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Pressverbindung: Rohrleitung mit Pressmaschine, aufgeschnittenem Fitting mit O-Ring, Markierung der Einschubtiefe, tropfendem Fitting, geknicktem Verbundrohr und Druckprüfgerät

Pressverbindung

Auch: Pressfitting, Pressverbinder

Eine Pressverbindung verbindet Rohre einer Trinkwasserinstallation, indem ein Fitting mit einem Presswerkzeug dauerhaft auf das eingeschobene Rohr gepresst wird.[1] Seit den 1990er Jahren ist das Verpressen die häufigste Verbindungstechnik in Trinkwasserinstallationen.[1] Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung sieht in mangelhaften Pressverbindungen einen deutlichen Schwerpunkt der Leitungswasserschäden, verursacht fast immer durch einen Installationsmangel.[1]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So hält eine Pressverbindung und so geht sie schief

Pressverbindung, Funktionsweise: Rohrleitung an einer Installationswand mit Pressmaschine um einen Fitting, aufgeschnittener Fitting mit O-Ring und eingeschobenem Rohr, Markierung der Einschubtiefe, zu kurz gesteckter tropfender Fitting, hinter dem Fitting scharf gebogenes Verbundrohr mit Riss, Druckprüfgerät mit Manometer

Schematische Darstellung einer Rohrleitung an einer Installationswand mit Pressmaschine, aufgeschnittenem Fitting, Markierung der Einschubtiefe, zu kurz gestecktem Fitting, scharf gebogenem Verbundrohr und Druckprüfgerät. Die Nummern folgen dem Weg von der richtigen Verpressung über die typischen Fehler zur Prüfung.

  1. Fitting mit O-Ring auf das Rohr gepresst: Das Rohr wird bis zum Anschlag in den Fitting geschoben, dann presst das Werkzeug die Hülse dauerhaft auf das Rohr. Der O-Ring im Fitting dichtet, seit den 1990er Jahren ist das Verpressen die häufigste Verbindungstechnik in Trinkwasserinstallationen.
  2. Einschubtiefe vorher markiert: Die vom Hersteller vorgegebene Einschubtiefe wird vor dem Verpressen auf dem Rohr markiert. So lässt sich am fertigen Fitting sehen, ob das Rohr wirklich tief genug sitzt.
  3. 7,5 statt 24 mm gesteckt: undicht: Eine zu geringe Einschubtiefe ist der häufigste Fehler an metallischen Pressverbindungen. Im Krankenhausfall steckte das Rohr nur 7,5 statt der geforderten 24 Millimeter im Bogen, das Wasser lief vom fünften Stock bis in den Operationsbereich.
  4. Nur das passende Presswerkzeug: Nicht systemkonformes Presswerkzeug oder seine falsche Anwendung tragen wesentlich zu den Schäden bei. Ein Werkzeug für Metallrohrsysteme verformt an Verbundrohren Presshülse und Bauteile übermäßig und beschädigt das Rohr.
  5. Zu eng gebogen: Rohr reißt: Wird ein Verbundrohr direkt hinter der Presshülse umgebogen und der zulässige Biegeradius unterschritten, reißt der Rohrwerkstoff unter Spannung, auch wenn die Verpressung selbst einwandfrei ist. Schlecht entgratete Rohrenden beschädigen zudem die Dichtung beim Einschieben.
  6. Druckprüfung vor Inbetriebnahme: Die Normen sehen nach der Fertigstellung eine Druckprüfung vor, mit der sich mangelhafte Pressverbindungen zuverlässig feststellen lassen. Schäden haben meist zwei Ursachen: die mangelhafte Verpressung und die fehlende Prüfung.

Vom Löten zum Verpressen

Über viele Jahrzehnte bestanden Trinkwasserleitungen aus Metall, zunächst aus Blei, später aus verzinktem Stahl und schließlich aus Kupfer, und entsprechend wurde gelötet und verschraubt.[2] In den 1990er Jahren setzte sich das Verpressen durch, vor allem bei den dafür gut geeigneten Kupferrohren, und zugleich eroberten Kunststoff- und Verbundrohre den Markt.[2] Neue Techniken bringen nach dem IFS zwangsläufig auch neue Arten von Schäden mit sich, die sich aber durchaus vermeiden lassen.[1]

Verbundrohre bestehen nach dem Beitrag in der Regel aus fünf Schichten, drei Rohr- und zwei Kleberschichten: Das Innenrohr, meist aus vernetztem Polyethylen, führt das Trinkwasser, die metallische Mittelschicht verhindert unerwünschte Gasdiffusion, und ein äußerer Kunststoffmantel schützt vor äußeren Einflüssen.[2] Weil sich Kunststoffe anders verhalten als Metalle, mussten die Pressfittings an den jeweiligen Rohrwerkstoff angepasst werden.[2]

Die häufigsten Fehler

Wertet man die Schadenstatistik genauer aus, ist eine zu geringe Einschubtiefe nach dem IFS der häufigste Fehler an metallischen Pressverbindungen, und nicht systemkonformes Presswerkzeug oder dessen falsche Anwendung tragen wesentlich zu den Schäden bei.[1] Manchmal wurde das Verpressen auch ganz vergessen, Materialfehler sind dagegen äußerst selten die Ursache.[1] Ein Wasserschaden im Neubau kann darum auf eine einzelne unverpresste Verbindung zurückgehen, die vor dem Schließen der Wände unbemerkt blieb.

Für Kunststoff- und Verbundrohre nennt der Beitrag in der haustec als häufigste Fehler die fehlende Verpressung, ungeeignete oder falsch verwendete Presswerkzeuge, eine fehlerhafte Positionierung der Bauteile vor dem Verpressen und nicht eingehaltene Biegeradien direkt hinter der Verbindung.[2] Schlecht entgratete Rohrenden können außerdem beim Einschieben die Dichtungen im Fitting beschädigen.[1] Wer eine Wasserleitung selbst reparieren will, braucht für Pressverbindungen das passende Werkzeug des jeweiligen Systems, sonst drohen dieselben Fehler.

Fehler an Pressverbindungen
Fehler was passiert
Einschubtiefe zu gering das Rohr sitzt nicht fest und kann sich aus dem Fitting lösen
fremdes oder ungeeignetes Presswerkzeug die Verpressung hält nicht oder verformt Presshülse und Rohr
Verpressung vergessen das Rohr lässt sich aus dem Fitting ziehen, oft erst später undicht
Rohr direkt hinter dem Fitting gebogen der Rohrwerkstoff reißt unter Spannung
Rohrende nicht entgratet die Dichtung im Fitting wird beim Einschieben beschädigt

Nach dem IFS-Merkblatt Pressverbindungen an metallischen Leitungen, Stand Juli 2018, und dem Beitrag in haustec.de vom 06.11.2017.[1][2]

Überschwemmung im Operationssaal

In einem noch nicht fertiggestellten Krankenhaus entdeckte der Sicherheitsdienst an einem Abend einen Leitungswasserschaden, vier Wochen nachdem die gesamte Wasserinstallation in Betrieb genommen worden war.[1] Von einer Leckage im fünften Stock lief das Wasser über Versorgungsschächte und Decken bis in den OP-Bereich im ersten Stock, verursachte Schäden in Millionenhöhe, und das Krankenhaus konnte nicht wie geplant eröffnet werden.[1]

Undicht war ein 90-Grad-Einsteckbogen in einer Warmwasserzirkulationsleitung aus Edelstahl in einer Zwischendecke, und das IFS prüfte, ob zertifiziertes Material, ein systemkonformes Presswerkzeug und die richtige Einschubtiefe verwendet worden waren.[1] Nach Angaben der Installationsfirma lag der Betriebsdruck dort bei 2 bar und die Temperatur bei 70 Grad Celsius.[1] Die Bauteile trugen DVGW-Prüfzeichen, und die Pressspuren deuteten auf ein geeignetes Werkzeug, doch statt der vom Hersteller geforderten 24 Millimeter steckte das Rohr nur 7,5 Millimeter tief im Bogen.[1] Eine Unterschreitungstoleranz gibt dieser Hersteller nicht an, andere Hersteller vergleichbarer Produkte lassen höchstens 5 Millimeter zu.[1]

Eine Druckprüfung soll nach Angaben der Installationsfirma stattgefunden haben, ein Protokoll wurde dem IFS aber nicht vorgelegt, und bei einer ordnungsgemäßen Prüfung hätte sich der Mangel gezeigt.[1]

Wasserschaden im Hotel

Im zweiten Beispiel des IFS löste sich in einem noch nicht übergebenen Hotel eine Pressverbindung an einem T-Stück in einer Steigleitung im vierten Stock, und alle darunterliegenden Geschosse wurden in Mitleidenschaft gezogen.[1] Wie Krankenhäuser haben Hotels nach dem IFS eine umfangreiche Trinkwasserinstallation, und auch dieses Haus war ein Neubau.[1] Das zertifizierte Material stammte von einem bekannten Markenhersteller, ein Produktmangel lag nicht vor, verpresst worden war aber mit dem Werkzeug eines anderen Herstellers, und statt 21 Millimetern lag die Einschubtiefe nur bei 8 Millimetern.[1]

Schäden an Kunststoffleitungen

In einer Doppelhaushälfte fiel sechs Jahre nach dem Einzug muffiger Geruch auf, dann zeigte sich Schimmel im Essbereich der Küche, und die Leckortung fand die Ursache hinter einer gefliesten Vorwand im angrenzenden Gäste-WC, am Anschluss des Spülkastens.[2] An der Presshülse des Winkelfittings fehlten jede Spuren einer Verpressung, und das Rohr ließ sich leicht aus der Muffe ziehen.[2] Versicherer sprechen in solchen Fällen von Allmählichkeitsschäden, die besonders tückisch sind, weil sie oft lange unbemerkt bleiben und die Durchfeuchtung des Gebäudes dann schon weit fortgeschritten ist.[2]

In einer kommunalen Sport- und Mehrzweckhalle traten kurz nach der Einweihung mehrere Undichtigkeiten an Pressverbindungen in abgehängten Decken auf, weil ein Presswerkzeug verwendet worden war, das nur für Metallrohrsysteme taugt.[2] Es verformte Presshülse und Bauteile übermäßig und beschädigte das Rohr, und mit etwas mehr Sorgfalt bei der Wahl des Werkzeugs wäre der Schaden nach dem Beitrag vermieden worden.[2]

Im dritten Fall war vier Jahre nach einer Badsanierung eine Verpressung an der Warmwasserzuleitung eines Bidets undicht, und das Wasser lief durch die Holzbalkendecke bis in den Keller.[2] Das Verbundrohr war direkt hinter der Presshülse umgebogen worden, der zulässige Biegeradius war unterschritten, und der Schutzmantel zeigte die Merkmale eines Gewaltbruchs.[2] Wand- und Deckenverkleidungen waren beschädigt, und wochenlange Trocknung und Reparaturen folgten, obwohl die Verpressung selbst einwandfrei war.[2] Bei korrekter Leitungsführung mit dem vorgeschriebenen Biegeradius wäre auch dieser Schaden nicht entstanden.[2]

Warum die Druckprüfung so wichtig ist

Weil bei jeder Arbeit Fehler passieren, sehen die einschlägigen Normen nach dem IFS eine Druckprüfung der Installation nach der Fertigstellung vor, und mit ihr lassen sich mangelhafte Pressverbindungen zuverlässig feststellen.[1] Schäden haben nach dem Institut meist mehr als eine Ursache: Zu der mangelhaften Verpressung muss die fehlende oder mangelhafte Druckprüfung hinzukommen.[1]

Typischerweise treten die Schäden nach dem IFS kurz nach der Inbetriebnahme auf, nach dem Beitrag in der haustec sehr häufig noch in der Gewährleistungszeit.[1][2] Die vom Hersteller vorgegebene Einschubtiefe ist vor dem Verpressen auf dem Rohr zu markieren, und nur zertifizierte Materialien mit den dafür vorgesehenen Werkzeugen sollen verwendet werden.[1] Wie eine Druckprüfung abläuft, beschreibt der Begriff Dichtheitsprüfung.

Regress beim Installateur

Kann die Installationsfirma kein Protokoll einer Druckprobe vorlegen, werden Gebäudeversicherer nach dem Beitrag in der haustec einen Regress gegen den Installateur anstrengen, und im Fall des Bidets hat die Versicherung das getan.[2] Rechtlich geht der Ersatzanspruch des Versicherungsnehmers gegen einen Dritten nach § 86 Abs. 1 VVG auf den Versicherer über, soweit dieser den Schaden ersetzt.[3]

Welche Pflichten der Versicherte beim Regress hat, beschreibt der Begriff Selbstbeteiligung. Für den Nachweis zählt vor allem das ausgebaute Bauteil: An ihm lassen sich Einschubtiefe, Pressspuren und das verwendete Werkzeug im Labor erkennen, wie die Untersuchungen des IFS zeigen.[1]

Eine undichte Pressverbindung sichern

Mit der Leckageortung finden wir die undichte Verbindung, oft hinter Vorwänden oder in Zwischendecken. Das schadhafte Stück bauen wir mit etwas Rohr auf beiden Seiten aus, ohne es weiter zu verformen, beschriften es und bewahren es auf, denn nur so kann ein Gutachter später Einschubtiefe, Pressspuren und Biegung beurteilen.

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Belege

Quellen

  1. Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS): Schadenursache: Pressverbindungen an metallischen Leitungen (IFS-Merkblatt Leitungswasserschäden). Stand Juli 2018. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21↑22↑23
  2. haustec.de, Alfons W. Gentner Verlag: Typische Fehler bei Pressverbindungen an Kunststoffleitungen vermeiden. Beitrag vom 06.11.2017, zuerst erschienen in SBZ Monteur 10/2017. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17
  3. Bundesministerium der Justiz, Gesetze im Internet: Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz, VVG). § 86. Abgerufen am 24.09.2026. ↑
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