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Linoleum im Altbauflur: an der Naht zieht Wasser unter die Bahn

Linoleum

Linoleum ist ein elastischer Bodenbelag aus oxidiertem Leinöl, Naturharz, Holz- oder Korkmehl und mineralischen Füllstoffen, die auf ein Jutegewebe gepresst werden, und trägt seinen Namen vom lateinischen linum oleum für Leinöl.[1][2] Es besteht zu rund 80 % aus nachwachsenden Rohstoffen, ist beständig gegen Fette, Öle und Zigarettenglut, verträgt aber keine starken Laugen und keine dauerhafte Nässe.[2][1]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So kommt Wasser über die Nähte unter das Linoleum

Linoleum, Funktionsweise: Pfütze im Altbauflur, an der Naht zieht Wasser unter die Bahn, Lupe auf die Deckmasse und das aufquellende Jutegewebe, Mehrfachsteckdose im Wasser

Schematische Darstellung: Altbauflur mit Linoleumboden, aus der Decke tropft Wasser, die Lupe sitzt auf einer Naht. Die Nummern führen von der Deckmasse und dem Jutegewebe über die Pfütze und die Naht bis zur Steckdosenleiste im Wasser.

  1. Leinöl, Harz, Holzmehl und Kreide: Die Deckmasse entsteht aus oxidiertem Leinöl und Naturharz, dem Linoleumzement, der Holz- oder Korkmehl, Kreide und Pigmente bindet. Rund 80 Prozent davon sind nachwachsende Rohstoffe, helle Sorten enthalten vor allem Holzmehl, dunkle Sorten und Korklinoleum gröberes Korkmehl.
  2. Auf Jutegewebe gepresst: Geheizte Walzen eines Kalanders pressen die geknetete Masse auf das Jutegewebe. In Trocknungshallen oxidiert die Bahn bei 70 bis 78 Grad noch drei bis sechs Wochen nach, bis sie hart genug ist, und erhält meist zum Schluss eine Beschichtung.
  3. Verträgt keine dauerhafte Nässe: Gegen Fette, Öle und die meisten Lösemittel ist Linoleum beständig, gegen dauerhafte Nässe empfindlich, darum gehört es nicht in Feuchträume. Fließt bei einem Rückstau Abwasser über einen beschichteten Belag, kann man ihn oft säubern, wenn das Wasser nicht unter die Bahnen gelangt ist.
  4. An der Naht zieht Wasser darunter: Bleibt eine Pfütze stehen, findet das Wasser die Nähte zwischen den Bahnen, läuft darunter und lässt das Jutegewebe aufquellen, bis sich der Belag wölbt. Wir messen dann unter ihm im Estrich und am Rand, nehmen gelöste Bahnen auf und trocknen Estrich und Dämmschicht.
  5. Erst Sicherungen ausschalten: Stehleuchte, Steckdosenleiste und Verlängerungskabel liegen auf einem nassen Boden schnell im Wasser. Bevor jemand wischt oder Möbel rückt, schaltet man die Sicherungen dieses Raums aus, denn ein Lichtschalter oder der Schalter einer Steckdosenleiste trennt die Zuleitung nicht, und wer im Wasser steht, zieht keinen Stecker.

Leinöl, Kolophonium und Jute

Die Deckmasse besteht nach WECOBIS zu einem großen Teil aus nachwachsenden Rohstoffen wie Leinöl, Kolophonium, Holzmehl und Korkmehl sowie aus mineralischen Füllstoffen und Trocknungsstoffen, wobei helle Sorten vor allem Holzmehl und dunkle Sorten und Korklinoleum vor allem gröberes Korkmehl enthalten.[1] Nach der Richtrezeptur entfallen 33 bis 35 % auf den Linoleumzement, 29 bis 35 % auf Holz- oder Korkmehl, 23 bis 28 % auf Kreide und 3 bis 8 % auf Pigmente.[1]

Leinöl wird aus den Samen der Flachspflanze gepresst und anschließend mit Lösemitteln extrahiert, mit einer Ausbeute von etwa 36 %, und Kolophonium bleibt zurück, wenn Kiefernharz mit Wasserdampf destilliert wird, oder es stammt aus Wurzelharz und aus der Zellstoffherstellung.[1] In der Produktion werden Korkabfälle anderer Betriebe und wiederaufbereitetes Holzmehl verwendet, und sauber geschrotetes Altlinoleum aus Produktion und Baustelle kann bis zu 25 % der neuen Deckmasse ausmachen, im Mittel nach der Branchen-EPD 9,6 %.[1]

Auf einem nassen Linoleumboden stehen Stehleuchten, Mehrfachsteckdosen und Verlängerungskabel schnell im Wasser. Bevor jemand das Wasser aufnimmt oder Möbel rückt, werden die Sicherungen des Raums ausgeschaltet, denn Lichtschalter und Schalter an Steckdosenleisten trennen die Zuleitung nicht, und Stecker zieht niemand, der im Nassen steht. Hat Wasser den Sicherungskasten erreicht, wird der Raum gemieden, und Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber kommen; im Keller gilt bei steigendem Wasser: Niemand geht hinunter.

Vom Linoleumzement zur Bahn

Für den Linoleumzement wird Leinöl nach WECOBIS mit wenig Trocknungsstoff bei etwa 80 °C mit Luft oxidiert und bei 130 bis 150 °C mit geschmolzenem Kolophonium gemischt, die feste Masse reift dann ein bis zwei Monate nach.[1] Danach wird sie mit Füllstoffen und Pigmenten geknetet, auf den geheizten Walzen des Kalanders auf das Jutegewebe gepresst und in Trocknungshallen bei 70 bis 78 °C drei bis sechs Wochen nachoxidiert, bis sie die nötige Härte hat, und zum Schluss erhält die Bahn in der Regel eine Oberflächenbeschichtung.[1] Sammelt sich auf Linoleum eine Pfütze, weil in einem Altbauflur Wasser aus der Decke tropft, kann das Wasser an den Nähten unter die Bahn ziehen und das Jutegewebe aufquellen lassen.

Beim Reifen entstehen durch den oxidativen Abbau des Leinöls vor allem Aldehyde wie Hexanal und Carbonsäuren, und hergestellt wird Linoleum in Europa nur an wenigen Orten in Deutschland, Italien, Schottland und den Niederlanden.[1] Die werkseitige Beschichtung ist nach Angaben der großen Hersteller wasserbasiert oder lösemittelfrei und härtet unter UV-Licht aus, kleinere Hersteller verzichten darauf und setzen auf eine Erstpflege nach der Verlegung.[1] Ist nach einem Rückstau Abwasser im Haus über den Boden gelaufen, lässt sich beschichtetes Linoleum oft reinigen, solange nichts unter die Bahnen gezogen ist.

Linoleum nach DIN EN ISO 24011

Die Norm DIN EN ISO 24011 in der Ausgabe vom April 2012 legt die Eigenschaften von Linoleum mit und ohne Muster fest, das als Platten oder Rollen geliefert wird, und enthält ein Klassifizierungssystem nach Nutzungsintensität, das zeigt, wo der Belag zufriedenstellend eingesetzt werden kann.[3] Weil der Begriff Linoleum häufig fälschlich auch für Beläge aus Polyvinylchlorid oder Elastomeren verwendet wird, stellt die Norm klar, dass solche Materialien nicht erfasst sind, und sie ersetzt DIN EN 548 aus dem Mai 2011.[3]

Linoleum kommt nach WECOBIS als homogene oder heterogene, ein- oder mehrschichtige Bahn oder Platte in Dicken von 2 bis 4 mm in den Handel, Korklinoleum in Dicken von 3,2 bis 6 mm, und es gibt Varianten mit Schaumrücken, auf Korkment oder auf Faserplatten.[1] Korkment ist ein Korklinoleum ohne Farbpigmente, das vor allem als schall- und wärmedämmende Unterlage unter Linoleum- oder Kunststoffbelägen dient.[1] Bei Bodenbelagsarbeiten wird Linoleum meist vollflächig verklebt, und der Untergrund muss dafür trocken und eben sein.

Eigenschaften im Gebrauch

BauNetz Wissen ordnet Linoleum nach DIN 4102 als schwer entflammbar in die Baustoffklasse B1 ein, nennt es geeignet für Stuhlrollen, Treppen und, vollflächig verklebt, für Fußbodenheizungen und gibt einen Resteindruck nach EN 433 von 0,07 bis 0,4 mm an.[2] Die Trittschallverbesserung liegt ohne Träger bei 3 bis 6 dB und bei Verbundbelägen bei 14 bis 18 dB, und der elektrische Widerstand beträgt nach EN 1081 etwa 10 Milliarden Ohm.[2] Vor dem Verlegen auf einem beheizten Boden muss der Untergrund trocken sein, und eine Küchenmontage auf Linoleum folgt erst nach dem Verlegen.

Wie langlebig der Belag ist, zeigt nach BauNetz Wissen ein 1918 verlegter Boden in einem Berliner Wohnhaus, der nach über 50 Jahren Nutzung nur 0,4 mm seiner ursprünglichen 4 mm Stärke verloren hatte.[2] Nach WECOBIS ist Linoleum beständig gegen die gebräuchlichsten Fette, Öle, Säuren und die meisten Lösemittel, empfindlich dagegen gegen starke Alkalien und in geringerem Maß gegen Wasser, und es verursacht keine unangenehmen elektrostatischen Aufladungen.[1]

Eingesetzt wird Linoleum in Wohnungen und Objekten wie Kindergärten, Krankenhäusern und Amtsgebäuden und auch auf Treppen, nicht aber in Feuchträumen, und Korklinoleum gilt als fußwarm.[1]

Geruch, Farbe und Emissionen

Im Neuzustand riecht Linoleum typisch, weil beim Trocknen der Leinölfettsäuren Carbonsäuren, Hexanal und höhere Aldehyde entstehen, darum soll der Belag nach WECOBIS gleich nach der Anlieferung ausgepackt und ausgerollt und der Raum in den ersten Wochen nach der Verlegung gut beheizt und regelmäßig gelüftet werden.[1] Bei ausreichender Lüftung verschwindet der Geruch nach BauNetz Wissen spätestens nach drei Wochen, und Farbabweichungen zwischen Bahnen gehen zu 95 % auf unterschiedliche Belichtung zurück und gleichen sich mit der Zeit an.[2]

Bei mangelhafter Herstellung kann die Emission geruchsintensiver Stoffe länger anhalten, bei zertifizierten Belägen sind nach WECOBIS während der Nutzung keine gesundheitlich bedenklichen Emissionen zu erwarten.[1] Der Blaue Engel für elastische Bodenbeläge prüft das Emissionsverhalten des fertigen Belags unter strengen Grenzwerten, schließt besonders besorgniserregende Stoffe nach REACH, Weichmacher aus den Gruppen der Phthalate und Organophosphate sowie halogenierte organische Verbindungen aus und setzt beim Einbau emissionsarme Klebstoffe und Dichtmassen voraus.[4]

Reinigung und Pflege von Linoleum

Die Unterhaltsreinigung ist nach WECOBIS einfach und wenig umweltbelastend, feucht oder nass gewischt, doch zu stark alkalische Grundreiniger und zu harte Mechanik greifen die Rohstoffe an, darum dürfen die Mittel einen pH-Wert von 9,0 nicht überschreiten, Schmierseife scheidet aus.[1] Auch längere Einwirkung von Säuren oder Laugen hält das Material nach BauNetz Wissen nicht aus.[2]

Werkseitig beschichtete Beläge brauchen in der Regel weder Einpflege noch Grundreinigung, kleine Löcher lassen sich mit einer geeigneten Paste füllen, und kleinere Schäden schließen sich durch Nachoxidation von selbst.[1]

Verklebung, Rückbau, Verwertung

Linoleum wird in der Regel vollflächig verklebt, wobei arbeitshygienisch relevante Emissionen vor allem aus dem Klebstoff kommen können, während das thermische Verfugen mit Schweißschnüren keine relevanten Emissionen verursacht.[1] Wegen der Verklebung ist der Rückbau aufwendig und eine Weiterverwendung nicht möglich, besondere Umwelt- oder Gesundheitsrisiken bestehen beim Ausbau heutiger Beläge aber nicht.[1]

Eine stoffliche Verwertung von Altlinoleum ist nach WECOBIS wegen Verunreinigungen und der wenigen Produktionsstätten nicht zu erwarten, mit einem Heizwert von etwa 20 MJ/kg lässt es sich aber in geeigneten Anlagen energetisch verwerten, wobei nur geringe Rückstände entstehen.[1]

Wasser auf und unter dem Linoleum

Läuft Wasser auf einen Linoleumboden oder sickert es von unten durch den Estrich, prüfen wir, ob sich der Belag gewölbt oder vom Untergrund gelöst hat, und messen die Feuchte im Estrich unter dem Belag und an den Rändern. Gelöste oder verformte Bahnen nehmen wir auf, trocknen Estrich und Dämmschicht und dokumentieren den Zustand mit Messwerten und Fotos.

Neues Linoleum wird erst verlegt, wenn der Estrich nach der Messung belegreif ist und der Untergrund wieder fest und eben ist, und dabei verwenden wir Klebstoffe, die für den Belag geeignet sind.

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Belege

Quellen

  1. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Linoleum-Bodenbeläge, Produktgruppe Elastische Bodenbeläge. Datenblatt Linoleum-Bodenbeläge, Reiter Übersicht, Rohstoffe, Herstellung, Verarbeitung, Nutzung und Nachnutzung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21
  2. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Eigenschaften von Linoleum. Fachwissen Boden, Linoleum, Eigenschaften von Linoleum, Abschnitte Material, Technische Eigenschaften, Einschränkungen sowie Pflege und Reinigung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  3. DIN Media GmbH: DIN EN ISO 24011: Elastische Bodenbeläge, Spezifikation für Linoleum mit und ohne Muster. Ausgabe 2012-04, Einführungsbeitrag, Ersatzvermerk und Änderungsvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
  4. RAL gGmbH, Umweltzeichen Blauer Engel: Der Blaue Engel für elastische Bodenbeläge (DE-UZ 120), Informationen für Hersteller und Handel. Factsheet DE-UZ 120, Abschnitte Umweltfreundliche elastische Bodenbeläge und Kriterien. Abgerufen am 12.10.2026. ↑
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