Flachdachleckage
Eine Flachdachleckage ist eine undichte Stelle in der Abdichtung eines Flachdachs, durch die Regenwasser in den Dachaufbau und von dort in die Räume darunter gelangt. Flachdächer sind dafür besonders anfällig, weil Regenwasser nicht so zügig abläuft wie auf einem Steildach, und schon kleine Leckagen können die Dachkonstruktion und das Gebäudeinnere schwer schädigen.[1] Gefunden wird die Stelle mit Messverfahren, die zum Dachaufbau passen.[1]
So findet und trocknet man eine Flachdachleckage
Schematische Darstellung eines Flachdachs im Schnitt mit Kies, Abdichtungsbahn, Dämmung, Dampfsperre und Betondecke, Pfütze auf dem Dach, Riss in der Bahn, nasser Dämmung, Impedanzmessgerät über einem Messraster, Fleck mit Tropfen an der Decke neben der Leuchte und Absauggerät am Kontrollrohr. Die Nummern folgen dem Weg vom Dach bis in den Raum.
- Pfütze auf dem Dach: Auf einem Flachdach bleibt Wasser länger stehen als auf einem Steildach, die Abdichtung soll deshalb mindestens 2 Prozent Gefälle haben. Auf Flächen bis 5 Prozent Neigung bilden sich trotzdem Pfützen, die die Abdichtung unter dauernde Last setzen.
- Riss in der Bahn: Risse, Blasen und Falten in den Bahnen, Nähte, Anschlüsse an Lichtkuppeln, Lüftern und Dunstrohren, Dehnfugen und Abläufe sind die üblichen Leckstellen. Geprüft wird auch, ob der Ablauf wirklich am Tiefpunkt der Fläche sitzt.
- Messung im Raster: Welches Ortungsverfahren passt, hängt vom Aufbau ab: Elektroimpuls beim Warmdach mit Kies und Bitumen, Tracergas auf großen Foliendächern, Rauchgas bei der Abnahme. Wie weit sich das Wasser verteilt hat, zeigt die Impedanzmessung als Raster über der Dämmung, abgesichert mit Darrproben.
- Fleck und Tropfen: Liegt eine bituminöse Dampfsperre mit Aluminiumeinlage im Aufbau, gelangt lange kein Wasser in die Räume, obwohl die Dämmung darüber schon voll Wasser steht. Trotz Oberflächentemperaturen bis 70 Grad trocknet der Aufbau nicht aus, die Sperrschichten lassen keine Feuchte entweichen.
- Absaugen am Tiefpunkt: Flüssiges Wasser wird über Kontrollrohre am Tiefpunkt der Dampfsperrebene abgesaugt, bis nichts mehr nachsickert. Danach trocknet der Aufbau im Saug- und Druckverfahren in Feldern von 20 bis 50 Quadratmetern, meist in 3 bis 4 Wochen, Dämmstoffe wie Mineralwolle oder Polystyrol können nach Darrprobe bleiben.
- Leuchte: erst Strom aus: Tropft Wasser aus der Decke, besonders an Leuchten, Schaltern oder Steckdosen, wird der Strom für diesen Bereich an der Sicherung abgeschaltet. Hat das Wasser den Sicherungskasten erreicht, bleibt er unberührt, dann übernehmen Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber.
Warum ein Flachdach undicht wird
Auf einem Flachdach bleibt Wasser länger stehen als auf einem geneigten Dach. Nach der Flachdachrichtlinie in der Fassung vom Dezember 2016 soll die Abdichtungslage deshalb in der Fläche mindestens 2 Prozent Gefälle haben, gefällelose Flächen sind nur noch in begründeten Fällen vorgesehen, so ein Fachbeitrag in der Deutschen BauZeitschrift.[2] Auf Flächen mit bis zu 5 Prozent Neigung können sich trotzdem Pfützen bilden.[2]
Stehendes Wasser setzt die Abdichtung unter dauernde Last. Nach der alten Abdichtungsnorm DIN 18195-5 ist das Wasser durch bautechnische Maßnahmen so abzuführen, dass es keinen oder nur einen geringfügigen hydrostatischen Druck ausübt, und können länger stehende Mengen Schutz- und Belagschichten schädigen, ist für eine vollständige Ableitung zu sorgen.[2] Anschlüsse, etwa an Türen, sollen nach der Flachdachrichtlinie mindestens 15 Zentimeter über die Oberfläche des Belags reichen.[2] Auch Schmelzwasser auf dem Dach kann an solchen Anschlüssen eindringen, wenn Schnee den Ablauf verlegt.
Bei der Ursachensuche sehen wir uns Risse, Blasen und Falten in den Bahnen an, dazu Nähte, die Anschlüsse von Lichtkuppeln, Lüftern und Dunstrohren, Dehnfugen und Abläufe, und wir prüfen, ob der Ablauf wirklich am Tiefpunkt der Fläche sitzt.
Tropft Wasser aus der Decke unter einem Flachdach, besonders an Leuchten, Schaltern oder Steckdosen, wird der Strom für diesen Bereich an der Sicherung abgeschaltet, der Lichtschalter allein reicht nicht. Ist der Sicherungskasten nass geworden, fasst ihn niemand an, dann sind Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber gefragt.
Eine Flachdachleckage orten
Welches Messverfahren passt, hängt nach BauNetz Wissen stark von Konstruktion, Aufbau und Auflast ab. Beim klassischen Warmdach mit Kiesschüttung und Bitumenabdichtung hat sich das Elektroimpulsverfahren bewährt, auf großen Dächern mit Folienabdichtung liefert das Tracergasverfahren schnell gute Ergebnisse, und für die Abnahme großer Flächen gilt das Rauchgasverfahren als am wirtschaftlichsten.[1] Auf großen Dachflächen ist zusätzlich die Thermografie sinnvoll, und oft ist eine Kombination von Verfahren die beste Lösung.[1]
Von der Wasserprobe, bei der die Abläufe verschlossen und das Dach geflutet wird, rät die Fachseite ab: Sie verbraucht große Mengen Wasser und ortet keine Leckage.[1] Der Satz, es tropfe nicht, also sei das Dach dicht, trägt nicht, denn liegt eine bituminöse Dampfsperre mit Aluminiumeinlage im Aufbau, gelangt kein Wasser in die Räume darunter, obwohl die Konstruktion darüber schon voll Wasser stehen kann.[1] Einige der Verfahren gibt es bereits seit den 1980er-Jahren.[1] Eine Leckageortung mit einem passenden Verfahren findet die Stelle dagegen, ohne das Dach zu fluten.
Für die Frage, wie weit sich das Wasser im Aufbau verteilt hat, empfiehlt die Fachzeitschrift Das Dachdecker-Handwerk eine zerstörungsfreie Messung der elektrischen Impedanz, die die Feuchte im Dämmstoffpaket unter der Abdichtung als Raster abbildet.[3] Damit die Werte sicher bewertet werden können, werden stichpunktartig Dämmstoffproben entnommen und mit der Darrprobe untersucht.[3]
Wasser in der Flachdachdämmung
Ist Wasser einmal unter der Abdichtung, bleibt es dort. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik befeuchtete in einem Freilandversuch die Mineralwolle-Dämmung eines Flachdachs, um Abdichtungsarbeiten bei Regen nachzustellen.[4] Trotz Oberflächentemperaturen von bis zu 70 °C trocknete der Aufbau nicht aus, beim Öffnen nach 3 Jahren hingen Wassertropfen unter den Dämmplatten, weil die Sperrschichten auf beiden Seiten der Dämmung keine Feuchte entweichen ließen.[4] Eine nasse Flachdachdämmung zwischen zwei dichten Schichten wird darum entweder technisch getrocknet oder ausgebaut und ersetzt.
Ein Forschungsbericht von AIBau und FIW, gefördert aus der Forschungsinitiative Zukunft Bau, rechnet das vor: Unter einer Abdichtung mit einem sd-Wert von 15 Metern trocknet ein Liter Wasser je Quadratmeter bei einer dauerhaft 20 °C warmen Dachoberfläche erst nach 743 Tagen aus, bei 40 °C nach 236 und bei 60 °C nach 87 Tagen.[5] Weil diese Temperaturen weder rund um die Uhr noch das ganze Jahr herrschen, ist mit deutlich längeren Zeiten zu rechnen.[5] Läuft Wasser durch das Flachdach ins Haus, deckt der Notdienst die Stelle ab, und erst dann wird Luft durch den Aufbau gesaugt.
Feuchte mindert die Dämmwirkung. Wasser hat nach dem Fraunhofer-Institut eine Wärmeleitfähigkeit von 0,6 W/(m·K), das erhöht vor allem bei hygroskopischen und diffusionshemmenden Baustoffen die Wärmeleitfähigkeit.[4] Flüssiges Wasser soll deshalb nach dem Forschungsbericht aus dem Aufbau entfernt werden, etwa über Kontrollrohre am Tiefpunkt der Dampfsperrebene, aus denen es so lange abgesaugt wird, bis nichts mehr nachsickert.[5] Bleibt die Wassermenge gleich oder steigt wieder, sind sehr wahrscheinlich noch Leckstellen offen.[5]
Feuchte Dämmung: bleiben oder ausbauen
Ob eine durchfeuchtete Dämmung raus muss, hängt nach Das Dachdecker-Handwerk vor allem vom Material ab. Feuchte Dämmung aus Kork, Holzfaser und Holzwolle-Leichtbauplatten ist auszutauschen, Mineralwolle, expandiertes und extrudiertes Polystyrol, Polyurethan-Hartschaum und Schaumglas können nach Untersuchungen eventuell verbleiben.[3] Ob das möglich ist, belegt eine Darrprobe, die nach örtlichen Messungen erfolgen muss.[3]
Der Forschungsbericht kommt zu dem Ergebnis, dass feuchte Dämmstoffe in den meisten Fällen erhalten werden können, weil ihre Gebrauchstauglichkeit in der Regel nicht nennenswert eingeschränkt ist.[5] Fälle, in denen ein belassener feuchter Dämmstoff mit Überdämmung und neuer Abdichtung zu neuen Schäden geführt hat, wurden in der Umfrage unter Sachverständigen nicht benannt.[5] Den Feuchtegehalt an den Öffnungsstellen sollen Planer nachvollziehbar dokumentieren, wie es DIN 18531-4 und die Flachdachrichtlinie fordern, und Hauseigentümer sollen diese Unterlagen für spätere Umbauten oder einen Verkauf aufbewahren.[5]
Nicht jede alte Dampfsperre hält Wasser zurück. Als Beispiele nennt der Bericht Dampfsperren aus Bitumenbahnen mit verrottbaren Einlagen, Bahnen mit zerfressener Aluminiumeinlage und auf Leichtbaudächern bloß überlappt verlegte PE-Folien, die alle keine Notabdichtung mehr sind.[5]
Den Flachdachaufbau trocknen
Kann getrocknet werden, geschieht das nach dem Beitrag in Das Dachdecker-Handwerk im kombinierten Saug- und Druckverfahren: bei Temperaturen über 6 °C in Feldern von 20 bis 50 Quadratmetern, stehendes Wasser wird über die angelegten Öffnungen abgesaugt.[3] Die meisten Trocknungen sind nach 3 bis 4 Wochen abgeschlossen.[3]
Bei dieser Dämmschichttrocknung blasen wir trockene Luft in den Aufbau und saugen feuchte Luft an anderen Stellen ab, damit sie quer durch die Dämmung strömt. Den Verlauf halten wir mit Messungen an festen Punkten fest, und erst wenn die Werte stimmen, wird die Abdichtung geschlossen. Vorher muss die Leckage gefunden und abgedichtet sein, sonst läuft beim nächsten Regen neues Wasser nach.
Wer bei einer Flachdachleckage zahlt
In den Musterbedingungen des Versicherungsverbands GDV zur Wohngebäudeversicherung ist Regen, der durch eine undichte Dachabdichtung läuft, kein Leitungswasser, denn Schäden durch Witterungsniederschläge sind in der Leitungswasserdeckung ausgeschlossen.[6] Ausgenommen davon ist ein Austritt aus Regenentwässerungsrohren im Inneren des Gebäudes.[6]
Über die Sturm- und Hageldeckung sind Schäden versichert, wenn Sturm oder Hagel unmittelbar auf das Gebäude einwirken, und daraus entstehende Folgeschäden.[6] Kommt der Regen durch ein Fenster, eine Außentür oder eine andere Öffnung, die nicht ordnungsgemäß verschlossen war, besteht kein Schutz, außer die Öffnung ist selbst durch Sturm oder Hagel entstanden und ein Gebäudeschaden.[6] Weil der Verband seine Bedingungen nur unverbindlich bekannt gibt, zählt am Ende der Wortlaut des einzelnen Vertrags.[6]
Tropft es nach Regen durch die Decke unter einem Flachdach, klären wir zuerst, ob das Wasser durch die Dachhaut, über einen Anschluss, über ein innen liegendes Regenrohr oder aus einer Leitung kommt. Wir messen die Feuchte von unten und im Aufbau, orten die Leckage und dokumentieren Lage und Ursache, denn davon hängt ab, wer den Schaden bezahlt.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Leckageortung: Allgemeines zu Messverfahren bei Flachdächern. Fachwissen Flachdach, Schäden und Sanierung, Quelle Michael Resch. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
- Deutsche BauZeitschrift (DBZ), Bauverlag BV: Alte Probleme bei Dachterrassen neu aufgelegt: Gefälle und Türanschlüsse. Abschnitte Zusammenfassung, Feststellungen, Bewertung und Standpunkt. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- DDH Das Dachdecker-Handwerk, Rudolf Müller Mediengruppe: Flachdachsanierung über feuchter Dämmung: geht das? Beitrag vom 28.09.2022 nach Klaus Hafer, Abschnitte Polystyrol kann unter Umständen drin bleiben, Feuchtigkeitsmessung mittels Impedanz-Messung und Kombiniertes Saug- und Druckverfahren. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP): Einfluss der Feuchte auf die Wärmedämmwirkung (Hartwig M. Künzel). Vortrag zum Fachsymposium Dämmstoffe, Folien 10 bis 12 und 15. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3
- Aachener Institut für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik (AIBau) und Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW): Langzeitverhalten feuchter Dämmstoffe auf Flachdächern: Praxiserfahrungen und Wärmestrommessungen, Abschlussbericht. Mai 2018, Abschnitt 5.3 (S. 34) und Kapitel 10 mit Tabelle 30 (S. 95 bis 99). Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): Allgemeine Wohngebäude Versicherungsbedingungen (VGB 2022, Wohnflächenmodell), Musterbedingungen. Stand Juni 2026, unverbindliche Bekanntgabe, Teil A, Abschnitte A 1, A 4.1 bis A 4.5, A 5.3, A 5.4 und A 5.5. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
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