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Rigole

Auch: Versickerungsrigole, Rigolenversickerung

Eine Rigole ist ein unterirdischer Speicherkörper aus Kies, Lava oder Kunststoffblöcken, der Regenwasser von Dächern und Flächen aufnimmt und es verzögert in den umgebenden Boden versickern lässt.[1] Kiesfüllungen speichern dabei nur etwa 35 Prozent ihres Volumens, Kastenrigolen aus Kunststoff über 90 Prozent, und zum mittleren höchsten Grundwasserstand bleibt ein Abstand von mindestens einem Meter.[2][3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Wie eine Rigole Regenwasser zurückhält

Nach der Berliner Regenwasseragentur besteht eine Rigole aus einem Graben oder einer Grube, die mit Kies, Lava oder Kunststoffelementen gefüllt und rundum mit einem Vlies umhüllt ist, damit kein Boden in den Speicher gespült wird.[1] Das Regenwasser läuft über eine Zuleitung in den Hohlraum, steht dort zwischen, bis der Boden es aufgenommen hat, und die Rigole selbst liegt unsichtbar unter Rasen, Beet oder Pflaster.[1] Das Bayerische Landesamt für Umwelt gibt für Kiesrigolen einen nutzbaren Speicheranteil von etwa 35 Prozent des Bauvolumens an, für Kastenrigolen aus Kunststoff über 90 Prozent, weshalb Blockrigolen bei gleicher Leistung deutlich kleiner ausfallen.[2]

Ist Wasser aus einer überlasteten Rigole in den Keller gelaufen, kommt zuerst die Kellersicherung weg, denn der Lichtschalter schaltet weder Steckdosen noch Heizungspumpe ab. Wer den Sicherungskasten im Wasser stehen sieht, geht nicht hinein und ruft die Feuerwehr oder den Netzbetreiber, und solange der Pegel im Keller weiter steigt, bleibt die Tür zu.

Boden, Durchlässigkeit und Grundwasser

Ob eine Rigole funktioniert, hängt vom Durchlässigkeitsbeiwert des Bodens ab: Das Landesamt nennt eine gezielte Versickerung ab einem kf-Wert von 10 hoch minus 6 Metern je Sekunde als möglich und empfiehlt bei schlechter durchlässigen Böden ein Mulden-Rigolen-System mit gedrosseltem Abfluss.[2] Den Beiwert liefert danach am verlässlichsten ein Sickertest auf dem Grundstück, nicht die Bodenkarte.[2]

Zwischen der Sohle der Rigole und dem mittleren höchsten Grundwasserstand verlangt ACO wie die Regenwasseragentur einen Abstand von mindestens 1,0 m, und im Grund-, Schichten- oder Stauwasser darf eine Rigole nicht liegen, weil sie dort selbst volläuft.[3][1] Die Regenwasseragentur teilt die Böden nach ihrem kf-Wert in Klassen ein und ordnet ihnen die geeigneten Versickerungsarten zu.[1]

Rohrrigole und Blockrigole

Bei der Rohrrigole liegt nach BauNetz Wissen ein geschlitztes Rohr mit mindestens DN 300 in einem Kiesbett aus Körnung 0/32 nach Sieblinie B mit mindestens 15 cm Kies rundum, die Überdeckung beträgt mindestens 0,5 m, der Abstand zum Grundwasser 1 m, und Kontrollschächte folgen alle 50 m.[4] Das Rohr verteilt das Wasser über die Länge der Rigole und lässt sich vom Schacht aus spülen.[4]

Blockrigolen bestehen aus Kunststoffkörpern, die Fränkische beim Rigofill inspect als Vollblock mit 800 mal 800 mal 660 mm und etwa 20 kg Gewicht liefert, mit 422 Litern Bruttovolumen und 401 Litern Speicher, dazu als Halbblock mit 350 mm Höhe.[5] Ein Inspektionstunnel durch die Blöcke nimmt danach einen Kamerawagen ab DN 200 auf, die Blöcke tragen eine Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik und sind nach DWA-A 138 und DWA-A 117 bemessen.[5] ACO verlangt für seine Blockrigolen ein ebenes Planum mit einem Verformungsmodul EV2 von mindestens 45 MN/m² und etwa 5 cm Splitt der Körnung 2/8 als Bettung.[3]

Bemessung nach DWA-A 138-1

Wie groß eine Rigole sein muss, ergibt das vereinfachte Verfahren des Arbeitsblatts DWA-A 138-1, das ein Ingenieurbüro für die Stadt Weilheim in Oberbayern am 04.04.2025 für ein Baugebiet vorgerechnet hat.[6] Eingang sind dort eine angeschlossene Fläche von 272 m², ein kf-Wert von 2,1 mal 10 hoch minus 6 Metern je Sekunde, eine Rigolenhöhe von 1,50 m, eine Breite von 5,00 m, ein Speicherkoeffizient von 0,35 für Kies und ein Zuschlagfaktor von 1,2.[6]

Als maßgebend ergab sich danach eine Regenspende von 16,3 Litern je Sekunde und Hektar bei einer Regendauer von 1080 Minuten, daraus eine Rigolenlänge von 9,0 m, ein Rigolenvolumen von 23,7 m³ und eine Sickerrate von 0,14 Litern je Sekunde.[6] Für die angeschlossenen Flächen setzt das Beispiel Abflussbeiwerte von 0,9 für ein Satteldach, 0,2 für ein Gründach und 0,2 für Rasengittersteine an, und ACO fasst die Regel so zusammen, dass nach DWA-M 153 die Belastung des Regenwassers die Empfindlichkeit des Gewässers nicht überschreiten darf.[6][3]

Vorbehandlung, Kontrolle und Wartung

Weil eine Rigole das Wasser ohne belebte Bodenschicht versickert, verlangt die Regenwasseragentur bei belasteten Flächen eine Vorbehandlung mit einer vom Deutschen Institut für Bautechnik zugelassenen Anlage, und Sickerschächte ohne Reinigung sind in Berlin nach § 36a des Berliner Wassergesetzes nicht zulässig.[1] Die Rigole selbst wird danach mindestens einmal im Jahr kontrolliert, ein vorgeschalteter Absetzschacht zweimal im Jahr geleert.[1]

BauNetz Wissen nennt für Rohrrigolen eine halbjährliche Kontrolle der Schächte, und mit dem Inspektionstunnel der Rigofill-Blöcke lässt sich der Zustand der Rigole mit der Kamera prüfen und der Speicher spülen.[4][5] Setzt sich eine Rigole mit Feinteilen zu, läuft das Wasser bei Starkregen über den Zulaufschacht zurück und sucht sich den Weg zum tiefsten Punkt des Grundstücks.

Ein Zulaufschacht mit Laubfang vor der Rigole hält Blätter und Dachkies zurück, und ein Notüberlauf in eine Mulde oder einen Graben nimmt das Wasser auf, das die Rigole bei einem Regen über ihrer Bemessung nicht mehr fasst. Ohne Notüberlauf sucht sich das Wasser den Weg selbst, und das ist dann der Lichtschacht oder die Kellertreppe.

Erlaubnis und Abstand zum Haus

Das Versickern von Regenwasser ist eine Gewässerbenutzung, die in Berlin nach der Regenwasseragentur unter den Bedingungen der Niederschlagswasserfreistellungsverordnung ohne Erlaubnis zulässig ist, sonst eine wasserrechtliche Erlaubnis braucht.[1] Das Landesamt verweist für Planung, Bau und Betrieb auf DWA-A 138, für die Bemessung des Regens auf DWA-A 117 und für die Frage, welches Wasser versickern darf, auf DWA-M 153 und DWA-A 102-2.[2]

Wie weit eine Rigole vom Haus entfernt liegen muss, sagt die Erlaubnis oder die Satzung der Gemeinde, und ACO schließt die Lage in Stauwasser aus, weil der Speicher dort nie leerläuft.[3] Eine Rigole dicht neben einer Kellerwand ohne Abdichtung gegen drückendes Wasser bringt das Wasser genau dorthin, wo es nicht hin soll.

Feuchter Keller neben einer Rigole

Wird eine Kellerwand nach jedem Starkregen feucht, sehen wir nach, wo das Regenwasser des Grundstücks versickert, und messen die Feuchte in der Wand auf der Seite der Rigole und auf der Gegenseite. Steigt der Wert nur auf der Rigolenseite und erst Stunden nach dem Regen, kommt das Wasser aus dem Speicher, und die Wand braucht eine Abdichtung oder die Rigole einen anderen Platz.

Wir dokumentieren den Verlauf der Messwerte über mehrere Regen, damit Planer und Tiefbauer eine Grundlage haben, und trocknen die Wand, sobald die Ursache abgestellt ist. Das Umsetzen oder Vergrößern der Rigole übernimmt der Tiefbaubetrieb nach der Bemessung des Planers.

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Belege

Quellen

  1. Berliner Regenwasseragentur (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt und Berliner Wasserbetriebe): Ratgeber Versickerung. Ratgeber Versickerung, Abschnitte zu Rigolen, Sickerschächten, Vorbehandlung, Wartung, Bodenkennwerten und Genehmigung. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
  2. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU): Niederschlagswasser: Häufig gestellte Fragen (FAQ). Häufig gestellte Fragen zum Niederschlagswasser, Fragen zu Rigolen, Mulden-Rigolen-Systemen, Durchlässigkeitsbeiwert und Sickertest. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  3. ACO GmbH: Versickerung: Regenwasserbewirtschaftung (Anwendungsseite). Anwendungsseite Versickerung, Abschnitte zu Grundwasserabstand, Einbau und Bemessung. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  4. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Regenwasserversickerung. Fachwissen Gebäudetechnik, Entwässerung, Beitrag Regenwasserversickerung, Abschnitt Rohrrigole. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3
  5. FRÄNKISCHE Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG: Rigofill inspect (Produktseite). Produktseite Rigofill inspect, technische Daten und Zulassungen. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3
  6. Stadt Weilheim i. OB: Bemessung der Rigolenversickerung nach DWA-A 138-1, Anlage 02-02 zur Bauleitplanung (Ingenieurbüro Kokai). Bemessung vom 04.04.2025, vereinfachtes Verfahren nach DWA-A 138-1, Eingangswerte und Ergebnis. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
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