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Gussasphaltestrich: heiße Masse aus dem Rührwerkskessel wird im Raum auf der Dämmschicht ausgestrichen

Gussasphaltestrich

Auch: Asphaltestrich, AS-Estrich

Gussasphaltestrich ist ein Estrich aus Bitumen und Gesteinskörnungen, der bei über 200 °C heiß eingebaut wird, ohne Wasser auskommt und nach dem Abkühlen schon nach wenigen Stunden begehbar ist.[1][2] Er ist wasserundurchlässig und dampfdicht, unempfindlich gegen aufsteigende Feuchte und wird in Wohnungen auf Dämmschicht oder Trennschicht verlegt, und die Estrichnorm DIN 18560 erfasst ihn mit dem Kurzzeichen AS.[1][2][3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So wird Gussasphalt heiß und ohne Wasser eingebaut

Gussasphaltestrich, Funktionsweise: beheizter Rührwerkskessel vor dem Haus, heiße Masse wird im Raum schwimmend auf der Dämmschicht ausgestrichen, der abgekühlte Teil ist begehbar, Lupe auf Bitumen und Gesteinskörnung

Schematische Darstellung: Einbau eines Gussasphaltestrichs im Erdgeschoss, der Boden im Schnitt überhöht. Die Nummern führen vom Kessel vor dem Haus über den heißen Einbau bis zum begehbaren Estrich.

  1. Beheizter Rührwerkskessel: Die heiße Masse ist nicht pumpfähig. Sie kommt im beheizten Rührwerkskessel zur Baustelle und gelangt von dort zum Einbauort, in oberen Geschossen über einen Bau- oder Schrägaufzug. So erreicht sie den Raum noch mit 200 bis höchstens 230 Grad.
  2. Schwimmend auf der Dämmschicht: In Wohnungen liegt der Estrich meist schwimmend auf einer Dämmschicht, sonst auf einer Trennschicht, in der Regel 30 Millimeter dick. Läuft bei einem Leitungsschaden Wasser darunter, bleibt es in der Dämmschicht, weil der Estrich dampfdicht ist, und wir trocknen sie über Bohrungen von unten oder über den Randstreifen.
  3. Heiß eingebaut, ganz ohne Wasser: Bei 220 bis 250 Grad wird die Masse gegossen und ausgestrichen. Sie enthält kein Wasser, darum entfällt die lange Trocknungszeit, und verlegt werden kann unabhängig von Witterung und Temperatur.
  4. Bitumen füllt alle Hohlräume: Gussasphalt besteht aus 7 bis 10 Prozent Bitumen, Füller sowie feiner und grober Gesteinskörnung, und das Bindemittel ist so bemessen, dass in der fertigen Schicht kein Hohlraum offen bleibt. Bitumen stammt aus Erdöl und ist kein Teer, einen unklaren schwarzen Estrich im Altbau lassen wir vor dem Öffnen trotzdem auf PAK untersuchen.
  5. In 2 bis 3 Stunden begehbar: Ist die Masse abgekühlt, lässt sich der Estrich nach 2 bis 3 Stunden betreten, und nach etwa 4 Stunden kann der Belag folgen, gerade auch Parkett. Höhere Temperaturen machen ihn weich, darum erwärmen wir bei einer späteren Trocknung die Luft nur mäßig.

Zusammensetzung von Gussasphalt

Gussasphaltestrich besteht nach BauNetz Wissen aus 7 bis 10 Masseprozent Bitumen, das die thermoplastischen Eigenschaften bewirkt, aus etwa 28 Masseprozent Kalkstein- oder Quarzsandfüller unter 0,063 mm, etwa 35 Masseprozent feiner Gesteinskörnung bis 2 mm und etwa 30 Masseprozent grober Gesteinskörnung bis 11,2 mm.[2] Das Bitumen wird bei der Destillation von Erdöl gewonnen, und als Größtkorn werden in Wohnungen 5,6 bis 8 mm verwendet, in Industrie- und Parkdeckestrichen in der Regel 8 mm und bei maschinell eingebauten großen Flächen 11,2 mm.[2]

Gussasphalt ist nach der Beratungsstelle für Gussasphaltanwendung eine dichte, heiß gieß- und streichbare Masse, deren Bindemittelgehalt so auf die Hohlräume des Gesteinsgemischs abgestimmt ist, dass sie in der fertigen Schicht ausgefüllt sind, und bei Verarbeitungstemperatur sorgt die stärkere Wärmeausdehnung des Bitumens für einen kleinen Bindemittelüberschuss, den die Verarbeitung braucht.[4] Über Zusammensetzung der Gesteinskörnungen, Bitumengehalt und Bitumensorte lässt sich Gussasphalt unterschiedlichen Beanspruchungen anpassen, als Estrich nach DIN 18560, als Abdichtung auf Parkdecks, als Deckschicht im Straßenbau oder als flüssigkeitsundurchlässiger Belag in Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen.[4] Verwendungszweck, klimatische und örtliche Verhältnisse und Verkehrslasten gehören dafür in die Leistungsbeschreibung, und unter dieser Voraussetzung bleibt die Zusammensetzung des Mischguts dem Auftragnehmer überlassen.[4]

Läuft Wasser unter einen Gussasphaltestrich, erreicht es am Rand auch Kabel in Sockelleistenkanälen und Steckdosen dicht über dem Boden. Bevor jemand Sockelleisten abnimmt oder am Rand bohrt, kommt die Sicherung der Räume heraus, denn am Lichtschalter wird nur die Lampe getrennt. Sitzt der Sicherungskasten im Wasser, wird der Raum gemieden, bis Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber die Anlage freigegeben haben, und ein Kellerraum, in dem der Pegel steigt, bleibt zu.

Heiß eingebaut, ohne Trocknungszeit

Gussasphaltestrich wird nach WECOBIS bei 220 °C bis 250 °C heiß eingebaut, ist nach dem Abkühlen in etwa 2 bis 3 Stunden begehbar und kann nach etwa 4 Stunden belegt werden, weil er kein Wasser enthält.[1] Lange Trocknungszeiten entfallen nach BauNetz Wissen, die Verlegung ist unabhängig von Witterung und Temperatur, und er eignet sich besonders unter feuchtigkeitsempfindlichen Belägen wie Parkett.[2]

Weil die Masse nicht pumpfähig ist, braucht der Transport vom beheizten Rührwerkskessel zum Einbauort in oberen Geschossen Bau- oder Schrägaufzüge, damit sie mit einer Verarbeitungstemperatur von 200 bis höchstens 230 °C ankommt.[2] Eingebaut wird üblicherweise schwimmend oder auf Trennschicht, im Verbund auf Asphalt, Beton oder Stahl ist er mit einer Polymerbitumen-Schweißbahn mit hochliegender Trägereinlage möglich.[2]

Härteklassen und Dicken von Gussasphaltestrich

Nach DIN EN 13813 wird Gussasphalt nach der Eindringtiefe eines Stempels in Härteklassen eingeteilt, von IC 10 bis IC 100 und ICH 10 für Heizestrich, und die passende Klasse richtet sich nach der Beanspruchung durch Temperatur und Verkehrslasten.[4] Die Eindringtiefe am Probewürfel, die heute nach DIN EN 12697-20 geprüft wird, erlaubt eine Beurteilung der Standfestigkeit, und für Abdichtungen in Verbindung mit Gussasphalt werden gussasphaltverträgliche Bitumen-Schweißbahnen verwendet.[4] Ein Gussasphalt-Heizestrich heißt danach zum Beispiel AS-ICH 10, wobei AS für die Estrichmasse Asphalt steht, IC für die Eindringtiefe am Würfel, H für Heizestrich und 10 für die Eindringtiefe in Zehntelmillimetern.[4]

Für unbeheizte Gussasphaltestriche auf Dämmschichten nennt die Beratungsstelle nach DIN 18560-2 bei Flächenlasten bis 2 kN/m² eine Nenndicke von mindestens 25 mm, bis 3 und 4 kN/m² mindestens 30 mm und bis 5 kN/m² mindestens 35 mm, und Heizestriche sind bei Nutzlasten bis 2 kN/m² 35 mm dick.[4] BauNetz Wissen nennt 25 mm als Mindestdicke, 30 mm als Regeldicke und 40 mm als größte Dicke bei einlagigem Einbau.[2]

Eigenschaften im Wohnhaus

Gussasphaltestrich ist nach BauNetz Wissen wasserdampfdiffusionsdicht, bietet einen verhältnismäßig guten Trittschallschutz, lässt sich großflächig und nahezu fugenlos verlegen und eignet sich für Fußbodenheizung und alle üblichen Bodenbeläge.[2] Seine Wärmeleitzahl liegt mit 0,90 W/(m·K) unter der von Zement- und Calciumsulfatestrich und über der von Magnesiaestrich, darum gilt er als fußwarm und verteilt als Heizestrich die Wärme gleichmäßig.[2]

Wasser und aufsteigende Feuchte schaden ihm nach WECOBIS nicht, empfindlich ist er dagegen gegenüber Temperaturen, bei denen er sich verformen kann, und eingeteilt wird er über die Stempeleindringtiefe an Würfeln in die Härteklassen ICH 10, IC 10, IC 15, IC 40 und IC 100.[1] Nach einem Wasserschaden zählt darum vor allem, ob Wasser in die Dämmschicht darunter gelaufen ist, und eine Küchenmontage auf diesem Boden wartet darauf.

Bitumen, Gesundheit und Rückbau

Bitumen und bitumenhaltige Zubereitungen wie Gussasphalt sind nach WECOBIS keine Gefahrstoffe und nicht kennzeichnungspflichtig, und ihr Gehalt an krebserzeugendem Benzo[a]pyren liegt mit typischerweise 0,4 bis 4 mg/kg weit unter der Grenze von 50 mg/kg für die Kennzeichnungspflicht.[1] Ein sortenreiner, unverschmutzter Gussasphaltestrich kann nach BauNetz Wissen recycelt werden und ist als Belag für die Lagerung wassergefährdender Stoffe nach dem Wasserhaushaltsgesetz zulässig.[2]

Im Hochbau wird ein Recycling bituminöser Produkte nach WECOBIS aus wirtschaftlichen Gründen derzeit nicht betrieben, darum werden Gussasphaltestriche in der Regel als Bestandteil mineralischen Bauschutts deponiert, ohne sortenreine Trennung.[1]

Bitumen wird aus geeigneten Erdölen destilliert und darf nach der Beratungsstelle nicht mit Teer verwechselt werden, einem Produkt aus Kohle, und teerhaltige Bindemittel werden in Deutschland nicht mehr verwendet, in Gussasphalt wurden sie nie eingesetzt.[4] Verwendet werden Straßenbaubitumen, Hartbitumen, polymermodifizierte Bitumen und Naturasphalt, deren Härte und Menge die Eigenschaften des Gussasphalts bestimmen.[4]

Estrichnormen für Gussasphalt

Die Norm DIN 18560-1 gilt für Baustellenestriche und für Estriche aus Estrichmörteln und Estrichmassen nach DIN EN 13813, die mit Calciumsulfat, Gussasphalt, Kunstharz, kaustischer Magnesia oder Zement hergestellt werden, innen wie im Freien.[3] Die Ausgabe vom Februar 2021 ersetzt die Fassung von 2015 und die zurückgezogene DIN 272 aus dem Jahr 1986 und wurde im Juli 2021 berichtigt.[3]

DIN EN 13813 beschreibt nach der Beratungsstelle die Anforderungen an Estrichmassen und Estriche, DIN 18560 als nationale Ausführungsnorm die Herstellung, und für Gussasphaltarbeiten gilt außerdem die ATV DIN 18354.[4]

Nasse Dämmschicht unter Gussasphalt

Gussasphaltestrich nimmt bei einem Leitungsschaden selbst kein Wasser auf und muss nicht trocknen, das Wasser sammelt sich aber in der Dämmschicht und am Rand darunter, und weil der Estrich dampfdicht ist, kann es nach oben nicht entweichen. Wir messen deshalb an den Rändern, über Bohrungen und an den angrenzenden Wänden, um festzustellen, wie weit sich das Wasser unter dem Estrich verteilt hat.

Getrocknet wird die Dämmschicht von unten über Bohrungen oder über den Randstreifen, wobei wir die Luft nicht zu stark erwärmen, weil der Estrich bei höheren Temperaturen weich werden kann. Ob eine durchnässte Dämmschicht unter dem Gussasphalt trocknen kann oder ausgebaut werden muss, hängt vom Dämmstoff ab, und das klären wir vor Beginn der Trocknung mit dem Eigentümer. Ein dunkler Estrich in einem Altbau ist nicht automatisch Gussasphalt, darum lassen wir unklare schwarze Estriche vor dem Öffnen auf Schadstoffe wie PAK untersuchen. Parkett und andere Beläge auf dem Gussasphalt prüfen wir nach der Trocknung auf Verformungen und Hohlstellen.

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Belege

Quellen

  1. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Gussasphaltestrich, Produktgruppe Estriche. Datenblatt Gussasphaltestrich, Reiter Übersicht, Technisches, Verarbeitung und Nachnutzung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
  2. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Estrichart: Gussasphaltestrich AS. Fachwissen Boden, Estriche, Estrichart Gussasphaltestrich AS. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
  3. DIN Media GmbH: DIN 18560-1: Estriche im Bauwesen, Teil 1: Allgemeine Anforderungen, Prüfung und Ausführung. Ausgabe 2021-02, Einführungsbeitrag, Ersatzvermerk und Änderungsvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
  4. bga Beratungsstelle für Gussasphaltanwendung e. V.: Gussasphalt von A bis Z: Bauweisen, Technische Informationen 47. Technische Informationen 47, Ausgabe 01/2014, Abschnitte 1 Allgemeines, 3.1 Hochbau mit Tabellen 1 und 2 und 4 Regelwerke. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
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