Färbemittelprobe
Auch: Farbprobe, Markierungsversuch
Die Färbemittelprobe ist ein Prüfverfahren, bei dem Wasser mit einem gut sichtbaren oder fluoreszierenden Farbstoff wie Uranin eingefärbt wird, um zu verfolgen, wohin es fließt und wo es wieder austritt.[1][2] Im Gebäude dient sie vor allem dazu, falsch angeschlossene Abläufe, Abwasserwege, Dacheinläufe und Fallrohre zu prüfen.[1][3] Eine punktgenaue Ortung von Lecks in einer Abdichtung leistet sie nicht.[3]
So läuft eine Färbemittelprobe ab
Schematische Darstellung eines Hauses im Schnitt: Bad mit Dusche und Waschbecken, darunter ein Raum mit Fleck an der Decke, draußen Regenfallrohr, Regenwasserschacht, Revisionsschacht und öffentlicher Kanal im Erdreich. Die Nummern begleiten den Farbstoff vom Ablauf durch die Leitungen bis in die Schächte und zeigen, was ein Fehlanschluss verrät.
- Farbstoff in den Ablauf geben: Der Farbstoff kommt mit Wasser in einen einzelnen Ablauf, hier in die Dusche. Gleichzeitig steht jemand an den Schächten vor dem Haus und wartet, wo und wann die Farbe auftaucht.
- Uranin: verdünnt gelbgrün sichtbar: Uranin ist als Konzentrat dunkelrot und leuchtet erst stark verdünnt gelbgrün. Es lässt sich in winzigen Mengen nachweisen, lagert sich kaum an und zerfällt im Tageslicht innerhalb weniger Tage.
- Schacht: Farbe kommt an: Erscheint das gefärbte Wasser im Revisionsschacht der Schmutzwasserleitung, ist der Weg bestätigt: Dieser Ablauf ist richtig angeschlossen. Zeit und Ort der Ankunft halten wir mit Foto im Protokoll fest.
- Fehlanschluss: Farbe im Regenwasserschacht: Taucht die Farbe im Regenwasserschacht auf, ist ein Ablauf falsch an den Regenwasserkanal angeschlossen, hier das Waschbecken. Solche Fehleinleitungen sind der klassische Anlass für die Probe im Kanalnetz.
- Jeden Ablauf einzeln prüfen: Wer Fehlanschlüsse ausschließen will, gibt den Tracer nacheinander in jede Entwässerungsanlage, auch in Waschbecken in Garage oder Schuppen und in Bodenabläufe im Keller. Das setzt Zugang zu allen Räumen voraus, und die Bewohner müssen vorher Bescheid wissen.
- Kanal: Einleiten vorher abstimmen: Für das Einleiten in die öffentliche Entwässerung braucht es die Zustimmung der Kommune, bei möglichem Kontakt zum Grundwasser die Wasserbehörde. Wir setzen nur Farbstoffe ein, die als unbedenklich gelten, und sprechen die Probe vorher mit dem Netzbetreiber ab.
- Farbe am Schaden: Weg bestätigt: Zeigt sich der Farbstoff an der Stelle, an der der Schaden sichtbar ist, etwa an einem Fleck an der Decke, passt der Ablauf zum Schaden. Bleibt die Farbe aus, kommen Kamera, Feuchtemessung oder Tracergas dazu, je nach Verdacht auf Abwasserleitung, Abdichtung oder Trinkwasserleitung.
Wie eine Färbemittelprobe abläuft
Für die Kontrolle von Hausanschlüssen wird der Farbstoff in einzelne Abläufe im Gebäude gegeben, etwa in Toiletten, Waschbecken oder Duschen, und gleichzeitig werden die Schächte vor dem Haus beobachtet.[1] Wo das gefärbte Wasser auftaucht, zeigt, ob und welche Abläufe falsch angeschlossen sind.[1]
Tracer sind nach dem Leitfaden aus Nordrhein-Westfalen Stoffe, die sich schon in geringen Mengen nachweisen lassen, und für die Suche nach Fehleinleitungen werden vor allem Farbtracer wie Uranin verwendet.[1] Wer Fehlanschlüsse sicher ausschließen will, muss den Tracer in alle Entwässerungsanlagen geben, auch in Waschbecken in Garagen oder Schuppen und in Bodenabläufe im Keller.[1] Das setzt Zugang zu den Räumen voraus, und die Bewohner müssen vorher informiert sein und mitwirken.[1] Der Leitfaden nennt dabei auch die Kehrseite: Weil der Kontakt vorab nötig ist, kann eine bekannte Fehleinleitung verschwiegen werden.[1] Wo der Farbstoff im falschen Kanal auftaucht, zeigt eine Rohrkamera anschließend die genaue Stelle des Fehlanschlusses.
Die Richtlinien der Versicherer zur Sanierung von Leitungswasserschäden zählen Farbproben zu den Ortungsverfahren, die für eine professionelle Leckageortung zur Verfügung stehen sollten, neben Feuchtemessung, Druckproben, elektroakustischer Ortung, Thermografie und weiteren Verfahren.[4] Abgeschlossen ist eine Ortung dort erst, wenn die Ursache gefunden, die Schadenstelle nach Möglichkeit freigelegt und dem Schadenbild nach keine weitere Ursache mehr offen ist.[4]
Uranin als Farbstoff der Färbemittelprobe
Fluoreszenzfarbstoffe sind nach dem Merkblatt des bayerischen Landesamts die am häufigsten eingesetzten Stoffe, um Wasser zu markieren: Sie kommen in der Natur nicht vor, lassen sich schon in sehr geringen Konzentrationen sicher nachweisen und werden deshalb nur in kleinen Mengen gebraucht.[2] Bei geringen und mittleren Konzentrationen bleibt die Färbung für das bloße Auge unsichtbar.[2] Ein Nachteil ist, dass einige dieser organischen Verbindungen an Gestein und Schwebstoffen haften bleiben und chemisch, durch Licht oder durch Mikroorganismen abgebaut werden können.[2]
Uranin, auch Natrium-Fluoreszein genannt, wird seit über 100 Jahren als Markierungsmittel für Wasser verwendet, und das Fluoreszein-Anion fluoresziert stärker als jeder andere bekannte Stoff.[2] Konzentrierte Lösungen sind dunkelrot und leuchten nicht, erst stark verdünnt färbt sich das Wasser gelbgrün bis grün.[2] Wo das Dach nach dem Sturm undicht ist, zeigt so gefärbtes Wasser auf einer Teilfläche, an welcher Stelle es im Dachraum wieder austritt. Trotz seines Namens enthält Uranin kein Uran, der Name entstand um 1885 in Anlehnung an Uranylsalze, die ähnlich gefärbt fluoreszieren.[2]
Nach Merkblatt Nr. 3.1/1 des Bayerischen Landesamts für Wasserwirtschaft, Tab. 1 und Abschnitt 1.2.1.1.[2]
Uranin lagert sich kaum an Gestein oder Ton an und eignet sich deshalb gut, um unterirdische Fließwege zu verfolgen.[2] Es ist lichtempfindlich und zerfällt im Tageslicht innerhalb weniger Tage, Proben werden bis zur Analyse dunkel aufbewahrt.[2] In saurem Wasser geht es in eine nicht fluoreszierende Form über, und Ozon und Chlorverbindungen aus der Wasseraufbereitung zerstören es.[2]
Wegen der großen Färbekraft der meist pulverförmigen Farbstoffe wird nach dem Merkblatt schon im Labor eine hochkonzentrierte Stammlösung angesetzt, fern von Probenahme- und Messgeräten.[2] Sind mehrere Farbstoffe in einem Gebiet nötig, setzt man Eosin und Uranin gern nebeneinander ein, wobei Eosin ähnliche, aber etwas schwächer ausgeprägte Eigenschaften hat.[2] Die meisten anderen Fluoreszenzfarbstoffe werden erst ab etwa 10 hoch minus 4 g/l sichtbar, Rhodamine sind dafür lichtbeständig und eignen sich für Oberflächengewässer.[2]
Unbedenkliche Farbstoffe und wer zustimmen muss
Uranin und Eosin gelten in den üblichen Konzentrationen nach dem Merkblatt als unschädlich für Mensch und Natur, sie sind zum Teil als Färbemittel für Kosmetika zugelassen und werden in der Medizin eingesetzt.[2] Rhodamin B, WT und 6G empfiehlt das Merkblatt wegen geno- und ökotoxischer Eigenschaften nicht mehr.[2] Im Haus kommen sie etwa zum Einsatz, wenn eine Dusche undicht ist und gefärbtes Wasser zeigen soll, ob die Nässe darunter aus ihrem Ablauf stammt.
Kann der Farbstoff bei einer Lecksuche in Kanalnetzen ins Grundwasser gelangen, ist nach dem bayerischen Merkblatt vorab die Wasserbehörde einzuschalten, und für das Einleiten in eine öffentliche Entwässerungsanlage braucht es die Zustimmung der Kommune nach ihrer Entwässerungssatzung.[2] In Regenwasserkanälen dürfen nach dem Leitfaden aus Nordrhein-Westfalen nur umweltverträgliche Stoffe eingesetzt werden, und eine Belastung von Gewässern ist zu vermeiden, falls nötig in Abstimmung mit den Wasserbehörden.[1]
Bei Prüfungen, die bis ins Grundwasser reichen, rät das Merkblatt zu besonders sorgfältiger Vorbereitung, weil der Farbstoff dort lange verweilt und sich ein Versuch kaum wiederholen lässt.[2] Störquellen in der Nähe wie Brunnen, Erdaufschlüsse oder Dränanlagen können das Ergebnis verfälschen.[2] Solche Versuche dienen nach dem Merkblatt unter anderem dazu, Versickerungen aus Kanälen, Kleinkläranlagen und sonstigen Abwasseranlagen auf ihre Wirkung auf Trinkwassergewinnungen zu prüfen.[2] Sulforhodamin B gilt dort humantoxikologisch als unbedenklich, ökotoxikologisch aber als bedenklich und sollte im Normalfall ebenfalls nicht mehr eingesetzt werden.[2]
Färbemittel auf dem Flachdach
Auf Flachdächern kommen Färbemittel nach BauNetz Wissen vor allem zum Einsatz, wenn vorab die Dichtigkeit der wasserführenden Ebene geprüft werden soll, und auch Gullys und Fallrohre lassen sich damit kontrollieren.[3] Als Mittel werden Lebensmittelfarbe, Kaliumpermanganat, Uranin und UV-Luminat genannt.[3]
Die Grenzen beschreibt dieselbe Übersicht ebenso klar: Das Verfahren prüft eine Fläche als Ganzes, eine einzelne Schadstelle lässt sich damit nicht festmachen, und Lecks in der Abdichtung bleiben unentdeckt.[3] Für die Suche nach der undichten Stelle selbst braucht es auf dem Dach andere Verfahren.[3]
Grenzen gegenüber Nebel, Kamera und Tracergas
Für die Suche nach Fehleinleitungen beschreibt der Leitfaden neben Tracern auch die Benebelung des Kanals und die Kamerainspektion.[1] Eine Kamera erkennt Fehleinleitungen nicht in jedem Fall, weil sie nur zeitweise auftreten, Trübungen, Verfärbungen und Ablagerungen an den Anschlusspunkten können aber Hinweise geben.[1]
Beim Benebeln können geschlossene Pendelklappen den Nebel zurückhalten, und ausgetrocknete Geruchsverschlüsse selten genutzter Abläufe lassen ihn in die Wohnräume, weshalb Bewohner und Feuerwehr vorab informiert werden.[1] Gerade diese Vorwarnung kann nach dem Leitfaden dazu führen, dass an bekannten oder bewusst angelegten Fehlanschlüssen der Austritt des Nebels verhindert wird.[1] Für die Färbemittelprobe muss dagegen jeder einzelne Ablauf zugänglich sein.[1]
Für druckführende Trinkwasserleitungen nutzen wir aus der Liste der Versicherer eher Druckproben, die elektroakustische Ortung, Korrelationsmessungen oder das Formiergasverfahren.[4] Farbstoff hilft dort nur, wenn Wasser frei abläuft und sein Weg sichtbar gemacht werden soll.
Wie wir die Färbemittelprobe einsetzen
Wir greifen zur Färbemittelprobe, wenn ein Feuchteschaden zu einem Ablauf, einer Dusche, einem Fallrohr oder einem Dacheinlauf passen könnte: Eingefärbtes Wasser zeigt, ob es an der Stelle ankommt, an der der Schaden sichtbar ist. Wir verwenden Mittel, die als unbedenklich gelten, und stimmen das Einleiten in öffentliche Kanäle vorher mit dem Netzbetreiber ab.
Bleibt das Ergebnis offen, ergänzen wir die Probe um Kamera, Feuchtemessung oder Tracergas, je nachdem, ob eine Abwasserleitung, eine Abdichtung oder eine Trinkwasserleitung in Verdacht steht. Jede Eingabe und jeden Fund halten wir mit Ort, Zeit und Foto im Protokoll fest.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Fachhochschule Münster und Dr. Pecher AG, Forschungsvorhaben Detek-T, veröffentlicht vom Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK): Leitfaden zur Beseitigung und Vermeidung von Fehleinleitungen in die Regenwasserkanalisation für Kanalnetzbetreiber in NRW. Dezember 2021, Abschnitte 4.2 und 4.3.1 Tracer (Markierungsstoffe) mit Abb. 6, S. 11 bis 14. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14
- Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft, heute Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU): Merkblatt Nr. 3.1/1: Hinweise für die Durchführung und die Begutachtung von Markierungsversuchen in Gewässern. Merkblatt Nr. 3.1/1, Stand 06.06.2002, Abschnitte 1.2.1.1 Fluoreszenzfarbstoffe mit Tab. 1, 1.2.4, 1.3.1 und 2.2, S. 4 bis 6, 10, 11 und 13. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Leckageortung: Messung mit Färbemittel. Fachwissen Flachdach, Schäden/Sanierung, Leckageortung: Messung mit Färbemittel, Quelle Michael Resch. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
- Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): VdS 3150: Richtlinien zur Leitungswasserschaden-Sanierung, Verlag VdS Schadenverhütung. Ausgabe 2025-01 (02), Abschnitt 5.2.2 Ablauf, S. 15. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
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