Montageschaum
Auch: PU-Schaum, Bauschaum
Montageschaum ist ein Ortschaum auf Basis von Polyurethan, der aus der Druckdose oder Kartusche an der Verwendungsstelle aufschäumt und Fugen um Fenster, Türen und Rohre füllt, abdichtet und befestigt.[1][2] Einkomponentenschaum härtet mit der Feuchte aus Luft und Untergrund von außen nach innen aus, und Schäume mit mindestens 0,1 % Diisocyanat dürfen gewerbliche Anwender seit dem 24.08.2023 nur nach einer Schulung verwenden.[2][3]
So wird eine undichte Fensterfuge neu ausgeschäumt
Schematische Darstellung: Fenster von innen nach einem Wasserschaden, die Anschlussfuge wird erneuert. Die Nummern führen vom herausgeschnittenen Schaum über das Anfeuchten und Aushärten bis zur fertigen Fuge.
- Alten Schaum herausgeschnitten: Ist Wasser an einem Fenster in die Wand gelaufen, messen wir die Feuchte in Laibung, Boden und Dämmung. Ist die Fuge undicht oder hat sich der Schaum von den Flanken gelöst, kommt er mit dem Cutter heraus, danach trocknen die Anschlussbereiche.
- Laibung vorher anfeuchten: Einkomponentenschaum braucht Feuchtigkeit zum Erhärten, darum sprühen wir die trockenen Flanken der Fuge vor dem Schäumen mit Wasser an. So findet der Schaum auch an den Flanken die Feuchte, die er zum Aushärten braucht.
- Härtet mit Feuchte von außen nach innen: In der Dose ist das Polyurethan schon vorreagiert, beim Aufschäumen vernetzt es mit dem Wasser in der Luft und an den Flanken. Zuerst bildet sich an der Oberfläche eine feste Haut, der Kern härtet danach von außen nach innen.
- Handschuhe, Brille, gut lüften: Diisocyanate gelten als Allergene für Haut und Atemwege. Wer gewerblich mit solchen Schäumen arbeitet, braucht eine Schulung, trägt Handschuhe und Schutzbrille und sorgt im Innenraum für gute Lüftung.
- Ausgehärtet allein nicht wasserdicht: Der fertige Schaum füllt, dämmt und befestigt die Fuge, gegen Regen schützt er sie allein nicht. Fehlt außen die Abdichtung, zeichnet sich die Nässe später oft als Fleck neben dem Fenster ab, darum gehört an die Außenseite ein eigener Wetterschutz.
Polyole, Isocyanate und Treibgas
Herkömmliche Montageschäume bestehen nach WECOBIS aus Polyolen und Isocyanaten, und zwar Diphenylmethandiisocyanat oder dessen polymerer Form, die zu Polyurethan vernetzen, dazu kommen Treibgase, Flammschutzmittel und weitere Additive.[1] Als Treibgas dient in der Regel ein Gemisch aus Dimethylether, Propan und Butan oder Isobutan mit etwa 5 bis 10 % Anteil, und HFKW-haltige Treibmittel werden nur noch für Spezialanwendungen wie Brandschutzschaum bei einzelnen Produkten eingesetzt.[1]
Der Anteil an Flammschutzmitteln liegt bei 5 bis 25 %, häufig wird TCPP verwendet, das als gesundheitsschädlich beim Verschlucken eingestuft ist, während das als besonders besorgniserregend eingestufte TCEP nicht mehr verwendet wird.[1] Wegen der Gesundheitsgefahren durch Isocyanate gibt es auch isocyanatreduzierte Schäume mit weniger als 1 Masseprozent MDI und isocyanatfreie Schäume, deren Prepolymere statt reaktiver Isocyanatgruppen Silan-Endgruppen tragen.[1]
Nasse Fugen an Fenstern und Türen liegen nah an Leitungen für Rollläden, Außenleuchten und Türsprechanlagen. Bevor jemand feuchte Laibungen anfasst oder Abdeckungen abschraubt, schaltet man die betroffenen Kreise an der Sicherung ab, der Lichtschalter schaltet sie nicht frei. Ist Wasser in den Sicherungskasten gekommen, bleibt das Zimmer mit dem nassen Fenster geschlossen, und man gibt der Feuerwehr oder dem örtlichen Netzbetreiber Bescheid; einen Keller, in dem der Wasserstand steigt, meidet jeder.
Ein- und Zweikomponentenschaum
Beim Einkomponentenschaum ist die Reaktion zwischen Polyol und Isocyanat bereits in der Dose erfolgt, und das Prepolymer vernetzt beim Aufschäumen mit der Luftfeuchtigkeit, wobei die Aushärtung von der Oberfläche nach innen fortschreitet.[1] Weil diese Schäume Feuchtigkeit zum Erhärten brauchen, ist es nach WECOBIS vorteilhaft, den Untergrund vor dem Schäumen anzufeuchten.[1]
Zweikomponentenschäume brauchen nach BauNetz Wissen einen Vernetzer oder Härter, der sich an der Kartusche befindet oder getrennt zugeführt und vor dem Sprühen aktiviert wird, damit sich beide Komponenten gut mischen.[2] Sie härten sehr schnell und gleichmäßig, was zu höherer Festigkeit führt, müssen nach dem Mischen aber innerhalb weniger Minuten verarbeitet werden.[1] Bei Trockenbauarbeiten werden Türzargen in Ständerwänden oft mit solchem Zweikomponentenschaum gesetzt, weil er schnell fest wird.
Gegenüber dem Polyurethan-Hartschaum in Dämmplatten sind Montageschäume in der Regel flexibler, was bei Fugen mit wärmetechnischen Anforderungen wichtig ist.[1]
Wo Montageschaum eingesetzt wird
Rund 80 % der Montageschäume dienen nach WECOBIS der Fugenabdichtung, etwa 10 % der Befestigung von Tür- und Fensterzargen und dem Ausfüllen und Dämmen umlaufender Hohlräume und weitere 10 % der Abdichtung von Rohrdurchführungen.[1] Für Fugen mit besonderen Brandschutzanforderungen, etwa an Brandschutztüren, gibt es feuerhemmende Schäume.[1] Wasserdicht ist der ausgehärtete Schaum allein nicht, und fehlt außen die Abdichtung der Fuge, kann sich neben dem Fenster ein feuchter Fleck an der Wand bilden. Bleibt ein Dach nach dem Sturm undicht, eignet sich Montageschaum nicht zum Abdichten von außen, weil er Regen und Sonne auf Dauer nicht standhält.
BauNetz Wissen nennt als Einsatzbereiche von Ortschäumen die Befestigung, die Abdichtung sowie die Wärme- und Kältedämmung von Hohlräumen und Leitungen und zeigt Beispiele wie ausgeschäumte Anschlussfugen von Rollladenkästen, die Dämmung um Fenster, geschlossene Stöße zwischen Dämmplatten und Schachtabdichtungen.[2]
Wie sich solche Schäume in der Anwendung verhalten, prüft DIN EN 17333-3 aus dem Juli 2020, die Prüfverfahren für feuchtigkeitshärtende, selbsthärtende oder durch Wasserentzug härtende Schäume aus einzelnen Druckdosen festlegt, die als nicht leitender Luftdichtstoff und als Klebstoff im Bau und außerhalb des Baus dienen.[4]
Isocyanat, Schulung und Schutz
Diisocyanate sind nach der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung als Inhalations- und Hautallergene der Kategorie 1 eingestuft und können schwere Atemwegs- und Hauterkrankungen auslösen, wobei auch Hautkontakt bei der Entstehung von Asthma eine Rolle spielen kann.[3] Eingereicht hat die Beschränkung 2016 die Bundesstelle für Chemikalien, um die Zahl neuer Fälle von berufsbedingtem Asthma deutlich zu senken.[3] Der Eintrag 74 in Anhang XVII der REACH-Verordnung ist kein generelles Verbot, verlangt aber für Produkte mit mindestens 0,1 % freien monomeren Diisocyanaten eine risikobezogene Schulung, die je nach Verwendung als allgemeine Schulung, Aufbau- oder Fortgeschrittenenschulung gestaltet und alle 5 Jahre zu wiederholen ist.[3]
Als Beispiel nennt die DGUV ausdrücklich PUR-Montageschäume bei der Fenster- und Türmontage, und ob ein Produkt betroffen ist, zeigen Sicherheitsdatenblatt und Etikett, wobei die Pflichten aus der Gefahrstoffverordnung mit Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung und jährlicher Unterweisung daneben bestehen bleiben.[3]
Isocyanathaltige Schäume dürfen nach WECOBIS nur in gut belüfteten Bereichen verarbeitet werden, bei unzureichender Lüftung ist Atemschutz nötig, Treibgase können in schlecht belüfteten Räumen explosionsfähige Gemische bilden, und nicht ausgehärteter Schaum darf nicht an Haut oder Augen gelangen.[1] Isocyanatfreie Schäume setzen kaum Isocyanate frei, bei ihrer Vernetzung entsteht aber Methanol, das beim Einatmen und bei Hautkontakt giftig ist.[1] Wer gegen Isocyanate sensibilisiert ist, kann schon auf sehr geringe Mengen reagieren und sollte mit solchen Produkten nicht mehr in Kontakt kommen, und für Isocyanate und Methanol gelten Arbeitsplatzgrenzwerte nach TRGS 900 sowie für Isocyanate Expositionsleitwerte nach TRGS 430.[1]
BauNetz Wissen hält während der Verarbeitung Atemschutzmasken, Handschuhe und Schutzbrillen und mitunter einen Schutzanzug für ratsam, und wird im Innenraum geschäumt, ist Lüften unerlässlich.[2]
Brandverhalten und Druckdosen
Ortschäume aus Polyurethan gehören nach BauNetz Wissen nach DIN 4102 zur Baustoffklasse B2, solche mit mineralischen Keramikfasern erreichen als Keramikfaserschaum die Klasse A1 und werden für den Brandschutz verwendet.[2] Die Sprühdosen sind vor Hitze zu schützen, weil sie sonst platzen und der Schaum ausläuft, und nach dem Aushärten gelten die Schäume als unbedenklich, weil sie keine größeren Stoffmengen mehr freisetzen.[2]
Wegen der höheren Brandgefahr hochentzündlicher Schäume mit dem GISCODE PU 80 rät WECOBIS zu Produkten mit nicht brennbaren Treibmitteln nach PU 70, die allerdings in der Regel HFKW enthalten.[1]
Ausgehärtet, rückgebaut, entsorgt
Ausgehärtete Montageschäume sind nach WECOBIS im Allgemeinen wasserbeständig, relevante Emissionen in Innenräumen sind nicht bekannt, und eine Instandhaltung ist nur möglich, indem der Schaum entfernt und ersetzt wird.[1] Die flüssigen Komponenten gelten als wassergefährdend der Klasse 2 und sind von Boden, Gewässern und Kanalisation fernzuhalten, und für ausgehärtete Schäume gibt es Produkte mit dem Siegel EMICODE EC1 plus für sehr emissionsarme Bauprodukte.[1]
Weil Montageschaum die Trennbarkeit von Konstruktionen erschwert und Bauabfälle verunreinigt, empfiehlt WECOBIS, die Hohlräume um Tür- und Fensterrahmen mit Faserdämmstoffen oder Dämmzöpfen auszustopfen, sofern keine wärmetechnischen Anforderungen nach einer Zulassung bestehen.[1] Verbauter Schaum fällt mit dem Bauschutt an und lässt sich wirtschaftlich nicht abtrennen, eine stoffliche Verwertung findet nicht statt, und abgelagert werden darf er seit dem 01.06.2005 nur nach thermischer Vorbehandlung.[1] In der Verbrennung entstehen wegen des hohen Stickstoffgehalts von Polyurethan zahlreiche stickstoffhaltige Verbindungen wie Ammoniak und Blausäure.[1]
Montageschaum nach einem Wasserschaden
Läuft Wasser an einem Fenster, einer Tür oder einer Rohrdurchführung in die Wand, prüfen wir, ob es entlang der ausgeschäumten Fuge in die Laibung, den Boden oder die Dämmung gelangt ist, und messen die Feuchte in den angrenzenden Bauteilen. Wo die Fuge selbst undicht ist oder der Schaum sich von den Flanken gelöst hat, schneiden wir ihn heraus, trocknen die Anschlussbereiche und schließen die Fuge neu.
Bei Rohrdurchführungen klären wir zuerst die Leckage an der Leitung, bevor die Öffnung wieder geschlossen wird, und beim Neuschäumen achten wir auf gute Lüftung und die Schutzmaßnahmen, die für das jeweilige Produkt gelten.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Montageschäume, Produktgruppe Dämmstoffe aus synthetischen Rohstoffen. Datenblatt Montageschäume, Reiter Übersicht, Rohstoffe, Verarbeitung, Nutzung und Nachnutzung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Schaumkunststoffe als Ortschäume. Fachwissen Dämmstoffe, Schaumkunststoffe als Ortschäume, mit Bildergalerie und Abschnitt Regelungen für Ortschaum. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Sachgebiet Gefahrstoffe: Fachbereich AKTUELL FBRCI-024: Verpflichtende Schulungen bei Tätigkeiten mit Diisocyanat-haltigen Produkten, Handlungshilfe. Fachbereich AKTUELL FBRCI-024, Stand 23.02.2024, Abschnitte 1 bis 3. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- DIN Media GmbH: DIN EN 17333-3: Charakterisierung von Einkomponentenschäumen, Teil 3: Anwendung. Ausgabe 2020-07, Titel und Einführungsbeitrag. Abgerufen am 12.10.2026. ↑
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