Zweischaliges Mauerwerk
Auch: zweischalige Außenwand
Zweischaliges Mauerwerk ist eine Außenwand aus tragender Innenschale und nicht tragender Vormauerschale, die Drahtanker verbinden, mit Luftschicht, Dämmung mit Luftschicht oder Kerndämmung im Zwischenraum.[1][2] Die Vormauerschale besteht aus Backstein, Klinker oder Kalksandstein, und Hinweise zur Ausführung stehen im Nationalen Anhang zu DIN EN 1996-2.[3][4]
So ist zweischaliges Mauerwerk aufgebaut
Schematische Darstellung einer zweischaligen Außenwand im senkrechten Schnitt: links der Raum, rechts Schlagregen, dazwischen die Innenschale aus Kalksandstein, die Kerndämmung mit Fingerspalt und die Vormauerschale aus Klinker, verbunden mit Drahtankern, am Fußpunkt die Sperrbahn mit offener Stoßfuge. Die Nummern folgen den Schichten von innen nach außen und dem Wasser bis zum Fußpunkt.
- Tragende Innenschale: Die innere Schale aus Kalksandstein trägt Decken und Dach. An ihr sind die Anker verankert, die die äußere Schale halten, und auf ihr liegt die Last des ganzen Hauses.
- Kerndämmung bis auf den Fingerspalt: Der Zwischenraum ist heute fast ganz mit Dämmung gefüllt, nur ein Fingerspalt von etwa 1 cm bleibt zur Vormauerschale frei. Platten und Matten stoßen dicht aneinander, Granulate und Schüttungen füllen den Hohlraum ohne Lücke aus.
- Vormauerschale aus Klinker: Die äußere Schale aus Klinker, Backstein oder Kalksandstein trägt nichts außer sich selbst. Sie hält Wetter und Schlagregen ab und steht auf dem Fundament oder auf Abfangungen, die an der Innenschale verankert sind.
- Drahtanker in der Mörtelfuge: Anker aus nichtrostendem Stahl liegen waagerecht in den Lagerfugen beider Schalen, rundum von Mörtel umschlossen. Sie halten die Vormauerschale gegen Wind, und Klemmscheiben auf den Ankern drücken die Dämmung an die Innenschale.
- Schlagregen an der Vormauerschale: Regen trifft die Klinkerschale und läuft außen ab. Ein Teil zieht in Steine und Fugen ein, und bei Schlagregen gelangt Wasser bis auf die Rückseite der Schale.
- Wasser im Spalt läuft auf die Sperre: Was hinter die Vormauerschale kommt, läuft im Fingerspalt an ihrer Rückseite nach unten. Der Spalt hält die Dämmung von der nassen Schale fern, und unten fängt die Sperrbahn das Wasser auf.
- Fußpunkt mit Sperre und offener Stoßfuge: Die Sperrbahn ist an der Innenschale befestigt und führt schräg nach außen in eine Lagerfuge der Klinkerschale. Über ihr bleiben einzelne Stoßfugen offen, durch die das Wasser nach außen austritt, verputzte Schalen kommen ohne diese Öffnungen aus.
Wie zweischaliges Mauerwerk heute gebaut wird
Nach der Maurerfibel der Kalksandsteinindustrie wird der Schalenzwischenraum heute üblicherweise vollständig mit Wärmedämmstoff gefüllt, bis auf einen arbeitstechnisch nötigen Fingerspalt von etwa 1 cm.[1] Unterschieden werden danach Wände mit Kerndämmung, mit Wärmedämmung und Luftschicht sowie mit Luftschicht ohne Dämmung bei unbeheizten Gebäuden, und Ausführungen mit Luftschicht werden nur noch in Einzelfällen gebaut.[1]
Wird das Hintermauerwerk aus großformatigen Kalksandsteinen errichtet, empfiehlt die Fibel Einschlag- oder Dübelanker, und bei sachgerecht verputzten Vormauerschalen kann auf Lüftungs- und Entwässerungsöffnungen verzichtet werden, weil der Außenputz einen ausreichenden Schlagregenschutz bietet.[1] Maßgebend für Planung und Ausführung ist der Nationale Anhang zu DIN EN 1996-2, dessen Ausgabe vom Januar 2012 die früheren Normen DIN 1053-1 und DIN 1053-3 ersetzt hat und 2021 durch eine Änderung ergänzt wurde.[4]
Dringt Wasser bis an die Innenschale, kann es in Steckdosen, Schalterdosen und Leitungsschlitze an der Außenwand ziehen. Wer dort feuchte Tapete ablöst oder Schränke abrückt, schaltet zuvor die Stromkreise dieser Wand an der Sicherung ab, denn mit dem Lichtschalter wird nur die Lampe getrennt. Hat der Sicherungskasten Wasser abbekommen, ruft man von außerhalb der Wohnung die Feuerwehr oder den örtlichen Netzbetreiber, und ein Keller, in den zur gleichen Zeit Wasser nachläuft und steigt, wird nicht betreten.
Dämmung im Schalenzwischenraum
Als Dämmung dürfen nach der Maurerfibel Platten, Matten, Granulate und Schüttungen aus dauerhaft wasserabweisenden Dämmstoffen sowie Ortschäume eingebaut werden.[1] Platten und Matten sind dicht zu stoßen und ausreichend zu fixieren, und zwar mit Krallen- oder Klemmscheiben aus Kunststoff, die über die Anker geschoben werden, bis sie den Dämmstoff in seiner Lage halten.[1] Läuft Wasser in den Hohlraum, stellt der Notdienst die Leitung ab, bevor die Dämmung darin durchnässt.
Lose eingebrachte Dämmstoffe wie Mineralfasergranulat, Polystyrolschaum-Partikel oder Perliteschüttungen müssen den Hohlraum nach der Fibel vollständig ausfüllen und so verdichtet sein, dass sie sich später nur wenig setzen.[1] Dringt Regen über die Mauerkrone ein, weil ein Dach nach dem Sturm undicht blieb, können nasse Schüttungen zusammensacken.
Drahtanker im zweischaligen Mauerwerk
Die Mauerwerksschalen sind nach DIN EN 1996-2 durch Drahtanker aus nichtrostendem Stahl zu verbinden, weichen Form oder Maße davon ab, muss eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung ihre Brauchbarkeit nachweisen, und für Schalenabstände über 15 cm werden nach der Maurerfibel Anker mit Zulassung verwendet.[1] Durchmesser und Mindestanzahl der Anker je Quadratmeter richten sich nach dem Schalenabstand, der Höhe der Wandbereiche über Gelände und der Windzone.[1]
Ein Bescheid des DIBt aus dem Jahr 2023 regelt zum Beispiel Drahtanker aus nichtrostendem Stahl mit 4 mm Durchmesser für Schalenabstände über 200 mm bis 250 mm und Wandbereiche bis 25 m über Gelände, und eine solche Wand muss danach mit Kerndämmung ohne verbleibende Luftschicht und nur mit nichtbrennbaren Dämmstoffen der Klassen A1 oder A2 ausgeführt werden.[2] Je nach Windzone und Gebäudehöhe verlangt der Bescheid mindestens 5 bis 10 Anker je Quadratmeter Wandfläche.[2]
Die Anker liegen nach der Genehmigung planmäßig waagerecht und mittig in den Mörtelfugen, allseitig von Mörtel umschlossen, mit einer seitlichen Mörteldeckung von mindestens 30 mm in der Vormauerschale, und bei Kalksandsteinen ist ein zu schneller Wasserentzug aus dem Mörtel etwa durch Vornässen der Steine zu verhindern.[2]
Abfangung der Vormauerschale
Die Aufstandsfläche der Verblendschale ist nach der Maurerfibel so auszuführen, dass die Schale nicht abrutschen kann, auch an Tür- und Fensterstürzen, und die Abdichtungsbahn am Fußpunkt muss nicht in eine Lagerfuge der Tragschale eingebunden werden, was bei großformatigen Steinen kaum möglich wäre, sie kann auch mit Kleber oder Klemmschiene an der Tragschale befestigt werden.[1] Ist die Bahn am Fußpunkt fehlerhaft, kann Wasser aus der Luftschicht in die Innenschale ziehen und dort einen feuchten Fleck an der Wand über dem Sockel bilden.
Damit die Spannungen aus dem Eigengewicht begrenzt bleiben, ist die Höhe der Vormauerschale nach DIN EN 1996-2/NA zu begrenzen, und die Maurerfibel nennt für eine 115 mm dicke Außenschale, die höchstens 25 mm über ihr Auflager vorsteht, eine Abfangung etwa alle 12 m, bei einem Überstand bis zu einem Drittel der Dicke, also 38 mm, nach jeweils zwei Geschosshöhen.[1] Dünnere Außenschalen dürfen danach höchstens 15 mm vorstehen, nur bis 25 m über Gelände reichen und werden etwa alle 6 m abgefangen.[1]
Für Abfangungen bieten Hersteller Standardkonstruktionen, teils mit typengeprüfter Statik, und zunehmend bemessen spezialisierte Ingenieurabteilungen sie objektbezogen, während die Verankerung an der Innenschale mit zugelassenen Schwerlastdübeln oder Ankerschienen erfolgt, vorzugsweise an Betonstützen, Betondecken oder Querwänden.[1]
Dehnungsfugen und Risse in der Vormauerschale
Vormauerschalen aus Backstein, Klinker oder Kalksandstein unterliegen nach BauNetz Wissen wegen ihrer Zusammensetzung und Farbe sowie thermischer und statischer Belastungen Zwängungsspannungen, und damit daraus keine Risse mit unzulässiger Durchfeuchtung entstehen, braucht die Schale Dehnungsfugen.[3] Für Kalksandstein-Verblendschalen nennt BauNetz Wissen einen Fugenabstand von höchstens 6 m, für Ziegelmauerwerk mit Außenputz oder Luftschicht etwa 10 bis 12 m und mit Kerndämmung etwa 8 bis 10 m, bei stark besonnten Flächen, dunklen Steinen, hochdämmendem Untergrund oder leichten Verblendschalen weniger.[3]
Senkrechte Dehnungsfugen gehören nach der Maurerfibel außerdem an Gebäudeecken und -kanten und an große Fenster- und Türöffnungen in Verlängerung der Laibungen, und Sperrschichten an Öffnungen und Sockel dichten nach BauNetz Wissen nicht nur ab, sie ermöglichen auch Gleitbewegungen der Schale.[1][3] Zur Rissesicherheit empfiehlt die Fibel Trennschichten mit geringer Reibung am Wandfuß, einen Schutz der frischen Schale vor Schlagregen und starkem Austrocknen durch Abdecken mit Folie bis zu einer Woche, große Überbindelängen wie den halbsteinigen Läuferverband, das Mauern bei niedrigen Außentemperaturen und eine korrosionsgeschützte Bewehrung der Lagerfugen etwa an Brüstungen.[1]
Schallschutz und Brandschutz zweischaliger Wände
Zweischalige Außenwände erreichen nach dem Architekten-Ordner der Ziegelindustrie bewertete Schalldämm-Maße von 57 bis 64 dB und mehr, eine Luft- und Dämmschicht aus mineralischem Faserdämmstoff kann das Schalldämm-Maß um bis zu 8 dB erhöhen, und Drahtanker und Abfangungen beeinflussen die Schalldämmung nicht wesentlich.[5]
An Gebäude der Gebäudeklassen 2 und 3 mit zweischaligen Außenwänden stellt das Bauordnungsrecht nach dem Ordner keine besonderen Anforderungen, in den Gebäudeklassen 4 und 5 sind je nach Dämmstoff und Schalenabstand Brandsperren nötig.[5] Als solche nennt DIN 4102-4 im Brandfall formstabile, nichtbrennbare Dämmstoffe mit einem Schmelzpunkt von mindestens 1000 °C und mindestens 200 mm Breite oder Stahlblechwinkel ab 1 mm Dicke, horizontal zwischen jedem zweiten Geschoss oder umlaufend um Fenster und Türen.[5]
Leitungswasser in der Innenschale
Feuchte an der Innenseite einer zweischaligen Wand muss nicht von außen kommen, auch eine undichte Leitung in einem Schlitz der Innenschale oder ein Schaden an einer Fensterbank kann sie verursachen. Wir messen die Innenschale über die Fläche und in der Tiefe, prüfen Leitungen in der Wand und grenzen ein, ob das Wasser von innen oder aus dem Zwischenraum kommt.
Liegt eine Leckage in der Innenschale vor, orten wir sie und trocknen die Wand von der Raumseite, bei Feuchte aus dem Zwischenraum beheben Maurer oder Dachdecker zuerst den Weg des Wassers, bevor wir trocknen.
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Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Bundesverband Kalksandsteinindustrie e. V.: Kalksandstein: Die Maurerfibel, 8. überarbeitete Auflage. 8. Auflage, Stand Januar 2014, Kapitel 8.3 bis 8.8. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15
- Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt): Allgemeine Bauartgenehmigung Z-17.1-1170, Drahtanker mit Durchmesser 4 mm für zweischaliges Mauerwerk mit Schalenabständen über 200 mm bis 250 mm. Abschnitte 1, 2.2 bis 2.4 mit Tabelle 3. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Vormauerschalen. Fachwissen Mauerwerk, Wand, Vormauerschalen. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- DIN Media GmbH: DIN EN 1996-2/NA:2012-01, Nationaler Anhang, Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten, Teil 2: Planung, Auswahl der Baustoffe und Ausführung von Mauerwerk. Ausgabe 2012-01, Einführungsbeitrag und Ersatzvermerk, Änderung A1 von 2021-06. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
- Zweischalige Wand Marketing e. V. und Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e. V.: Architekten-Ordner Backstein, Kapitel 5: Bauphysik. Abschnitte 5.3.1 Schallschutz und 5.4.1 Brandschutz. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
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