Keller nach Hochwasser: Wie er wieder aufgebaut wird
Die Antwort in Kürze
Nach einem Hochwasser wird der Keller besser nicht einfach wie vorher hergerichtet. Die Diakonie Katastrophenhilfe rät in ihrem Leitfaden zum Wiederaufbau, hochwertige Nutzungen, Wärmeerzeuger und Elektroverteiler in höhere Geschosse zu verlegen und im Keller wasserbeständige Baustoffe einzusetzen.[1] Gegen Kanalwasser hilft eine Rückstausicherung, und Heizölverbraucheranlagen in festgesetzten Überschwemmungsgebieten mussten nach dem Wasserhaushaltsgesetz bis zum 05.01.2023 hochwassersicher nachgerüstet sein.[2][1]
Widerstehen, ausweichen oder nachgeben
Für das Bauen in hochwassergefährdeten Lagen beschreibt das Bayerische Landesamt für Umwelt drei Strategien.[3] Ausweichen heißt, hochwertige Gebäudeteile höher zu legen, etwa durch Verzicht auf einen Keller oder einen erhöhten Erdgeschossfußboden. Widerstehen heißt, das Wasser mit Rückstausicherung, abgedichteten Hausanschlüssen und einer weißen oder schwarzen Wanne gegen Grundwasser draußen zu halten. Anpassen und Nachgeben heißt, die Nutzung so zu wählen, dass eindringendes Wasser wenig zerstört.[3]
Wer widerstehen will, braucht ein vollständig dichtes System, denn nach dem Landesamt macht schon eine einzige Schwachstelle alle anderen Maßnahmen wirkungslos.[3] Wasser findet nach der Diakonie Katastrophenhilfe mehrere Wege ins Haus: Oberflächenwasser bis zur Höhe des Pegels über Türen, Fenster und Lichtschächte, steigendes Grundwasser durch Bodenplatte und Kellerwände oder an Hausanschlüssen vorbei und Rückstauwasser aus der überlasteten Kanalisation.[1] Bei älteren Häusern sind wasserdichte Fenster oder eine Rückstausicherung nach dem Landesamt relativ einfach nachzurüsten, eine sorgfältig geplante Kellerabdichtung ist aufwendiger.[3]
Rückstau aus dem Kanal
Bei Hochwasser kann Flutwasser ins Kanalnetz drücken und über die Rückstauebene steigen, den üblicherweise höchsten Stand des Abwassers.[1] Regen- und Abwasser drückt dann durch den Hausanschluss in Keller- oder Erdgeschoss und flutet sie mit verschmutztem Wasser.[1] Eine Rückstausicherung schließt sich nach der Broschüre automatisch, wenn Wasser von der Kanalseite her drückt, und mit einer Rückstauhebeanlage wird das Abwasser des Hauses im Ernstfall über die Rückstauebene gepumpt und von dort in den Kanal geleitet.[1]
Bei Neubauten sollte nach der Diakonie Katastrophenhilfe am besten ganz auf Entwässerungsgegenstände unterhalb der Rückstauebene verzichtet werden, und Hauseinführungen müssen wasserdicht ausgeführt oder nachgerüstet werden.[1] Beim Wiederaufbau eines Kellers ist das der Moment, Bodenabläufe, Waschmaschinenanschluss und Leitungsdurchführungen neu zu planen. Bevor neu gebaut wird, braucht der Keller nach dem Abpumpen und Reinigen eine Wasserschadensanierung an Wänden und Boden.
Heizöltank und Haustechnik
Öltanks, die nicht hochwassersicher sind, können bei Hochwasser aufschwimmen und auslaufen, und mit Öl verunreinigtes Wasser kann nach der Diakonie Katastrophenhilfe Schäden an Bauteilen verursachen, die sich nicht mehr sanieren lassen.[1] Das Wasserhaushaltsgesetz verbietet darum die Errichtung neuer Heizölverbraucheranlagen in festgesetzten und vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebieten, Ausnahmen gibt es nur auf Antrag, wenn kein weniger wassergefährdender Energieträger zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten bereitsteht und die Anlage hochwassersicher errichtet wird.[2] In weiteren Risikogebieten ist eine neue Anlage verboten, wenn andere Energieträger wirtschaftlich vertretbar zur Verfügung stehen oder sie nicht hochwassersicher errichtet werden kann, und sie darf wie geplant gebaut werden, wenn sie der Behörde sechs Wochen vorher angezeigt wird und diese binnen vier Wochen weder untersagt noch Auflagen macht.[2] Als Alternativen zur Ölheizung nennt die Diakonie Katastrophenhilfe unter anderem Wärmepumpen, Pelletheizungen, Solarthermie und Blockheizkraftwerke.[1]
Anlagen, die am 05.01.2018 bereits bestanden, mussten in Überschwemmungsgebieten spätestens am 05.01.2023 nach den anerkannten Regeln der Technik gesichert sein, in weiteren Risikogebieten sind sie es bis zum 05.01.2033, soweit wirtschaftlich vertretbar.[2] Wird eine Anlage wesentlich geändert, ist sie zum Zeitpunkt der Änderung nachzurüsten.[2] Ein Tank, der beim Hochwasser beschädigt wurde, fällt nach dem Wiederaufbau also unter diese Regeln. Fotos von Tank, Auffangraum und Ölspuren gehören zu den Unterlagen, bevor etwas entfernt wird, denn Fliesenarbeiten auf ölgetränktem Boden halten nicht.
Elektroverteiler einschließlich Zählerplätzen gehören nach der Broschüre hochwassersicher in obere Geschosse, und Stromleitungen in gefährdeten Geschossen werden unter der Decke geführt.[1] Das Landesamt rät außerdem, keine giftigen Stoffe im Keller zu lagern.[3] Wer im Keller ein Bad in der richtigen Reihenfolge wieder aufbaut, setzt Steckdosen und Schalter dabei von Anfang an höher.
Baustoffe für den Wiederaufbau
Wasserbeständige Dämmstoffe wie XPS, EPS, PUR und Schaumglas können nach der Diakonie Katastrophenhilfe auf mineralischen Untergründen wie Beton, Mauerwerk, Kalk- und Kalkzementputz angebracht werden, wenn diese fest, tragfähig, sauber und trocken sind.[1] Sie haben aber einen höheren Wasserdampfdiffusionswiderstand, sodass Restfeuchte aus tragenden Bauteilen zumindest auf einer Seite nicht austreten kann.[1] XPS nimmt nach der Übersicht der Broschüre auch bei langfristiger Wassereinwirkung kaum Wasser auf, Schaumglas trotz großen Porenraums kein oder nur sehr wenig.[1] Ungeeignet sind Dämmstoffe, die viel Wasser aufnehmen, etwa Mineralwolle, Holzweichfaserplatten, Zelluloseflocken und pflanzliche Faserdämmstoffe.[1]
Müssen Wände, die unter Wasser standen, lange austrocknen, sind kapillaraktive Putze wie Kalkputz nach der Broschüre am besten geeignet.[1] Eine Dispersionsfarbe mit geringer Wasserdampfdurchlässigkeit darauf schließt die Feuchte wieder ein, Kalkfarbe hält dagegen gut auf noch feuchtem Kalkputz.[1] Kalkputz reguliert Feuchte, ist aber nicht wasserabweisend, wirkt durch seinen hohen pH-Wert antibakteriell und ist weniger druckfest als Zementputz, dafür flexibler und weniger rissanfällig.[1] Als Beispiel nennt der Leitfaden ein Zweifamilienhaus nach dem Elbehochwasser 2013: außen ein Sanierputz mit diffusionsoffener Silikatfarbe, innen im weiter gefährdeten Souterrain ein kapillaraktiver Kalkputz.[1]
Die Nutzung anpassen
Keine Vorsorge schützt vollständig, darum rät das Landesamt, Gebäude und Hausrat zu versichern und den Schutz regelmäßig zu überprüfen.[3] Lassen sich Lager, Bad oder Technik im Untergeschoss wegen der Hochwassergefahr nicht mehr sinnvoll nutzen, empfiehlt die Diakonie Katastrophenhilfe zu prüfen, ob sie in höhere Geschosse, etwa ein bisher nicht ausgebautes Dachgeschoss, verlegt werden können.[1] Das zieht neue Trennwände, Leitungen und Sanitärinstallationen nach sich, und beim Ausbau eines beheizten Dachgeschosses können zusätzliche Anforderungen wie eine Dachdämmung hinzukommen.[1]
Häufige Fragen
Muss mein Öltank nach dem Hochwasser ersetzt werden?
Das hängt vom Zustand und von der Lage ab. In festgesetzten Überschwemmungsgebieten mussten bestehende Anlagen nach dem Wasserhaushaltsgesetz bis zum 05.01.2023 hochwassersicher nachgerüstet sein, und wird eine Anlage wesentlich geändert, ist sie dabei nachzurüsten.[2]
Reicht eine Rückstauklappe?
Sie schließt, wenn Wasser vom Kanal her drückt, und solange sie zu ist, läuft aus den Anschlüssen darunter nichts ab. Eine Rückstauhebeanlage pumpt das Abwasser dann über die Rückstauebene in den Kanal.[1]
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Belege
Quellen
- Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e. V. (Diakonie Katastrophenhilfe): Wiederaufbau nach dem Hochwasser: Strategien und Maßnahmen. Seiten 4, 9, 11, 12 und 15, Ausgabe 2022. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21
- Bundesministerium der Justiz: Wasserhaushaltsgesetz (WHG), § 78c Heizölverbraucheranlagen in Überschwemmungsgebieten und in weiteren Risikogebieten. § 78c Absätze 1 bis 3. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
- Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hochwasserinfo Bayern): Architekten und Hausbesitzer: Vor dem Hochwasser. Abschnitte Bauen Sie hochwasserangepasst und Rüsten Sie ältere Häuser nach. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
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