Sachkunde Schimmelpilzsanierung: Welche Qualifikation braucht man?
Die Antwort in Kürze
Schimmelpilze sind Mikroorganismen und damit Biostoffe, und die Gefährdungsbeurteilung für die Arbeit mit ihnen muss nach der Biostoffverordnung fachkundig erfolgen.[1] Fachkunde heißt dort eine geeignete Berufsausbildung und zeitnahe einschlägige Berufserfahrung, je nach Gefährdung auch spezielle Fortbildung.[1] Für die verantwortliche Person eines Sanierungsbetriebs hat das Landesnetzwerk Schimmelberatung NRW Mindestqualifikationen für eine eigene Sachkunde entwickelt.[2]
Was die Biostoffverordnung verlangt
Biostoffe sind nach der Biostoffverordnung unter anderem Mikroorganismen, und dazu gehören Schimmelpilze.[1] Vor Aufnahme der Tätigkeit muss der Arbeitgeber die Gefährdung seiner Beschäftigten beurteilen, und zwar fachkundig.[1] Hat er die Kenntnisse nicht selbst, muss er sich fachkundig beraten lassen, und die Beurteilung ist zu aktualisieren, wenn sich die Arbeitsbedingungen maßgeblich ändern, sonst mindestens jedes zweite Jahr zu überprüfen.[1] Ermitteln muss er dafür unter anderem, welche Biostoffe auftreten und welcher Risikogruppe sie angehören, wie die Tätigkeit abläuft, wie lange und wie oft Beschäftigte belastet sind und ob es Verfahren mit geringerer Gefährdung gibt.[1] Infektionsgefahr und sensibilisierende oder toxische Wirkungen werden getrennt beurteilt und dann zu einer Gesamtbeurteilung zusammengeführt, aus der die Schutzmaßnahmen folgen.[1]
Was fachkundig bedeutet, legt die Verordnung allgemein fest: befähigt zur jeweiligen Aufgabe, wobei die Anforderungen von der Art der Aufgabe und der Höhe der Gefährdung abhängen.[1] Nachzuweisen sind die Kenntnisse durch eine geeignete Berufsausbildung und eine zeitnahe einschlägige berufliche Tätigkeit, und je nach Aufgabe und Gefährdung kann zusätzlich eine spezifische Fortbildung nötig sein.[1] Einen bestimmten Lehrgang nennt die Verordnung nicht.[1]
Sachkunde für die verantwortliche Person
Wer Feuchte- und Schimmelschäden dauerhaft beheben will, muss zuerst die Ursache finden. Nach dem Landesnetzwerk Schimmelberatung NRW braucht die Ursachensuche Spezialwissen, etwa über Bautechnik und über Messverfahren aus Physik, Chemie und Mikrobiologie.[2] In einem Arbeitskreis hat das Netzwerk festgelegt, welche Mindestqualifikation zu einer Sachkunde für Schimmelschäden gehört, vom Erkennen über das Bewerten bis zur Sanierung.[2] Nachweisen soll sie die Person, die im ausführenden Betrieb die Verantwortung trägt, und eingeschlossen ist die Fachkunde für den Arbeitsschutz, die die Biostoffverordnung verlangt.[2]
Die Handlungsempfehlung des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg beschreibt geeignete Fachbetriebe als Betriebe mit fachlicher Befähigung und passender Geräteausstattung, die die nötigen organisatorischen Maßnahmen ergreifen.[3] In vielen Fällen hält sie eine Zusammenarbeit verschiedener Fachgebiete und Gewerke für sinnvoll oder sogar zwingend.[3] Das Umweltbundesamt richtet seinen Schimmelleitfaden an Sachverständigenbüros, Handwerksunternehmen und Labore und verweist Sanierungsfirmen für Detailausführungen auf die Empfehlungen der Verbände.[4]
Was ein Lehrgang zur Fachkraft vermittelt
Einen Weg zur Sachkunde bietet der Bundesverband Schimmelpilzsanierung mit dem fünftägigen Lehrgang zur Fachkraft für Schimmelpilzsanierung.[5] Er richtet sich unter anderem an Handwerksbetriebe aus Bau, Ausbau und Sanierung, an Sachverständige und an Gebäude- und Schadensanierer und besteht aus fünf Modulen:[5]
- mikrobiologische Grundlagen, gesundheitliche Wirkungen und das Erkennen und Klassifizieren von Schäden[5]
- Schadensaufnahme und Messstrategie mit Feuchtemessung, thermischen Schwachstellen und Ursachenanalyse[5]
- rechtliche Grundlagen und Arbeitsschutz mit Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung[5]
- Planung, Durchführung und Kontrolle der Sanierung bis zu technischer Trocknung, Feinreinigung, Freimessung und Dokumentation[5]
- Sanierungskonzepte, Abnahme und Dokumentation[5]
Jedes Modul endet mit einem schriftlichen Testat, und wer alle fünf besteht, erhält das Zertifikat.[5] Nach eigener Angabe ist der Lehrgang beim Umweltbundesamt, bei der BG Bau und bei Verbraucherberatungen anerkannt.[5] Daneben bietet der Verband einen eigenen Lehrgang zur Fachkraft für technische Gebäudetrocknung an, dazu einen Lehrgang mit Fachkundenachweis und einen weiteren mit Sachverständigenwissen zur mikrobiologischen Probenahme und Bewertung.[5]
Unterweisung für alle im Team
Die Sachkunde nach dem Landesnetzwerk zielt auf die verantwortliche Person, unterwiesen werden müssen aber alle Beschäftigten.[1][2] Auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung erstellt der Arbeitgeber vor Beginn der Arbeit eine schriftliche Betriebsanweisung, die nur bei Biostoffen der Risikogruppe 1 ohne sensibilisierende oder toxische Wirkung entfallen darf.[1] Anhand dieser Anweisung werden die Beschäftigten mündlich unterwiesen, vor Aufnahme der Beschäftigung und danach mindestens jährlich, und Inhalt und Zeitpunkt werden schriftlich festgehalten und mit Unterschrift bestätigt.[1] Zur Unterweisung gehören auch eine allgemeine arbeitsmedizinische Beratung und der Hinweis, wann Anspruch auf arbeitsmedizinische Vorsorge besteht.[1]
Für die Baustelle nennt das Landesgesundheitsamt unter anderem diese Regeln: Händewaschen vor Pausen und nach der Arbeit, Essen und Trinken nur außerhalb des Sanierungsbereichs, getrennte Aufbewahrung von Straßen- und Arbeitskleidung und das Sammeln befallener Materialien in staubdichten Behältern.[3] Der Sanierer muss in jedem einzelnen Fall eine Gefährdungsbeurteilung durchführen und die Schutzmaßnahmen festlegen und dokumentieren.[3] Welche Schutzausrüstung dazu gehört, legt die Gefährdungsbeurteilung fest, und für Asbest brauchst du zusätzlich die Asbest-Sachkunde.
Besondere Sachkunde für die Trocknung
Schimmel und Trocknung hängen zusammen. Für eine technische Trocknung verlangt die Handlungsempfehlung besondere Sachkunde, die du plausibel nachweisen musst, und die Trocknung soll so schnell wie möglich beginnen.[3] Abzusichern ist dabei, dass es im getrockneten Objekt zu keiner relevanten Schimmelbelastung kommt.[3] Zu den Verfahren, die man dafür kennen muss, zählt die Empfehlung Kondensations-, Adsorptions- und Mikrowellentrocknung.[3] Bei der technischen Trocknung ordnet sie Druckverfahren einer hohen und Saugverfahren mit Luftableitung nach außen einer geringen Staub- und Aerosolbelastung zu.[3]
Als Bewerber lernst du in einem Sanierungsbetrieb das Messen, Trocknen und Sanieren im Alltag, und mit der Berufserfahrung wächst die Grundlage für eine Sachkunde, die du später mit einem Lehrgang ergänzen kannst.
Häufige Fragen
Schreibt das Gesetz einen Sachkundelehrgang für Schimmelsanierer vor?
Die Biostoffverordnung verlangt Fachkunde, nachgewiesen durch Berufsausbildung und zeitnahe einschlägige Berufserfahrung, und je nach Gefährdung zusätzlich spezifische Fortbildung.[1] Einen bestimmten Lehrgang nennt sie nicht.
Wie oft muss ich unterwiesen werden?
Vor Aufnahme der Beschäftigung und danach mindestens jährlich, arbeitsplatzbezogen und mit Unterschrift bestätigt.[1]
Brauche ich für die Bautrocknung eine eigene Qualifikation?
Für die technische Trocknung verlangt die Handlungsempfehlung des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg besondere Sachkunde, und diese muss plausibel nachgewiesen werden.[3]
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Die Kurzbewerbung dauert drei Minuten: Name, Kontakt, fertig. Kein Anschreiben nötig.
Belege
Quellen
- Bundesministerium der Justiz: Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen (Biostoffverordnung). § 2 Absätze 1 und 11, §§ 4 und 14. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16
- Landesnetzwerk Schimmelberatung NRW: Ausführende Betriebe. Abschnitt Sachkunde für das Erkennen, Bewerten und Sanieren von Schimmelschäden. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg: Handlungsempfehlung für die Sanierung von mit Schimmelpilzen befallenen Innenräumen. Einleitung, Abschnitte 3.5, 3.6 und 4.5.3. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
- Umweltbundesamt: Aktueller UBA-Schimmelleitfaden. Abschnitt zur Zielgruppe des Leitfadens, Stand 17.01.2025. Abgerufen am 05.10.2026. ↑
- Bundesverband Schimmelpilzsanierung e. V. (BSS): Lehrgang A: Fachkraft für Schimmelpilzsanierung. Abschnitte Für wen ist der Lehrgang geeignet, Module A1 bis A5, Prüfungen und Zertifizierung. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10