Zum Inhalt springen
STMB24 GmbH Zur Startseite 24h Notruf 0162 4428440
Kunststoffdichtungsbahn im Sturm: Windsog hebt die lose Bahn, die Naht geht auf

Kunststoffdichtungsbahn

Auch: Kunststoffbahn, Dachfolie

Eine Kunststoffdichtungsbahn ist eine Abdichtungsbahn aus Kunststoffen wie weichgemachtem PVC, flexiblen Polyolefinen, EPDM oder EVA, mehrschichtig mit Einlage oder als homogene Folie, deren Querschnitt selbst das Wasser sperrt.[1][2] Auf Flachdächern liegt sie in der Regel einlagig, lose oder verklebt, mit verschweißten Nähten, und für Dachabdichtungen legt DIN EN 13956 ihre Eigenschaften fest.[1][3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So gelangt bei Sturm Wasser unter eine lose Kunststoffbahn

Kunststoffdichtungsbahn, Funktionsweise: Windsog hebt die lose Bahn am Dachrand, an der offenen Naht läuft Regen unter die Bahn, Notabdeckung mit Plane, Lupe auf Naht und Vlieseinlage

Schematische Darstellung: Hallendach im Sturm mit einlagiger, lose verlegter Kunststoffbahn, die Lupe sitzt auf der aufgegangenen Naht. Die Nummern führen von der Vlieseinlage über Naht und Windsog bis zur Notabdeckung.

  1. Vlies, beidseitig mit Kunststoff: In aktuellen Bahnen aus FPO oder PVC steckt ein Vlies aus Glas oder Polyester, das oben und unten Kunststoff trägt, Bahnen aus EPDM gibt es auch homogen ohne Einlage. Geliefert werden sie als Rollen bis 2 Meter Breite, 1,2 bis 2,4 Millimeter dick, und jedes Zehntel mehr verlängert die Lebensdauer.
  2. Die Naht ist die Schwachstelle: Eine Kunststoffbahn dichtet mit ihrem eigenen Querschnitt, nicht durch mehrere verschmolzene Schichten wie Bitumen, darum kommt es auf jede Naht an. Verschweißt wird mit Heißluft, Wärmepistole oder Automat, PVC-P- und EVA-Bahnen lassen sich zudem mit einem Lösemittel quellschweißen, und auf aufgehende Fügenähte gehen viele vorzeitige Sanierungen zurück.
  3. Windsog hebt die Bahn am Rand: Lose verlegt liegt die Bahn nur auf, bei Sturm erzeugt der Wind am Dachrand einen Sog, der sie anhebt. Danach ist das Dach womöglich schon undicht, während die Decke darunter noch trocken aussieht.
  4. Unter der losen Bahn verteilt sich Wasser: Ist eine Naht aufgegangen, läuft Regen zwischen Bahn und Dämmung und breitet sich unter der losen Bahn weit aus. Wir prüfen Nähte, Anschlüsse, Abläufe und Durchdringungen, messen, wie nass die Dämmung ist, und halten jede gefundene Leckstelle für Dachdecker und Versicherung fest.
  5. Notdienst deckt die Fläche ab: Ist die Bahn im Sturm aufgerissen, legt der Notdienst eine Plane darüber und beschwert sie, damit kein weiteres Wasser in die Dämmung zieht. Tropft es danach in der Halle aus einer abgehängten Decke, kommt vor jedem Wischen die Sicherung heraus, denn Wasser sammelt sich über Strahlern, Lüftern und Kabeln.

PVC-P, FPO, EPDM und EVA

PVC-Bahnen gehören nach WECOBIS zu den ältesten Kunststoffabdichtungen und bestehen aus weichgemachtem Polyvinylchlorid, dessen an sich starres Polymer etwa zu einem Drittel aus Weichmachern besteht, dazu kommen Stabilisatoren gegen UV-Strahlung und Wärme.[1] Flexible Polyolefine, kurz FPO, sind Legierungen aus Polyethylen, Polypropylen und Polyisobutylen, kommen ohne Weichmacher aus und werden seit Anfang der Neunzigerjahre in breiterem Maß für Abdichtungen verwendet.[1] Nach Schätzungen, die WECOBIS anführt, sind etwa 30 bis 40 % der Flachdächer in Deutschland mit Kunststoffbahnen abgedichtet, der Rest bituminös, und in einer Umfrage unter Dachdeckern aus dem Jahr 2006 lagen PVC-Bahnen vor FPO, EPDM und EVA.[1]

EPDM, ein Terpolymer aus Ethylen, Propylen und einem Dien, bleibt mit einer Glasübergangstemperatur unter 0 °C auch bei Kälte flexibel und wurde nach älteren Normen als Elastomerbahn bezeichnet, und EVA-Bahnen aus Ethylen-Vinylacetat mit bis zu 50 % PVC haben den geringsten Diffusionswiderstand aller Kunststoffbahnen gegenüber Wasserdampf.[1]

BauNetz Wissen teilt die Bahnen nach ihren Ausgangsstoffen in thermoplastische, etwa aus PVC, Ethylen-Copolymerisat-Bitumen, Polyisobutylen, Polyolefin-Legierungen oder Ethylen-Vinylacetat, und elastomere aus synthetischem Kautschuk wie EPDM, Nitril- oder Butylkautschuk ein.[2] Welche Kunststoffgruppen sich für Flachdächer eignen, listet die Anwendungsnorm DIN V 20000-201, und für jede Dachfläche ist die sicherste Abdichtungsvariante einzeln festzulegen.[2] Angeboten werden bitumenverträgliche, dämmstoffneutrale, diffusionsfähige, hoch chemisch beständige oder säurefeste Bahnen, und zu den Eigenschaften der Kunststoffe zählen hohe Zugfestigkeit und Bruchdehnung, geringe Steifigkeit, hohe Zähigkeit und Beständigkeit gegen viele aggressive Stoffe.[2] Hebt Windsog eine Bahn am Rand an, kann ein Dach nach dem Sturm undicht sein, ohne dass von unten sofort etwas zu sehen ist.

Tritt Wasser durch eine undichte Kunststoffbahn in die Decke, sammelt es sich über Einbaustrahlern, Lüftern und Kabeln einer abgehängten Decke. Bevor jemand die Decke öffnet oder darunter wischt, kommt die Sicherung des Raums heraus, und auf den Lichtschalter verlässt sich niemand. Steht Wasser im Sicherungskasten, bleibt die Tür zu, und Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber werden verständigt; steigt im Keller der Wasserstand, geht keiner die Treppe hinunter.

Einlage, Dicke und Rollenware

Mehrschichtige Bahnen haben nach WECOBIS eine Tragschicht aus Glas- oder Polyestervlies, die beidseitig von Kunststoff bedeckt ist, aktuelle FPO- und PVC-Bahnen sind durchweg so aufgebaut, und homogene Bahnen ohne Einlage gibt es für die Fläche heute noch aus EPDM, aus anderen Kunststoffen nur noch für Randanschlüsse.[1] Bahnen ohne Trägereinlage werden nach BauNetz Wissen wegen ihrer hohen Dehnfähigkeit überwiegend für Details verwendet, als Einlagen dienen sonst meist Glas- und Kunststoffvliese oder Gittergelege.[2]

Geliefert werden Kunststoffdachbahnen als Rollen bis 2 m Breite und 25 m Länge in Dicken von 1,2 bis 2,4 mm, extrudiert auch bis 3,0 mm, und jedes Zehntel mehr Dicke verlängert nach BauNetz Wissen die Lebensdauer der Abdichtung.[2] Einige Hersteller liefern nach WECOBIS für Flachdächer auch auf das jeweilige Objekt zugeschnittene Bahnen mit allen Durchdringungen.[1] Als Mindestdicken für eine einlagige, lose Verlegung nennt WECOBIS 1,8 mm für homogenes PVC, 1,5 mm für FPO, PVC mit Vlieseinlage, verstärktes EPDM und EVA sowie 1,3 mm für homogenes oder kaschiertes EPDM.[1] Ist eine Naht aufgegangen, findet eine Leckageortung die Stelle, ehe sich Wasser unter der lose verlegten Bahn weit verteilt. Reißt die Bahn bei Sturm auf, deckt der Notdienst die Fläche ab, bevor Wasser in die Dämmung darunter zieht.

Kunststoffdichtungsbahnen nach DIN EN 13956

Die Norm DIN EN 13956 in der Ausgabe vom März 2013 legt Definitionen und Eigenschaften von Kunststoff- und Elastomerbahnen fest, auch von Bahnen aus Gemischen thermoplastischer Elastomere, die hauptsächlich für Dächer verwendet werden, mit Anforderungen, Prüfverfahren und den Grundlagen der Konformitätsbewertung.[3] Gegenüber der Fassung von 2007 wurde die Beanspruchung durch Feuer von außen auf Klasse F beschränkt, es kamen erweiterte Montage- und Befestigungsregeln hinzu, und die indirekte Prüfung wurde eingeführt.[3]

Die Kurzzeichen der Bahnen beginnen nach der Vornorm DIN V 20000-201 mit der Kunststoffart der Deckschicht, fügen weitere Stoffangaben an und enden mit der Dicke in mm, bei einer Selbstklebeschicht ergänzt um SK.[1] Hauptanwendung der Bahnen sind Flachdachabdichtungen, bei denen die Bahn chemisch und thermisch möglichst gut geschützt ist, daneben Grundwasserabdichtungen, Abdichtungen gegen Bodenfeuchte und Dampfsperren.[1] Taucht im Keller trotz einer Abdichtung gegen Bodenfeuchte ein feuchter Fleck an der Wand auf, liegt die Fehlstelle oft an Stößen oder Durchdringungen.

Nähte, Schweißen und Verträglichkeit

Anders als Bitumenabdichtungen sperren Kunststoffbahnen das Wasser nach BauNetz Wissen nicht durch das Verschmelzen mehrerer Schichten, darum ist bei ihnen noch stärker auf sichere Naht- und Anschlussverbindungen zu achten, die vom jeweiligen Kunststoff abhängen.[2] Die Verarbeitung ist anspruchsvoller als bei Bitumenbahnen, das Baustellenhandling aber einfacher, weil die Bahnen leichter sind und nur eine vergleichsweise dünne Lage verlegt wird.[2]

Verschweißt werden die Nähte nach WECOBIS mit Heißluft, Wärmepistole oder Schweißautomat, bei PVC-P und EVA auch durch Quellschweißen mit einem Lösemittel, und die Bahnen sind versetzt zu verlegen, damit keine Kreuzstöße entstehen.[1] EPDM-Bahnen dürfen nicht auf weichmacherhaltigen Materialien liegen und eignen sich deshalb nicht für die Verlegung auf alten PVC- oder EVA-Bahnen, und für alle Kunststoffbahnen gelten die Fügenähte als Schwachstelle, auf die zahlreiche vorzeitige Sanierungen zurückgehen.[1]

Weichmacher, Alterung und Shattering

Polyolefinbahnen wurden nach WECOBIS nicht zuletzt wegen der ökologischen Probleme und des ungünstigen Alterungsverhaltens von PVC entwickelt, bei dem vor allem die Auswaschung von Weichmachern Sorgen bereitet, und eine 20 Jahre alte PVC-Dachbahn hat etwa 10 % ihres Gewichts verloren.[1] Heutige Produkte setzen Weichmacher mit höherem Siedepunkt ein und tragen eine Acryllackschicht, die das Austreten bremsen soll, Langzeiterfahrungen dazu fehlen aber.[1]

Ältere, homogene PVC-Bahnen schrumpfen, reißen an Anschlüssen ab oder verspröden durch Weichmacherverlust, und beim sogenannten Shattering bilden sich plötzlich großflächige Risse über mehrere hundert Quadratmeter, beobachtet vor allem nach Frostperioden mit anschließendem Temperaturwechsel und mit bis heute ungeklärten Ursachen.[1] Schon eine einfache Schutzfolie verlängert nach WECOBIS erfahrungsgemäß die Nutzungsdauer, und dickere Bahnen schneiden in praxisnahen Tests besser ab als dünnere.[1]

Brand, Chemikalien und Wurzeln

PVC ist wegen seines hohen Chloranteils schwer entflammbar, im Brand entstehen aber korrosive Salzsäuredämpfe und weitere chlorierte Verbindungen, während Polyolefine und EPDM normal entflammbar sind und als Thermoplaste brennend abtropfen können, weshalb Bahnen für Nacktdächer mineralische Flammschutzmittel wie Aluminiumhydroxid erhalten.[1] Bestimmte organische Lösemittel, wie sie in Klebstoffen für Reparaturen vorkommen, können Polyolefine lösen, und Fette und Öle verringern die Zugfestigkeit der meisten Polyolefinbahnen deutlich.[1]

Gegenüber wurzelfesten Polymerbitumenbahnen haben Kunststoffbahnen den Vorteil, ohne Biozide auszukommen, und für begrünte Dächer veröffentlicht die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung eine Liste wurzelfester Produkte.[1] Bei der Instandhaltung ist nach WECOBIS auf Bewuchs zu achten, weil Wurzeln eine nicht für Begrünung ausgelegte Abdichtung in relativ kurzer Zeit durchdringen können, und freigewehte Stellen der Schutzschicht sind wieder zu bedecken.[1]

Undichte Kunststoffbahn auf dem Flachdach

Tritt nach Regen Wasser in die Decke unter einem Flachdach mit Kunststoffabdichtung ein, suchen wir die Fehlstelle an Nähten, Anschlüssen, Abläufen und Durchdringungen und messen, wie weit die Dämmung unter der Bahn durchfeuchtet ist. Gefundene Leckstellen markieren wir und dokumentieren sie für den Dachdecker und die Versicherung.

Durchnässte Dämmung wird getrocknet oder ersetzt, die Bahn setzt ein Dachdecker mit einem verträglichen Material instand, und anschließend trocknen wir die betroffenen Räume und setzen Decken, Wände und Beläge instand.

24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen

Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.

Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.

0162 4428440 24h Notruf

Belege

Quellen

  1. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Kunststoff-Dichtungsbahnen, Produktgruppe Abdichtungsbahnen. Datenblatt Kunststoff-Dichtungsbahnen, Reiter Übersicht, Technisches, Rohstoffe, Herstellung, Verarbeitung, Nutzung und Nachnutzung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21
  2. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Arten und Eigenschaften von Kunststoffbahnen. Fachwissen Flachdach, Kunststoffbahnen, Arten und Eigenschaften von Kunststoffbahnen. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
  3. DIN Media GmbH: DIN EN 13956: Abdichtungsbahnen, Kunststoff- und Elastomerbahnen für Dachabdichtungen, Definitionen und Eigenschaften. Ausgabe 2013-03, Einführungsbeitrag, Ersatzvermerk und Änderungsvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
Nach oben 24h Notruf 0162 4428440