Kalkfarbe
Auch: Kalkanstrich, Kalktünche
Kalkfarbe ist ein mineralischer Anstrich aus Weißkalk und Wasser als Lösungsmittel, der grobporig ist, desinfizierend wirkt und durch seine hohe Alkalität Schimmelpilzen den Nährboden entzieht.[1] Viele Kalkfarben haben einen pH-Wert von 12 oder höher.[2] Die Wirkung gegen Schimmel ist allerdings zeitlich begrenzt, weil Kohlendioxid aus der Luft den pH-Wert mit der Zeit absenkt.[3]
So hält Kalkfarbe Schimmel fern
Schematische Darstellung einer Wand, die gerade mit Kalkfarbe gestrichen wird, mit Stehleiter, pH-Skala und aufgeschnittener Wand. Die Nummern folgen dem Anstrich vom Eimer über die Alkalität und das Kohlendioxid der Luft bis zu Untergrund, Schutz und nassem Wandfuß.
- Weißkalk, Wasser, nass in nass: Im Eimer ist ein mineralischer Anstrich aus Weißkalk und Wasser. Weil er schnell trocknet und sonst Pinselabsätze entstehen, wird die Fläche nass in nass in einem Durchgang gestrichen, stark saugender Untergrund wird vorher befeuchtet.
- pH 12: kein Nährboden: Viele Kalkfarben liegen bei pH 12 oder höher, oberhalb von pH 11 wächst praktisch kein Schimmelpilz. Eine Raufasertapete liegt bei etwa pH 5, ein Kunstharzanstrich bei etwa pH 8, und an der alkalischen Fläche prallen die Sporen ab.
- Kohlendioxid härtet und senkt den pH: Die Kalkbestandteile reagieren mit Kohlendioxid aus der Luft, erst dadurch wird die Oberfläche abriebfest. Dieselbe Reaktion senkt den pH-Wert mit der Zeit, die Wirkung gegen Schimmel ist darum zeitlich begrenzt, bei starkem Feuchteanfall wird der Anstrich regelmäßig erneuert.
- Nur auf Putz und Stein: Der Schnitt zeigt Anstrich, Kalkputz und Mauerwerk. Reine Kalkfarbe hält nur auf mineralischen Untergründen, auf Fliesen, Holz, glatten Tapeten oder einer alten Dispersionsfarbe findet sie keinen Halt.
- Ätzend: Brille und Handschuhe: Kalkfarbe ist ähnlich wie Zement ätzend und kann Hautreizungen und schwere Augenschäden auslösen. Handschuhe und Schutzbrille liegen bereit, Hautkontakt mit frischer Farbe wird vermieden.
- Nasse Wand bleibt nass: Der blaue Saum am Wandfuß zeigt die Feuchte, die der Anstrich nicht beseitigt. Eine Wand, die feucht bleibt, wird auch unter Kalk wieder befallen, sobald der pH-Wert sinkt, erst die Ursache der Feuchte muss beseitigt sein.
Woraus Kalkfarbe besteht
Kalkfarben bestehen überwiegend aus natürlichen mineralischen Stoffen, vor allem aus verdünnter Kalklauge, manche Naturfarbenhersteller fertigen sie noch aus traditionell hergestelltem Sumpfkalk.[2] Seit fast alle großen Farbenhersteller wieder Kalkprodukte anbieten, sind sogenannte Dispersionskalkfarben fast zum Standard geworden, die bis zu fünf Masse-Prozent organische Bestandteile, meist Kunstharze, enthalten dürfen, um die Verarbeitung zu verbessern.[2] Nicht überall, wo Kalkfarbe draufsteht, handelt es sich deshalb um ein Produkt ganz ohne Kunstharze.[2]
Herkömmliche Dispersionsfarben aus dem Baumarkt enthalten dagegen in der Regel organische Kunstharze als Bindemittel, sind wenig bis gar nicht wasserdampfdurchlässig und zur Vermeidung von Schimmel oft mit Fungiziden versetzt.[2] Kalkfarbe ist nach dem Hersteller Caparol frei von Kunststoffen und Weichmachern, nicht brennbar und deshalb für Allergiker gut geeignet, und an feuchten Wänden beugt sie wegen ihrer groben Poren und ihrer desinfizierenden Wirkung der Schimmelbildung vor.[1]
Wer eine Kalkfarbe kauft, sollte deshalb auf die Angaben zu organischen Zusätzen achten. Für die Wirkung gegen Schimmel zählt, dass der Anstrich mineralisch und alkalisch bleibt. Bei Fachwerk und Lehm ist Kalkfarbe ein üblicher Anstrich, weil sie Feuchte aus der Wand entweichen lässt.
Wie Kalkfarbe gegen Schimmel wirkt
Oberhalb von pH 11 wächst nach dem UBA-Leitfaden praktisch kein Schimmelpilz mehr, während eine Raufasertapete bei etwa pH 5 und ein Kunstharz-Dispersionsanstrich bei etwa pH 8 liegt, kalkhaltige Baustoffe wie Kalkputz oder Beton können über pH 12 erreichen.[3] Mit der Zeit führt das Kohlendioxid der Luft zur Karbonatisierung und senkt den pH-Wert, Kalkanstriche wirken deshalb nur zeitlich begrenzt gegen Schimmel, und organische Ablagerungen auf der Oberfläche können das Wachstum begünstigen.[3]
Weil Kalk hoch alkalisch ist, wirkt das Material nach BaustoffWissen desinfizierend und auf natürliche Weise fungizid, und Kalkfarben können Feuchte aus der Umgebungsluft schadensfrei zwischenspeichern und wieder abgeben.[2] Diese Effekte sind schwächer als bei Kalkputzen, weil Farbe deutlich dünner aufgetragen wird.[2] Die Oberfläche ist relativ rau, körnig und ausgesprochen offenporig, und manche Hersteller betonen auch geruchsabsorbierende Eigenschaften.[2] Für feuchtebelastete Räume und feuchte Untergründe eignen sich Kalkfarben nach BaustoffWissen, sofern das Produkt nicht doch größere Mengen organischer Zusätze enthält, die schimmeln können.[2]
Wasserabweisende, pastöse Beschichtungen wie Silikonharzfarben verhindern zwar den Wassereintrag, auf ihren organischen Oberflächen lagern sich nach dem Beitrag im BundesBauBlatt aber leicht Schmutzpartikel ab, die Schimmel als Nährboden dienen können.[4] Zeigt sich Schimmel kurz nach der Renovierung, liegt es oft an einem dichten Anstrich auf einer noch feuchten Wand.
Nach einem Fachbeitrag im BundesBauBlatt reichen die feuchteabsorbierenden und diffusionsoffenen Eigenschaften mineralischer Putze allein oft nicht, erst zusammen mit der hohen Alkalität eines kalkgebundenen Putzes entsteht ein nachhaltiger Schutz, und Kalkputze reagieren deutlich träger auf Pilzsporen als Gipsputze.[4] Der Beitrag stammt von einem Hersteller von Kalkputzsystemen.
Grenzen der Kalkfarbe
Mineralische Anstriche mit einem pH-Wert über 11 können erneutem Schimmelbefall vorbeugen, vor allem in Räumen der Nutzungsklasse III wie Lagerräumen außerhalb der Wohnung oder dauerhaft feuchten Kellerräumen kann das nach dem UBA-Leitfaden eine wirksame Alternative zur aufwändigen baulichen Sanierung sein.[3] Bei starkem Feuchteanfall ist ein Kalkanstrich aber in regelmäßigen Abständen zu erneuern, weil Neutralisationsreaktionen den pH-Wert nach und nach verschieben und auf abgelagertem Staub wieder Schimmel wachsen kann.[3]
Reine Kalkanstriche sind oft nicht wisch- und abriebfest, besser sind nach dem Leitfaden Silikatfarben, die ähnlich wie Kalkfarben durch einen hohen pH-Wert erneutes Schimmelwachstum unterbinden können, und in jedem Fall ist der Untergrund zu prüfen.[3] Für Innendämmungen haben sich nach dem Leitfaden dampfdurchlässige Materialien bewährt, die mineralisch sind und eine möglichst hohe Alkalität aufweisen.[3] Die matte, raue Oberfläche ist nach Caparol empfindlich gegenüber Wasser und Schmutz, Ausbesserungen bleiben nach dem Trocknen sichtbar, und ein späteres Überstreichen ist nicht einfach.[1]
Kalkfarbe ist kein Mittel gegen Feuchte. Eine Wand, die feucht bleibt, wird auch unter Kalk wieder befallen, sobald der pH-Wert sinkt, und die Feuchtequelle bleibt unberührt.
Kalkfarbe auf dem richtigen Untergrund
Mineralische Untergründe sind für reine Kalkfarbe die Voraussetzung, auf nicht mineralischen wie Fliesen, Holz und glatten Tapeten hält sie nach BaustoffWissen nicht.[2] Dort wird nach Caparol Dispersionskalkfarbe verwendet, eine Ausnahme kann diffusionsoffene Tapete sein, auf der ein Probeanstrich zeigt, ob die Farbe haftet.[1]
Soll eine Kalkfarbe später überstrichen werden, wird sie nach dem Hersteller mit einer groben Bürste entfernt, dabei entsteht feinporiger Staub, der mit Schweiß ätzend wirkt, nur Mineralfarbe kann direkt auf Kalk aufgetragen werden.[1] Liegt unter dem neuen Anstrich eine alte Dispersionsfarbe, ist der Untergrund nicht mehr mineralisch, und reine Kalkfarbe findet dort keinen Halt.
Kalkfarbe verarbeiten
Kalkfarbe trocknet schnell, deshalb entstehen leicht Pinselabsätze, und sie wird nass in nass aufgetragen: Wände und Decken werden in einem Durchgang gestrichen, stark saugende Flächen kontinuierlich mit Wasser befeuchtet.[1] Für eine abriebfeste Oberfläche müssen die Kalkbestandteile mit Kohlendioxid aus der Luft reagieren, und das funktioniert nur, solange der Anstrich feucht ist, deshalb wird auf feuchtem Untergrund gestrichen und gegebenenfalls länger feucht gehalten.[2]
Fensterbänke und Fensterrahmen sollten sorgfältig abgeklebt werden, weil Kalkfarbe sonst Spuren hinterlässt, die sich nicht mehr entfernen lassen.[1] Wer zum ersten Mal mit Kalk streicht, probiert die Technik an einer kleinen Fläche aus.
Sicherheit beim Streichen mit Kalkfarbe
Kalkfarben sind ähnlich wie Zement ätzend und können Hautreizungen und schwere Augenschäden auslösen, Hautkontakt mit frischer Farbe ist zu vermeiden, und Handschuhe und Schutzbrille werden dringend empfohlen.[2] Schon aus Sicherheitsgründen sind Kalkfarben nach BaustoffWissen eher etwas für Verarbeitungsprofis.[2]
Bei Kontakt mit Kalkfarbe empfiehlt Caparol, die Stelle sofort gründlich auszuwaschen und bei ungewöhnlichen Hautreaktionen einen Arzt aufzusuchen.[1] Gelangt Farbe ins Auge, wird sofort mit viel Wasser gespült und ärztliche Hilfe gesucht, Kinder und Haustiere bleiben während der Arbeiten aus dem Raum.
Kalkfarbe nach einer Schimmelsanierung
Wird Schimmelbefall festgestellt, sollte der Schaden nach dem Fachbeitrag im BundesBauBlatt schnell hygienisch und bautechnisch bewertet werden, Art und Ziel der Sanierung richten sich nach einer sachverständigen Ursachenanalyse, befallene Baustoffe werden nach dem UBA-Leitfaden beseitigt, danach folgen Feinreinigung und ausreichende Trocknung.[4] Erst dann stellt sich die Frage, wie man erneutem Befall vorbeugt.[4]
Nach einer Sanierung streichen wir Wände, wo der Untergrund passt, mit Kalk- oder Silikatfarben, besonders in Kellern und Nebenräumen, wird eine Wand stark beansprucht, etwa im Flur oder hinter Möbeln, nehmen wir lieber eine abriebfeste Silikatfarbe. Vorher muss das Bauteil trocken sein, und die Ursache der Feuchte muss beseitigt sein. Wie Feuchte an kalten Wandflächen entsteht, erklärt der Begriff Wärmebrücke, und wann eine Wand wieder belegreif ist, der Begriff Belegreife.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Caparol, DAW SE (Hersteller): Kalkfarbe: Die mineralische Alternative. Abschnitte Ideal in feuchten Räumen, Alternative zum Kalk, Wie Kalkfarbe aufgetragen wird und Vor- und Nachteile der Kalkfarbe. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- BaustoffWissen, Rudolf Müller Mediengruppe: Roland Grimm: Vor- und Nachteile von Kalkfarben. Abschnitte Mehr oder weniger mineralisch, Wohngesunde Eigenschaften und Schwieriger zu verarbeiten. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13
- Umweltbundesamt (UBA): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Kapitel 1.2.3 Abschnitt pH-Wert und Kapitel 6 Maßnahmen im Schadensfall, Abschnitt zu alkalischen Anstrichen und Putzen. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
- BundesBauBlatt, Bauverlag BV GmbH: Georg J. Kolbe: Natürlicher Schutz gegen Schimmelpilze. Herstellerbeitrag Saint-Gobain Weber, Abschnitte Behandlung von Schimmelpilzbefall in Innenräumen und Hohe Alkalität schützt gegen Schimmelbefall. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
Themen von A bis Z