Dehnungsfuge
Auch: Bewegungsfuge, Dehnfuge
Eine Dehnungsfuge ist eine planmäßige Fuge zwischen Bauteilen, die deren Verkürzungen und Verlängerungen spannungsfrei aufnimmt.[1] Im Betonbau heißen solche Fugen Bewegungsfugen, sie gleichen Temperaturänderungen oder ungleiche Setzungen aus.[2] Geschlossen werden sie mit Fugendichtstoffen, Dichtungsbändern oder Abdeckprofilen.[1] In Abdichtungen und wasserundurchlässigem Beton gehören Fugen zu den Schwachstellen, die bis ins Detail geplant werden müssen.[2]
So nimmt eine Dehnungsfuge Bewegung auf
Schematische Darstellung einer Klinkerfassade mit senkrechter Dehnungsfuge und Zollstock, freigelegter Kellerwand mit Bitumenbeschichtung und Fugenband über der Fuge, Bodenplatte mit Setzung, Scheinfuge mit Riss und Lupe mit Rundschnur, Haftgrundierung und Dichtstoff. Die Nummern folgen von der Aufgabe der Fuge über Breite und Aufbau zu Keller, Setzung und Scheinfuge.
- Nimmt Dehnung spannungsfrei auf: Die Fuge trennt die Verblendschale. Verkürzt oder verlängert sich das Mauerwerk mit der Temperatur, bewegen sich die beiden Hälften gegeneinander, und die Fuge nimmt das spannungsfrei auf. Der Ziegelverband nennt sie eine Lebensversicherung für die Fassade.
- Mal vier, mindestens 15 mm breit: Nur etwa ein Viertel der Fugenbreite ist dauerhaft verformungswirksam. Die erwartete Längenänderung wird deshalb mit vier multipliziert, und in jedem Fall ist die Fuge mindestens 15 Millimeter breit, der Zollstock liegt quer darüber.
- Rundschnur, Primer, Dichtstoff: Die Lupe zeigt den Schnitt: Die Flanken verlaufen parallel bis in die doppelte Fugenbreite, mindestens 30 Millimeter tief. Hinten sitzt das geschlossenzellige Schaumstoffprofil als Hinterfüllung, auf den Flanken die Haftgrundierung, davor der elastoplastische Dichtstoff.
- Keller: Fugenband über die Fuge: Läuft die Bewegungsfuge durch die abgedichtete Kellerwand, muss die Abdichtung über sie hinweg dicht bleiben. Über die Fuge spannt sich ein Fugenband, dessen Mittelschlauch die Bewegung aufnimmt, wie es das InformationsZentrum Beton für wasserundurchlässige Bauwerke beschreibt.
- Typ I: Setzung, höchstens 5 mm: Langsame, einmalige oder seltene Bewegungen wie Setzungen gehören zum Fugentyp I der Deutschen Bauchemie. Die Flanken dürfen sich dabei um höchstens 5 Millimeter gegeneinander bewegen, die rechte Hälfte der Bodenplatte hat sich gesetzt.
- Scheinfuge: Kerbe lenkt den Riss: Im Beton schwächt eine Kerbe den Querschnitt um mindestens ein Drittel der Bauteildicke. Der junge Beton reißt genau dort, und der Riss bleibt kontrollierbar.
Was Dehnungsfugen in Fassade und Beton leisten
Der Ziegelverband nennt die Dehnungsfuge in der Außenschale eine Art Lebensversicherung für die Fassade, exaktes und gründliches Arbeiten hat dort deshalb größte Bedeutung.[1] Die Aufgabe einer Dehnungsfuge ist es nach dem Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie, die Verformungen der angrenzenden Bauteile, also Verkürzungen und Verlängerungen, spannungsfrei aufzunehmen.[1] Damit sie das in einer Verblendschale zuverlässig tut, kommt es auf die richtige Breite, die Anordnung in der Wand und die Unterschiede zwischen senkrechten und waagerechten Fugen an.[1]
Im Betonbau gibt es nach dem InformationsZentrum Beton neben Bewegungsfugen, die Temperaturwechsel und unterschiedliche Setzungen ausgleichen, auch Scheinfugen.[2] Eine Scheinfuge ist eine Kerbe, die den Querschnitt um mindestens ein Drittel der Bauteildicke schwächt, damit der junge Beton an dieser Stelle reißt und der Riss kontrollierbar bleibt.[2] Bewegungsfugen sollten bei wasserundurchlässigen Bauwerken möglichst vermieden werden, wo sie nötig sind, werden sie etwa mit Dehnfugenbändern mit einem Mittelschlauch als Dehnbereich abgedichtet.[2]
Die Breite einer Dehnungsfuge berechnen
Bei der Bemessung ist nach dem Ziegelverband zu beachten, dass nur etwa 25 Prozent der Fugenbreite dauerhaft und nahezu spannungsfrei verformungswirksam sind.[1] Die zu erwartenden Längenänderungen der angrenzenden Bauteile werden deshalb mit dem Faktor 4 multipliziert, um die Breite zu erhalten, und in jedem Fall soll eine Dehnungsfuge mindestens 15 Millimeter breit sein.[1]
Berechnet mit dem Faktor 4 und der Mindestbreite von 15 mm nach dem Ziegelverband, Längenänderungen angenommen.[1]
Die Rechenbeispiele zeigen, dass bei kleinen Bewegungen die Mindestbreite maßgebend ist und erst ab etwa 3,75 Millimetern Längenänderung die Rechnung eine breitere Fuge verlangt.[1] Eine zu schmale Fuge überdehnt den Dichtstoff, er reißt an der Flanke ab, und Wasser kann eindringen. Wie weit es sich danach in der Wand ausgebreitet hat, zeigt sich bei der Wasserschadensanierung an Messpunkten neben der Fuge.
Fugenflanken, Hinterfüllung und Dichtstoffe
Die Fugenflanken müssen nach dem Ziegelverband bis zu einer Tiefe der zweifachen Fugenbreite, mindestens aber 30 Millimeter, parallel verlaufen, damit das Hinterfüllmaterial ausreichend Halt findet.[1] Sie müssen sauber und frei von Stoffen sein, die das Haften und Erhärten der Dichtmasse beeinträchtigen, und die Mörtelfugen werden an den Flanken bündig abgestrichen.[1]
Als Abdichtung kommen Fugendichtstoffe, Dichtungsbänder und Abdeckprofile infrage, bei zweischaligen Außenwänden meist Dichtstoffe, aber auch Dichtungsbänder.[1] Vorkomprimierte Bänder entwickeln nach dem Abrollen eine Rückstellkraft, die sie gegen die Flanken drückt, die Fuge muss dafür nur grob gereinigt werden, und kleine Unebenheiten gleicht der Anpressdruck aus.[1] Als Rechenbeispiel braucht eine 20 Millimeter breite Fuge mindestens 40 Millimeter parallele Flanken.[1] Im Bad übernehmen Silikonfugen dieselbe Aufgabe, und in einem fugenlosen Bad aus Mikrozement entfällt diese Schwachstelle am Übergang.
In den Abbildungen des Ziegelverbands besteht eine waagerechte Dehnungsfuge aus einem geschlossenzelligen Schaumstoffprofil als Hinterfüllung, einer Haftungsgrundierung an den Flanken und einem elastoplastischen Dichtstoff, daneben zeigt er Lösungen mit komprimiertem Schwellband oder Klemmprofil.[1] Läuft Wasser durch eine undichte Fuge in die zweischalige Wand, schickt der Notdienst ein Team, das die Fuge abdichtet und die Dämmung prüft.
Dehnungsfugen in der Kellerabdichtung
An Bewegungsfugen dürfen sich Bewegungen nach der Richtlinie der Deutschen Bauchemie nicht so auswirken, dass die Abdichtung ihre Funktion verliert, die Ausführung ist auf Art, Richtung, Größe und Häufigkeit der erwarteten Bewegungen abzustimmen.[3] Die Richtlinie unterscheidet zwei Fugentypen.[3] Typ I gilt für langsam ablaufende, einmalige oder selten wiederholte Bewegungen wie Setzungen, Schwindverkürzungen oder Längenänderungen erdberührter Bauteile, die Flanken dürfen sich dabei um höchstens 5 Millimeter bewegen, auch bei kombinierten Bewegungen.[3] Auch Risse im Estrich entstehen oft dort, wo eine solche Fuge fehlt oder beim Verlegen des Belags überbrückt wurde.
Typ II betrifft schnelle oder häufig wiederholte Bewegungen, etwa durch wechselnde Verkehrslasten oder tageszeitliche Temperaturschwankungen, solche Fugen liegen in der Regel über Gelände und werden in der Richtlinie für erdberührte Bauteile nicht behandelt.[3] Eine Fuge zwischen zwei Haustrennwänden auf durchgehender Bodenplatte zählt zum Typ I.[3]
Läuft eine Bewegungsfuge durch eine abgedichtete Kellerwand, muss die Abdichtung über sie hinweg dicht bleiben. In Abdichtungen aus polymermodifizierter Bitumendickbeschichtung werden nach der Richtlinie der Deutschen Bauchemie dafür systemverträgliche Fugenbänder mit Vlies- oder Gewebekaschierung eingebettet.[3] Mit Dickbeschichtung dürfen nur Bewegungsfugen des Typs I abgedichtet werden, bei mäßig drückendem Wasser nur bei gemeinsamer Bodenplatte, und ein Überspachteln der Fuge ist unzulässig.[3]
Das Fugenband wird mit Dickbeschichtung, rissüberbrückender Dichtungsschlämme oder Reaktionsharzklebstoff befestigt und dann überlappend überarbeitet, es muss mindestens 10 Zentimeter in die Beschichtung einbinden.[3] Je nach Bewegung braucht es eine Schlaufe, über die ganze Fugenlänge muss die Verbindung lückenlos sein, und Stöße werden nach DIN 18533-2 gefügt.[3] Auch in Schutzschichten vor der Abdichtung sind Bewegungsfugen zu übernehmen.[3]
Liegt die Fuge zwischen zwei Haustrennwänden, werden oberes und unteres Ende des Dichtbandes so in die Flächenabdichtung der Bodenplatte eingearbeitet, dass kein Wasser dahinter laufen kann.[3] Bei Abdichtungen gegen Grundwasser gehören Bewegungsfugen nach der Hochwasserschutzfibel zu den Stellen, an denen das System am verwundbarsten ist.[4]
Fugen in wasserundurchlässigem Beton
Wo die Fugen einer Weißen Wanne liegen und womit sie gedichtet werden, legt nach dem InformationsZentrum Beton die Planung bis ins Detail fest.[2] Fugen gelten dort als Schwachstellen, die in der Regel abgedichtet werden müssen, etwa mit Fugenblechen, Fugenbändern oder Injektionsschläuchen.[2] Arbeitsfugen entstehen, wo ein Bauteil nicht in einem Zug betoniert werden kann, die Hochwasserschutzfibel nennt dafür ein Arbeitsfugenband aus Kunststoff, das zur Hälfte im erhärteten und zur Hälfte im frischen Beton liegt.[4]
In der Nutzungsklasse B sind Feuchtstellen im Bereich von Fugen zulässig, in der Nutzungsklasse A nicht.[2] Fugen als Sollrissstellen werden nach Wandabmessungen, Bewehrung, Wärmeentwicklung und Schwindverhalten angeordnet, um Zwangsspannungen abzubauen.[2]
Außen aufgebrachte streifenförmige Fugenabdichtungen aus Bitumendickbeschichtung auf Bauteilen aus WU-Beton sind nach der Richtlinie der Deutschen Bauchemie mindestens 30 Zentimeter breit, also mindestens 15 Zentimeter beiderseits der Fuge.[3] Aufgebaut werden sie aus einer ersten Lage, einer Verstärkungseinlage oder einem gewebekaschierten Dichtband und einer zweiten Lage mit zusammen mindestens 4 Millimetern Trockenschichtdicke, an Kreuzungspunkten überlappen die Einlagen.[3] Normativ geregelt sind solche Streifenabdichtungen nicht, sie werden gesondert geplant und vereinbart.[3]
Feuchtestreifen an einer Dehnungsfuge: Ursache finden
Sind Außenwände nicht ausreichend abgedichtet, kann nach der Hochwasserschutzfibel gerade an Fugen und Wandanschlüssen nennenswert Wasser ins Gebäude sickern.[4] Eine undichte Dehnungsfuge zeigt sich als Feuchtestreifen entlang der Fuge, außen an einer Fassade, innen an einer Kellerwand oder in einem Bad zwischen Wand und Boden. Bei der Ursachensuche messen wir quer zur Fuge, um zu sehen, ob die Feuchte von ihr ausgeht, und prüfen den Dichtstoff auf Abrisse an den Flanken, Versprödung und Fehlstellen.
Bei Fugen in Bädern und Küchen klären wir außerdem, ob eine undichte Leitung oder ein Anschluss dahinter das Wasser liefert. Gerissene Dichtstoffe in Fassaden- und Innenfugen werden ausgebaut, die Flanken gereinigt und die Fuge neu hinterfüllt und gefüllt. Fugen in Kellerabdichtungen oder in wasserundurchlässigem Beton gehören in die Hand eines Fachbetriebs, wir trocknen die betroffenen Bauteile und halten Lage und Verlauf der Feuchte fest.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e.V.: Planen mit Backstein, Kapitel 2.4.5: Dehnungsfugen in der Außenschale. Abschnitte Dehnungsfuge und Fugenbreite, Fugenausbildung, Fugendichtstoffe, Abbildungen Fugenausbildung und Dehnungsfugen horizontal. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15
- InformationsZentrum Beton GmbH: Weiße Wannen: Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton. Abschnitte Schwarze Wanne, Weiße Wanne, Grundsätze der Planung und Ausführung, Nutzungsklassen, Fugen und Bauausführung. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
- Deutsche Bauchemie e.V.: Richtlinie für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit polymermodifizierten Bitumendickbeschichtungen (PMBC). 4. Ausgabe Dezember 2018, elektronische Ausgabe aktualisiert März 2020, Vorwort, Teil A Abschnitte 4 bis 10, Teil B Abschnitte 2, 3, 5 bis 9 mit Tabelle 7, Teil C Abschnitt 1. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB): Hochwasserschutzfibel: Objektschutz und bauliche Vorsorge. 9. überarbeitete Auflage, Stand Februar 2022, Abschnitte 7.2.2, 8.5.1 bis 8.5.3 und 10.3, S. 36, 45, 49 bis 51, 54, 55, 59, 61 und 69. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3
Themen von A bis Z
Verwandte Begriffe
Leistungen