Dämmputz
Auch: Wärmedämmputz
Ein Dämmputz, auch Wärmedämmputz, ist ein Putzmörtel aus mineralischen Bindemitteln und leichten Zuschlägen wie Polystyrolkugeln, Perlite oder Aerogel, dessen Rechenwert der Wärmeleitfähigkeit höchstens 0,2 W/(m·K) beträgt.[1][2] Er wird meist maschinell in 30 bis 150 mm Dicke aufgetragen und mit einem dünnen Oberputz abgeschlossen, vor allem an Altbauten und Baudenkmälern, deren Ansicht erhalten bleiben soll.[2]
So dämmt Putz mit leichten Zuschlägen die Altbauwand
Schematische Darstellung: Altbauraum während der Arbeit, die Außenwand im Schnitt mit Dämmputz in zwei Lagen und Oberputz, an der Rückwand ein Rundbogenfenster und die Putzmaschine. Die Nummern folgen dem Putz vom Mörtel bis zur Kante am Mauerwerk.
- Leichte Zuschläge im Mörtel: Ein Dämmputz besteht aus Kalk, Zement oder Gips und leichten Gesteinskörnungen wie Perlite, Bims oder Aerogel, dazu kommt ein Luftporenbildner. Leichte Körner und Luftporen senken die Wärmeleitfähigkeit auf höchstens 0,2 W/(m·K), Aerogel-Putze erreichen 0,028 W/(m·K).
- Maschinell als Spritzputz: Geliefert wird der Putz als Werktrockenmörtel in Säcken oder Silos. Die Putzmaschine mischt ihn mit einer Schnecke an und pumpt ihn durch den Schlauch zur Spritzdüse, Putze mit Perlite brauchen dafür eigene Maschinentechnik.
- In Lagen mit Standzeit: Aufgetragen werden 30 bis 150 mm, je nach System, und dicker als 50 mm geht es nur in mehreren Lagen. Jede Lage braucht ihre Standzeit, bevor die nächste folgt, Trockner dürfen das nur maßvoll beschleunigen.
- Dünner Oberputz, diffusionsoffen: Den Abschluss bildet ein dünner Oberputz von im Mittel 10 mm, etwa ein Edel-, Silikat- oder Silikonharzputz. Er bleibt wie der Anstrich darauf diffusionsoffen, damit Feuchte aus der Wand entweichen kann, und seine Festigkeit muss zum Unterputz passen.
- Folgt dem Rundbogen: Weil der Putz gespritzt wird, folgt er Rundbögen, Treppenhäusern und Stützmauern, wo Platten mühsam zugeschnitten werden müssten. An Baudenkmälern bleibt so die Ansicht erhalten, und die Fassade ist zugleich besser gedämmt.
- Ohne Lücke auf dem Mauerwerk: Innen liegt der Dämmputz direkt auf dem Mauerwerk und füllt jede Unebenheit, so bleibt kein Hohlraum, in dem Feuchte kondensieren könnte. Wird er nach einem Wasserschaden nass, messen wir die Feuchte in Putz und Mauerwerk und trocknen beides langsam und gleichmäßig.
Woraus ein Dämmputz besteht
Als Wärmedämmputz mit mineralischen Leichtzuschlägen gilt nach WECOBIS ein Leichtputz, dessen Wärmeleitzahl als Rechenwert höchstens 0,2 W/(m·K) beträgt, was erreicht ist, wenn der erhärtete Mörtel eine Trockenrohdichte von höchstens 600 kg/m³ hat.[1] Er besteht aus Bindemitteln wie Zement, Kalk oder Gips, leichten Gesteinskörnungen wie Bims, Blähglas, Blähton, Blähperlit oder Aerogelgranulat, Wasser und gegebenenfalls Zusatzstoffen und Zusatzmitteln.[1]
BauNetz Wissen beschreibt den Aufbau so, dass herkömmlichem Unterputz aus Kalk und Zement ein wärmedämmender Leichtzuschlag beigemischt wird, etwa Polystyrolkugeln, Perlite bei mineralischen Dämmputzen oder Aerogel bei Hochleistungsdämmputzen, dazu ein Luftporenbildner.[2] Als Oberputz eignen sich diffusionsoffene Edelputze, Silikatputze oder Silikonharzputze.[2]
Wegen der geringen Rohdichte haben Wärmedämmputze nach WECOBIS eine niedrige Festigkeit, und geliefert werden sie pulverförmig als Werktrockenmörtel.[1] Die Herstellung umfasst das Anliefern der Ausgangsstoffe, Dosieren, Mischen, Fördern, gegebenenfalls Zwischenlagern in Silos und das Abfüllen als Sackware oder in Baustellensilos.[1]
Unter einem Dämmputz liegen Leitungen in Schlitzen des Mauerwerks, und Unterputzdosen sitzen in Wand und Putz. Ist die Wand nach einem Wasserschaden nass, wird vor dem Abschlagen oder Anbohren die Sicherung der betroffenen Räume ausgeschaltet, denn der Lichtschalter lässt die Steckdosenkreise unter Spannung. Wo Wasser an den Sicherungskasten gelangt ist, geht niemand in den Raum, bis Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber da waren, und ein Keller mit noch steigendem Wasser bleibt zu.
Wo Dämmputz eingesetzt wird
Eingesetzt wird Wärmedämmputz nach BauNetz Wissen meist bei der Sanierung von Baudenkmälern, weil er die charakteristische Ansicht des Gebäudes erhält, die Fassade vor Witterung schützt und zugleich den Wärmeschutz verbessert.[2] Er kann außen wie innen unter dem Oberputz aufgetragen werden, und zusammen mit wärmedämmenden Hochlochziegeln werden U-Werte unter 0,25 W/(m²K) erreicht.[2] Bevor er nach einer Neubautrocknung auf eine Wand kommt, muss der Untergrund trocken genug sein.
Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa nennt historische Fassaden, die nicht mit Dämmplatten verkleidet werden sollen, und verwinkelte Bauteile wie Treppenhäuser, Rundbögen oder Stützmauern, an denen das Zuschneiden von Platten mühsam ist.[3] Eine Innenbekleidung aus Dämmputz lässt sich nach dem Empa-Bauphysiker Thomas Stahl schneller aufbringen, und weil der Putz direkt auf dem Mauerwerk liegt, bleiben keine Lücken, in denen Feuchte kondensieren kann.[3] Gerade dort, wo vorher ein feuchter Fleck an der Wand aus kondensierter Raumluft auftrat, kann eine solche Bekleidung die Oberfläche wärmer machen.
Verarbeitung in mehreren Lagen
Verarbeitet wird Dämmputz nach BauNetz Wissen in der Regel maschinell als Spritzputz, ab einer Putzstärke von mehr als 50 mm in mehreren Lagen, mit einer Mindestdicke von 30 mm und je nach System bis 150 mm, und den äußeren Abschluss bildet ein dünner Oberputz mit im Mittel 10 mm Dicke.[2] Wenn nach einem Leck in einem Altbau Wasser aus der Decke tropft und in einen Dämmputz zieht, wird die nasse Fläche meist abgeschlagen und in derselben Schichtfolge neu aufgebaut. Putze mit Perlite oder Vermiculite brauchen nach WECOBIS spezielle Maschinentechnik mit Mischschnecken, Pumpen und Spritzdüsen.[1] Bei dicken Lagen braucht jede Schicht ihre Standzeit, und Mietgeräte dürfen das nur maßvoll beschleunigen.
Weil Wärmedämmputzsysteme nicht der Grundregel folgen, dass die Festigkeit nach außen abnimmt, müssen die Festigkeiten von Ober- und Unterputz nach WECOBIS aufeinander abgestimmt sein, sonst drohen Schäden.[1] Enthält der Putz Zement oder Kalk, ist er als Pulver und als frischer Mörtel unter anderem mit den Hinweisen auf schwere Augenschäden, Reizung der Atemwege und der Haut und allergische Hautreaktionen gekennzeichnet, im ausgehärteten Zustand gehen von ihm keine Gesundheitsgefahren aus.[1]
Für Aerogel-Putze war die Maschinenverarbeitung nach der Empa die eigentliche Hürde: Die nahezu gewichtslosen Aerogelkügelchen zerbröseln beim Reiben zu Pulver, und wird der Putz mit 7 bis 8 bar durch den Schlauch einer Putzmaschine gepumpt, bleibt vom Aerogel ohne besondere Rezeptur wenig übrig.[3] Erst nach einer Reihe von Versuchen, von der handtellergroßen Laborprobe bis zum monatelangen Bewitterungsversuch, war der Putz maschinentauglich und wurde ab Juli 2012 an ersten Gebäuden erprobt.[3]
Aerogel-Putze und DIN EN 998-1
Nach BauNetz Wissen, die Werte sind Anhaltspunkte und hängen vom Produkt ab.[2]
Hochleistungsdämmputze mit Aerogel erreichen nach WECOBIS eine Wärmeleitfähigkeit von 0,028 W/(m·K), das dort beschriebene Beispiel hat eine Trockenrohdichte von 220 kg/m³, eine Diffusionswiderstandszahl von 4 bis 5 und das Brandverhalten A2-s1,d0, und weniger ausgereizte Produkte liegen bei 0,048 W/(m·K) und rund 290 kg/m³.[1] Aerogel besteht nach der Empa zu rund 5 Prozent aus Silikat und im Übrigen aus Luft, und die Proben des 2012 mit einem Mörtelhersteller entwickelten Aerogel-Putzes leiteten weniger als 30 mW/(m·K), dämmten also doppelt so gut wie damals übliche Dämmputze und ähnlich wie Polystyrolplatten.[3]
Putzmörtel für innen und außen regelt DIN EN 998-1, aktuell in der Ausgabe 2017-02, mit Definitionen, Anwendungseigenschaften und Leistungsanforderungen, ausgenommen Mörtel mit Gips als Hauptbindemittel.[4] Gegenüber der Ausgabe 2010-12 wurden vor allem Begriffe an die Bauproduktenverordnung angepasst und die Bewertung der Leistungsbeständigkeit überarbeitet, die technischen Klassen und Schwellenwerte blieben unverändert.[4]
Feuchte, Salze und Instandsetzung
Wie lange ein Putz hält, hängt nach WECOBIS von seiner Zusammensetzung, Festigkeit, seinem Wassersaugvermögen und Verformungsmodul ab, außerdem vom Untergrund und seiner Vorbereitung, vom Auftrag, von Kantenanschlüssen, Nachbehandlung, Wartung und Pflege.[1] Grundsätzlich können durch Feuchte aus Niederschlag oder Grundwasser Salze und Schwermetalle aus Mauersteinen, Mörteln und Putzen ausgewaschen werden, unter praxisnahen Bedingungen sind die Auslaugraten aber sehr gering, weil die Inhaltsstoffe fest in die Bindermatrix eingebunden sind.[1]
Abplatzungen oder Fehlstellen werden nach WECOBIS instand gesetzt, indem der geschädigte, möglicherweise salzbelastete Putz entfernt und die Wand neu verputzt wird, und hohe Salzgehalte lassen sich vorher mit einem Opferputz oder Entsalzungskompressen aus dem Mauerwerk holen.[1] Anschließend können Hydrophobierungsmittel aufgebracht werden, damit weniger Feuchte durch den Putz eindringt, und ein Brandrisiko geht von Wärmedämmputzen mit mineralischen Leichtzuschlägen in der Regel nicht aus.[1] Umwelt- oder gesundheitsrelevante Beeinträchtigungen im Neuzustand und während der Nutzung sind nach WECOBIS nicht bekannt, auch nicht bei Einwirkung von Wasser.[1]
Woher die Rohstoffe kommen und wohin der Putz geht
Die Rohstoffe für Zement und Kalk, also Kalkstein, Ton, Dolomit und Kalkmergel, werden nach WECOBIS im Tagebau gewonnen, ebenso die für Blähglimmer, Blähperlit und Bims, während Aerogel aus hochreinem Quarzsand hergestellt wird.[1] Um Primärrohstoffe zu schonen, kommen statt reinem Portlandzement inzwischen standardmäßig Portlandkomposit- und Hüttenzemente zum Einsatz, und Kalk ist in Deutschland noch ausreichend vorhanden, etwa im fränkischen und schwäbischen Jura, in der Eifel und im Fichtelgebirge.[1]
Beim Rückbau ist auf ausreichenden Staubschutz zu achten, und ob sich der Staub absaugen lässt, sollte geprüft werden.[1] Wiederverwenden lässt sich ein Wärmedämmputz mit mineralischen Leichtzuschlägen nicht, als rezyklierte Gesteinskörnung für Beton kann er nach der Aufbereitung von Bauschutt aber grundsätzlich verwertet werden, und eine energetische Verwertung scheidet wegen der überwiegend mineralischen Zusammensetzung aus.[1] Enthalten Mörtel Dispergiermittel, Tenside, Entschäumer oder Hydrophobierungsmittel, sind bei Rückbau und Verwertung wegen der geringen und schwer auswaschbaren Anteile keine umweltschädlichen Auswirkungen zu erwarten.[1]
Wenn der Putz durchfeuchtet ist
Weil Dämmputz porös ist und Wasser aufnimmt, bestimmen wir nach einem Wasserschaden zuerst den Feuchtegehalt von Putz und Mauerwerk und trocknen die Wand so, dass Putz und Untergrund langsam und gleichmäßig austrocknen. Zeigen sich danach Abplatzungen oder Salzausblühungen, entfernen wir den geschädigten Putz und bauen das System in Lagen neu auf, mit aufeinander abgestimmten Festigkeiten von Unter- und Oberputz. Bei Innendämmungen aus Dämmputz achten wir darauf, dass auch Anstriche und Oberputz diffusionsoffen bleiben, damit die Wand weiter austrocknen kann.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Wärmedämmputz mit mineralischen Leichtzuschlägen, Produktgruppe Putzmörtel. Reiter Übersicht, Herstellung, Verarbeitung, Nutzung und Technisches. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Wärmedämmputz. Fachwissen Dämmstoffe, Abschnitte Verarbeitung/Anwendung und Technische Daten. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Empa, Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt: Medienmitteilung: Neuer Dämmputz mit hervorragenden Isolationswerten, Weltraumtechnik für Altbauwände. Medienmitteilung vom 20.08.2012, Seiten 1 und 2. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- DIN Media GmbH: DIN EN 998-1: Festlegungen für Mörtel im Mauerwerksbau, Teil 1: Putzmörtel. Ausgabe 2017-02, Einführungsbeitrag und Änderungsvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
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