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Silikatfarbe: Putzwand mit Rolle, Lupe mit Verkieselung, pH-Streifen, Pulver und Fixativ, Eimer und durchgestrichene Gipsplatte

Silikatfarbe

Auch: Wasserglasfarbe, Mineralfarbe

Silikatfarbe ist eine mineralische Farbe mit Kaliwasserglas als Bindemittel, die sich mit einem mineralischen Untergrund durch Verkieselung fest verbindet.[1] Unterschieden werden reine Silikatfarbe aus zwei Komponenten und gebrauchsfertige Dispersionssilikatfarbe mit einem Anteil an Kunststoffdispersion.[2] Wegen ihres hohen pH-Werts bietet sie Schimmelpilzen ungünstige Bedingungen.[3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So hält Silikatfarbe auf der Wand

Silikatfarbe, Funktionsweise: Putzwand mit Rolle, Lupe mit Verkieselung gegen aufliegenden Film, pH-Streifen mit Marke im Blauen und durchgestrichenem Schimmelfleck, Sack mit Pulver und Kanister mit Fixativ, Eimer Dispersionssilikat und Gipsplatte mit rotem Kreuz

Schematische Darstellung einer Putzwand mit Rolle, Lupe mit Verkieselung gegen aufliegenden Film, pH-Streifen mit Marke im Blauen und durchgestrichenem Schimmelfleck, Sack mit Pulver und Kanister mit Fixativ, Eimer Dispersionssilikat und Gipsplatte mit rotem Kreuz. Die Nummern folgen vom Untergrund über die Bindung und den pH-Wert zu den Lieferformen und den Grenzen.

  1. Mineralischer Untergrund: Silikatfarbe ist eine mineralische Farbe mit Kaliwasserglas als Bindemittel, die sich mit einem mineralischen Untergrund fest verbindet. Zusammen mit Kalk- und Zementfarbe zählt sie zu den mineralischen Farben, die sich von Kunststoffdispersionen durch das Bindemittel unterscheiden.
  2. Verkieselt: keine Schicht obenauf: Silikatfarbe bildet keine Schicht auf dem Untergrund, sie verbindet sich unlösbar mit ihm. Beim Trocknen nimmt sie Kohlendioxid aus der Luft auf, das Wasserglas verkieselt, und die Pigmente werden an den Untergrund gebunden, die Lupe zeigt den Unterschied zum aufliegenden Film.
  3. Hoher pH: Schimmel mag es nicht: Wegen ihres hohen pH-Werts bietet Silikatfarbe Schimmelpilzen ungünstige Bedingungen und kann vorbeugend eingesetzt werden. Zur Entfernung von vorhandenem Schimmel eignet sie sich nicht, das eigentliche Problem muss zuerst beseitigt werden.
  4. Zwei Teile: Pulver und Fixativ: Reine Silikatfarbe besteht aus Wasserglas und einem Farbpulver aus wasserglasbeständigen Pigmenten, geliefert als Pulver im Sack mit dem Fixativ im Metallgebinde. Sie wird rechtzeitig angesetzt, muss innerhalb von ein bis zwei Tagen verbraucht werden und verlangt Vorkenntnisse.
  5. Fertig im Eimer: mit Dispersion: Die einkomponentige Dispersionssilikatfarbe kommt gebrauchsfertig im Eimer und enthält Kunststoffdispersionen, vor allem Acrylate, bis zu 5 Prozent organische Bestandteile. Sie ist für viele Untergründe geeignet und leichter zu verarbeiten, mit Abstrichen in der Wirksamkeit.
  6. Gipsplatte: nur mit Sol-Silikat: Auf nicht mineralischen Putzen oder auf Gipskartonplatten kann nur die Sol-Silikatfarbe aus Wasserglas und Kieselsol verwendet werden, auch sie mit bis zu 5 Prozent organischen Bestandteilen. Die klassische Silikatfarbe bleibt dem mineralischen Untergrund vorbehalten.

Silikatfarbe nach einem Feuchteschaden

Silikatfarbe kann vorbeugend gegen Schimmel eingesetzt werden, zur Entfernung von vorhandenem Schimmel eignet sie sich nicht.[3] Das eigentliche Problem muss zuerst beseitigt werden, bevor gestrichen wird.[3]

Nach einem Wasserschaden heißt das: Erst wird die Ursache behoben und die Wand getrocknet, befallene Stellen werden fachgerecht saniert, dann folgt der Anstrich. Ein Anstrich ersetzt weder Trocknung noch Schimmelsanierung.

Ist eine Wand nach einem Leitungswasserschaden noch feucht, kommt vor jeder Farbwahl der Strom: Die Stromkreise des Raums werden am Sicherungskasten abgeschaltet, denn ein ausgeschalteter Lichtschalter lässt Steckdosen und Leitungen unter Spannung. Ist der Kasten selbst feucht geworden, geht niemand hinein, bis örtlicher Netzbetreiber oder Feuerwehr den Raum gesichert haben, und Keller mit noch steigendem Wasser sind tabu.

Reine Silikatfarbe und Dispersionssilikatfarbe

Reine Silikatfarben, auch Wasserglasfarben genannt, bestehen aus Wasserglas als Bindemittel und einem Farbpulver aus wasserglasbeständigen Pigmenten und Füllstoffen, sie enthalten keine organischen Lösemittel und keine Kunststoffdispersionen.[2] Eingesetzt wird fast ausschließlich Kaliwasserglas, weil Natronwasserglas an Fassaden zum Ausblühen neigt.[2] Geliefert wird reine Silikatfarbe als Pulver in Säcken mit dem Fixativ in Metallgebinden, die einkomponentige Variante gebrauchsfertig in Kunststoffgebinden, und die Verarbeitung der reinen Farbe ist anspruchsvoller als bei anderen Farben.[2]

Die einkomponentige Dispersionssilikatfarbe wird gebrauchsfertig im Eimer angeboten und enthält Kunststoffdispersionen, vor allem Acrylate.[2] Ihr Anteil an organischen Bestandteilen darf bis zu 5 Prozent betragen.[3]

Reine Silikatfarbe wird als zweikomponentige Trockenware geliefert, rechtzeitig vor der Verarbeitung angesetzt und muss innerhalb von ein bis zwei Tagen verbraucht werden.[1] Sie sollte nur mit Vorkenntnissen oder einer sehr guten Beratung verarbeitet werden.[1] Die Dispersionssilikatfarbe ist für viele Untergründe geeignet und leichter zu verarbeiten, dafür sind nach ausbaupraxis.de gegebenenfalls Abstriche in der Wirksamkeit hinzunehmen.[3]

Zusammen mit Kalkfarbe und Zementfarbe zählt Silikatfarbe zu den mineralischen Farben, die sich von Kunststoffdispersionen durch das Bindemittel unterscheiden.[4] Kaliwasserglas entsteht in einem Schmelzprozess aus Kaliumcarbonat und Quarzsand, wird getrocknet, pulverisiert und in heißem Wasser gelöst, bevor es mit Pigmenten und Füllstoffen zur Farbe wird.[4]

Eine besondere Form ist die Sol-Silikatfarbe aus Wasserglas und Kieselsol, die nach Ökologisch Bauen auch auf nicht mineralischen Putzen oder auf Gipskartonplatten verwendet werden kann.[1] Auch sie darf bis zu 5 Prozent organische Bestandteile enthalten.[3]

Verkieselung: Wie Silikatfarbe hält

Silikatfarbe bildet keine Schicht auf dem Untergrund, sie verbindet sich unlösbar mit ihm: Beim Trocknen nimmt sie Kohlendioxid aus der Luft auf, das Wasserglas verkieselt, und die Pigmente werden an den Untergrund gebunden.[1] Nach WECOBIS reagiert die Wasserglaslösung dabei mit der Luftkohlensäure, den kalkhaltigen Füllstoffen und dem kalkhaltigen Untergrund zu einer harten, lichtechten und wetterbeständigen Schicht.[2]

Daraus folgt die wichtigste Einschränkung: Reine Silikatfarbe braucht mineralische, verkieselungsfähige Untergründe wie Putz, Beton oder Faserzement, und alte Tapetenreste, Dispersionsanstriche oder Gips müssen vorher entfernt werden.[3] Für Gipskartonplatten ist reine Silikatfarbe nicht geeignet, Dispersionssilikatfarbe dagegen mit einer Grundierung schon.[1]

Silikatfarben gelten als besonders witterungsbeständig und langlebig und werden deshalb gern an Fassaden verwendet, während Kalkfarben nur bedingt witterungsstabil sind.[1] Bei stark saugenden Untergründen kann vor dem Anstrich eine Grundierung nötig sein.[3] Gestrichen wird nass in nass, am besten mit einer Malerbürste.[3]

Silikatfarbe gegen Schimmel und für das Raumklima

Anders als übliche Dispersionsfarbe ist Silikatfarbe anorganisch und alkalisch, ihr pH-Wert liegt bei 11 oder darüber.[3] Schimmelpilze brauchen organisches Material, ein saures Milieu und Feuchtigkeit, und die Farbe liefert weder Nahrung noch ein günstiges Milieu.[3] Als idealen Ort für Schimmel nennt die Redaktion ein innenliegendes Bad ohne Lüftungsmöglichkeit mit Papiertapete und Dispersionsanstrich.[3]

Silikatfarbe puffert überschüssige Luftfeuchte: Sie nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie ab, sobald die Raumfeuchte sinkt.[3] Lüften und Heizen ersetzt sie trotzdem nicht, denn Schimmel wächst dort, wo Feuchtigkeit dauerhaft bleibt.

Silikatfarbe ist diffusionsoffen: Eine damit gestrichene Wand gilt als so wasserdampfoffen wie ihr Untergrund, Feuchtigkeit aus dem Bau kann nach außen diffundieren, und auf der Oberfläche bildet sich keine Kondensatfeuchte.[1] Durch den Kunstharzanteil ist die Diffusionsoffenheit bei Dispersionssilikatfarbe etwas geringer.[1] Prinzipbedingt sind Silikatfarben nach WECOBIS pilzhemmend, sodass in den Farben auf Biozide verzichtet werden kann.[2] Bei Malerarbeiten nach einem Feuchteschaden eignet sie sich darum für mineralische Putze, die erst kürzlich getrocknet sind.

Kalkfarbe wirkt ähnlich, ihre Alkalität ist aber nicht von Dauer, weil der pH-Wert durch Karbonisierung relativ schnell sinkt, während er bei Silikatfarben nach einer Untersuchung des Mykon-Instituts der Universität Innsbruck bestehen bleibt.[3] Reine Silikatfarben sind nach WECOBIS auch nach Jahren noch leicht basisch und hemmen die Pilzbildung.[2] Robuster als Kalkfarbe ist Silikatfarbe nach PROFITEC auch, weil Kalkfarbe schneller kreidet, also die Pigmente an der Oberfläche nicht mehr vollständig hält.[4] Hitzebeständig ist Silikatfarbe ebenfalls, während klassische Dispersionsfarbe etwa für Kaminverkleidungen nicht taugt.[4]

Allergiker und Konservierung

Weil ihr pH-Wert hoch ist, kommen Silikatdispersionsfarben ohne weitere Konservierung aus und eignen sich deshalb nach der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen besonders für Menschen mit einer Allergie gegen die Konservierungsstoffe CMI und MI.[5] Angeboten werden solche Farben etwa mit dem natureplus-Siegel oder dem Blauen Engel.[5]

Wegen ihrer Alkalität enthalten Dispersionssilikatfarben nach WECOBIS in der Regel keine Konservierungsmittel, was für Allergiker wichtig sein kann.[2] Ob ein Produkt wirklich biozidfrei ist, zeigt das Produktdatenblatt, denn einige Hersteller bieten biozidfreie und biozidhaltige Varianten an.[2] Auch bei reinen Silikatfarben für Fassaden ist nicht jedes Produkt auf dem Markt tatsächlich biozidfrei.[2]

Wegen der überwiegend mineralischen Bindung lädt sich Silikatfarbe kaum statisch auf, sodass nur wenig Staub an der Oberfläche haftet.[1]

Qualität, Schutz und Verarbeitung

Für die Qualität einer Wandfarbe gilt auch bei Silikatfarbe die DIN EN 13300 als Orientierung, wichtig sind dort die Nassabriebklasse und das Deckvermögen.[4] Die Nassabriebklasse beschreibt in fünf Klassen die Scheuerbeständigkeit, das Deckvermögen wird in vier Klassen über das Kontrastverhältnis bei einer bestimmten Ergiebigkeit angegeben.[4]

Eine Farbe der Deckvermögensklasse 1 deckt einen neutralen Untergrund nach einem Anstrich zu über 99,5 Prozent, eine Farbe der Klasse 4 zu weniger als 95 Prozent.[4] Auf Tapeten, Altanstrichen und vielen anderen Untergründen haftet Dispersionsfarbe besser, auf mineralischen Untergründen geht reine Silikatfarbe durch die Verkieselung die stärkere Verbindung ein.[4]

Wegen des hohen pH-Werts ist Silikatfarbe ätzend, sie greift Haut, Augen, Glas und empfindliche Oberflächen an, und Schutzkleidung, Handschuhe und Schutzbrille gehören bei der Verarbeitung dazu.[3] Boden, Möbel und Flächen wie Fliesen, die nicht gestrichen werden, werden sorgfältig abgedeckt.[3]

Die Farbwahl ist gegenüber Dispersionsfarbe eingeschränkt, weil der hohe pH-Wert manche Pigmente zerstören kann, und es gibt dafür eigene Pigmente und Farbkonzentrate.[1] Mit mineralischen Pigmenten abgetönte Anstriche sind UV- und damit farbtonstabil.[1] In einem geschlossenen Originalgebinde ist Silikatfarbe nach PROFITEC ein Jahr lagerfähig, und flockt oder verklumpt geöffnete Farbe, wird sie nicht mehr verwendet.[4] Hat sich nur das wässrige Serum abgesetzt, lässt sie sich wieder aufrühren, und vor dem Weiterverwenden empfiehlt PROFITEC einen Probeanstrich.[4] Angerührte reine Silikatfarbe hält sich höchstens 48 Stunden.[3]

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Belege

Quellen

  1. Ökologisch Bauen (oekologisch-bauen.info): Silikatfarbe: Beständig und gut gegen Schimmel. Abschnitte Mineralische Farben, Verkieselung, Nur für Fortgeschrittene und Eigenschaften. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
  2. WECOBIS, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und Bayerische Architektenkammer: Silikatfarben (Produktgruppeninformation). Reiter Produktgruppeninformation, Planungsgrundlagen und Verarbeitung. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
  3. Redaktion ausbaupraxis.de: Silikatfarbe gegen Schimmel. 02.05.2023, alle Abschnitte. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17
  4. PROFITEC, Ratgeber (profitec.de): Silikatfarbe für ein wohngesundes Raumklima. Abschnitte Eigenschaften, Haltbarkeit, Nassabriebklasse und Deckvermögen. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
  5. Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Wandfarben: Welche Farben sind für Allergiker geeignet? Stand 25.07.2025, Kurzantwort und detaillierte Antwort. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2
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