Trocknung nach Hochwasser: Was ist anders als beim Rohrbruch?
Die Antwort in Kürze
Hochwasser kann Schlamm, Fäkalien, Öl und Chemikalien ins Haus tragen und ganze Geschosse durchnässen.[1] Vor der Trocknung wird darum gereinigt und ausgeräumt, befallene und stark durchnässte Baustoffe kommen heraus, und erst dann wird technisch getrocknet, während nicht betroffene Räume abgeschottet bleiben.[1][2] Einen Keller pumpt man erst leer, wenn das Wasser draußen gesunken ist, sonst kann der Druck von außen das Gebäude beschädigen.[2][3]
Was Hochwasser von Leitungswasser unterscheidet
Vor allen Arbeiten im Haus ist der Strom an der Sicherung abgeschaltet. Liegt der Sicherungskasten im überfluteten Bereich oder läuft der Keller weiter voll, bleibt er gesperrt, und die Feuerwehr oder der örtliche Netzbetreiber schaltet ab. Elektrik und Heizöltanks lassen Sie nach dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz von Fachleuten überprüfen.[3] Bis dahin bleibt die Elektrik in den nassen Bereichen aus.
Bei einem Rohrbruch tritt Trinkwasser oder Heizungswasser aus einer Leitung aus. Ein Hochwasser flutet dagegen ganze Geschosse mit Wasser, das Erde, Schlamm und alles mitbringt, was es unterwegs aufgenommen hat. Nach dem Robert Koch-Institut können über Wasser, das etwa aus überfluteten Abwassersystemen mit Fäkalien belastet ist, Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen und Hepatitis A übertragen werden.[4]
Auch die Leptospirose kann nach Überflutungen eine Rolle spielen, ihre Erreger scheiden vor allem Nagetiere mit dem Urin aus, und sie gelangen über kleine Hautwunden, Schleimhäute oder den Mund in den Körper.[4] In Deutschland sind solche Erkrankungen nach dem Institut selten, und die Verdünnung durch das Wasser senkt das Risiko weiter.[4] Wie lange Erreger bleiben können, zeigte ein Ausbruch von Kryptosporidiose in Halle im Jahr 2013: Abgetrocknete Überflutungsflächen können unter Umständen noch Monate später mit Kryptosporidien belastet sein.[4]
Erst reinigen und freilegen
Ist das Wasser abgepumpt, werden Schlamm und Schmutz entfernt, oft mit Industriesaugern, und Unrat sowie nasses Mobiliar kommen aus dem Haus.[2] Das Umweltbundesamt rät, die betroffenen Räume möglichst vollständig auszuräumen.[1] Je länger Schmutz und Schadstoffe eintrocknen oder in die Bauteile ziehen, desto größer werden nach den Verbraucherzentralen die Schäden und der Aufwand für die Sanierung.[2]
Damit die Bauteile zügig entfeuchten können, sollten Oberbeläge, Vorbaukonstruktionen und Verkleidungen vorher abgenommen werden, denn bei einer Überflutung kann die Nässe tief in Mauerwerk, Böden und Decken eindringen.[1] Baustoffe, die schon von Schimmel befallen sind, werden vor dem Trocknen ausgebaut.[1]
Wo sich ein befallener Baustoff nicht ausbauen lässt, wird der Schimmel nach dem Umweltbundesamt vollständig abgetragen, auch in tiefer liegenden Schichten.[1] Feuchtes Holz mit aktivem Schimmelwachstum ist schwer zu sanieren und muss meist entsorgt werden, bei tragenden Teilen, die sich kaum entfernen lassen, kann ein oberflächlicher Befall abgeschliffen werden.[1]
Den Keller nicht zu früh leeren
Steht außen noch Wasser an, kann das Auspumpen eines Kellers nach den Verbraucherzentralen schwere Gebäudeschäden verursachen.[2] Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz rät ebenfalls, mit dem Abpumpen zu warten, bis der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist, weil sonst die Bodenwanne des Hauses Schaden nehmen kann.[3]
Zeigen sich deutlich Risse oder Verformungen am Gebäude, sollte vor dem Betreten unbedingt die Standsicherheit geprüft werden.[2]
Wie getrocknet wird
Gründliches Lüften gehört nach einer Überflutung dazu, genügt aber nicht, weil die Feuchte oft tief in Wänden, Böden und Dämmstoffen sitzt, und nach den Verbraucherzentralen ist fast immer eine technische Trocknung nötig.[2] Genannt werden unter anderem diese Verfahren:
- Kondensationstrockner, die der Raumluft Feuchte entziehen und so Böden und Wände trocknen[2]
- Turbogebläse, die zusätzlich Luft über Oberflächen und Wände führen[2]
- Dämmschichttrocknung unter schwimmendem Estrich über Bohrlöcher und Schläuche[2]
- Vakuumverfahren für belastete Materialien[2]
Nicht betroffene Räume und Geschosse werden dabei nach dem Umweltbundesamt abgeschottet, zum Beispiel der Keller gegen die oberen Etagen, damit Stäube, Fasern sowie chemische oder mikrobiologische Stoffe nicht im Haus verwirbelt werden.[1] Welches Verfahren passt, richtet sich nach dem Aufbau des Gebäudes und nach dem Schaden, und den Erfolg kontrollieren Fachfirmen mit geeigneten Messverfahren.[2] Ein muffiger Geruch während der Trocknung kann auf Reste im Bodenaufbau hinweisen, die noch entfernt werden müssen.
Die Trocknung kann nach einem Hochwasser mehrere Wochen bis Monate dauern.[2] Ob sie fertig ist, zeigt die gemessene Restfeuchte in Wänden, Böden und Dämmstoffen, nicht der Eindruck trockener Luft, und wer zu früh aufhört, erhöht das Risiko von Schimmel und Folgeschäden.[2]
Desinfizieren ersetzt kein Trocknen
Bei durchnässten Materialien wirkt eine Desinfektion nach dem Umweltbundesamt nicht, weil sie nicht alle Mikroorganismen erreicht, und auch abgestorbene Schimmelsporen können der Gesundheit schaden.[1] Hinzu kommt, dass Hochwasser viele chemische Stoffe enthalten kann, die mit Desinfektionsmitteln reagieren.[1] Was wirkt, sind Reinigen, Ausbauen und ein schnelles, kontrolliertes Trocknen.
Möbel, Polster und Textilien
Noch nicht befallene Gegenstände können gesäubert und getrocknet werden, wobei zu bedenken ist, dass Hochwasser Fäkalien und andere Schadstoffe wie Heizöl enthalten kann.[1] Möbel mit geschlossener Oberfläche, etwa Stühle und Schränke, lassen sich nach dem Umweltbundesamt auch bei Befall feucht abwischen, trocknen und bei Bedarf mit 70-prozentigem Ethylalkohol desinfizieren.[1]
Stark befallene Polstermöbel wie Sessel oder Sofas sind dagegen nur selten mit vertretbarem Aufwand zu retten und sollten im Normalfall entsorgt werden.[1] Teppiche und Vorhänge mit starkem Befall lassen sich ebenfalls nur mit großem Aufwand reinigen und gehören dann besser auf den Sperrmüll.[1] Fotografieren Sie alles, bevor es das Haus verlässt.
Schutz bei der Arbeit
Wer Schlamm schaufelt und nasse Baustoffe ausbaut, verletzt sich leicht. Erwachsenen wird nach dem Robert Koch-Institut ohnehin alle zehn Jahre eine Auffrischung gegen Tetanus empfohlen, und nach einer Verletzung sollte mit der Hausarztpraxis geklärt werden, ob sofort geimpft werden muss.[4] Beim Reinigen schützen Gummistiefel, wasserdichte Handschuhe und Kleidung, die kein Wasser durchlässt.[4]
Fachleute und Messungen
Sobald die Räume begehbar sind, sollten Sachverständige das Gebäude untersuchen, Belastungen durch Schadstoffe, Fäkalien und Schimmel prüfen und den Zustand von Heizung, Sanitär und Elektrik feststellen.[2] Vor dem Ausbau sollte außerdem feststehen, ob nasse Baustoffe Schimmel, Öl, Chemikalien oder Asbest enthalten, weil dann besondere Regeln für Schutz und Entsorgung gelten.[2]
Das Konzept für Sanierung und Trocknung planen Betroffene vor allem bei größeren Schäden mit sachverständigen Fachleuten.[2] Wird ohne fachliche Planung zu früh getrocknet oder voreilig ausgebaut, können Setzrisse und Verformungen entstehen, oder das Bauteil wird erneut nass.[2] Bewahren Sie Messprotokolle, Gutachten und Fotos zusammen auf, denn die Versicherung braucht sie, und bei späterem Streit über Mängel helfen sie ebenfalls.
Häufige Fragen
Reicht es, nach dem Hochwasser kräftig zu heizen und zu lüften?
Heizen und Lüften helfen, und das Umweltbundesamt rät, feuchte Räume möglichst rasch auf diese Weise zu trocknen.[1] Sitzt das Wasser aber im Estrich, in der Dämmschicht oder tief im Mauerwerk, ist fast immer eine technische Trocknung nötig.[2]
Muss nach dem Hochwasser der ganze Fußboden raus?
Nicht zwangsläufig. Stark durchnässte Dämmstoffe im Fußbodenaufbau müssen nach den Verbraucherzentralen häufig ersetzt werden, und mit Schadstoffen belastetes Material sowieso.[2] Ob ein Aufbau bleiben kann, zeigt eine Untersuchung mit Messungen vor Ort.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Umweltbundesamt: Fragen und Antworten zum Thema Hochwasser. Antworten zur Trocknung, zur Desinfektion und zu befallenen Materialien und Möbeln, Stand 10.08.2022. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15
- Verbraucherzentrale Bundesverband: Hochwasserschäden: Tipps zur Sanierung und Handwerkersuche. Abschnitte zum Ablauf der Sanierung, zur Gebäudetrocknung und zur Dauer der Trocknung. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Handeln nach dem Hochwasser. Ratgeber Vorsorge und Handeln bei Hochwasser, Teil 3. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3
- Robert Koch-Institut (RKI): Infektionsrisiken in Überschwemmungsgebieten in Deutschland. Stand 23.01.2024. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
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