Hochdruckreinigung eingesetzt werden.[2]

Was eine Kanalkamera können muss

Das Kamerasystem muss nach den Durchführungshinweisen eine weitgehende Inspektion der Leitung und ihrer Bauteile ermöglichen, etwa der Muffen, und braucht dafür mindestens einen dreh- oder schwenkbaren Kopf, der ein seitenrichtiges und aufrechtes Farbbild liefert.[2] Als Mindestausstattung nennt das Muster-Leistungsverzeichnis der Hinweise:[2]

  • eine Farbkamera mit ausreichender Beleuchtung und mindestens Drehkopftechnik[2]
  • ein stets seitenrichtiges und aufrechtes Bild[2]
  • eine Anlage mit Steuereinheit, elektronischem Einblendgerät und Beobachtungsmonitor[2]
  • eine digitale Videoaufzeichnung[2]

Die Einblendung von Meterangabe, Datum und Leitungsbezeichnung ins Bild macht jede Aufnahme später einer Stelle im Rohr zuordenbar. Wird zusätzlich ein Kamerasystem mit Ortungssystem verwendet, lässt sich nach den Hinweisen der für den Bestandsplan geforderte Datenumfang gleich bei der Inspektion erheben.[2]

Dokumentation und Schadenskodierung

Die befahrenen Leitungsstränge sind nach den Durchführungshinweisen getrennt zu erfassen, für jeden Strang mit einer Haltungsgrafik und einer Videodokumentation, erkannte Schäden zusätzlich als Einzelbild, alles in digitaler Form.[2] Die Zustandsbeschreibung nach DIN EN 13508-2 hat sich dabei in der Praxis bewährt, und ein bundesweit einheitliches System macht Ergebnisse verschiedener Inspekteure vergleichbar.[2] Ob Wasser aus einem erkannten Schaden schon in Wand oder Boden gezogen ist, zeigt die Kamera nicht, und bei einem laufenden Leck sperrt der Notdienst zuerst ab.

Die festgestellten Schäden werden nach dem Landesamt in die Schadensklassen A, B und C eingeteilt, und daraus lassen sich mit DIN 1986-30 Sanierungsprioritäten und Sanierungszeiträume ableiten.[1] Aus dem Bild lässt sich auch ablesen, ob eine Rohrinnensanierung statt neuer Leitungen möglich ist oder ob aufgegraben werden muss.

Empfohlene Sanierungsfristen nach DIN 1986-30
Schaden Sanierungspriorität empfohlene Frist
kleine Schäden sehr gering bis klein bis zur nächsten Wiederholungsprüfung
mittlere Schäden mittel bis gering bis höchstens 5 Jahre
große Schäden sehr hoch bis hoch sofort oder kurzfristig, bis höchstens 6 Monate

LfU Bayern, Tabelle 2 nach DIN 1986-30 Anhang B, für Leitungen unter dem Grundwasserspiegel sind die Fristen zu halbieren.[1]

Was der IKT-Warentest über Inspektionssysteme gezeigt hat

Private Abwassernetze sind nach dem Institut für Unterirdische Infrastruktur durch Bögen, Verzweigungen, kleine Rohrdurchmesser und eingeschränkte oder fehlende Zugänge gekennzeichnet.[3] Das Institut hat im Jahr 2005 sechs speziell dafür entwickelte Inspektionssysteme in einem Großversuchsstand mit drei Leitungsnetzen verglichen, begleitet von 14 Kanalnetzbetreibern.[3]

Die getesteten Systeme arbeiteten sehr unterschiedlich. Ein hydraulisch angetriebenes System bewegt sich mit einem Kranz von Düsen vorwärts und biegt durch Drehen des Hochdruckschlauchs in Abzweige ein, ein anderes hat einen Packer mit integrierter Axialkamera, lässt sich um bis zu 90 Grad abwinkeln und kann zugleich als Absperrblase für Dichtheitsprüfungen dienen.[3] Weitere Systeme führen eine Dreh- und Schwenkkopfkamera mit einer ausfahrbaren Scherenmechanik oder mit einem Führungsstab in abzweigende Leitungen.[3]

Keines der Systeme konnte eines der drei Netze vollständig befahren, und keine Kamera hat alle Schäden in den befahrenen Bereichen dokumentiert, auch wenn zahlreiche erkannt wurden.[3] Obwohl dieselben Netze befahren wurden, lieferten die Anbieter zum Großteil unterschiedliche Leitungspläne, und die Bildqualität war bei einigen Systemen schlecht.[3] Ein Kamerabericht ist also nur so gut wie das System, der Zugang und der Mensch, der es führt. Das Institut hielt alle getesteten Systeme für die Zustandserfassung von Grundstücksentwässerungsnetzen für geeignet, sah aber bei jedem Verbesserungsbedarf.[3]

Fehlanschlüsse, Farbe und Nebel

Nicht jede Undichtheit zeigt sich jederzeit. Bei Leitungen im Bereich schwankenden Grundwassers lassen sich nach dem Landesamt Undichtheiten mit der Kanalkamera nur bei hohen Grundwasserständen zuverlässig erkennen, wenn Grundwasser in die Leitung eindringt.[1] In begründeten Ausnahmefällen dürfen kurze, für die Kamera unzugängliche Abschnitte von der Prüfung ausgenommen werden, wenn das übrige System keine Mängel zeigt.[1]

Fehlanschlüsse, etwa Regenwasser im Schmutzwasserkanal, lassen sich bei der optischen Inspektion üblicherweise erkennen. Findet die Kamera in Teilbereichen keinen Zugang, können nach den Durchführungshinweisen Färbemittel und Nebel kostengünstig als Nachweis eingesetzt werden.[2] Farbe im Wasser oder Nebel, der an einer unerwarteten Stelle austritt, zeigt Verbindungen, die auf keinem Plan stehen.

Rohrkamera und Bestandsplan

Zu einer Grundstücksentwässerung gehört ein Bestandsplan. Die Durchführungshinweise aus Schleswig-Holstein nennen ihn nach DIN 1986-30 und DIN EN 752 erforderlich, in einem geeigneten Maßstab, etwa 1:100, mit allen Entwässerungseinrichtungen außerhalb des Gebäudes, der Art des Entwässerungssystems und den Anschlusspunkten.[2] Der Verlauf nicht untersuchungspflichtiger Leitungen kann über oberirdische Anlagenteile wie Fallrohre, Hofeinläufe und Kontrollschächte eingemessen werden.[2]

Wer die Kamerabefahrung mit einer Ortung von oben verbindet, erhält beides zugleich: das Bild aus dem Rohr und die Lage der Leitung im Grundstück. Nach einem Schaden ist das der Unterschied zwischen einer gezielten kleinen Öffnung und einem langen Graben auf Verdacht.

Was in Hamburg für private Abwasserleitungen gilt

Die Hamburger Umweltbehörde unterscheidet die optische Zustandserfassung, in der Regel mit einer Kanalfernsehanlage, auch Kamerabefahrung genannt, von der eigentlichen Dichtheitsprüfung mit Wasser- oder Luftdruck.[4] Für Leitungen, in denen ausschließlich häusliches Abwasser fließt, reicht nach der Behörde im Normalfall die optische Zustandserfassung.[4]

Nach Untersuchungen in Hamburg und anderen Bundesländern weisen etwa 30 bis über 50 Prozent der privaten Abwasserleitungen Schäden auf, und ihre Gesamtlänge schätzt die Behörde bundesweit auf mindestens das Doppelte des öffentlichen Netzes.[4] Für Wohngrundstücke ist der Dichtheitsnachweis in Hamburg wiederkehrend alle 25 Jahre zu erbringen, in Wasserschutzgebieten der Zone III alle 10 Jahre und auf den wenigen bebauten Grundstücken der Zone II alle 5 Jahre.[4] Die Nachweise bewahren die Eigentümer auf und legen sie der Behörde auf Verlangen vor, so bestimmt es § 17b Absatz 1 Satz 3 des Hamburgischen Abwassergesetzes.[4]

Der Qualität und Dokumentation der Untersuchung misst die Behörde große Bedeutung bei, weil die oft nötige Sanierung darauf aufbaut.[4] Sie warnt vor Haustürgeschäften mit Dichtheitsprüfungen und rät, direkt einen zertifizierten Fachbetrieb zu beauftragen und nicht über Drittanbieter.[4]

Wie wir die Rohrkamera einsetzen

Nach einem Wasserschaden mit Verdacht auf eine undichte Abwasserleitung spülen wir die Leitung, fahren sie mit der Kamera ab und markieren Schadstellen mit Meterangabe. Wo nötig, bestimmen wir die Lage der Stelle von oben, bevor geöffnet wird.

Video, Einzelbilder und eine kurze Beschreibung jedes Befunds gehen an den Auftraggeber. Die Aufnahme ist zugleich Beleg gegenüber Versicherung, Vermieter oder Eigentümergemeinschaft, und sie zeigt, welches Sanierungsverfahren zum Schaden passt.

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Belege

Quellen

  1. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU): Merkblatt Nr. 4.0/9: Zustands- und Dichtheitsprüfungen von Abwasseranlagen, Teil 2: Private Anlagen zur Ableitung von häuslichem Abwasser. Stand Februar 2026, Abschnitte 5.1 bis 5.3. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
  2. Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein: Durchführungshinweise zur Umsetzung der DIN 1986 Teil 30. Stand November 2014, Abschnitte 6.3, 6.4 und 6.8. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14
  3. IKT, Institut für Unterirdische Infrastruktur: IKT-Warentest Inspektionssysteme für Grundstücksentwässerungsnetze, Kurzbericht. September 2005, B. Bosseler, G. Kaltenhäuser. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  4. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA): Dichtheitsnachweise für Grundleitungen und Schächte in Hamburg. Abschnitte Allgemeines, Fristen und Unterschied zwischen optischer Zustandserfassung und Dichtheitsprüfung. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
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