Hohe Wasserrechnung nach dem Rohrbruch: Wer zahlt das verlorene Wasser?
Die Antwort in Kürze
Der Versorger stellt den Verbrauch über seinen Zähler fest, und Wasser, das hinter dem Zähler ausläuft, wird dort mitgezählt.[1] Für Wasser, das nachweislich nicht in den Kanal gelangt ist, lässt sich die Schmutzwassergebühr auf Antrag erstatten, in Heilbronn binnen zwei Monaten nach dem Bescheid.[2] Den Mehrverbrauch übernimmt die Gebäudeversicherung, wenn er im Vertrag eingeschlossen ist.[3]
Wasser abstellen und den Zählerstand festhalten
Ist ein Rohr gebrochen, zählt jede Minute, auch für die spätere Rechnung. Hat das Wasser elektrische Leitungen, Dosen oder Geräte erreicht, wird als Erstes die passende Sicherung ausgeschaltet, vorausgesetzt, der Verteiler ist trocken und ohne nasse Füße zu erreichen. Andernfalls überlässt man den Raum der Feuerwehr oder dem Netzbetreiber. Dann folgt der Hauptabsperrhahn, wenn er sich ohne Risiko erreichen lässt; ein Keller mit steigendem Pegel bleibt tabu.
Notieren Sie anschließend den Stand des Wasserzählers mit Datum und Uhrzeit und fotografieren Sie ihn. Machen Sie dasselbe, wenn das Rohr repariert ist und das Wasser wieder läuft. Mit beiden Ständen und der Rechnung des Installateurs lässt sich später abgrenzen, wie viel Wasser durch den Schaden verloren ging, und genau danach fragen Versorger, Gemeinde und Versicherung.
Was der Wasserzähler misst und wer für was zuständig ist
Nach der Verordnung über die Wasserversorgung stellt der Versorger die verbrauchte Wassermenge mit seinen Messeinrichtungen fest; er liefert sie, bringt sie an, überwacht und unterhält sie.[1] Was hinter dem Hausanschluss liegt, verantwortet dagegen der Anschlussnehmer, nur die Zähler des Versorgers sind davon ausgenommen.[1] Läuft Wasser aus einem gebrochenen Rohr hinter dem Zähler, wird es nach dieser Ordnung als Verbrauch erfasst und abgerechnet.[1] Liegt der Rohrbruch im Garten hinter dem Zähler, gilt dasselbe, auch wenn vom Wasser im Haus nichts zu sehen ist.
Zweifeln Sie am Zähler selbst, können Sie jederzeit eine Nachprüfung nach dem Mess- und Eichgesetz verlangen.[1] Für die Prüfung zahlt der Versorger nur dann, wenn das Gerät die gesetzlichen Verkehrsfehlergrenzen überschreitet, sonst zahlen Sie.[1] Zeigt die Prüfung einen Fehler, werden zu viel berechnete Beträge erstattet; lässt sich die Größe des Fehlers nicht feststellen, schätzt der Versorger den Verbrauch, etwa nach dem Vorjahr.[1]
Abwassergebühr für Wasser, das nie im Kanal war
Mit dem Frischwasser steigt bei einem Rohrbruch auch die Abwassergebühr, und zwar in dem Maß, in dem das Wasser versickert, wie die Entsorgungsbetriebe der Stadt Heilbronn erläutern.[2] Für Wassermengen, die nachweislich nicht in die öffentlichen Abwasseranlagen eingeleitet wurden, kann die Schmutzwassergebühr dort auf Antrag erstattet werden.[2]
Heilbronn verlangt dafür den Antrag auf Absetzung, die aktuelle Wasser- und Abwasserrechnung des Schadensjahres, die Rechnungen der drei Abrechnungsperioden vor dem Schaden und die Rechnung über die Reparatur.[2] Der Antrag muss spätestens zwei Monate nach Bekanntgabe des Gebührenbescheids gestellt sein, der die Wassermengen des Rohrbruchs enthält.[2] Andere Gemeinden regeln Frist und Nachweis in ihrer eigenen Satzung, sehen Sie deshalb früh in die Satzung Ihres Entsorgers, damit keine Frist verstreicht.
Ist das Wasser über einen Bodenablauf oder ein Abflussrohr in den Kanal geflossen, ist es nach dieser Regel tatsächlich eingeleitet worden, und eine Absetzung kommt für diese Menge nicht in Betracht.[2]
Den Mehrverbrauch sauber beziffern
Dass die Stadt Heilbronn die Rechnungen der drei Abrechnungsperioden vor dem Schaden sehen will, zeigt, wie der Mehrverbrauch ermittelt wird: aus dem Vergleich mit dem gewohnten Verbrauch.[2] Wer seinen Zähler ohnehin regelmäßig abliest, hat hier einen Vorteil, denn je genauer der normale Verbrauch belegt ist, desto klarer lässt sich die Menge abgrenzen, die durch das Leck verloren ging. Der Bericht einer Leckageortung zeigt dabei, wo das Wasser austrat und ob es in den Kanal oder ins Erdreich lief.
Lag das Leck lange unbemerkt in einer Wand oder unter dem Estrich, hilft der Ortungsbericht, den Zeitraum einzugrenzen. Darin steht, an welcher Stelle das Leitungswasser herauskam und wie weit sich die Nässe im Bauteil ausgebreitet hatte, und das ergänzt die Zählerstände um die technische Seite.
Versichert ist der Mehrverbrauch nur mit passender Klausel
Die Wohngebäudeversicherung ersetzt nach einem Leitungswasserschaden in erster Linie den Schaden am Gebäude. Ob sie auch das verlorene Wasser bezahlt, hängt vom Vertrag ab. In einem Fall, den das OLG Bamberg 2007 entschied, galten die VGB 2002 mit einer besonderen Vereinbarung, nach der der Versicherer den Mehrverbrauch an Wasser und Abwasser ersetzte, den das Versorgungsunternehmen in Rechnung stellte, begrenzt auf 2 Prozent der Versicherungssumme.[3]
Dort hatte die Versicherungsnehmerin für das ausgelaufene Wasser 23.332,89 Euro gezahlt, und der Versicherer leistete 13.420 Euro, also die 2 Prozent.[3] Das Gericht ordnete den Leitungswasserschaden dem jeweils geschädigten Gebäude zu und nicht dem ganzen Grundstück; maßgeblich war damit der Vertrag dieses Gebäudes.[3] Prüfen Sie Ihren Versicherungsschein auf Begriffe wie Wassermehrverbrauch oder Wasserverlust, bevor Sie mit einer Erstattung rechnen, und lassen Sie sich die Antwort des Versicherers im Zweifel schriftlich geben. Zu den Kosten nach dem Rohrbruch gehört das verlorene Wasser also nur, wenn der Vertrag es ausdrücklich nennt.
Belege für Versorger, Gemeinde und Versicherung
Alle drei Stellen fragen nach denselben Unterlagen:
- Fotos des Zählerstands mit Datum, vor und nach der Reparatur
- die Rechnung des Installateurs mit Datum und Schadenstelle
- den Ortungsbericht, falls das Leck gesucht werden musste
- die Wasser- und Abwasserrechnungen der vorherigen Abrechnungszeiträume
- den Gebührenbescheid mit dem Mehrverbrauch und seinem Eingangsdatum
- die Schadennummer und den Schriftverkehr mit der Versicherung
Häufige Fragen
Kann ich den Wasserzähler prüfen lassen, wenn mir die Menge zu hoch vorkommt?
Ja, nach der Verordnung über die Wasserversorgung jederzeit.[1] Bleibt die Abweichung innerhalb der gesetzlichen Verkehrsfehlergrenzen, zahlen Sie die Prüfung selbst.[1]
Bis wann muss ich die Absetzung der Abwassergebühr beantragen?
Das regelt die Satzung Ihrer Gemeinde. In Heilbronn gilt eine Frist von zwei Monaten nach Bekanntgabe des Gebührenbescheids, der die Wassermengen des Rohrbruchs enthält.[2]
Zahlt die Versicherung das Wasser auch ohne Zusatzklausel?
In dem Fall vor dem OLG Bamberg war der Mehrverbrauch über eine besondere Vereinbarung versichert und auf 2 Prozent der Versicherungssumme begrenzt.[3] Steht in Ihrem Vertrag keine solche Regelung, fragen Sie beim Versicherer nach, bevor Sie mit Geld rechnen.
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Belege
Quellen
- Bundesministerium der Justiz: Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV). § 12 Abs. 1, § 18 Abs. 1 und 2, § 19, § 21. Abgerufen am 11.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
- Entsorgungsbetriebe der Stadt Heilbronn: Abwassergebühren bei Wasserrohrbruch. Merkblatt, Abschnitte zu den Unterlagen und zur Antragsfrist. Abgerufen am 11.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Rechtsanwälte Kotz GbR: Wasserschaden: Versicherungsleistung der Wohngebäudeversicherung (OLG Bamberg, 1 U 15/07). Hinweisbeschluss vom 02.03.2007 und Beschluss vom 20.03.2007, Gründe zu Mehrverbrauch und Zurechnung. Abgerufen am 11.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
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