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Magnesiaestrich nach einem Leitungsschaden: Pfütze, ausgebeulter Estrich und Chlorid, das in den Stahlbeton wandert

Magnesiaestrich

Auch: Steinholzestrich, Steinholz

Magnesiaestrich ist ein Estrich aus kaustischer Magnesia, einer wässrigen Magnesiumchloridlösung als Anreger und Gesteinskörnung, der mit organischen Füllstoffen wie Holzspänen auch als Steinholzestrich bekannt ist.[1][2] Er lässt sich fugenlos, fest und ableitfähig herstellen, verträgt aber keine dauernde Feuchte, greift Metalle an und trägt in der Estrichtechnik das Kurzzeichen MA.[1][2]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So reagiert Magnesiaestrich, wenn er nass wird

Magnesiaestrich, Funktionsweise: nasser Magnesiaestrich auf Stahlbeton beult aus, Chlorid greift Rohre und Bewehrung an, Sicherungen ausgeschaltet, Lupe auf Magnesia mit Sand und Holzspänen

Schematische Darstellung: Werkstatt mit Magnesiaestrich auf einer Stahlbetondecke nach einem Leitungsschaden, Estrich und Decke im Schnitt überhöht. Die Nummern führen vom Gefüge des Estrichs über die Folgen der Nässe bis zum Sicherungskasten.

  1. Magnesia bindet Sand, Holzspäne: Als Bindemittel dient kaustische Magnesia, angeregt durch eine wässrige Magnesiumchloridlösung im Verhältnis 1 zu 3. Dazu kommen Gesteinskörnung und Füllstoffe, mit Holzspänen heißt er Steinholzestrich. Der Boden wird fugenlos und sehr fest und lässt sich einfärben.
  2. Chlorid greift Metall an: Das Chlorid greift in Verbindung mit Feuchte Metalle an, darum bekommen Rohre und Stahlteile vor dem Einbau einen Schutzanstrich. Nach einem Wasserschaden prüfen wir Rohre, Befestigungen und Stahlteile im und am Estrich auf Korrosion.
  3. Nass wird er weich und beult aus: Bei Wassereinwirkung verliert der Estrich zuerst an Festigkeit, er schwitzt und beult sich aus, bei längerer Durchfeuchtung treibt das Gefüge auf. Darum folgt die Trocknung ohne Aufschub, und weiche, aufgequollene oder gerissene Stellen halten wir fest.
  4. Chlorid wandert in den Stahlbeton: In feuchter Umgebung können Chloridionen aus dem Estrich in eine Decke aus Stahlbeton einwandern, wo der Stahl der Bewehrung liegt. Stahlbeton erhält deshalb vor dem Einbau eine Schutzgrundierung, und nach einem Schaden messen wir Estrich und Decke an mehreren Punkten.
  5. Nass leitend: Sicherung aus: Feucht leitet Magnesiaestrich Strom. Steht Wasser auf dem Boden, kommen die Sicherungen der Räume heraus, bevor jemand ihn betritt, der Lichtschalter allein reicht nicht. Liegt Wasser am Sicherungskasten, geht niemand über den nassen Boden, bis Feuerwehr oder Netzbetreiber den Strom abgeschaltet haben.

Magnesia, Magnesiumchlorid und Füllstoffe

Als Bindemittel dient nach WECOBIS kaustische Magnesia, als Anreger in der Regel eine wässrige Lösung aus Magnesiumchlorid, das zum Beispiel im Meersalz vorkommt, im Mengenverhältnis Magnesiumchlorid zu Magnesia von 1 zu 3.[1] Das Verhältnis von Magnesia zu Gesteinskörnung richtet sich nach der Beanspruchung und beträgt bei Unterschichten etwa 1 zu 6, bei Nutzschichten bis zu 1 zu 0,4.[1]

Als Füllstoffe kommen Weichholzspäne, Textilfasern, Papiermehl, Korkmehl, Quarzsand und künstliche Hartstoffe in Frage, und mit organischen Füllstoffen bis zu einer Rohdichte von 1600 kg/m³ wird Magnesiaestrich als Steinholzestrich bezeichnet.[1] BauNetz Wissen nennt die kaustische Magnesia nach DIN 273 Teil 1 und die Magnesiumchloridlösung nach DIN 273 Teil 2, und als Gesteinskörnung eignen sich organische oder anorganische Stoffe, sofern sie das Erhärten nicht stören.[2] Läuft auf einem Steinholzboden Wasser aus, etwa aus einer Waschmaschine, kann es durch Risse in die Decke ziehen, bis bei den Nachbarn unten Wasser aus der Decke tropft.

Die Hauptlagerstätten von Magnesiumcarbonat liegen nach WECOBIS in der Türkei, in Griechenland, auf dem Balkan und in China, in Deutschland gibt es keine Abbaustätten.[1]

Magnesiaestrich leitet nach WECOBIS im feuchten Zustand Strom.[1] Steht auf einem Steinholzboden Wasser, schaltet man die Sicherungen der Räume aus, bevor jemand den Boden betritt, und verlässt sich nicht auf den Lichtschalter. Liegt Wasser am Sicherungskasten, geht keiner über den nassen Steinholzboden, bis Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber das Haus vom Netz getrennt haben, und Kellerräume mit steigendem Wasser betritt niemand.

Steinholz auf alten Holzbalkendecken

Als Steinholzestrich wurde Magnesiaestrich nach BauNetz Wissen schon vor 1900 auf Holzbalkendecken eingesetzt, und der Name geht auf das damals übliche Holzmehl oder die Holzstückchen als Zuschlag zurück.[2] In der Nachkriegszeit verschwanden mit den Holzbalkendecken auch die Steinholzestriche, heute werden sie bei Sanierungen und in ökologischer Bauweise wieder verwendet, mit Leinöl imprägniert und direkt genutzt, wobei Farbabweichungen bei dem Naturprodukt normal sind.[2]

Professionell geschliffen lassen sich Magnesiaestriche in terrazzoähnliche Böden verwandeln, und als hochfeste, unmittelbar nutzbare Industrieestriche eignen sie sich für Industrie- und Gewerbebauten ohne Feuchtebelastung.[2] Dort erreichen sie nach WECOBIS sehr hohe Druckfestigkeiten von 40 bis 80 N/mm² und lassen sich, wenn der Untergrund es zulässt, ohne Fugen verlegen.[1] In Kellern, in denen nach einem Rückstau Abwasser im Haus stehen kann, gehört ein solcher Boden dagegen nicht hin. Wird ein solcher Boden bei einem Wasserschaden doch nass, sollte die Wasserschadensanierung ohne Aufschub folgen, weil das Material Feuchte schlecht verträgt.

Einbau und Belegreife von Magnesiaestrich

Magnesiaestrich wird nach WECOBIS ausschließlich als Trockenmörtel von Spezialverarbeitern geliefert und wegen seiner kurzen Ansteifzeit von 40 Minuten auf der Baustelle gemischt, wobei das Magnesiumchlorid als Salz angeliefert und in der nötigen Wassermenge gelöst wird.[1] Beim Einbau darf die Temperatur nach BauNetz Wissen nicht unter 10 °C liegen, und der Estrich ist mindestens zwei Tage vor Wärme, Schlagregen und Zugluft zu schützen.[2]

Begangen werden soll er nicht vor Ablauf von zwei Tagen, höher belastet nicht vor fünf Tagen, und belegbar ist er in der Regel nach drei Wochen.[2] Ob er zu diesem Zeitpunkt trocken genug ist, prüft der Fliesenleger vor dem Belegen. Bei hoch beanspruchbaren Verbundestrichen ist eine Haftbrücke vorgeschrieben, und das Waschwasser aus Mischer, Pumpe und Rohren belastet nach WECOBIS trotz des Magnesiumchlorids wegen der hohen Verdünnung die Umwelt nicht.[2][1]

Stärken und Schwächen

Zu den Vorteilen zählt BauNetz Wissen, dass Magnesiaestrich ableitfähig ist, kaum Schwindrisse zeigt, große fugenfreie Flächen erlaubt und auf Holz, Beton und calciumsulfat- oder bitumengebundenen Untergründen verlegt werden kann, außerdem lässt er sich ohne Festigkeitsverlust einfärben.[2] Dagegen ist er empfindlich gegen Feuchtigkeit, greift Metalle an, und in feuchter Umgebung können Chloridionen in einen Untergrund aus Stahlbeton einwandern.[2]

Eine Anwendung mit ständiger Feucht- oder Nassbelastung ist nach WECOBIS nicht möglich, weil bei länger andauernder Durchfeuchtung eine Dekristallisation mit Treiberscheinungen einsetzt, darum ist der Estrich vor Wasser und Wasserdampf zu schützen und gehört nicht in Feuchträume.[1] Von oben lässt er sich nach WECOBIS durch Ölen mit säurefreien Mineralölen oder regelmäßiges Bohnern besser schützen, und weil er auch zu starkes Austrocknen schlecht verträgt, eignet er sich wegen der großen Schwindgefahr nicht über dauernd warmen Räumen wie Heizkellern oder Backstuben.[1]

Bevor Magnesiaestrich aufgebracht wird, müssen nach WECOBIS alle Metallteile, die mit ihm in Berührung kommen, mit einem Schutzanstrich gegen Korrosion geschützt werden, und Stahlbeton als Untergrund erhält eine wässrige Dispersion als Schutzgrundierung.[1] In der Regel ist der Boden nach 2 Tagen begehbar und nach 7 Tagen voll belastbar, und bei Flächen mit mehr als 8 m Seitenlänge sind Fugen anzuordnen.[1] Magnesia selbst brennt nicht, mit organischen Füllstoffen wie Sägespänen, Gummi oder Papiermehl können im Brandfall aber Brandgase entstehen.[1]

Arbeitsschutz und Entsorgung

Kaustische Magnesia reagiert mit Wasser ätzend, darum ist Magnesiaestrich vor dem Erhärten kennzeichnungspflichtig, mit dem Ätzsymbol GHS05, dem Ausrufezeichen GHS07 und dem Signalwort Gefahr, während der erhärtete Estrich gesundheitlich unbedenklich ist.[1]

Ausgebauter Magnesiaestrich landet nach WECOBIS meist ungetrennt im mineralischen Bauschutt, auf der Deponie oder in der Aufbereitung, obwohl sortenrein ausgebaute Estriche theoretisch in den Rohstoffkreislauf zurückgehen könnten.[1] Rückbau ist bei Estrichen wegen der größeren Schichtdicke leichter als bei Putz oder Mauermörtel, eingebundene Heizrohre, Bewehrung und anhaftende Dämmstoffe oder Beläge erschweren aber die sortenreine Verwertung.[1]

Magnesia in der Estrichnorm

Seit Februar 2021 regelt DIN 18560-1 allgemeine Anforderungen, Prüfung und Ausführung auch für Estriche mit kaustischer Magnesia als Bindemittel, innen wie außen.[3] Mit dieser Ausgabe wurde die frühere DIN 272 von 1986 ersetzt, die schon im Januar 2020 zurückgezogen worden war, und Anwendungsbereich, Verweisungen und die Abschnitte 5 bis 7 wurden überarbeitet.[3]

Alter Steinholzestrich und Asbest

Asbest durfte nach dem Umweltbundesamt bis Ende Oktober 1993 legal verbaut werden, und in Gebäuden aus dieser Zeit kann er neben Asbestzementprodukten auch in Putzen, Bodenbelägen oder Fliesenklebern stecken, denen man ihn nicht ansieht.[4] Gefährlich werden solche Materialien, sobald sie gebohrt, abgestemmt oder geschliffen werden und Fasern freisetzen.[4]

Bevor wir einen alten Steinholzestrich oder die Beläge darauf öffnen, lassen wir deshalb Proben auf Asbest untersuchen, und erst nach dem Befund wird entschieden, wie gearbeitet wird.

Nasser Magnesiaestrich nach einem Leitungsschaden

Bei Wassereinwirkung verliert Magnesiaestrich nach WECOBIS zunächst an Festigkeit, er kann schwitzen und sich ausbeulen, und im feuchten Zustand ist Magnesia elektrisch leitend.[1] Läuft auf einer Holzbalkendecke mit Steinholzestrich Wasser aus, ist deshalb schnelles Handeln wichtig, auch weil das Chlorid in Verbindung mit Feuchte Metalle angreift. Wir trocknen den Estrich und die Balkenlage darunter, messen Holz und Estrich in mehreren Punkten und prüfen Rohre, Befestigungen und Stahlteile, die im oder am Estrich liegen, auf Korrosion. Unter dem Estrich liegen auf Holzbalkendecken Dielen oder Schalung, Fehlboden und Schüttung, die Wasser aufnehmen und nur langsam abgeben, darum öffnen wir bei Bedarf Kontrollstellen von unten und messen die Holzfeuchte der Balken.

Weich gewordene, aufgequollene oder gerissene Bereiche dokumentieren wir und klären mit dem Eigentümer, ob der Estrich nach dem Trocknen erhalten werden kann oder ersetzt werden muss. Neue Beläge kommen erst auf den Estrich, wenn die Messwerte stimmen und der Untergrund wieder fest ist. Nach dem Trocknen prüfen wir ihn deshalb auf Ausbeulungen, lose Stellen und Risse.

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Belege

Quellen

  1. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Magnesiaestrich, Produktgruppe Estriche. Datenblatt Magnesiaestrich, Reiter Übersicht, Technisches, Rohstoffe, Herstellung, Verarbeitung und Nachnutzung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19
  2. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Estrichart: Magnesiaestrich MA. Fachwissen Boden, Estriche, Estrichart Magnesiaestrich MA. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
  3. DIN Media GmbH: DIN 18560-1: Estriche im Bauwesen, Teil 1: Allgemeine Anforderungen, Prüfung und Ausführung. Ausgabe 2021-02, Einführungsbeitrag, Ersatzvermerk und Änderungsvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
  4. Umweltbundesamt: Asbest in Gebäuden auch heute noch ein Problem: Neue Leitlinie gibt Rat, auch für Laien und Heimwerker. Pressemitteilung Nr. 22/2020 vom 02.06.2020. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2

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