Mikrowellentrocknung
Bei der Mikrowellentrocknung werden feuchte Bauteile mit Mikrowellen bestrahlt, die Wassermoleküle reagieren wegen ihres Dipols und erwärmen sich durch Molekülreibung, sodass die Trocknung auch im Kern des Bauteils stattfindet.[1] Das Verfahren ist auf kleinere Flächen ausgerichtet und muss von fachlich geschultem Personal bedient und beaufsichtigt werden.[1] Für Menschen und hitzeempfindliche Baustoffe ist es nicht ungefährlich.[2]
So trocknet die Mikrowelle von innen
Schematische Darstellung eines Mikrowellengeräts mit Hornantenne, aus der Wellen auf eine dicke Mauer im Schnitt laufen, mit nassem, erwärmtem Kern, Dampf an der Oberfläche, heißem Stahlrohr in der Wand, Rissen und Absperrung mit Warnschild. Die Nummern folgen von der Antenne über die Erwärmung im Kern zu Schutz und Risiken.
- Antenne richtet Wellen auf die Wand: Auf der Baustelle arbeitet ein offenes System: Eine Antenne leitet die Mikrowellen auf das Bauteil. Mauerstärke und Geometrie spielen dabei keine Rolle, das Verfahren ist auf kleinere Flächen und schlecht zugängliche Bereiche ausgerichtet.
- Wasser im Kern erwärmt sich: Die Wassermoleküle reagieren wegen ihres Dipols auf die Wellen und erwärmen sich durch Molekülreibung. Weil Mikrowellen tief eindringen und Wasser höhere dielektrische Verluste hat als die meisten Stoffe, entsteht die Wärme dort, wo Feuchte sitzt, auch im Kern.
- Dampf tritt nach außen aus: Der entstehende Wasserdampf entweicht nach kurzer Zeit, die Trocknung läuft von innen nach außen. Nach dem Sanierungsbetrieb funktioniert das auch bei hoher Luftfeuchte und niedrigen Umgebungstemperaturen.
- Nur geschultes Personal, Abstand: Das Gerät muss von fachlich geschultem Personal bedient und beaufsichtigt werden, für Menschen und hitzeempfindliche Baustoffe ist das Verfahren nicht ungefährlich. Absperrband und Warnschild halten alle anderen auf Abstand.
- Metall in der Wand wird heiß: Die elektromagnetischen Felder induzieren in allen elektrisch leitenden Teilen eine Spannung. Elektrische Anlagen, Wasser- und Heizungsleitungen und Bewehrungseisen in der Wand können dadurch Schaden nehmen.
- Dampfdruck: Risse möglich: Die Feuchte verwandelt sich schlagartig in Wasserdampf, und der Druck weicht von den normalen Dampfdrücken in einer Wand ab. Örtliche Schäden im Gefüge und Risse sind möglich, und an kühleren Bauteilabschnitten kondensiert das Wasser wieder.
Wie Mikrowellentrocknung funktioniert
Bei der Trocknung mit Mikrowellenenergie entsteht die Wärme nach dem Hersteller Püschner durch die direkte Umwandlung elektromagnetischer Energie in Bewegungsenergie der Moleküle im Feuchtegut selbst.[3] Weil Mikrowellen tiefer eindringen als andere Verfahren, spricht man von Volumenerwärmung, und weil Wasser höhere dielektrische Verluste hat als die meisten Stoffe, wird es gezielt erhitzt.[3] In der Industrie nennt der Hersteller als Vorteile unter anderem die schnelle Endtrocknung feuchter Produkte mit niedriger Wärmeleitfähigkeit und die Trocknung dicker Schichten im Ruhezustand.[3]
Im Prinzip funktioniert das wie die Mikrowelle in der Küche, nur dass auf der Baustelle ein offenes System eingesetzt wird: Eine Antenne leitet die Mikrowellen auf das Bauteil, die Wassermoleküle reagieren, und der entstehende Wasserdampf entweicht nach kurzer Zeit.[2] Die Wärme entsteht nach dem Sanierungsbetrieb Sprint dort, wo Feuchtigkeit vorhanden ist, und die Austrocknung erfolgt von innen nach außen, nach dem Betrieb auch bei hoher Luftfeuchtigkeit und niedrigen Temperaturen der Umgebungsluft, und selbst Mauerwerksecken lassen sich so austrocknen.[2]
Eingesetzt wird das Verfahren an Bauteilen, die nach einem Wasserschaden oder durch Bauwerksfeuchte nass sind. Steht in den Räumen noch Wasser, wird zuerst der Stromkreis an der Sicherung getrennt, ein ausgeknipstes Licht macht die Leitungen nicht spannungsfrei. Liegt der Sicherungskasten im nassen Bereich, bleibt das Sache der Feuerwehr oder des örtlichen Netzbetreibers, und solange im Keller das Wasser steigt, wird er nicht betreten.
Wo Mikrowellentrocknung eingesetzt wird
Für örtlich begrenzte und schlecht zugängliche Bereiche sowie starkes Mauerwerk ist die Mikrowellentrocknung nach dem Ingenieurbüro Rauch ein geeignetes Verfahren, dabei spielen Mauerstärke und Geometrie keine Rolle.[1] Bei geschlossenzelligen Strukturen wie Gasbeton und Baustoffen mit kleinen Poren wie Schwerbeton dürften zufriedenstellende Werte erreicht werden, weil die Kernfeuchte reduziert wird, und ein weiteres Anwendungsgebiet ist die thermische Bekämpfung von Holzschädlingen.[1]
Der Sanierungsbetrieb setzt das Verfahren vor allem ein, wenn es auf Schnelligkeit ankommt, bei Betriebsunterbrechungen, in der termingebundenen Bauwerkstrocknung und in Gebäuden, in denen der Denkmalschutz eine besondere Rolle spielt.[2] Getrocknet werden nach dem Datenblatt Bauwerksteile, Verbundestriche, verkleidete Wände und Fußböden, vorausgesetzt, sie sind diffusionsoffen oder lassen sich wasserdampfdurchlässig machen.[2]
Nach Angaben des Unternehmens verkürzt sich die Trocknungsdauer im Durchschnitt auf etwa ein Siebtel der Zeit einer konventionellen Trocknung, abhängig von Feuchte, Feuchteverteilung und Konstruktion.[2] Unabhängige Vergleichswerte nennt das Datenblatt nicht, und vor der Entscheidung sollten Kosten und Nutzen nach dem Betrieb selbst sorgfältig abgewogen werden.[2]
Risiken der Mikrowellentrocknung für das Bauwerk
Durch die örtliche Wärme geht das Wasser in den gasförmigen Zustand über, und der dabei entstehende Druck weicht von den normalen Wasserdampfdrücken in einer Wand ab, sodass nach dem Ingenieurbüro Rauch örtliche Schäden in der Materialstruktur auftreten könnten.[1] An angrenzenden kühleren Bauteilabschnitten kondensiert das Wasser wieder, das Kernkondensat wird verlagert, und zur anfänglich günstigeren Trocknung über den kapillaren Wassertransport macht die Darstellung des Verfahrens keine Aussage.[1]
Eine Fachseite zur Mauerwerkssanierung beschreibt, dass sich die Feuchte schlagartig in Wasserdampf verwandelt und sich das Volumen in Sekundenbruchteilen ausdehnt, und hält eine Rissbildung für wesentlich stärker möglich als beim Verfahren mit heißer Luft.[4] Die elektromagnetischen Felder induzieren danach in allen elektrisch leitenden Teilen eine Spannung, was elektrische Anlagen, Wasser- und Heizungsleitungen und Bewehrungseisen in der Wand schädigen kann, und außenliegende Wandteile an Ecken und Anschlüssen werden nicht immer vollständig erreicht.[4] Bei einer nassen Betondecke mit Bewehrung kommt das Verfahren darum nur nach genauer Prüfung infrage.
Eine dauerhafte Sperre gegen aufsteigende Feuchte entsteht durch die Trocknung nicht.[4] Ist die Ursache nicht beseitigt, wird die Wand nach der Trocknung wieder nass. Wer nach dem Einsatz Trocknungsgeräte mieten will, misst vorher in der Tiefe der Wand, ob das Verfahren gewirkt hat.
Risiken der Mikrowellentrocknung für Menschen
Mikrowellen stellen nach der Fachseite ein hohes gesundheitliches Risiko dar, auch mit einer Schirmung kann die Strahlung nicht in alle Richtungen vollständig abgeschirmt werden, Bereiche hinter der Wand werden ungesichert bestrahlt, und Menschen mit Herzschrittmacher dürfen sich nicht in der Nähe solcher Anlagen aufhalten.[4] Die Technik muss nach dem Datenblatt des Sanierungsbetriebs vom TÜV und der zuständigen Berufsgenossenschaft geprüft sein und darf nur von speziell geschulten Mitarbeitern bedient werden, die die Geräte während des Betriebs ständig überwachen.[2]
Für mögliche gesundheitliche Wirkungen hochfrequenter Felder ist nach dem Bundesamt für Strahlenschutz die Wärmewirkung ausschlaggebend, im Tierexperiment zeigten sich Wirkungen, wenn sich die Körpertemperatur über längere Zeit um deutlich mehr als 1 °C erhöht hatte.[5] Langanhaltende Überwärmung im Augenbereich begünstigt den grauen Star, und auch Gehirn und Hoden sind besonders wärmeempfindlich.[5] Wird der Körper nur örtlich begrenzt erwärmt, kann das Blut die zusätzliche Wärme in der Regel abführen, bei Erwärmung des ganzen Körpers geben stärkere Hautdurchblutung und das Verdunsten von Schweiß die Wärme ab.[5]
Nach dem Bundesamt für Strahlenschutz, Abschnitt Spezifische Absorptionsrate.[5]
Mikrowellentrocknung im Vergleich mit anderen Verfahren
Zu den konventionellen Trocknungsverfahren durch Kontakt, Konvektion und Infrarotstrahlung tritt nach Püschner die Trocknung durch Mikrowellenenergie hinzu, bei der im Inneren eine höhere Temperatur als an der Oberfläche herrscht, sodass der höhere Partialdruck die Flüssigkeit zur Oberfläche treibt und die Oberflächenschicht durchlässig bleibt.[3] Bei der Infrarottrocknung verläuft die Trocknung dagegen nach dem Ingenieurbüro Rauch von außen nach innen.[1]
Weil das Verfahren auf kleinere Flächen ausgerichtet ist, kommt es für ganze Etagen kaum in Frage, bei kleinen, dicken oder schwer zugänglichen Bauteilen kann es seine Stärken ausspielen. Für die meisten Wasserschäden in Wohnungen reichen Kondensations- oder Adsorptionstrockner, gegebenenfalls ergänzt durch eine Dämmschichttrocknung oder Infrarotplatten, wie die gleichnamigen Begriffe erklären.
Was vor einer Mikrowellentrocknung zu klären ist
Vor dem Einsatz müssen Leitungen, Rohre und Bewehrung im Bestrahlungsbereich bekannt sein, und die Räume hinter der behandelten Wand sind für die Dauer der Arbeiten zu sperren. Bewohner und Nachbarn mit Herzschrittmacher oder anderen aktiven Implantaten müssen informiert werden.
Außerdem gehören Ursache und Feuchteverteilung geklärt, damit nicht eine Wand getrocknet wird, die von außen weiter Wasser zieht. Ob Putz, Beschichtung oder Bekleidung diffusionsoffen sind oder entfernt werden müssen, entscheidet, ob der Wasserdampf überhaupt entweichen kann.
Wie wir zur Mikrowellentrocknung stehen
Wasserschäden trocknen wir mit Luftentfeuchtern, Dämmschichttrocknung und bei Bedarf Infrarot, weil diese Verfahren in bewohnten Gebäuden ohne Strahlungsrisiko auskommen. Eine Mikrowellentrocknung kommt für uns nur in Ausnahmefällen in Frage, etwa bei einem einzelnen, dicken Bauteil unter Zeitdruck, und dann durch einen darauf spezialisierten Betrieb.
Den Trocknungsverlauf überwachen wir in jedem Fall mit Messungen am Bauteil und dokumentieren ihn im Trocknungsprotokoll. Wie die Infrarottrocknung arbeitet, erklärt der Begriff Infrarottrocknung.
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Belege
Quellen
- Ingenieurbüro Rauch: Verfahren zur Mauertrocknung von nassen Wänden. Abschnitt 7.5 Das Verfahren zur Mauertrocknung mit Mikrowellen. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
- Sprint Sanierung GmbH (Fachbetrieb): Datenblatt Mikrowellen-Trocknung. Stand 08/2012, Seiten 2 bis 4. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Püschner GmbH + Co KG, Microwave Power Systems (Hersteller): Mikrowellentrocknung: Trocknen mit Mikrowellen. Abschnitte Trocknen mit Mikrowellen, Vorteile und Mikrowellenerwärmung. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- TBAS, Alexander Schaaf: Mauerwerkstrocknung mittels Mikrowelle. Kapitel 3.6.2 Mauerwerkstrocknung mittels Mikrowelle. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Biologische Wirkungen hochfrequenter Felder durch Energieabsorption und Erwärmung. Abschnitte Wärmewirkung, Spezifische Absorptionsrate und Eindringtiefe. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
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