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Endoskopie: Trockenbauwand im Schnitt mit nasser Dämmung, flexible Sonde durch eine Bohrung in der Gipskartonplatte, Video-Endoskop mit Bildschirm auf dem Werkzeugkoffer

Endoskopie

Auch: Boroskopie, Videoendoskopie

Bei der Endoskopie wird eine Optik oder eine kleine Kamera durch eine Bohrung in einen Hohlraum geführt, um ihn von innen zu betrachten. Je nach Aufgabe kommen starre, flexible oder Video-Endoskope zum Einsatz, starre für gerade Bohrungen und Hohlräume, flexible für enge Radien und schwer zugängliche Stellen.[1] So lassen sich Vorwände, Deckenhohlräume und Dämmschichten prüfen, ohne sie auszubauen.

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So zeigt die Endoskopie den Hohlraum hinter der Wand

Endoskopie, Funktionsweise: Trockenbauwand im Schnitt mit nasser Mineralwolle und dunklen Flecken, flexible Sonde eines Video-Endoskops durch eine Bohrung in der Gipskartonplatte, Lichtkegel im Hohlraum, Gerät mit Bildschirm auf dem Werkzeugkoffer, Feuchtesonde in einer zweiten Bohrung, Installationszonen als gestrichelte Bänder

Schematische Darstellung einer Endoskopie an einer Trockenbauwand im Schnitt: flexible Sonde durch die Bohrung, Licht und Kamera im Hohlraum, Bild auf dem Gerät. Die Nummern folgen dem Ablauf von der Bohrung bis zur Feuchtemessung.

  1. Bohrung außerhalb der Leitungszonen: Vor der Bohrung prüfen wir, was in der Wand liegt. Leitungen unter Putz laufen in festen Installationszonen, waagerecht über dem Boden und unter der Decke, senkrecht neben Türen und Ecken. Die Bohrung sitzt außerhalb und nie über oder unter Schaltern und Steckdosen, gebohrt wird mit Absaugung.
  2. Flexible Sonde durch die Bohrung: Hinter einer Vorwand oder in einer Decke ist selten ein gerader Blick möglich. Darum kommt meist ein flexibles Video-Endoskop zum Einsatz, dessen Sondenspitze sich von Hand abwinkeln und feststellen lässt.
  3. Licht leuchtet den Hohlraum: Zur Ausleuchtung sind Glasfasern um das Objektiv angeordnet. In kleinen Hohlräumen kann sich die Wärme der Lichtquelle stauen, darum bleibt das Licht nur so lange an, wie es gebraucht wird.
  4. Kamera im Kopf nimmt das Bild auf: Beim Video-Endoskop sitzt die Kamera im Kopf der Sonde und überträgt das Bild digital. Die Vergrößerung hängt vom Abstand ab, ohne ihn lässt sich die Größe eines Flecks im Bild nicht zuverlässig schätzen.
  5. Bild zeigt Befall und nasse Dämmung: Das Bild zeigt, was von außen verborgen bleibt: durchnässte Dämmung, stehendes Wasser oder dunkle Flecken an den unteren Plattenrändern. Erst dann folgt der größere Eingriff mit den nötigen Schutzmaßnahmen, die Aufnahmen bleiben als Beleg in der Dokumentation.
  6. Feuchte misst eine eigene Bohrung: Ein Endoskop zeigt Oberflächen, keine Feuchte im Material. Dafür braucht es Sondenmessungen in Bohrungen, die gegen die Umgebung abgedichtet sind, und nicht in Löchern, die zur Trocknung genutzt wurden.

Starre, flexible und Video-Endoskope

Der Hersteller Micro-Epsilon Eltrotec unterscheidet in seinem Katalog drei Bauarten. Starre Endoskope dienen der visuellen Prüfung von gerade verlaufenden Bohrungen oder Hohlräumen und bieten mit ihren Linsensystemen eine sehr gute Bildwiedergabe, in der Premiumreihe des Herstellers mit Durchmessern von 1 bis 8 Millimetern.[1]

Flexible Endoskope eignen sich für enge Radien, gebogene Bauteile und schwer zugängliche Stellen, ihre Sondenspitze lässt sich von Hand abwinkeln und mit einer Bremse feststellen, die kleinsten faseroptischen Endoskope beginnen bei 0,5 Millimetern.[1] Video-Endoskope verbinden hochflexible Sonden mit der Möglichkeit, Bilder und Videos direkt zu speichern, mit Sonden in verschiedenen Durchmessern und Arbeitslängen.[1]

Für Bauwerke nach einem Wasserschaden kommen meist flexible Video-Endoskope zum Einsatz, weil hinter einer Vorwand oder in einer Decke selten ein gerader Blick möglich ist und die Aufnahmen gleich für die Dokumentation gebraucht werden.

Wie ein Endoskop das Bild überträgt

In flexiblen faseroptischen Endoskopen besteht das Bildbündel nach dem Katalog aus bis zu 30.000 Einzelfasern, jede Faser überträgt einen Bildpunkt vom Objektiv zum Okular, darum müssen die Fasern an beiden Enden geometrisch gleich angeordnet sein.[1] Zur Ausleuchtung sind weitere Glasfasern um das Objektiv angeordnet.[1] Beim Video-Endoskop sitzt die Kamera dagegen im Kopf der Sonde und überträgt das Bild digital.

Die Blickrichtung ist die Abweichung des Mittelstrahls von der Achse des optischen Systems, und Endoskope gibt es mit unterschiedlichen Blickrichtungen und Öffnungswinkeln.[1] Endoskope mit schwenkbarem Prisma erlauben nach dem Katalog eine einstellbare Blickrichtung von minus 7 bis plus 133 Grad, also auch einen Blick zurück, und für kleine Durchmesser werden Stablinsensysteme verwendet, um die geringere Lichtleitung auszugleichen.[1] Die Vergrößerung ist dem Abstand zum Objekt umgekehrt proportional, bei halbem Abstand ist sie doppelt so groß.[1] Ohne Kenntnis des Abstands lässt sich die Größe eines Flecks im Bild darum nicht zuverlässig schätzen.

Hohlräume nach einem Wasserschaden

Nach einem Wasserschaden ist oft unklar, was hinter einer Verkleidung passiert ist. Bei Wasserschäden in Leichtbaukonstruktionen verlangt der Leitfaden des Umweltbundesamtes ausdrücklich, den Zwischenraum zu öffnen und zu kontrollieren, etwa die Rückseite von Gipswerkstoffplatten, und abgetrennte Hohlräume, Abseiten und Verschläge sollen wenn möglich ebenfalls inspiziert werden.[2]

Wie unterschiedlich solche Hohlräume trocknen, zeigen die Versuche des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik. In Leichtbauwänden aus Gipskarton mit Mineralwolle blieben im Bereich der Metallschiene am Sockel geringe Feuchtemengen zurück, und an den unteren Rändern der Gipskartonplatten fanden sich schwarze Flecken, die das Institut für Schimmel hält.[3] In Holzbalkendecken blieben Schüttungen aus Lehmpellets auch nach Wochen nass, während die Unterseiten der Decken schon getrocknet waren.[3] Genau solche Stellen sieht man von außen nicht.

Kleine Bohrung statt großer Öffnung

Jeder Eingriff in eine befallene Konstruktion setzt Staub und Sporen frei. Die DGUV Information 201-028 ordnet in einer Übersicht typischen Tätigkeiten die zu erwartende Belastung zu: Trockenbauwände zu entfernen oder Zwischendecken und abgehängte Decken zu öffnen und befallene Dämmung auszubauen, gilt als sehr hohe Exposition, Bohren mit abgesaugten Geräten dagegen als erhöhte.[4]

Dieselbe Übersicht stuft auch das Ausbauen von Dämmmaterial aus Mineralwolle, Zellulose oder Holzfaserplatten, das Ausräumen von Schüttmaterial aus Hohlraumkonstruktionen und das trockene Entfernen von Estrich und Dämmung als sehr hohe Exposition ein.[4] Eine Endoskopbohrung mit Absaugung ist damit der schonendste Weg, einen Hohlraum zu beurteilen, bevor entschieden wird, ob er geöffnet werden muss. Erst wenn das Bild einen Befall, stehendes Wasser oder durchnässte Dämmung zeigt, folgt der größere Eingriff mit den dazu nötigen Schutzmaßnahmen.

Was die Endoskopie nicht leistet

Ein Endoskop zeigt Oberflächen, keine Feuchte im Material und keinen mikrobiellen Befall, der nicht sichtbar ist. Für eine Laboruntersuchung von Fußbodenaufbauten empfiehlt das Umweltbundesamt, Proben dort zu nehmen, wo die höchste Feuchte vermutet wird, etwa an der Unterseite von Dämmlagen, und das Material zu beproben, das besiedelt werden kann, also die Dämmung und nicht den Estrich.[2] Bei Verdacht auf versteckten Schimmel hinter einer Verkleidung ergänzt darum eine Materialprobe das Bild aus dem Endoskop.

Für Kultivierung und Mikroskopie braucht es nach dem Leitfaden eine zusammenhängende Materialprobe von mindestens 5 Zentimetern Durchmesser, und beim Bohren darf das Material nicht stark erwärmt werden, weil hohe Temperaturen an der Kontaktfläche Mikroorganismen abtöten können.[2] Die Probenahme lässt sich nach dem Leitfaden gegebenenfalls mit der Installation für die Trocknung zusammenlegen, um den Eingriff klein zu halten.[2]

Auch Feuchte misst das Endoskop nicht. Um festzustellen, ob in Fußböden oder Wänden eine kritische Feuchte erreicht ist, sind nach dem Umweltbundesamt Sondenmessungen in Bohrungen nötig, die gegen die Umgebung abgedichtet werden, und Bohrlöcher, die zur Trocknung verwendet wurden, eignen sich dafür nicht, weil sich in ihnen die tatsächliche Materialfeuchte oft erst nach Wochen wieder einstellt.[2] Die Bohrung für das Endoskop und die Bohrung für die Feuchtesonde sind darum oft zwei verschiedene.

Beleuchtung und Wärme im Hohlraum

Endoskope brauchen Licht. Der Katalog weist darauf hin, dass bei kleinen Hohlräumen oder schlechter Luftzirkulation durch die Leistung einer Glüh-Lichtquelle eine verstärkte Wärmeentwicklung entstehen kann, und bei zu langer Einschaltdauer können das Endoskop oder ein wenig wärmebeständiges Prüfobjekt beschädigt werden.[1] Wir schalten die Beleuchtung darum nur so lange ein, wie wir sie brauchen.

Wo in einer Wand Leitungen liegen dürfen

Bevor für ein Endoskop gebohrt wird, stellt sich die Frage, wo in der Wand Strom liegen kann. Für Leitungen unter Putz schreibt DIN 18015-3 nach BauNetz Wissen Installationszonen vor, und weil Leitungen in Wänden nur senkrecht oder waagerecht verlegt werden, lässt sich ihr ungefährer Verlauf nachvollziehen.[5] Die Zonen sollen die Gefahr verringern, dass andere Gewerke beim Bohren von Dübellöchern oder beim Einschlagen von Nägeln Leitungen beschädigen.[5]

Die Norm in der Ausgabe September 2016 nennt als Vorzugsmaße innen eine untere waagerechte Zone 15 bis 45 Zentimeter über dem Fußboden, eine obere 15 bis 45 Zentimeter unter der Deckenbekleidung und eine mittlere von 100 bis 130 Zentimetern.[5] Senkrechte Zonen liegen 10 bis 30 Zentimeter neben Türen, Fenstern und Wandecken.[5] Steckdosen und Schalter außerhalb der Zonen werden mit einer senkrechten Stichleitung aus der nächstgelegenen waagerechten Zone versorgt, und für sichtbar verlegte Leitungen auf Putz gilt die Norm nicht.[5]

Eine Endoskopbohrung setzen wir möglichst außerhalb dieser Zonen und nie senkrecht über oder unter Schaltern und Steckdosen. Die Zonen beschreiben, wo Leitungen liegen sollen. Ältere und nachträglich verlegte Installationen folgen ihnen nicht immer, und ein Leitungssuchgerät gehört darum vor jeder Bohrung dazu.

Wie wir endoskopieren

Vor der Bohrung prüfen wir, was in der Wand oder Decke liegt, Leitungen, Elektrik und Bewehrung, und setzen die Öffnung an eine unauffällige Stelle, hinter Möbel, in eine Fuge oder unter die spätere Sockelleiste. Gebohrt wird mit Absaugung.

Die Aufnahmen speichern wir mit Ort, Blickrichtung und Datum in der Schadendokumentation. Sie sind später der Beleg dafür, warum eine Konstruktion geöffnet wurde oder geschlossen bleiben konnte. Danach wird die Bohrung wieder verschlossen.

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Belege

Quellen

  1. Micro-Epsilon Eltrotec GmbH: Eltrotec: Industrielle Endoskope. Katalog, S. 2 und Technische Hinweise S. 28 bis 31. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
  2. Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Stand April 2024, S. 92, 170 und 171. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  3. Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP): Prüfbericht P17-027.1/2017: Trocknungsverhalten von Fußbodenaufbauten und angrenzenden Wänden sowie von Deckenaufbauten mit natürlicher und mechanischer Trocknung nach einem Wasserschaden. Prüfbericht P17-027.1/2017, 28.02.2017, S. 3 bis 9. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2
  4. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): DGUV Information 201-028: Gesundheitsgefährdungen durch Biostoffe bei der Schimmelpilzsanierung. Ausgabe November 2022, Anhang 2. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2
  5. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Leitungsverlegung und Installationszonen. Fachwissen Elektro, zu DIN 18015-3:2016-09. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5

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