Nasse Bücher und Dokumente: Wie lassen sie sich retten?
Die Antwort in Kürze
Nasses Papier lässt sich retten, wenn es schnell geborgen, verpackt und eingefroren wird: Nach dem Staatsarchiv Hamburg ist eine Rettung von wassergeschädigtem Schriftgut nur innerhalb von 24 bis 36 Stunden möglich.[1] Einfrieren stoppt die Schimmelbildung und verschafft Zeit, und die schonendste Trocknung für Papier ist danach die Vakuum-Gefriertrocknung.[2] Verpacken Sie die Stücke in Folie und beschriften Sie jede Einheit.[1]
Strom und Keime vor dem Papier
Stehen die Kartons im nassen Keller oder unter einer tropfenden Decke, hat die Elektrik Vorrang vor dem Papier. Legen Sie die Sicherung für den betroffenen Bereich um, bevor Sie dort Lampen oder Steckdosen berühren. Hat der Sicherungskasten Wasser abbekommen, rufen Sie Feuerwehr oder Netzbetreiber und gehen nicht hinein, und wo im Keller der Pegel noch wächst, bleibt jeder draußen, auch für ein Fotoalbum.
Flutwasser hat nach einem Merkblatt des Landeskirchenarchivs Magdeburg eine hohe Keimzahl, und Schimmel kann allergische Reaktionen hervorrufen.[2] Das Merkblatt nennt als Schutz eine Atemschutzmaske FFP3 mit Ausatemventil, Nitrilhandschuhe und Schutzanzüge, und in Gegenwart des Bergungsguts wird nicht gegessen und getrunken.[2] Bei einem Hochwasserschaden ist mit Fäkalkeimen zu rechnen, darum bleiben Masken und Handschuhe bis zum Ende der Bergung an.
Warum es auf Stunden ankommt
Nasses Papier, überall vorhandene Sporen und Wärme führen nach dem Merkblatt innerhalb von Tagen zu Schimmel, wenn nicht sofort getrocknet wird.[2] Schimmel baut Papier und organische Klebstoffe im Einband wie Knochenleim oder Stärkekleister ab, und solche Schäden lassen sich nur sehr begrenzt rückgängig machen.[2] Solange Papier noch im Wasser liegt, beginnt der mikrobielle Abbau nach dem Merkblatt allerdings noch nicht.[2]
Das Archivamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe beschreibt die Folgen eines Wassereinbruchs für Schriftgut: Tinten und Stempelfarben laufen aus, es bilden sich Wasser- und Schmutzränder, und innerhalb von Stunden keimen Schimmelsporen, besonders bei warmen Temperaturen.[3] Deshalb sollte das Schriftgut möglichst zeitnah geborgen, verpackt und eingefroren werden.[3] Als häufigste Ursache für Schimmelwachstum an Schriftgut nennt das Archivamt einen plötzlichen Anstieg der relativen Luftfeuchte auf über 60 Prozent.[3]
Bergen und sortieren
Das Staatsarchiv Hamburg rät, beim Bergen über den Wert der Stücke zu entscheiden, nach Ersetzbarkeit, Material, Menge und Grad der Durchnässung.[1] Geräumt wird zuerst der Boden, danach Regale und Schränke von oben nach unten, weil sie sonst umstürzen können, und Türen und Fenster bleiben offen, damit das nasse Material so kühl und belüftet wie möglich liegt.[1] Stücke, die etwa mit Heizöl verschmutzt sein könnten, werden nicht mit den übrigen vermischt.[1] Anders als Papier dürfen nasse Elektrogeräte aus demselben Raum erst nach einer Prüfung durch eine Fachkraft wieder ans Netz. Schlamm, Fäkalien und Öl aus Flutwasser lassen sich nach dem Magdeburger Merkblatt durch Abspülen und vorsichtiges Ausdrücken entfernen, nach dem Trocknen ist die entstehende Kruste dagegen teils nicht mehr zu lösen.[2]
Im Haushalt heißt das: Taschenbücher und Zeitschriften lassen sich ersetzen, Urkunden, Zeugnisse, Briefe, Fotoalben und Familienbibeln nicht. Konzentrieren Sie die knappe Zeit auf das, was es nur einmal gibt, und fotografieren Sie den Rest für die Versicherung, bevor Sie ihn entsorgen, am besten mit einer kurzen Liste der Titel. Für Räume und Bauteile lohnt es sich daneben, Trocknungsgeräte mieten zu lassen, damit die Luft im Raum die Papiere nicht wieder anfeuchtet.
Richtig verpacken und einfrieren
Einfrieren ist nach dem Magdeburger Merkblatt der wichtigste Rettungsschritt, weil es einen stabilen Zustand schafft und Zeit gewinnt, um die Trocknung zu planen.[2] Eingefroren werden können unter anderem Papier, Karton, Pappe, Leinen, Leder, Pergament, Siegel, Fotonegative und Abzüge sowie Datenträger wie CDs.[2] Schnelles Schockgefrieren ab minus 30 Grad verhindert nach dem Merkblatt zu große Eiskristalle, Wasserränder und das Auslaufen der Schrift.[2]
- tropfnasses Papier vorher vorsichtig ausdrücken, das spart Trocknungsaufwand[2]
- Stapel mit Stretchfolie in Einheiten von höchstens 10 Zentimetern Höhe teilen, damit sie nicht zu einem Block zusammenfrieren[2]
- in Plastikbeutel oder Schlauchfolie verpacken und verschließen[1]
- jede Einheit mit Folienstift nummerieren und den Inhalt auf einer Liste festhalten[1]
- Pakete waagerecht in die Transportbehälter legen[1]
Gefriertrocknung: das schonendste Verfahren
Die Vakuum-Gefriertrocknung ist nach dem Merkblatt die materialschonendste Art, Papier zu trocknen, und sie ist der Lufttrocknung in vielen Fällen überlegen, ausgenommen bei allen Formen audiovisueller Medien.[2] Beim Verfahren des LWL-Archivamts wird gefrorenes Schriftgut einem Unterdruck von etwa 4 Millibar ausgesetzt, das Eis geht direkt in Wasserdampf über, und der Dampf schlägt sich in einem Eiskondensator nieder.[3]
Nach dem mehrtägigen Trocknen muss das Papier nach dem Archivamt seine ursprüngliche Materialfeuchte wieder aus der Umgebungsluft aufnehmen.[3] Die Kosten richten sich nach Umfang und Nässegrad, und das Staatsarchiv Hamburg rät, Kostenanschläge einzuholen, wobei der Preis nach dem Gewicht des Papiers berechnet wird.[3][1]
Zeit gewinnen für Versicherung und Lagerung
Weil das Einfrieren die Schimmelbildung stoppt, lassen sich nach dem Merkblatt danach ohne Zeitdruck die Finanzierung, etwa über die Versicherung, und die Wahl einer geeigneten Firma klären.[2] Schimmelbefallene Unterlagen sind nach dem Staatsarchiv Hamburg nur in Schutzkleidung anzufassen, für jede Benutzung zu sperren, getrennt zu lagern und von Fachleuten zu behandeln.[1]
Getrocknete Papiere lagern nach dem Staatsarchiv am besten bei 15 bis 18 Grad und einer Luftfeuchte von 50 Prozent mit einer Abweichung von 5 Prozentpunkten, in gut zu lüftenden, sauberen Räumen ohne Sonne.[1] Zurück in den Keller, in dem der Schaden passiert ist, gehören wichtige Dokumente deshalb erst, wenn der Raum dauerhaft trocken ist.
Häufige Fragen
Kann ich nasse Bücher einfach an der Luft trocknen lassen?
Das schonendste Verfahren für Papier ist nach dem Landeskirchenarchiv Magdeburg die Vakuum-Gefriertrocknung, die der Lufttrocknung in vielen Fällen überlegen ist.[2] Bis zur Entscheidung stoppt Einfrieren die Schimmelbildung.[2]
Wie viel Zeit bleibt für die Rettung?
Nach dem Staatsarchiv Hamburg ist eine Rettung von wassergeschädigtem Papier nur innerhalb von 24 bis 36 Stunden möglich.[1] Schimmelsporen keimen nach dem LWL-Archivamt schon innerhalb von Stunden.[3]
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
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Belege
Quellen
- Freie und Hansestadt Hamburg, Staatsarchiv: Notfallvorsorge bei gefährdetem Schriftgut. Abschnitte Wasserschaden, Schimmelbefall und Maßnahmen bei Schimmelbefall. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
- Landeskirchenarchiv Magdeburg (Evangelische Kirche in Mitteldeutschland): Merkblatt Rettung von Archiv- und Bibliotheksgut mit Wasserschaden. Stand Juni 2014, S. 1 bis 2. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe, LWL-Archivamt für Westfalen: Notfälle im Archiv. Abschnitte Wasserschaden und Vakuum-Gefriertrocknung. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
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