Rohr eingefroren oder geplatzt: Was tun bei Frost?
Die Antwort in Kürze
Sperren Sie die eingefrorene Leitung sofort ab und schließen Sie, wenn nötig, den Hauptabsperrhahn, damit beim Auftauen kein Wasser ausläuft.[1] Tauen Sie das Rohr nie mit Lötlampe oder offener Flamme auf, das führt oft zu Bränden.[2] Geeignet sind Föhn oder Heizlüfter, solange Gerät und Kabel trocken bleiben, außerdem in heißes Wasser getauchte Tücher oder Wärmflaschen. Ist das Rohr geplatzt, gilt das Vorgehen bei jedem Rohrbruch.
Woran Sie ein eingefrorenes Rohr erkennen
Bemerkbar macht es sich beim Zapfen: Aus einem Hahn kommt nur noch ein dünner Strahl oder gar nichts mehr, während andere Hähne normal laufen. Betroffen sind vor allem Hausanschluss-, Steig- und Kellerleitungen sowie Wasserzähler in Außenbereichen und ungeheizten Räumen.[1] Eine Frostbeule am Rohr, Raureif oder eine Leitung, die sich eiskalt anfühlt, bestätigen den Verdacht.
Gefroren ist das Wasser noch kein Schaden. Kritisch wird es, weil Eis mehr Raum einnimmt als Wasser und ein Rohr dabei aufreißen kann. Einen Riss sieht man unter Umständen erst beim Auftauen, wenn das Wasser plötzlich austritt. Läuft es dann an Steckdosen, Leitungen oder Geräte, wird zuerst die Sicherung dieses Bereichs abgeschaltet, und steht Wasser am Sicherungskasten, bleibt der Raum zu, bis die Feuerwehr oder der örtliche Netzbetreiber eingetroffen ist.
Erst absperren, dann auftauen
Die eingefrorene Leitung sollte sofort abgestellt werden, und eventuell muss auch der Haupthahn geschlossen werden.[1] Öffnen Sie danach den Hahn am Ende der Leitung, damit das Schmelzwasser abfließen kann und Sie sehen, wann das Rohr wieder frei ist. Stellen Sie einen Eimer unter und räumen Sie den Bereich frei, falls doch Wasser austritt. Bleibt ein feiner Riss in einer verdeckten Leitung unbemerkt, verrät er sich später wie ein Rohrbruch in der Wand durch Flecken und einen Zähler, der ohne Verbrauch weiterläuft.
Der Energieversorger Selb-Marktredwitz rät, für die Arbeit einen Installateur zu beauftragen und Eigenversuche zu vermeiden.[1] Liegt die gefrorene Stelle frei zugänglich, etwa an einer Kellerleitung, können Sie die Leitung mit sanfter Wärme auftauen, immer vom offenen Hahn aus in Richtung der vereisten Stelle.
Womit Sie auftauen dürfen
Der Deutsche Feuerwehrverband warnt ausdrücklich: Benutzen Sie auf keinen Fall eine Lötlampe oder anderes offenes Feuer, dies ist oft der Grund für Brände.[2] Die Hitze entzündet durch Wärmeleitung oft unkontrolliert brennbare Stoffe an anderen Stellen und in Hohlräumen, zum Beispiel Dämmmaterial.[2]
- Haartrockner oder Heizlüfter, mit Abstand zum Rohr
- Tücher, die in heißes Wasser getaucht wurden
- Heizmatten oder Wärmflaschen
- den Raum langsam aufheizen, wenn die Leitung in der Wand liegt
Diese Hilfsmittel nennt der Feuerwehrverband als sichere Alternativen, dazu Heißluftgebläse und Dampfstrahlgeräte.[2] Elektrische Geräte gehören dabei nie in nasse Bereiche. Liegt die gefrorene Stelle in der Wand, unter Dämmung oder in einem Hohlraum, überlassen Sie das Auftauen dem Installateur, denn dort lässt sich weder die Wärme kontrollieren noch ein Riss erkennen.
Wenn das Rohr geplatzt ist
Tritt beim Auftauen Wasser aus, bleibt der Hauptabsperrhahn zu. Erreicht es Steckdosen oder Geräte, schalten Sie für diesen Bereich zuerst die Sicherung aus, danach nehmen Sie das Wasser auf und fotografieren Riss und Schaden. Ein geplatztes Kupfer- oder Stahlrohr wird nicht geflickt, das Stück wird ersetzt, und weil Frost auch mehrere Stellen derselben Leitung treffen kann, lohnt eine Druckprobe des ganzen Abschnitts.
Frostschäden sind kein Randthema. Nach dem Versichererverband GDV gibt es jährlich etwa 32.000 versicherte Frostschäden mit einer durchschnittlichen Schadensumme von rund 115 Millionen Euro im Jahr, und etwa zwei bis drei Prozent aller Leitungswasserschäden gehen auf Frost zurück.[3]
Gefährdete Stellen im Haus
Frost erwischt Leitungen dort, wo es kalt bleibt, obwohl der Rest des Hauses warm ist. Das Institut für Schadenverhütung der öffentlichen Versicherer berichtet von einem Ferienhaus, in dem ein Kupferrohr in einer Abseite neben dem Bad aufplatzte, obwohl die Heizkörperthermostate auf 19 °C standen.[4] Das schützte nur die Rohre der laufenden Heizung, die Trinkwasserleitung in der Abseite fror ein, weil kein Wasser entnommen wurde.[4]
Abseiten können nach dem Institut selbst bei angenehm warmer Raumtemperatur stark auskühlen, und eine Dämmung verlangsamt das Auskühlen nur.[4] Als Abhilfe nennt das Institut eine Rohrbegleitheizung oder eine direkte Beheizung der Abseite.[4] Ähnlich gefährdet sind Leitungen in Garagen, an Außenwänden ohne Dämmung und in Kellern mit zugigen Fenstern.
Wenn der Wasserzähler einfriert
Der Wasserzähler kann im Keller nahe der Außenwand oder in einem Schacht im Garten sitzen, also dort, wo es zuerst kalt wird. Der Energieversorger Selb-Marktredwitz empfiehlt, Leitungen und Zähler mit Schaumstoffröhren oder Styropor zu dämmen und Fenster und Türen in diesen Räumen bei Minusgraden geschlossen zu halten.[1]
Ist der Zähler eingefroren oder gerissen, informieren Sie Ihren Wasserversorger, denn der Zähler gehört ihm. Trifft den Kunden ein Verschulden, haftet er nach der Verordnung über die Wasserversorgung, wenn der Zähler beschädigt wird oder abhandenkommt, er muss solche Schäden unverzüglich melden und die Messeinrichtungen unter anderem vor Frost schützen.[5] Ein Zähler in einem offenen, ungeheizten Raum ist deshalb nicht nur ein Risiko für das Haus. Liegt er in einem Schacht im Garten, hilft eine Abdeckung aus Dämmstoff im Schacht, und der Schachtdeckel sollte im Winter geschlossen und frei von Laub bleiben, damit er dicht aufliegt.
So beugen Sie vor
Der GDV rät, alle Räume ausreichend zu heizen, auch wenig genutzte wie Keller, Abstellräume oder Gäste-WC, und sich nicht auf die Frostschutzstellung des Thermostats zu verlassen, die nur die Heizkörper bedingt schützt.[3] Leitungen im Außenbereich und in dauerhaft unbeheizten Räumen sollen entleert, freiliegende Rohre gedämmt oder vollständig entleert und Kellerfenster geprüft werden.[3]
Häufige Fragen
Darf ich ein gefrorenes Rohr mit dem Föhn auftauen?
Ja, ein Föhn gehört zu den Hilfsmitteln, die der Feuerwehrverband empfiehlt, im Gegensatz zu Lötlampe und offenem Feuer.[2] Halten Sie Abstand zum Rohr und achten Sie darauf, dass Gerät und Kabel trocken bleiben.
Zahlt die Versicherung einen Frostschaden?
Sind Leitungen trotz Vorsorge eingefroren und geplatzt, greift nach dem Versichererverband die Wohngebäudeversicherung für die Schäden am Gebäude.[3] Verträge können aber verlangen, in der kalten Jahreszeit zu heizen oder die Leitungen zu entleeren, und was bei einem Verstoß gilt, steht in den Bedingungen Ihres Vertrags.
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Belege
Quellen
- Energieversorgung Selb-Marktredwitz (ESM): Frostschutz für Wasserleitungen. Abschnitte zu gefährdeten Bereichen und zur eingefrorenen Leitung. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- Deutscher Feuerwehrverband (DFV): Mehr Wasserschäden und erhöhte Brandgefahr: Rohre nicht mit Lötlampen auftauen. Mitteilung vom 08.01.2003. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): Jährlicher Frostschaden in Höhe von 115 Millionen Euro: 5 Tipps zur Prävention. Medieninformation, Stand 16.01.2024. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS): Wasserleitungen in Abseiten sind gefährdet. Schadenbericht vom 02.11.2018. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Bundesministerium der Justiz: Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV), § 18 Messeinrichtungen. § 18 Abs. 3. Abgerufen am 04.10.2026. ↑
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