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WTA-Merkblatt 6-16 Technische Trocknung

Auch: WTA 6-16

Das WTA-Merkblatt 6-16 ist eine Arbeitshilfe zur Planung, Ausführung und Kontrolle der technischen Trocknung durchfeuchteter Bauteile, herausgegeben von der WTA, einem Verein für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege.[1] Die Ausgabe vom Januar 2019 ergänzt das Merkblatt 6-15 mit den Grundlagen der technischen Trocknung.[1] Sie richtet sich an Sachkundige, Planer und ausführende Fachbetriebe.[1]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Was das WTA-Merkblatt 6-16 behandelt

Nach seiner Kurzfassung geht das Merkblatt auf Voruntersuchung, Wasserbelastung, Risiken durch Schad- und Gefahrstoffe, Kontamination, Umfang und Aufwand des Geräteeinsatzes, geeignete Trocknungsmaßnahmen und ihre Dauer sowie auf Trocknungsziele, Kontrolle und Nachweis des Trocknungserfolgs ein.[1] Erarbeitet hat es eine Arbeitsgruppe im Referat 6 Bauphysik der WTA, die Arbeiten liefen von Oktober 2013 bis Juli 2017, der Entwurf erschien im September 2017 und die endgültige Fassung im Januar 2019.[1]

Die WTA legt Architekten, Denkmalämtern und den staatlichen, kommunalen und kirchlichen Bauämtern nahe, sich in Ausschreibungen und Aufträgen auf ihre Merkblätter zu beziehen und deren Kenntnis allen Auftragnehmern zur Auflage zu machen.[1] Wer eine Trocknung vergibt, kann das Merkblatt so zum Maßstab für Planung und Abnahme machen.

Ehe in einem durchnässten Raum Trockner aufgestellt werden, müssen die Sicherungen dieses Bereichs ausgeschaltet sein, denn ein ausgeschalteter Lichtschalter lässt die übrigen Leitungen unter Spannung. Hat der Sicherungskasten selbst Nässe abbekommen, bleibt jeder draußen und verständigt Feuerwehr oder örtlichen Netzbetreiber. Läuft weiter Wasser in den Keller, steigt dort niemand hinab.

Planung: Ursache, Feuchteverteilung und Sanierungskonzept

Der Abschnitt zur Planung reicht nach dem Inhaltsverzeichnis von den Voruntersuchungen über Ursachen und Folgen von Durchfeuchtungen samt Sofortmaßnahmen, Schad- und Gefahrstoffe und die Leckortung bis zur Ermittlung der Feuchteverteilung und zum Sanierungskonzept.[1]

Der Arbeitskreis Innenraumluft am österreichischen Umweltministerium nennt als Gründe für eine technische Trocknung unter anderem Wasserschäden, Restbaufeuchte, eindringendes Niederschlagswasser, aufsteigende Bodenfeuchte, Grundwasser, Kondenswasser, Leckagen von Rohrleitungen und Löschwasser, wobei sich oft mehrere Ursachen überlagern.[2] Vor Beginn verlangt sein Positionspapier, die Ursachen festzustellen und sich auf ein Trocknungsziel zu einigen, meist die angestrebte Materialfeuchte, an dem später der Erfolg gemessen wird.[2]

Das Umweltbundesamt rät, sichtbaren und bekannten Schimmel wenn möglich zu entfernen, bevor die Trocknung beginnt, damit die Geräte keine Bioaerosole im Gebäude verteilen.[3] Wie bei Wasser in Fußböden vorzugehen ist, beschreibt der Leitfaden in einer eigenen Handlungsempfehlung in Anlage 6.[3]

Trocknungsverfahren in der Ausführung

Für die Ausführung behandelt das Merkblatt nach seinem Inhaltsverzeichnis die allgemeinen Zusammenhänge und Einflussfaktoren, die Bemessung der Bohrungen nach Trocknungsfläche und Dämmstoffart, die Bemessung der Leistungsaufnahme nach Trocknungsfläche und die Besonderheiten der Trocknung mit Mikrowelle und mit Heizplatten, also Infrarotplatten.[1] Unter seinen Schlagworten stehen Kondenstrockner, Adsorptionstrockner, Mikrowellentrocknung und Infrarotstrahlung.[1]

Nach Möglichkeit sollten die Räume während der Trocknung nicht benutzt werden.[2] Müssen sie weiter genutzt werden, verlangt das österreichische Positionspapier Verfahren, welche die Nutzer möglichst wenig belasten und keine mikrobiellen Bestandteile in andere Gebäudeteile tragen, und spricht dann von Hygienetrocknung.[2] Als Beispiel nennt es das Unterdruck- oder Saugverfahren, bei dem die Feuchte über Bohrungen oder Randfugen aus dem Fußboden abgesaugt wird, statt über Verdunstung in die Raumluft zu gelangen.[2]

Weil reines Absaugen langsamer trocknet, setzen sich nach dem Papier kombinierte Druck- und Unterdruckverfahren durch, die zusätzlich getrocknete Luft gezielt in den Bodenaufbau einbringen.[2] Für beide Verfahren sind die Estrichrandfugen vorher dauerhaft gasdicht abzudichten, und weil sich Luftstraßen bilden können, die abgelegene Bereiche feucht lassen, braucht jede Anlage eine Einregulierung nach den Verhältnissen vor Ort.[2]

Was Versuche zur Bautrocknung gezeigt haben

Wie wirksam technische Trocknung ist, prüfte das Fraunhofer IBP für den Verband öffentlicher Versicherer an nachgebauten Wänden, Fußböden und Holzbalkendecken, mit rund 300 Sensoren und über etwa zwei Jahre.[4] Nach künstlich erzeugten Wasserschäden wurden die Verläufe jeweils mindestens drei Wochen aufgezeichnet und mit Referenzfeuchtegehalten verglichen.[4]

Mineralfaser in gedämmten Fußböden behielt nach der technischen Trocknung ihre Wärmeleitfähigkeit und ihren Schallschutz, und Dämmschichten aus EPS, Mineralwolle und Perlite wurden mit Unterestrichtrocknung trocken.[4] Estrich und Rohbetondecke trockneten dagegen zum Teil nur unzureichend, und dort, wo Wand und Boden aneinanderstoßen, hielt sich in sämtlichen Versuchen Restfeuchte.[4]

Einseitig geflieste Wände ließen sich mit Infrarotplatten trocknen, beidseitig geflieste oder diffusionsdichte Wände nach den Simulationen nicht.[4] Eine Holzbalkendecke mit Lehmfüllung wurde trocken, brauchte an der Unterseite aber Temperaturen bis 100 °C, und zwischen den Lagen doppelt beplankter Leichtbauwände fanden sich beim Abbau Schimmelspuren.[4] Infrarotplatten im Intervallbetrieb trockneten in den Versuchen ähnlich gut wie Platten mit konstanter Heizleistung, was das Institut mit Blick auf die Stromkosten weiter untersuchen will.[4]

Kontrolle und Nachweis des Trocknungserfolgs

Im Abschnitt zur Kontrolle unterscheidet das Merkblatt die Erfolgskontrolle bei Dämmschichttrocknungen, bei massiven Bauteilen und an Holzbauteilen und behandelt die Dokumentation des Trocknungserfolgs, ein weiterer Abschnitt gilt dem Arbeits- und Gesundheitsschutz.[1] Als Bezugsgrößen führen die Schlagworte Ausgleichsfeuchte, relative Luftfeuchte, Temperatur und Messprotokoll.[1]

Ziel der Trocknung ist nach dem Positionspapier ein Zustand ohne erhöhte Bauteilfeuchte und ohne Bereiche, in denen Mikroorganismen wachsen können, damit die Räume dauerhaft schadensfrei genutzt werden.[2] Wie weit die Materialfeuchte auf die Ausgleichsfeuchte unter bauüblichen Umgebungsbedingungen gesunken ist, haben nach dem österreichischen Papier Fachleute nach Abschluss der Arbeiten zu dokumentieren.[2] Entscheidend gegen mikrobiellen Befall nach einem Wasserschaden ist, die Materialfeuchte möglichst rasch zu senken.[2]

Mit dem Programm WUFI ließen sich die Feuchteverläufe der Versuche bei bekannten Start- und Randbedingungen sehr gut nachrechnen, und das Fraunhofer-Institut sieht darin einen Weg, das Trocknungsverhalten und die Dauer einer Trocknung künftig vorab abzuschätzen.[4]

Grenzen der Trocknung: Schadstoffe, Hochwasser, Rückbau

Schad- und Gefahrstoffbelastungen behandelt das Merkblatt in einem eigenen Abschnitt der Planung.[1] Ob und wie getrocknet wird, richtet sich nach dem Positionspapier nach Art und Verschmutzungsgrad der nassen Konstruktion, und nach Hochwasser kann eine Belastung mit Fäkalien, organischen Stoffen, Heizöl oder Treibstoffen den Rückbau des ganzen Boden- oder Wandaufbaus nötig machen.[2]

Lassen sich mikrobielle Bestandteile aus Hohlräumen oder Fußbodenkonstruktionen nicht entfernen, verlangt das Papier eine langfristig wirksame, gasdichte Abdichtung des belasteten Bereichs, und das bloße Verfugen mit Silikon hält es wegen der Rissanfälligkeit für nicht ausreichend.[2] Ein Rückbau gedämmter Böden war nach den Versuchsergebnissen des Fraunhofer-Instituts nicht nötig, im realen Schadenfall können Verunreinigungen, Pilze oder Bakterien ihn trotzdem erfordern.[4]

Wie wir nach dem WTA-Merkblatt 6-16 trocknen

Bevor ein Gerät läuft, klären wir die Ursache, messen die Feuchteverteilung und legen mit dem Auftraggeber ein Trocknungsziel fest. Bei Dämmschichten unter dem Estrich wählen wir zwischen Saug- und Druckverfahren, dichten die Randfugen ab und regulieren die Anlage ein, an massiven Wänden setzen wir auch Infrarotplatten ein.

Den Verlauf halten wir im Trocknungsprotokoll fest und beenden die Trocknung erst, wenn die Kontrollmessung das vereinbarte Ziel bestätigt. Ist das Wasser nach Hochwasser oder aus einer Abwasserleitung belastet, besprechen wir vorher, ob ein Rückbau vor der Trocknung kommen muss.

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Belege

Quellen

  1. Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V. (WTA): WTA-Merkblatt 6-16: Technische Trocknung durchfeuchteter Bauteile: Planung, Ausführung und Kontrolle, Inhaltsverzeichnis und Kurzfassung, Fraunhofer IRB Verlag. Ausgabe 01.2019/D, Erläuterungen, Inhaltsverzeichnis, Impressum und Kurzfassung, S. 1 bis 3. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
  2. Arbeitskreis Innenraumluft am österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft: Ergänztes Positionspapier 5: Positionspapier zur technischen Bauteiltrocknung. Ergänztes Positionspapier 5 vom 01.01.2015, S. 1 und 2. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
  3. Umweltbundesamt (UBA): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Stand 2024, Kapitel 6.3.3 Erfassung des Schadensausmaßes (S. 136) und Anlage 6. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
  4. Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP: Ergänzung zur Presseinformation "Die Bautrocknung wissenschaftlich untersucht". 6. September 2017, Abschnitte Vorgehen, Versuchsaufbauten, Messtechnik und Resultate, S. 1 bis 4. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
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