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Terrazzo im Treppenhaus: Wasser dringt an Riss und Metallstreifen in den Unterbau

Terrazzo

Terrazzo ist ein meist fugenloser Bodenbelag aus mineralischem Bindemittel und Gesteinskörnungen wie Marmor, Kalkstein oder Dolomit, der vor Ort eingebracht, verdichtet und nach dem Erhärten geschliffen und poliert wird.[1][2] Werkseitig hergestellte Terrazzoplatten sind dagegen Betonwerksteine, die fertig geschliffen im Mörtelbett verlegt werden und im Innenbereich unter DIN EN 13748-1 fallen.[2][3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So gelangt Wasser im Treppenhaus durch den Terrazzo in den Unterbau

Terrazzo, Funktionsweise: Wasser läuft im Treppenhaus über Stufen und Terrazzoboden zur Kellertreppe, dringt an Riss und Metallstreifen in den Unterbau, Lupe auf Körnung in Zement

Schematische Darstellung: Treppenhaus im Altbau nach einem Leitungsschaden, das Wasser läuft über Treppe und Boden zur Kellertreppe, die Lupe sitzt auf einem Metallstreifen. Die Nummern führen von der Körnung und den Feldern über den Riss und die Reinigung bis zum Keller.

  1. Gestein in Zement, glatt geschliffen: Körnung aus Marmor, Kalkstein oder Dolomit wird mit grauem oder weißem Zement vor Ort eingebracht und gewalzt, bis die Schicht dicht ist. Nach dem Erhärten schleift man rund 5 Millimeter ab, spachtelt die freigelegten Poren und schleift erneut, bis die Körner glatt angeschnitten sind.
  2. Metallstreifen teilen die Felder: Damit beim Erhärten keine großen Schwindspannungen entstehen, wird die Fläche in kleinere Felder geteilt, früher auch mit Mosaiksteinen oder Porzellan. Bei 16 Millimetern Größtkorn ist die Nutzschicht etwa 35 Millimeter dick, Risse bleiben trotzdem häufig, bei altem Terrazzo sind sie fast typisch.
  3. Über Risse zieht Wasser darunter: Nach einem Leitungsschaden findet das Wasser auf dem Terrazzo Risse, Streifen und Ränder und sickert dort in den Unterbau. Weil der dichte Belag die Feuchte kaum nach oben abgibt, prüfen wir mit Messungen am Rand, wie nass der Unterbau ist, und trocknen ihn, ohne den Belag mehr als nötig zu öffnen.
  4. Nur klares Wasser, keine Säure: Was der Schaden an Schmutz hinterlässt, wischen wir mit klarem Wasser auf, bei Bedarf mit einem pH-neutralen Reiniger. Säurehaltige Reiniger, Essig, Kalklöser oder Soda machen die Oberfläche rau und stumpf, und Schmierseife hinterlässt Schichten, die man nur mühsam wieder abbekommt.
  5. Wasser im Keller: niemand hinunter: Im Treppenhaus kann das Wasser die Kellertreppe hinunterlaufen und unten den Zählerplatz mit dem Sicherungskasten erreichen. Steigt es dort, bleibt jeder oben, auch wer nur die Sicherungen ausschalten will, und Feuerwehr oder Netzbetreiber werden gerufen. Der Lichttaster im Treppenhaus trennt dabei keine Leitung.

Körnung, Bindemittel und Felder

Traditionell werden nach BauNetz Wissen Zuschläge wie Marmor, Kalkstein oder Dolomit mit Wasser und einem Bindemittel auf der Bodenfläche verteilt, früher mit Kalk, heute meist mit grauem oder weißem Portlandzement, und für stärker beanspruchte Böden kommen härtere Körnungen wie Granitsplitt oder Flusskies zum Einsatz.[1] Das Größtkorn liegt in der Regel bei 16 mm, und weil die Körnung das Erscheinungsbild bestimmt, wird sie nach optischen Gesichtspunkten und nach guter Schleifbarkeit ausgewählt, farbige Körnungen und Pigmente sind ebenfalls möglich.[1]

In historischen Gebäuden bestand der Unterbau nach der Kieler Denkmalschutzbehörde vorwiegend aus Stampfbeton, heute aus Estrich, und die Nutzschicht aus schleiffähigen Natursteinen wie Schiefer, Dolomit oder Marmor.[4] Die Flächen eines Terrazzofelds wurden durch Mosaiksteine, Metallstreifen oder Porzellan voneinander getrennt, nach dem Aushärten in mehreren Arbeitsgängen geschliffen und anschließend mit Öl, Wachs oder Seifen eingepflegt.[4]

Wasser, das im Treppenhaus über einen Terrazzoboden läuft, kann die Kellertreppe hinunterfließen und dort Zählerplatz und Sicherungskasten erreichen. Steigt unten das Wasser, geht niemand in den Keller, auch nicht, um Sicherungen auszuschalten, und die Feuerwehr oder der örtliche Netzbetreiber werden gerufen. Sind die Sicherungen trocken erreichbar, werden die Kreise für Treppenhaus und Keller abgeschaltet, bevor jemand Wasser aufnimmt; der Taster der Treppenhausbeleuchtung trennt keine Leitung.

Einbau, Schleifen und Spachteln

Eingebaut wird Terrazzo nach BauNetz Wissen frisch in frisch auf eine Unterschicht aus Beton und gewalzt, damit er eine hohe Dichte erreicht, und die Fläche wird in kleinere Felder unterteilt, um Schwindspannungen gering zu halten.[1] Bei 16 mm Größtkorn ist die Schicht etwa 35 mm dick, bei kleinerem Korn mindestens 15 mm, und davon werden jeweils rund 5 mm abgeschliffen.[1]

Weil nach dem Schleifen kleine Poren sichtbar werden, wird die Fläche gespachtelt und erneut geschliffen, unter Umständen mehrmals, mit gründlicher Reinigung zwischen den Gängen und einer abschließenden Einpflege mit Polymeren, Wachsen oder Ölen.[1] Neben der traditionell matten Oberfläche sind heute hochglänzende, sandgestrahlte oder gestockte Ausführungen möglich, in die sich Muster einarbeiten lassen.[1] Bevor ein Terrazzo nach einem Wasserschaden neu eingepflegt wird, prüft der Fliesenleger, ob die Schicht darunter wieder trocken ist.

Das Schleifen nach dem Erhärten belastet die Verarbeiter nach WECOBIS erheblich mit Lärm und Staub, und beim Schneiden mineralischer Platten kann alveolengängiger Quarzstaub entstehen, der Krebserkrankungen der Atemwege verursachen kann, weshalb nass geschnitten und der Staub direkt erfasst werden sollte.[2]

Vom antiken Boden zum Treppenhaus

Terrazzo hat seinen Ursprung nach BauNetz Wissen in der Antike, war in römischen Villen verbreitet und wurde seit dem Mittelalter vor allem im venezianischen Raum ein beliebter Boden in Wohnhäusern, und einer der ältesten Funde ist ein planebener Boden aus Kalksplitt und Kalkmörtel im Südosten der heutigen Türkei aus der Zeit um 8000 vor Christus.[1] Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde er wegen seiner Belastbarkeit vor allem in Küchen, Bädern und Hauseingängen verlegt, nach dem Zweiten Weltkrieg verdrängten ihn textile Beläge und PVC, und heute erlebt er mit schnell erhärtenden Bindemitteln eine Renaissance.[1] Kommt in solchen Räumen nach einem Rückstau Abwasser im Haus aus einem Ablauf im Boden, lässt sich eine dichte, gepflegte Terrazzofläche danach gründlich reinigen.

Durch die industrielle Herstellung von Bindemitteln fand Terrazzo nach der Kieler Pflegeanleitung im Lauf des neunzehnten Jahrhunderts große Verbreitung, in Eingangsbereichen historischer Gebäude finden sich aufwendige, individuelle Gestaltungen, und in Küchen und Bädern war er bis in die 1960er Jahre selbstverständlich.[4] Ist in einem alten Bad mit Terrazzoboden die Dusche undicht, zieht das Wasser über Risse und Fugen am Rand in die Unterschicht.

Terrazzoplatten nach DIN EN 13748-1

Terrazzoplatten sind nach WECOBIS verhältnismäßig moderne, terrazzoähnlich aufgebaute Betonwerksteine, die als Formatplatten mit fertig geschliffener Oberfläche im Werk entstehen und vor Ort im Mörtelbett verlegt und verfugt werden, während der Begriff Kunststein auf Terrazzo selbst nicht angewendet wird.[2] Betonwerkstein besteht aus langsam bindendem Zement, reinem Sand und einer Sichtkörnung aus Marmor, Kalk oder Travertin, wobei der Zement etwa 25 Gewichtsprozent ausmacht.[2]

Für Terrazzoplatten im Innenbereich gilt DIN EN 13748-1 in der Ausgabe vom August 2005, die DIN EN 13748-1 aus dem Mai 2004 und DIN 18500 von 1991 ersetzt und drei Bruchlastklassen eingeführt hat, wobei Klasse 1 für Platten gilt, die auf starrem Untergrund im Mörtelbett verlegt werden.[3] Zuständig ist auf europäischer Ebene das Komitee CEN/TC 229 für vorgefertigte Betonerzeugnisse und im DIN der Arbeitsausschuss Betonwerkstein.[3]

Ortterrazzo ähnelt in Herstellung und Schichtung zwar einem Betonwerkstein, entsteht aber vor Ort und entspricht damit nach BauNetz Wissen in vollem Umfang einem Estrich im Sinne von DIN EN 13318.[1]

Risse, Härte und Kosten von Terrazzo

Terrazzo ist nach BauNetz Wissen ein spannungsreicher Boden, darum kommt es häufiger zu Rissen, die bei einem neuen Boden stören mögen, bei altem Terrazzo aber ein fast typisches Merkmal sind.[1] Zu seinen Vorteilen zählen Langlebigkeit, hohe mechanische Belastbarkeit und vergleichsweise geringer Pflegeaufwand, dem jedoch ein erheblicher Kostenaufwand durch den hohen handwerklichen Anspruch und die aufwendige Verarbeitung vor Ort gegenübersteht.[1]

Die Kieler Denkmalschutzbehörde beschreibt Terrazzoböden als hochwertige, strapazierfähige Beläge, die sehr lange halten und sich durch besondere Formen, Materialien und Farben auszeichnen.[4]

Reinigen ohne Säure und Seife

Zuerst wird der Boden nach der Kieler Pflegeanleitung rückstandslos gefegt oder abgesaugt, dann nassfeucht gewischt, das Schmutzwasser aufgenommen und mit klarem Wasser nachgewischt, und danach soll der Boden ohne Begehung trocknen.[4] Bei stärkerer Verschmutzung kann ein pH-neutraler Reiniger mit einem pH-Wert um 7 zugegeben werden, und Ziel ist, das originale Aussehen zu erhalten, ohne zusätzliche Schichten aufzubauen oder chemische Stoffe in den Poren anzulagern.[4]

Säurehaltige Putzmittel, Zitronensäure, Essig oder Soda gehören nach der Anleitung auf keinen Fall auf Terrazzo, weil seine Oberfläche ohne Spezialbehandlung nicht säurebeständig ist und raue, stumpfe Stellen und dauerhafte Schäden die Folge wären.[4] Auch Kalklöser, Zementschleierentferner, Rostlöser, stark alkalische Grundreiniger und Scheuermilch scheiden aus, und Schmierseife baut dauerhafte Schichten auf, die sich nur aufwendig wieder entfernen lassen.[4]

Polymerwischpflegemittel für Reinigungsautomaten und handelsübliche Steinseife bilden dagegen eine wasserlösliche Schutzschicht, die bei der nächsten Reinigung wieder entfernt und neu aufgetragen wird, sodass der Terrazzo nicht dauerhaft verändert wird.[4]

Instandsetzung nach WTA-Merkblatt 3-15

Wie Fußböden, angrenzende Wandflächen und Treppen aus mineralisch gebundenem Ortterrazzo erhalten, instand gesetzt, ergänzt und gepflegt werden, beschreibt das WTA-Merkblatt 3-15 in der Ausgabe vom Mai 2014, das die Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege in ihrem Referat Naturstein erarbeitet hat.[5] Es führt von der Bestandserfassung und den Untersuchungen über Instandsetzungsziele und Techniken bis zu Pflege, Wartung und Dokumentation und verweist ergänzend auf die WTA-Merkblätter zur Natursteinreinigung und zur Kunststeinrestaurierung.[5]

Nasser Terrazzo im Treppenhaus

Läuft bei einem Leitungsschaden Wasser über einen Terrazzoboden, dringt es über Risse, Trennstreifen und Ränder in den Unterbau, und weil der dichte Belag kaum Feuchte nach oben abgibt, messen wir den Unterbau an den Rändern und trocknen ihn schonend, ohne den Belag unnötig zu öffnen. Rückstände nach dem Schaden entfernen wir mit klarem Wasser und pH-neutralen Mitteln, weil Säuren und Kalklöser die Oberfläche nach der Kieler Pflegeanleitung angreifen.[4]

Risse und Ausbrüche halten wir mit Fotos und Messwerten fest, und Schleif- oder Ausbesserungsarbeiten stimmen wir mit einem Fachbetrieb für Terrazzo und bei Denkmälern mit der Denkmalschutzbehörde ab, bevor etwas am Belag verändert wird.

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Belege

Quellen

  1. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Terrazzo: Herstellung, Eigenschaften und Einsatzbereiche. Fachwissen Boden, Estriche, Terrazzo, Abschnitte Material und Zusammensetzung, Einbau und Verarbeitung, Eigenschaften und Einordnung im Bauwesen. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
  2. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Kunststein-Bodenbeläge, Produktgruppe Mineralische Bodenbeläge. Datenblatt Kunststein-Bodenbeläge, Reiter Übersicht, Herstellung und Verarbeitung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  3. DIN Media GmbH: DIN EN 13748-1: Terrazzoplatten, Teil 1: Terrazzoplatten für die Verwendung im Innenbereich. Ausgabe 2005-08, Titel, Einführungsbeitrag und Ersatzvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
  4. Landeshauptstadt Kiel, Untere Denkmalschutzbehörde: Pflegeanleitung Holzdielen und Terrazzo im Denkmal. Pflegeanleitung Holzdielen und Terrazzo im Denkmal, Abschnitte Terrazzo, Reinigung und Pflege, Stand Februar 2026. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
  5. Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA), Inhaltsverzeichnis beim Fraunhofer IRB: WTA-Merkblatt 3-15: Instandsetzung von Ortterrazzo. Merkblatt 3-15, Ausgabe 05.2014/D, Erläuterungen und Inhaltsverzeichnis. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2

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