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Setzungsriss: Kellerwand mit abgetrepptem Riss, Birke mit Wurzeln im trockenen Tonboden, undichte Grundleitung und Hohlraum unter dem Fundament

Setzungsriss

Auch: Senkungsriss

Ein Setzungsriss ist ein Riss in Wänden, Decken oder Bodenplatten, der entsteht, wenn sich der Baugrund unter einem Gebäude ungleichmäßig setzt und das Bauwerk die dabei entstehenden Zugspannungen nicht mehr aufnehmen kann.[1][2] Setzungsrisse zeigen sich zuerst in den Kellerwänden, und Auslöser sind unter anderem schrumpfende Tonböden bei Trockenheit, Wasserentzug durch Bäume und Ausspülungen durch defekte Abwasserleitungen.[1][3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So reißt die Kellerwand, wenn der Baugrund nachgibt

Setzungsriss, Funktionsweise: Keller im Schnitt mit abgetrepptem Riss zur Hausecke, Mauerwerksfugen unter dem Putz, feuchtem Fleck, Rohrkamera im Bodenablauf, Birkenwurzeln im ausgetrockneten Tonboden und ausgespültem Hohlraum unter dem Fundament

Schematische Darstellung: Keller im Schnitt mit Außenwand, Streifenfundament und Grundleitung, draußen eine Birke im Tonboden. Die Nummern folgen den Ursachen im Baugrund über die absackende Ecke bis zum Riss in der Kellerwand und zur Prüfung der Leitung.

  1. Wurzeln ziehen dem Ton Wasser: Große Bäume wie Pappeln, Weiden oder Birken holen sich in trockenen Sommern Wasser auch unter dem Haus. Ton- und Schluffböden verlieren dabei Volumen, der Boden schrumpft, und zwischen Fundament und Boden können sich Fugen öffnen.
  2. Undichtes Rohr spült Boden aus: An einer undichten Muffe tritt Abwasser aus und trägt nach und nach Boden fort, bis unter dem Fundament ein Hohlraum entsteht. In beschädigte Rohre wachsen außerdem leichter Wurzeln ein, und es wird noch mehr Erdreich eingespült.
  3. Ecke sackt ab: äußere Freilage: Ohne festen Grund setzt sich die Hausecke stärker als der übrige Bau. Diese äußere Freilage ist eines von drei Rissbildern, daneben stehen die Muldenlage mit abgesackter Mitte und die Sattellage, bei der die Mitte weniger nachgibt als die Ränder.
  4. Riss abgetreppt in den Fugen: Das Mauerwerk kann die Zugspannung nicht aufnehmen und reißt quer zur Zugkraft, meist zuerst im Keller. Im Putz verläuft der Riss schräg und in Stufen, darunter folgt er den Lager- und Stoßfugen, und die Steine auf der Seite der Ecke sind mit ihr abgesackt.
  5. Fleck am Riss: Wasser von außen: Ein feuchter Fleck neben dem Riss zeigt, dass von außen Wasser nachdrückt. Läuft Wasser durch den Riss, wird er außen abgedeckt, bis die Wand untersucht ist, und bevor jemand im nassen Keller arbeitet, wird die Sicherung für den Kellerstromkreis ausgeschaltet.
  6. Kamera prüft die Leitung: Bei Rissen und feuchten Wänden im Keller kontrollieren wir zuerst die Leitungen am Haus mit Kamera und Dichtheitsprüfung und messen die Feuchte. Jeden Riss dokumentieren wir mit Foto, Lage und Breite, die Standsicherheit beurteilen Tragwerksplaner und Baugrundgutachter, und geschlossen wird erst, wenn die Ursache behoben ist.

Wie ein Setzungsriss entsteht

Risse machen nach einem Leitfaden der Stadt Offenbach am Main Spannungen sichtbar, die Baustoffe und kraftschlüssige Verbindungen nicht mehr aufnehmen konnten, und sie bilden sich senkrecht zur Zugkraft, die sie verursacht.[1] Wo ein Riss im Gebäude liegt und wie er verläuft, lässt deshalb Rückschlüsse auf die Ursache zu, und eine Gründung soll dem Gebäude eine standsichere und formstabile Aufstandsfläche geben, auf der unter der Gebäudelast keine Setzbewegung stattfindet.[1]

Für Gebäude unterscheidet das Lexikon der Geowissenschaften drei Grundtypen von Rissbildern: stärkere Setzungen unter einer Gebäudeseite oder Ecke, die sogenannte äußere Freilage, die Muldenlage mit einer ausgeprägten Setzung in der Gebäudemitte und die Sattellage, bei der sich die Mitte weniger setzt als die Ränder.[2] Ein feuchter Fleck an der Wand neben einem solchen Riss im Keller deutet darauf hin, dass Wasser von außen nachdrückt.

Tritt mit dem Riss auch Wasser in den Keller, kann es Steckdosen und Leitungen erreichen. Vor jeder Arbeit dort wird die Sicherung des Kellerstromkreises ausgeschaltet, ein Lichtschalter macht die Leitungen nicht spannungsfrei. Ist Wasser bis an den Sicherungskasten gestiegen, bleibt der Keller verschlossen, Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber nehmen die Anlage außer Betrieb, und bei steigendem Pegel betritt niemand mehr die Treppe nach unten.

Setzungsriss oder Riss aus dem Bauteil

Nach dem Offenbacher Leitfaden zeigen sich Setzungsrisse zuerst in den Kellerwänden: Hat ein Gebäude Risse im Erd- oder Obergeschoss, aber keine im Keller, hängen sie nicht mit Setzbewegungen des Baugrunds zusammen, und die Ursache liegt in der Konstruktion oder im Baumaterial.[1] In gemauerten Wänden verläuft ein schräger Riss im Putz typischerweise abgetreppt, und unter dem Putz folgt er den Stoß- und Lagerfugen, weil die Zugfestigkeit der Mauersteine dort keinen Bruch zulässt.[1]

Risse aus dem Bauteil selbst haben andere Ursachen: Lasten und Temperaturverformungen zwingen Bauteilen Verformungen auf, und bindemittelgebundene Baustoffe schwinden in den ersten Jahren nach dem Bau, so dass sich Bauteile verkürzen und durch Eigenzugspannungen reißen können.[1] Die Checkliste des Leitfadens fragt deshalb zuerst nach Rissen im Keller und dann nach Rissen in den Geschossen darüber, um zwischen einer geotechnischen Untersuchung mit Baugrundgutachten und einer bautechnischen Untersuchung des Gebäudes zu entscheiden.[1] Läuft durch einen Riss Wasser in den Keller, gehört zu den Sofortmaßnahmen, den Riss von außen abzudecken, bis die Wand untersucht ist.

Setzungsrisse durch schrumpfende Tonböden

In den Jahren 2018 bis 2020 senkten heiße Sommer mit wenig Niederschlag nach dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Sachsen den Grundwasserstand und ließen die oberen Baugrundschichten stark austrocknen.[3] Feinkörnige, bindige Böden wie Ton- und Schluffböden, aber auch bindige Kiessande verlieren dabei Volumen, es kommt zu Schrumpfsetzungen, und unter flachen Streifenfundamenten und Kellern können sich Fugen zwischen Fundament und Boden öffnen, mit Rissen im Mauerwerk darüber.[3] Die Last des Gebäudes wird dann nicht mehr vollständig in den Baugrund abgetragen, und betroffen sein können unter anderem Löss und Lösslehm, Gehängelehm, eiszeitliche bindige Kiessande und die Verwitterungszonen von Mergel-, Ton- und Schluffsteinen.[3]

Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Baden-Württemberg beschreibt den Vorgang als umkehrbar: Tonige Böden schrumpfen bei Austrocknung und quellen bei Wiederbefeuchtung, und in heißen Sommern trocknen sie örtlich bis 1,5 m tief aus, an steilen Südhängen bis etwa 2 m.[4] Austrocknungsrisse im Boden können tiefer als 3 m reichen, und in der ingenieurgeologischen Gefahrenhinweiskarte des Landes sind rund 32 Prozent der Landesfläche als gefährdet ausgewiesen.[4] Ursache des Quellens sind plättchenförmige Tonminerale mit großer innerer Oberfläche, an die sich Wasser als Film anlagert, und je dicker dieser Film wird, desto weiter rücken die Plättchen auseinander.[4] Bleiben Baugruben im Sommer lange offen, kann der Boden stark austrocknen und nach dem Überbauen wieder quellen, im Extremfall so stark, dass er die Fußböden von Neubauten anhebt.[4]

Volumenverlust bindiger Böden beim Austrocknen
Boden Volumenverlust
Löss, Lösslehm, Schwemmlehm etwa 5 Prozent
Residualton etwa 15 bis über 20 Prozent

Nach dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, reine Tone quellen bei Wiederbefeuchtung besonders stark, sandige Tone kaum.[4]

Bäume in der Nähe des Hauses

Bei Wasserknappheit suchen die Wurzeln großer Bäume nach dem sächsischen Landesamt Bodenfeuchte auch unter Gebäuden, entziehen dem bindigen Boden zusätzlich Wasser und lassen ihn schrumpfen, was längere Feuchteperioden wieder ausgleichen können.[3] Als Faustformel für den Abstand zwischen Baum und Haus gilt dort, dass der Wurzelumfang dem Kronenumfang entspricht, und umgekehrt kann das Fällen gebäudenaher Bäume zur Vernässung führen.[3] Auch ein undichtes Abwasserrohr kann den Boden unter einem Fundament ausspülen, und eine Leckageortung findet die Stelle.

Besonders viel Wasser ziehen nach dem Landesamt in Baden-Württemberg Pappeln, Weiden, Birken, Kastanien und Walnussbäume, in ihrem Wurzelbereich reicht die Austrocknung deutlich tiefer.[4] Schäden durch Schrumpfen und Quellen lassen sich danach mit einer Gründungstiefe von mehr als 1,5 m in tonigen Böden und mit etwa 15 m Abstand zu Bäumen mit großem Wasserbedarf vermeiden.[4]

Defekte Abwasserleitungen und Veränderungen am Grundstück

Eine häufige Ursache sind nach dem Offenbacher Leitfaden Ausspülungen durch defekte Abwasserleitungen, die Hohlräume unter den Fundamenten hinterlassen.[1] Auch eine spätere Aufschüttung neben dem Haus, deren Erdmassen mehrere 100 Tonnen wiegen können, eine Grundwasserabsenkung im Umfeld oder Erschütterungen durch Baustellen können Setzbewegungen auslösen.[1]

Das Land Bremen weist in seinem Merkblatt zu privaten Abwasseranlagen darauf hin, dass austretendes Abwasser Wände und Bodenplatten nass machen und bis ins Haus vordringen kann, und wird Bettungsmaterial in die Leitung gespült, drohen Setzungen und andere statische Folgen.[5] Wo Rohre beschädigt sind, wachsen nach dem Merkblatt leichter Wurzeln ein und wird mehr Erdreich eingespült, bis die Leitung verstopft und sich Abwasser zurückstaut.[5]

Sanierung und Versicherung bei Setzungsrissen

Aus geotechnischer Sicht nennt das sächsische Landesamt das Anheben von Fundamenten durch Verpressen von Bodenmörtel, Zementsuspension oder Kunststoffgelen sowie die Nachgründung oder Unterfangung abgesackter Fundamente mit anschließender Rissesanierung, wofür genügend Platz am Gebäude nötig ist.[3] Dosiert Wasser in den Baugrund zu geben, kann den Boden wieder quellen lassen, darf ihn aber nicht aufweichen, weil auch das zu Setzungen führt, und für Neubauten hält das Amt ein Baugrundgutachten für unverzichtbar, das Trockenperioden und Starkregen berücksichtigt.[3]

In der Wohngebäudeversicherung ist Erdsenkung nach den Musterbedingungen VGB 2022 eine naturbedingte Absenkung des Erdbodens über naturbedingten Hohlräumen, und sie gehört zu den weiteren Naturgefahren, die nur zusammen mit Brand, Leitungswasser oder Sturm und Hagel versichert werden können.[6] Ob ein Setzungsriss darunter fällt, hängt an der Ursache und am einzelnen Vertrag, denn die Bedingungen des GDV sind nur eine Empfehlung an die Versicherer.[6]

Wie wir bei Setzungsrissen vorgehen

Sehen wir Risse im Keller zusammen mit feuchten Wänden oder abgesackten Böden, prüfen wir zuerst die Wasser- und Abwasserleitungen am Haus, mit Dichtheitsprüfung und Kamera, und messen die Feuchte in Wand und Boden. Die Risse halten wir mit Fotos, Lage und Breite fest, damit sich später erkennen lässt, ob sie sich bewegen.

Die Bewertung der Standsicherheit überlassen wir Tragwerksplanern und Baugrundgutachtern. Erst wenn die Ursache behoben ist, schließen wir Risse, trocknen durchfeuchtete Bauteile und setzen Putz und Beläge instand.

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Belege

Quellen

  1. Magistrat der Stadt Offenbach am Main, Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz: Risse in Gebäuden: Erklärungen und Empfehlungen für Hauseigentümer, Faltblatt zum Leitfaden. Stand 09/2020: Abschnitte Setzungsrisse, Gründung und Baugrund, Baumaterial und Bauteile, Gebäudeumfeld und Checkliste. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
  2. Spektrum Akademischer Verlag, Lexikon der Geowissenschaften: Setzungsrisse. Stichwort Setzungsrisse. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
  3. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG): Grüne Lebensräume im Dorf, Auszug: Klimawandel und Gebäudeschäden. Abschnitt Klimawandel und Gebäudeschäden, S. 26 und 27. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
  4. Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (LGRB) im Regierungspräsidium Freiburg: LGRBwissen, Ingenieurgeologie: Jahreszeitliche Volumenänderungen. Ingenieurgeologie, Jahreszeitliche Volumenänderungen, Stand 05.06.2026. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  5. Freie Hansestadt Bremen, Die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft: Merkblatt: Zustand privater Abwasseranlagen in Bremen. Stand 18.12.2025, Abschnitt Hintergründe. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
  6. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): Allgemeine Wohngebäude Versicherungsbedingungen (VGB 2022, Wert 1914 Gleitender Neuwert Plus), Musterbedingungen des GDV. Teil A, A 1.3.2 und A 5.4.4, Stand Juni 2026. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2

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