Unterspannbahn
Auch: Unterspannung
Eine Unterspannbahn ist eine Bahn unter der Dachdeckung, die frei gespannt mit leichtem Durchhang über den Sparren liegt und die Dachkonstruktion vor Feuchtigkeit schützt, die durch die Deckung dringt.[1][2] Liegt eine solche Bahn flächig auf Dämmung oder Schalung, spricht das Regelwerk von einer Unterdeckung, und ein wasserdichtes Unterdach lässt sich mit marktüblichen Unterspann- oder Unterdeckbahnen nicht herstellen.[1][2]
So arbeitet eine Unterspannbahn
Schematische Darstellung eines Dachs im Querschnitt quer zu den Sparren: Pfannen auf der Traglatte, Konterlatten mit Nageldichtband, die frei gespannte Bahn mit Durchhang, darunter Luftschicht, Dämmung zwischen den Sparren, Dampfbremse und Bekleidung. Die Nummern folgen dem Regen von der Deckung bis in den Durchhang der Bahn und zeigen im letzten Gefach den Zelteffekt.
- Regen durch die Fugen der Deckung: Pfannen sind regensicher, aber keine Abdichtung: Was durch Fugen und Überdeckungen kommt, muss darunter aufgefangen werden. Genau dafür liegt unter der Deckung eine Bahn.
- Konterlatte mit Nageldichtband: Auf jedem Sparren drückt eine Konterlatte die Bahn fest und hält den Hohlraum unter der Deckung offen. Ihre Nägel durchstoßen die Bahn, darum liegt ein Nageldichtband dazwischen, das die Löcher schließt.
- Traglatte trägt die Pfannen: Quer über den Konterlatten liegen die Traglatten, in die sich die Pfannen einhängen. Zwischen Traglatte und Bahn bleibt der Hohlraum, in dem Luft entlang der Konterlatten nach oben zieht.
- Luftschicht unter der Bahn: Die Unterspannung liegt frei über den Sparren, unter ihr bleibt im Gefach eine belüftete Luftschicht bis zur Dämmung. Diese Luft führt Feuchte ab, die durch die Bahn diffundiert oder von unten kommt.
- Zelteffekt an der aufliegenden Bahn: Berührt die Bahn die Dämmung, zieht die Berührungsstelle Wasser wie ein nasses Zelt: Es tritt in tropfbarer Form durch die Bahn in die Dämmung. Reine Unterspannbahnen zeigen diesen Zelteffekt häufig, Unterdeckbahnen dürfen ihn nicht haben.
- Dämmung bleibt trocken: Unter einer Bahn mit Abstand bleibt die Dämmung zwischen den Sparren trocken, auch wenn oben Wasser auf der Bahn steht. Darum wird die Unterspannbahn frei gespannt und liegt nirgends auf.
- Wasser läuft im Durchhang zur Traufe: Im Durchhang zwischen den Sparren sammelt sich das Wasser und läuft entlang der Bahn nach unten bis zur Traufe. Ein Riss, eine gelöste Überlappung oder ein Loch an einer Durchführung unterbricht diesen Weg, dann tropft es in Dämmung und Dachgeschoss.
Unterspannung, Unterdeckung und Unterdach
Die Fachreihe Dach und Fassade fasst die Begriffe des Dachdeckerhandwerks so zusammen: Ein Unterdach ist eine wasserdichte Schicht aus nicht diffusionsoffenen Werkstoffen auf Schalung oder druckfestem Dämmstoff, eine Unterdeckung liegt auf Sparren und Zwischensparrendämmung, Schalung oder Dämmung und ist nicht wasserdicht, und eine Unterspannung liegt frei gespannt auf den Sparren, im Gefach über einer belüfteten Luftschicht.[2] Nageldichtbänder und Nageldichtmassen zwischen Konterlatte und Bahn sichern gegen Wasser an den Durchstoßstellen der Befestigung, für ein wasserdichtes Unterdach eignen sie sich nicht.[2]
Eine Unterdeckbahn kann nach BauNetz Wissen auch als Unterspannbahn eingesetzt werden, wie bei belüfteten Konstruktionen, umgekehrt meistens aber nicht, weil reine Unterspannbahnen oftmals den Zelteffekt zeigen.[1]
Läuft Wasser über eine beschädigte Unterspannbahn in die Dämmung eines ausgebauten Dachgeschosses, kann es hinter der Bekleidung bis an Dosen, Spots und Leitungen im Drempel gelangen. Vor dem Abnehmen der Bekleidung wird deshalb der Stromkreis dieser Etage an der Sicherung ausgeschaltet, nicht nur die Lampe am Schalter. Sind Sicherungskasten oder Zählerschrank nass, bleibt man aus dem Raum, und um die Anlage kümmern sich Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber; steigt zugleich Wasser im Keller, wartet jeder oben an der Treppe.
Diffusionsoffen und ohne Zelteffekt
Eine Unterdeckung ist nach dem vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks herausgegebenen Merkblatt, das BauNetz Wissen zitiert, eine Zusatzmaßnahme aus wasserundurchlässigen Bahnen auf einer ausreichend tragfähigen Unterlage oder aus Unterdeckplatten.[1] Bahnen und Platten bestehen aus diffusionsoffenem Material, damit vorübergehende Feuchte aus der Wärmedämmung hindurch diffundieren kann, und als zusätzliche wasserableitende Schicht sollen sie die Dämmung darunter ausreichend vor Feuchte schützen.[1] Solange ein Dach nach dem Sturm undicht ist, leitet diese Schicht eindringenden Regen zur Traufe ab, ersetzt aber keine Deckung. Ob die Dämmung darunter trocken geblieben ist, zeigt die Messung von der Raumseite, und eine Küchenmontage unter dem Dach wartet darauf.
Unterdeckbahnen dürfen keinen Zelteffekt hervorrufen, bei Kontakt zu darunter liegenden Schichten darf also kein Wasser in tropfbarer Form durch die Bahn gelangen, und beim Einbau ist eine geschlossene Hülle herzustellen, damit Dachkonstruktion und Hohlraum unter der Deckung nicht direkt verbunden sind.[1] Ihr sd-Wert liegt bei handelsüblichen Produkten zwischen 0,001 m und 0,3 m, bauphysikalisch gerechnet wird mit 0,1 m.[1]
Für nicht belüftete Dachkonstruktionen eignen sich nach BauNetz Wissen besonders Holzschalungen und Holzwolle-Leichtbauplatten mit oberseitiger Abdeckung sowie bituminierte Holzweichfaserplatten und harte Holzfaserplatten, die winddichter sind, besser vor Feuchte schützen, zusätzlich dämmen und bei vorübergehender Durchfeuchtung Wasser aufnehmen können.[1] Haben solche Platten nach einem Schaden viel Wasser aufgenommen, entscheidet ihr Zustand, ob die Wasserschadensanierung sie trocknet oder tauscht.
Klassen im Regelwerk seit April 2024
Seit April 2024 gelten nach der Fachreihe Neuerungen der Fachregel für Dachziegel und Dachsteine, die für Dächer ab 10° Neigung gilt: Die Produktdatenblätter für Unterdeckbahnen und Unterspannbahnen wurden zu einem zusammengeführt, das Merkblatt für Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannungen wurde überarbeitet, und die Ausführungsvarianten der Zusatzmaßnahmen zur Regensicherheit sind nur noch in 5 statt 6 Klassen eingeteilt.[2]
Klasse 1 ab 10° umfasst das wasserdichte Unterdach mit eingebundener Konterlattung oder eine nahtgefügte Unterdeckung mit eingebundener Konterlatte, Klasse 2 ab 14° das regensichere Unterdach ohne eingebundene Konterlattung oder die nahtgefügte Unterdeckung mit Nageldichtband.[2] Klasse 3 ab 14° steht für verklebte Unterdeckungen oder Unterspannungen mit Nageldichtband oder Holzfaser-Unterdeckplatten, Klasse 4 ab 18° für verklebte Unterdeckungen oder Unterspannungen ohne Nageldichtband und Klasse 5 über 22° für Unterdeckungen und frei gespannte Unterspannbahnen, deren Bahnen sich überlappen.[2]
Auf das Nageldichtband der Klasse 3 kann nach der Fachreihe verzichtet werden, wenn die Bahn selbst nachweislich nageldicht ist und das in einem Leistungsnachweis nach ETA dokumentiert ist.[2]
Regeldachneigung und erhöhte Anforderungen
Dachziegel und Dachsteine sind nach Art und Form einer Regeldachneigung zugeordnet, bei deren Einhaltung sie Regensicherheit bieten, und je weiter ein Dach darunter liegt, desto höher ist die geforderte Klasse der Unterspannung oder Unterdeckung.[2] Erhöhte Anforderungen ergeben sich nach der Fachregel unter anderem aus Sparrenlängen über 10 m, konzentriertem Wasserlauf auf Teilflächen, geschweiften Gauben, Tonnen- und Kegeldächern, Schneelasten ab 1,5 kN/m² und windreichen Lagen wie der Windzone 4, Kamm- und Gipfellagen.[2] Als Standard gilt dabei nach dem neuen Grundgedanken der Fachregel das gewöhnliche Dach mit Dachflächenfenstern, Lüftern, Sicherheitsdachhaken, Gauben, Kehlen und Solaranlagen auf dem Dach, von dem aus die Zusatzmaßnahmen bestimmt werden.[2]
Für einen Dachziegel mit 25° Regeldachneigung nennt die Fachreihe als Beispiel ab 25° Neigung die Klasse 5, ab 21° die Klasse 4, ab 17° die Klasse 3 und ab 10° die Klasse 1, und mit einer erhöhten Anforderung gelten ab 25° die Klasse 4, ab 21° die Klasse 3, ab 17° die Klasse 2 und ab 10° weiterhin die Klasse 1.[2]
Die neue nahtgefügte Unterdeckbahn
Mit dem Produktdatenblatt für nahtgefügte, diffusionsoffene Unterdeckbahnen für erweiterte Anwendungen, kurz UDB-eA, hat der Zentralverband eine diffusionsoffene Alternative zum wasserdichten Unterdach in sein Regelwerk aufgenommen.[2] Solche Bahnen werden durch Quell- oder Heißluftschweißen oder eine geeignete Klebetechnik gefügt, nicht mit Klebebändern, wiegen mindestens 350 g/m², davon mindestens 220 g/m² in der wasserdichtenden Funktionsschicht, und haben einen sd-Wert von höchstens 0,5 m.[2]
Geprüft werden sie unter anderem mit einer Scheuerbeanspruchung und anschließender Wasserdichtheitsprüfung, einer verschärften Schlagregenprüfung und einer künstlichen Alterung aus 672 Stunden UV-Belastung, 2016 Stunden Feuchtlagerung bei 90 % relativer Luftfeuchte und 70 °C und 2016 Stunden Hitzelagerung bei 80 °C.[2]
Was DIN EN 13859-1 für die Unterspannbahn regelt
Die Eigenschaften von Abdichtungsbahnen, die als Unterdeck- und Unterspannbahnen unter der Dachdeckung verlegt werden, legt DIN EN 13859-1 fest, mit Anforderungen, Prüfverfahren und der Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit.[3] Die geltende Ausgabe vom Juli 2014 ersetzt die Fassung vom November 2010, sie hat die anwendungsbezogene Eigenschaft Emissionsgrad aufgenommen und Wortlaut und Anhang ZA an die Bauproduktenverordnung angepasst.[3]
Alte Unterspannbahnen im Bestand
Liegt im Bestand eine diffusionsdichte Unterspannbahn über vorhandener Konterlattung, kann sie nach dem holzbau handbuch zum Holzschutz bei einer Sanierung von innen erhalten bleiben, wenn an Anschlagleisten an den Sparren ein Belüftungshohlraum entsteht und darunter eine diffusionsoffene Unterdeckplatte mit einem sd-Wert unter 0,3 m die winddichte Ebene bildet.[4] Für eine solche Lösung sind die nach DIN 4108-3 erforderlichen Belüftungsquerschnitte und Öffnungen einzuhalten, und hydrophobierte Holzfaserplatten dürfen als nicht aussteifende Unterdeckung vorübergehend bewittert werden, wenn der Hersteller das freigibt.[4]
Wasser auf der Bahn finden
Risse, abgerissene Überlappungen oder Löcher an Durchdringungen lassen Wasser, das durch die Deckung kommt, nicht mehr zur Traufe ablaufen, und es tropft in Dämmung und Dachgeschoss. In einem nicht ausgebauten Dachraum sehen wir die Bahn von innen an, in ausgebauten Geschossen messen wir die Feuchte in Dämmung, Sparren und Bekleidung und grenzen die Stelle ein.
Nach der Reparatur durch den Dachdecker trocknen wir die durchfeuchteten Bauteile, nehmen nasse Faserdämmung heraus und kontrollieren die Holzfeuchte, bevor wieder gedämmt und geschlossen wird.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Unterdeckung. Fachwissen Geneigtes Dach, Unterdächer, Unterdeckung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- hagebau Handelsgesellschaft für Baustoffe mbH & Co. KG: Fachreihe Dach + Fassade, Ausgabe 33: Die neuen Unterdeckbahnen für erweiterte Anforderungen, Änderungen im ZVDH-Regelwerk. Ausgabe 33, 2024, Seiten 2 bis 5, Neufassungen im Regelwerk, Produktdatenblatt UDB-eA und Klassen der Zusatzmaßnahmen. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15
- DIN Media GmbH: DIN EN 13859-1:2014-07, Abdichtungsbahnen, Definitionen und Eigenschaften von Unterdeck- und Unterspannbahnen, Teil 1: Unterdeck- und Unterspannbahnen für Dachdeckungen. Ausgabe 2014-07, Einführungsbeitrag, Ersatzvermerk und Änderungsvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
- Informationsdienst Holz (Informationsverein Holz, Holzbau Deutschland Institut, Studiengemeinschaft Holzleimbau): Holzschutz, Bauliche Maßnahmen, holzbau handbuch Reihe 5, Teil 2, Folge 2. 2. Auflage, Januar 2023, Kapitel 3 zu bewitterten Holzwerkstoffplatten und Kapitel 5.2.3 mit Abbildung 5.2.7. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
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