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Gasheizung oder Gaszähler unter Wasser: Was ist jetzt zu tun?

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Ist Wasser in den Heizungsraum gelaufen, lassen Sie den Strom abschalten, schließen die Hauptabsperrung an der Gashauseinführung, soweit sie gefahrlos erreichbar ist, und informieren den Bereitschaftsdienst Ihres Netzbetreibers.[1] Wieder in Betrieb geht die Gasanlage erst mit dessen Zustimmung und nach der Prüfung durch ein zugelassenes Installationsunternehmen.[1] Gaszähler und Druckregler, die im Wasser standen, werden ausgetauscht.[1]

Im überfluteten Heizungsraum zuerst an den Strom denken

Wasser im Heizungsraum kommt leicht an elektrische Teile: an Kessel, Pumpe, Regelung und Steckdosen. Legen Sie die Sicherung für den Heizungsraum um, das Ausschalten am Lichtschalter trennt die Leitungen nicht vom Netz. Ist der Sicherungskasten nass oder vom Wasser umspült, bleibt der Raum unbetreten, und Sie verständigen Feuerwehr oder örtlichen Netzbetreiber. Bei steigendem Wasser bleibt der Keller verschlossen, auch wenn dort der Gashahn sitzt.

Das Merkblatt G 479 des DVGW empfiehlt den Netzbetreibern, ihren Kunden für Gebäude mit eingedrungenem Hochwasser diese Reihenfolge mitzugeben: die Stromabschaltung veranlassen, die Hauptabsperrung an der Gashauseinführung schließen, soweit sie noch zugänglich ist, und den Bereitschaftsdienst des Netzbetreibers informieren.[1] Droht das Hochwasser erst, sollen dieselben Schritte nach dem Merkblatt vorsorglich erfolgen.[1] Kommen Sie an die Absperrung nur durch Wasser heran, lassen Sie sie unberührt und überlassen sie dem Bereitschaftsdienst.

Leitung und Zähler halten dicht, das Gerät ist der Schwachpunkt

Gasleitungen und Bauteile wie Zähler, Hausdruckregelgerät und Absperrungen sind nach dem DVGW gasdicht ausgeführt, sodass von ihnen bei Hochwasser keine unmittelbare Gefahr ausgeht.[1] Kritischer sind die Verbrauchsgeräte, also Heizkessel und direkt befeuerte Warmwasserbereiter, besonders wenn das Wasser bis an den Brenner reicht: Dann können ihre Sicherheitseinrichtungen in der Funktion beeinträchtigt sein.[1]

Der Fachverband Sanitär Heizung Klima Sachsen-Anhalt warnt, dass Wasser an elektronischen Bauteilen zu folgenschweren Sicherheitsausfällen im Betrieb, zu Kurzschluss und zu Bränden führen kann.[2] Ist Wasser an die Elektronik oder an Teile gekommen, die mit der Flamme in Berührung sind, ist eine Reparatur nach den Herstellerangaben, auf die sich der Verband beruft, oftmals unmöglich.[2] Belastetes Wasser mit Fäkalien, Farben oder Öl kann außerdem eine chemische Korrosion auslösen, die nicht sofort erkennbar ist.[2] Die Folgen eines Leitungswasserschadens im Heizungsraum sind für das Gerät dieselben, wenn das Wasser bis an Elektronik oder Brenner steigt.

Wenn es im Haus nach Gas riecht

Riecht es nach Gas, gelten die Regeln der Gasversorger auch neben dem Wasser. Die Stadtwerke Schweinfurt nennen: alle Flammen löschen, Fenster und Türen öffnen, die Absperreinrichtung am Gaszähler oder die Hauptabsperrung im Keller schließen.[3] Räume mit Gasgeruch betreten Sie nicht mit offenem Licht, zünden kein Streichholz an, betätigen weder Schalter noch Klingel, ziehen keine Stecker und rauchen nicht.[3]

Die übrigen Hausbewohner werden benachrichtigt und die Stadtwerke als Versorger umgehend informiert.[3] Sind die betroffenen Räume nicht ohne Weiteres zugänglich, rufen Sie zusätzlich Polizei oder Feuerwehr, die sich Zutritt verschaffen dürfen.[3] Steht der Keller unter Wasser, gehen Sie für den Gashahn nicht hinein: Sie verlassen das Haus und telefonieren von draußen.

Wer die Gasanlage wieder freigibt

Die Freigabe läuft in einer festen Reihenfolge. Zuerst prüft der Netzbetreiber sein Versorgungsnetz, erst danach kann die Hausinstallation wieder in Betrieb gehen, grundsätzlich nach dem DVGW-Arbeitsblatt G 600, den Technischen Regeln für Gasinstallationen.[1] Ein zugelassenes Vertragsinstallationsunternehmen prüft die vom Hochwasser betroffene Installation und setzt sie instand, falls es Schäden findet.[1] Machen Sie bis dahin Fotos und Notizen zum Schaden, vor allem dazu, wie hoch das Wasser am Kessel stand.

Wie das praktisch aussieht, beschreibt der Netzbetreiber Bonn-Netz: War der Gaszähler oder der Gasdruckregler vom Hochwasser betroffen, tauscht er die Teile innerhalb der nächsten Tage aus, und erst danach ist die Wiederinbetriebnahme der Heizung möglich.[4] Vorsorglich ausgebaute Teile der Heizungsanlage baut nur ein Fachbetrieb wieder ein.[4] Riecht es nach Gas oder steht Wasser an der Elektronik, bleibt die Anlage aus, und der Notdienst sichert den Raum, bevor Bauteile getauscht werden.

Versicherung und Gutachter vor dem Neustart

Der Fachverband SHK Sachsen-Anhalt rät, nach einem Hochwasser zuerst die Versicherung einzuschalten und die Kostenübernahme prüfen zu lassen.[2] Besteht eine Elementarschadenabsicherung, wird nach dem Verband in aller Regel ein Schadensgutachter oder ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger eingesetzt, der prüft, ob die Heizungsanlage repariert werden kann oder ausgetauscht werden muss.[2] Ohne diesen Zusatz bleibt ein Hochwasserschaden an der Heizung in der Regel ungedeckt.

Wer die Anlage vorher eigenmächtig wieder anfährt, riskiert mehr als einen Defekt: Folgeschäden durch eine fahrlässige Inbetriebnahme entgegen den Vorgaben der Versicherung oder des Herstellers können nach dem Verband den Versicherungsschutz kosten.[2] Besteht für die Heizung kein Versicherungsschutz, stimmt der Fachbetrieb das weitere Vorgehen mit dem Hersteller ab.[2]

Was Sie vor dem nächsten Hochwasser tun können

Bleibt vor einem angekündigten Hochwasser genug Zeit, rät der Energieversorger EnBW, die Brenner von Gas- oder Ölheizungen im abgekühlten Zustand und die Umwälzpumpen von einem Fachbetrieb ausbauen zu lassen.[5] Frühes Handeln lohnt sich, denn bei drohendem Hochwasser sind die örtlichen Heizungsinstallateure stark ausgelastet.[5] Ist ein Ausbau nicht mehr möglich, schalten Sie die Heizung ab und schließen den Gas- oder Ölhahn.[5]

Gegenstände, die im Wasser aufschwimmen oder umstürzen und dabei die Heizung beschädigen könnten, werden nach EnBW entfernt oder gesichert.[5] Auf Dauer schützt die Lage: Wer die Heizung ohnehin erneuert, kann mit dem Fachbetrieb besprechen, ob Kessel und Regelung in einem höheren Geschoss Platz finden.

Häufige Fragen

Darf ich die Gasheizung wieder einschalten, wenn der Keller trocken ist?

Nicht auf eigene Faust. Die Gasanlage geht nach dem DVGW erst wieder in Betrieb, wenn der Netzbetreiber zugestimmt und ein Vertragsinstallationsunternehmen die Installation geprüft und instand gesetzt hat.[1] Ein fahrlässiger Neustart kann nach dem Fachverband SHK Sachsen-Anhalt sogar den Versicherungsschutz kosten.[2]

Ist ein Gaszähler im Wasser gefährlich?

Von Leitung und Zähler geht nach dem DVGW keine unmittelbare Gefahr aus, weil sie gasdicht ausgeführt sind.[1] Ein Zähler, der dem Hochwasser direkt ausgesetzt war, wird trotzdem ausgetauscht.[1]

Wer tauscht den Gaszähler nach dem Hochwasser?

Bei Bonn-Netz übernimmt das der Netzbetreiber selbst: Er tauscht vom Hochwasser betroffene Gaszähler und Gasdruckregler innerhalb der nächsten Tage aus.[4] Fragen Sie bei Ihrem Netzbetreiber nach, wie er es handhabt, und melden Sie den Schaden früh.

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Belege

Quellen

  1. DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V.: DVGW G 479, Anhang A: Handlungsempfehlungen an die Netzbetreiber für die Überprüfung der Gasversorgung in Hochwassergebieten. Anhang A (informativ), Nr. 2 Überprüfung der Letztverbrauchereinrichtung und Nr. 3 Letztverbraucherinformation. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16
  2. Fachverband Sanitär Heizung Klima Sachsen-Anhalt (bereitgestellt vom Landkreis Oberhavel): Merkblatt: Was tun nach dem Hochwasser? Wiederinbetriebnahme von Heizungs-, Gas- und Heizölanlagen. Abschnitte Wiederinbetriebnahme von Heizungsanlagen und Wiederinbetriebnahme von Gasanlagen. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
  3. Stadtwerke Schweinfurt GmbH: Vorsichtsmaßnahmen bei Gasgeruch. Merkblatt, ganze Seite. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
  4. Bonn-Netz GmbH: Hochwassermaßnahmen. Abschnitt 3, Nach der Überflutung, Stand 30.07.2018. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3
  5. EnBW Energie Baden-Württemberg AG: Strom, Heizung und Co: Worauf Sie bei Hochwasser achten müssen. Abschnitt Heizung und Hochwasser. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
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