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Feinsteinzeug im Vergleich mit Steingut: Wasser bleibt auf der dichten Platte stehen

Feinsteinzeug

Auch: FSZ

Feinsteinzeug ist eine keramische Fliese aus Steinzeug mit einer Wasseraufnahme von unter 0,5 %, die unter hohem Druck trocken gepresst und bei 1200 bis 1300 °C zu einem sehr dichten Scherben gebrannt wird.[1][2] Der Name ist eine Handelsbezeichnung, und wegen seiner Bruchfestigkeit, Frostbeständigkeit und chemischen Beständigkeit eignet sich Feinsteinzeug für Böden, Wände, Treppen und Fassaden innen wie außen.[2][1]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So bleibt Wasser auf Feinsteinzeug stehen, bis es die Fugen findet

Feinsteinzeug, Funktionsweise: Tropfen steht auf Feinsteinzeug und zieht in Steingut ein, Lupen auf dichten und porösen Scherben, kunststoffvergüteter Kleber, Wasser sickert an der Fuge in Estrich und Dämmschicht

Schematische Darstellung: Bad in der Renovierung, auf dem Arbeitstisch liegen ein Stück Feinsteinzeug und ein Stück Steingut zum Vergleich, darunter der Boden im Schnitt. Die Nummern führen vom gesinterten Scherben über den Vergleich mit Steingut und den Kleber bis zur nassen Fuge.

  1. Bei 1200 bis 1300 Grad dicht gesintert: Das Mineralpulver aus Quarz, Feldspat und weiteren Flussmitteln wird unter hohem Druck trocken in Form gebracht und im Rollenofen gebrannt. Weil der Feldspat schon bei niedrigerer Temperatur schmilzt, verschmelzen die Körner zu einem Scherben fast ohne offene Poren.
  2. Steingut saugt über 10 Prozent auf: Steingut wird bei 950 bis 1150 Grad gebrannt, sein Scherben bleibt porös und nimmt mehr als 10 Prozent Wasser auf. Ein Tropfen zieht darum in die Rückseite ein, Steinzeug liegt dagegen schon unter 3 Prozent.
  3. Kunststoffvergüteter Kleber: Die dichte Rückseite bietet dem Kleber kaum Poren, normaler Zementmörtel ist für die Verlegung darum ungeeignet. Verlegt wird mit kunststoffvergütetem Fliesenkleber, der etwa 2,5 bis 10 Prozent Dispersionspulver enthält, und für den Fugenmörtel gilt das ebenso.
  4. Unter 0,5 Prozent Wasseraufnahme: Als Feinsteinzeug bezeichnet man Fliesen, die weniger als 0,5 Prozent Wasser aufnehmen, darum bleibt ein Tropfen auf der Platte stehen. Technisches Feinsteinzeug erreicht bei manchen Herstellern sogar 0,03 Prozent, gemessen wird nach der Norm DIN EN ISO 10545-3.
  5. Nässe zieht über die Fugen ein: Bei einem Leitungsschaden nimmt die Platte selbst kaum Wasser auf, es sickert an Fugen und Rändern in den Estrich und bis in die Dämmschicht. Nach oben verdunstet es durch den dichten Belag kaum, darum messen wir die Feuchte im Estrich und am Rand und trocknen über Bohrungen in den Fugen.

Quarz, Feldspat und Sinterung

Hergestellt wird Feinsteinzeug nach WECOBIS aus Mineralpulver mit hohen Anteilen an Quarz, Feldspat und anderen Flussmitteln, das unter hohem Druck trocken verpresst wird, und die Brenntemperatur von 1200 bis 1300 °C sorgt für die sehr hohe Dichte.[1] Keramische Fliesen entstehen im Strangpress- oder im Trockenpressverfahren, wobei das Trockenpressen weitaus häufiger ist und die Herstellung aus einer Gießmasse unüblich.[1]

Der Name führt nach BauNetz Wissen leicht in die Irre, denn gemeint sind keine Fliesen aus besonders fein gemahlenen Rohstoffen, gemeint ist Steinzeug mit besonders niedriger Wasseraufnahme, das im Rollenofen gebrannt wird.[2] Weil der zugesetzte Feldspat einen verhältnismäßig niedrigen Schmelzpunkt hat, sintert der Scherben beim Brand nahezu vollständig und ohne offene Poren, zumindest in der oberen Sinterschicht.[2] Steinzeugfliesen haben nach WECOBIS eine hohe Festigkeit und geringe Porosität, sind frostsicher und abriebfest, und fast alle Fliesen für stark beanspruchte Bereiche in Industrie, Gewerbe oder öffentlichen Gebäuden bestehen aus Steinzeug.[1] Ist im Bad eine Dusche undicht, nimmt die Fliese selbst darum kaum Wasser auf, und die Nässe zieht über Fugen und Anschlüsse in den Untergrund. Steht das Wasser erst einmal darunter, kann es durch die dichten Platten kaum verdunsten, und die Wasserschadensanierung arbeitet dann über Bohrungen in den Fugen.

Unter großformatigem Feinsteinzeug können in Bad, Küche und Wohnräumen Heizmatten, Bodendosen und Leitungen im Estrich liegen. Ist der Belag nach einem Leitungsschaden unterlaufen, werden die Sicherungen dieser Räume ausgeschaltet, ehe jemand Wasser von der Fläche schiebt oder Sockelfliesen löst, und auf den Lichtschalter kommt es dabei nicht an. Ist der Sicherungskasten von Wasser erreicht, verlässt man die Wohnung und überlässt die Anlage der Feuerwehr oder dem örtlichen Netzbetreiber, und im Keller hat bei steigendem Pegel niemand etwas zu suchen.

Wasseraufnahme, Dichte, Frost

Steingut nimmt nach dem Brand bei 950 bis 1150 °C mehr als 10 % Wasser auf, Steinzeug ist als Keramik mit einer Wasseraufnahme unter 3 % definiert, und als Feinsteinzeug bezeichnet WECOBIS Fliesen mit einer Wasseraufnahme unter 0,5 %.[1] Geprüft wird die Wasseraufnahme nach DIN EN ISO 10545-3, die Einteilung in fünf Gruppen gibt DIN EN 14411 vor, und von der Wasseraufnahme hängt auch die Frostbeständigkeit ab.[1] Neben der Wasseraufnahme dienen Frostbeständigkeit, Rutschsicherheit und Abriebfestigkeit zur Einteilung, wobei der Tiefenverschleiß unglasierter Fliesen nach DIN EN ISO 10545-6 ermittelt und die Abriebfestigkeit glasierter Fliesen nach DIN EN ISO 10545-7 eingestuft wird.[1] Bei Fliesenarbeiten mit so dichten Platten braucht es einen kunststoffvergüteten Kleber, weil die dichte Rückseite dem Kleber kaum Poren bietet.

Unglasiertes technisches Feinsteinzeug erreicht bei einigen Herstellern nach BauNetz Wissen Werte von nur 0,03 %, während Glasplatten bei etwa 0,02 % liegen, darum ist bei der Herstellung von Verglasung die Rede.[2] Weil die Normung mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten hat, sucht man Feinsteinzeug in normativen Definitionen vergeblich, bis eine noch zu verabschiedende ISO 13006 den Begriff aufgreift.[2] Selbst Abwasser im Haus nach einem Rückstau dringt kaum in die Platten ein, wohl aber in offene Fugen.

Feinsteinzeug nach DIN EN 14411

Die Norm DIN EN 14411 in der Ausgabe vom Dezember 2016 legt Begriffe und Eigenschaften für stranggepresste und trockengepresste keramische Fliesen und Platten für Boden-, Treppen- und Wandbeläge innen und außen fest, einschließlich Mosaiken, die in eine Fläche von 49 cm² passen.[3] Ausgenommen sind unter anderem Produkte auf Netzträgern, Zubehör wie Kanten, Ecken und Sockel, trockengepresste unglasierte Fliesen mit mehr als 10 % Wasseraufnahme, Fahrbahnbeläge im Außenbereich und Deckenbekleidungen.[3]

Die Ausgabe ersetzt die Fassung vom Dezember 2012, korrigiert redaktionelle Fehler, etwa bei den Toleranzen für die Ebenflächigkeit, und ergänzt einen Abschnitt zur Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit sowie neue Regeln zur Kennzeichnung.[3] Als Generalnorm hat sie nach WECOBIS die einzelnen DIN-Normen der verschiedenen Produktgruppen abgelöst und regelt europaweit auch Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung.[1]

Glasiert, poliert oder durchgefärbt

Feinsteinzeug wird unglasiert, poliert oder glasiert angeboten, und die meisten Oberflächenstrukturen entstehen nach BauNetz Wissen beim Pressen durch Stempel, während poliertes Feinsteinzeug nachträglich durch Schleifen der Oberfläche entsteht.[1][2] Dringt das Polieren zu tief in die Sinterschicht ein, können sich feine Kavernen öffnen, anders als bei Naturstein, bei dem sich durch Polieren eher Poren schließen, darum ist ein Imprägnieren von poliertem Feinsteinzeug angeraten.[2]

Auch durchgefärbtes Feinsteinzeug muss nicht über die volle Stärke aus dem Material der Oberfläche bestehen: Seit der Digitaldruck nahezu jedes Dekor ermöglicht, ist das teurere durchgehend gefärbte Material auf dem Rückzug, und manche Platten bestehen aus einem dünnen, hochwertigen oberen und einem günstigen, einfarbigen unteren Scherben.[2]

Kleber, Fuge und Zuschnitt

Wegen der geringen Porosität ist normaler Zementmörtel für die Verlegung von Feinsteinzeug ungeeignet, nötig sind nach WECOBIS kunststoffvergütete Fliesenkleber mit etwa 2,5 bis 10 % Dispersionspulver, und dasselbe gilt für das Fugenmaterial.[1] Feinsteinzeug ist hart und spröde und lässt sich nicht so leicht schneiden wie Steingut, empfohlen wird deshalb eine wassergekühlte Steintrennmaschine mit geschlossener Diamanttrennscheibe.[1]

Die Fugen sind Teil des Belags, aber weniger widerstandsfähig als die Fliesen, weshalb WECOBIS für sie eine unempfindliche Farbe empfiehlt.[1]

Reinigung, Emissionen und Rückbau

Weil keine flüchtigen Stoffe enthalten sind und die Inhaltsstoffe beim Sintern fest gebunden werden, verhalten sich Fliesen nach WECOBIS bei den Emissionen in den Innenraum unproblematisch.[1] Ihre Lebensdauer ist lang und wird in der Regel nicht durch eine nachlassende Gebrauchs- und Funktionstüchtigkeit begrenzt, und die Oberflächen lassen sich leicht reinigen.[1] Poliertes Feinsteinzeug braucht wegen seiner höheren Fleckempfindlichkeit eine Imprägnierung, und bei Grundreinigung und Imprägnierung sind Gefahren durch Inhaltsstoffe wie Lösemittel zu vermeiden.[1] Für den Alltag genügen nach WECOBIS lauwarmes Wasser und bei Bedarf ein gering dosierter Neutralreiniger, während mehr und schärfere Mittel der Oberfläche schaden und pflegemittelhaltige Reiniger auf Dauer eine klebrige Schicht aufbauen können.[1]

Beim Rückbau heute hergestellter Fliesenbeläge ist außer bei Staub mit keinem besonderen Umwelt- oder Gesundheitsrisiko zu rechnen, eine Wiederverwendung scheitert in der Regel an der guten Haftung am Untergrund, und sortenreine Reste können als Magerungsmittel in die Produktion zurückgehen oder als Splittersatz dienen.[1]

Alte Fliesen vor dem Neubelag

Bis Ende Oktober 1993 durfte Asbest in Deutschland in Gebäuden verwendet werden, und in Fliesenklebern, Spachtelmassen oder Putzen erkennt man ihn nach dem Umweltbundesamt nicht sofort, während er bei normaler Nutzung kein Risiko darstellt.[4] Wer alte Fliesen abschlagen will, um Feinsteinzeug zu verlegen, muss deshalb vorher wissen, woraus der alte Kleber besteht, denn beim Abstemmen können krebserzeugende Fasern frei werden.[4]

Vor dem Entfernen alter Beläge lassen wir in solchen Häusern Proben untersuchen, und erst nach dem Befund legen wir fest, ob die alten Fliesen abgenommen, überdeckt oder unter Schutzmaßnahmen entfernt werden.

Wasser unter dem Feinsteinzeugboden

Feinsteinzeug selbst nimmt kaum Wasser auf, bei einem Leitungsschaden läuft das Wasser aber über Fugen und Ränder in Estrich und Dämmschicht und kann durch den dichten Belag kaum nach oben entweichen. Wir messen deshalb im Estrich und an den Rändern, prüfen den Belag auf Hohlstellen und trocknen die Dämmschicht über Bohrungen in den Fugen oder am Rand, damit der Belag so weit wie möglich liegen bleiben kann.

Gelöste oder gebrochene Platten nehmen wir einzeln auf, und nach dem Trocknen werden sie mit einem Kleber und einem Fugenmaterial neu gesetzt, die für Feinsteinzeug geeignet sind, sodass die Fläche wieder geschlossen und belastbar ist.

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Belege

Quellen

  1. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Keramik-Fliesen und -Platten, Produktgruppe Mineralische Bodenbeläge. Datenblatt Keramik-Fliesen und -Platten, Reiter Übersicht, Technisches, Herstellung, Verarbeitung, Nutzung und Nachnutzung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18
  2. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Feinsteinzeug. Fachwissen Fliesen und Platten, Keramische Beläge, Feinsteinzeug. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
  3. DIN Media GmbH: DIN EN 14411: Keramische Fliesen und Platten, Definitionen, Klassifizierung, Eigenschaften, Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit und Kennzeichnung. Ausgabe 2016-12, Einführungsbeitrag, Ersatzvermerk und Änderungsvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
  4. Umweltbundesamt: Asbest in Gebäuden auch heute noch ein Problem: Neue Leitlinie gibt Rat, auch für Laien und Heimwerker. Pressemitteilung Nr. 22/2020 vom 02.06.2020. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
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