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Bleileitung: Hausanschluss aus Blei, Wasserzähler, Bleiteilstück zwischen Kupfer, alte Bleisteigleitung, Lupe mit Messer und Babyflasche mit rotem Kreuz

Bleileitung

Auch: Bleirohr

Eine Bleileitung ist eine Trinkwasserleitung aus dem Werkstoff Blei, wie sie in älteren Häusern bis Anfang der 1970er Jahre verlegt wurde, und aus ihr kann Blei ins Trinkwasser übergehen, vor allem wenn das Wasser länger darin steht.[1] Nach der Trinkwasserverordnung mussten Bleileitungen und auch Teilstücke davon bis zum Ablauf des 12.01.2026 entfernt oder stillgelegt werden.[2]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So erkennst du eine Bleileitung und das steckt dahinter

Bleileitung, Funktionsweise: Keller mit Bleihausanschluss, Wasserzähler, kurzem Bleistück zwischen Kupfer, alter Bleisteigleitung mit stehendem Wasser und gelösten Teilchen, neuer Kupfersteigleitung, Lupe mit Messer am weichen Rohr, Glas Wasser und Babyflasche mit rotem Kreuz

Schematische Darstellung eines Kellers mit Hausanschluss: Bleirohr von der Straße zum Wasserzähler, Bleistück im Kupferrohr, alte Bleisteigleitung und neue Kupfersteigleitung, Lupe mit Messer, Glas Wasser und Babyflasche. Die Nummern folgen dem Weg vom Erkennen bis zum Austausch.

  1. Weich und silbergrau: Blei: Sichtbare Leitungen im Keller lassen sich selbst prüfen. Bleirohre sind weicher als Kupfer- oder Stahlleitungen, lassen sich mit einem Messer leicht einritzen oder abschaben und erscheinen silbergrau.
  2. Anschluss: Sache des Versorgers: Früher wurde auch die Hausanschlussleitung von der Straße zum Gebäude häufig aus Blei gefertigt. Für sie ist das Wasserversorgungsunternehmen zuständig, für die Hausinstallation dahinter fast immer der Eigentümer.
  3. Im Haus: Frist ist abgelaufen: Bleileitungen liegen oft noch im Keller, in Steigleitungen oder in einzelnen Wohnungsanschlüssen. Nach der Trinkwasserverordnung mussten sie bis zum Ablauf des 12.01.2026 entfernt oder stillgelegt werden, Häuser nach 1973 sind nicht betroffen.
  4. Steht Wasser, löst sich Blei: Vor allem Wasser, das länger in der Leitung steht, nimmt Blei auf. Im Stagnationswasser wird der Grenzwert von 0,010 Milligramm je Liter oft um ein Vielfaches überschritten, behelfsmäßig hilft nur, das Wasser vor dem Trinken ablaufen zu lassen, bis es gleichmäßig kühl kommt.
  5. Für Säuglinge ungeeignet: Blei schädigt schon in sehr niedrigen Mengen das Nervensystem von Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern. Für Schwangere und Kinder bis zum sechsten Lebensjahr ist Wasser aus Bleirohren als Trinkwasser immer ungeeignet.
  6. Auch Teilstücke müssen raus: Kleine Abschnitte aus Blei zwischen anderen Metallen geben durch galvanische Korrosion unverhältnismäßig viel Blei ab. Beim Austausch werden die Bleileitungen deshalb vollständig ersetzt, Rechnungen und Prüfberichte bleiben als Nachweis.

Warum Blei im Trinkwasser schadet

Blei ist nach dem Umweltbundesamt schon in sehr niedrigen Aufnahmemengen gesundheitsgefährdend und kann bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern das Nervensystem schädigen sowie die Blutbildung und die Intelligenzentwicklung beeinträchtigen.[1] Gesundheitlich bedeutsam ist vor allem die schleichende Belastung durch regelmäßige kleine Mengen, die man nicht bemerkt.[3]

Beim Erwachsenen wird Blei ausgeschieden oder in den Knochen eingelagert, von dort kann es in Phasen erhöhten Stoffwechsels wie der Schwangerschaft wieder ins Blut gelangen, und deshalb müssen neben Ungeborenen und Kleinkindern auch junge Frauen und Schwangere besonders geschützt werden.[3] Die Verbraucherzentralen nennen als mögliche Langzeitfolgen außerdem Nierenschäden und erhöhten Blutdruck, und weil sich Blei im Körper anreichert, zeigen sich die Folgen oft erst nach Jahren.[4]

Welche Häuser betroffen sind

Häuser, die nach 1973 errichtet wurden, sind nach dem DVGW nicht betroffen, weil seitdem in ganz Deutschland keine Bleirohre mehr verwendet wurden.[3] In Teilen Bayerns und Baden-Württembergs kommen Bleileitungen nach dem Umweltbundesamt schon seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts nicht mehr zum Einsatz, in Nord- und Ostdeutschland wurden sie bereichsweise noch bis Anfang der 1970er Jahre genutzt.[1] Wer in einem Altbau aus dieser Zeit alte Wasserleitungen prüft, erkennt Blei meist am grauen, weichen Rohr, das sich leicht einritzen lässt und an der Kratzstelle silbrig glänzt.

Längst nicht alle älteren Häuser haben Bleirohre, weil auch vor 1973 häufig Kupfer oder verzinkter Stahl verlegt wurde.[1] Früher wurde auch die Hausanschlussleitung von der Straße zum Gebäude häufig aus Blei gefertigt, und für sie ist das Wasserversorgungsunternehmen zuständig, für die Hausinstallation dahinter fast immer der Eigentümer.[1][3] Um die Wende vom neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert war Blei wegen seiner technisch hervorragenden Eigenschaften ein gebräuchliches Leitungsmaterial, in Teilen Süddeutschlands wurde es aber schon 1878 verboten.[1] Bricht eine solche alte Leitung im Obergeschoss und Wasser tropft aus der Decke, wird zuerst die Wasserzufuhr des Hauses abgesperrt.

Bleirohre erkennen

Sichtbare Leitungen, etwa im Keller vor und hinter dem Wasserzähler, lassen sich nach dem Umweltbundesamt selbst prüfen: Bleirohre sind weicher als Kupfer- oder Stahlleitungen, lassen sich mit einem Messer leicht einritzen oder abschaben und erscheinen silbergrau.[1] Mieter können beim Vermieter, der Hausverwaltung oder dem Eigentümer nachfragen, wann die Leitungen verlegt wurden und aus welchem Werkstoff sie sind.[1]

Nach den Verbraucherzentralen liegen Bleileitungen oft noch im Keller, in Steigleitungen oder in einzelnen Wohnungsanschlüssen, und Sicherheit bringen nur eine fachliche Prüfung oder eine Trinkwasseranalyse durch ein zertifiziertes Labor.[4] Vor einer solchen Probe sollte das Wasser mindestens vier Stunden in der Leitung gestanden haben, und das örtliche Gesundheitsamt berät zur Entnahme.[1] Steht ohnehin eine Badsanierung an, lassen sich verbliebene Bleileitungen in den Wänden dabei gleich gegen neue Rohre tauschen.

Was die Trinkwasserverordnung verlangt

Der Betreiber einer Wasserversorgungsanlage mit Trinkwasserleitungen oder Teilstücken aus Blei musste diese nach § 17 TrinkwV bis zum Ablauf des 12.01.2026 nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik entfernen oder stilllegen.[2] Nach Ablauf der Frist hat er dem Gesundheitsamt unaufgefordert nachzuweisen, dass er diese Pflicht erfüllt hat.[2] Seit dem 13.01.2026 muss er betroffenen Verbrauchern außerdem in Textform erklären und nachweisen, dass er die Leitungen entfernt oder stillgelegt hat oder dass die Frist verlängert wurde.[2]

Das Gesundheitsamt konnte die Frist verlängern, wenn vor dem Stichtag ein eingetragenes Installationsunternehmen beauftragt war und bescheinigte, dass es den Auftrag aus Kapazitätsgründen erst später abschließen kann.[2] Für Anlagen, deren Wasser nur im eigenen Haushalt des Betreibers genutzt wird, ist eine Verlängerung längstens bis zum Ablauf des 12.01.2036 möglich, wenn keine Gesundheitsschädigung der Nutzer zu besorgen ist, und kommen Minderjährige, Schwangere oder Frauen im gebärfähigen Alter hinzu, muss das Amt sofort informiert werden.[2] Wechselt der Eigentümer vor Ablauf einer solchen verlängerten Frist, endet sie ein Jahr nach dem Eigentumsübergang, frühestens aber mit Ablauf des 12.01.2026.[2]

Stellt ein Installationsunternehmen fest, dass in einer Anlage Leitungen oder Teilstücke aus Blei vorhanden sind, muss es das dem Gesundheitsamt nach § 17 Abs. 6 unverzüglich anzeigen, es sei denn, es entdeckt sie bei einem Auftrag zu ihrer Entfernung oder Stilllegung.[2] Wer eine Hausinstallation gewerblich oder öffentlich betreibt, wozu nach der Verordnung auch die Bereitstellung von Trinkwasser im Rahmen einer Vermietung zählt, muss die versorgten Verbraucher informieren, sobald er von Bleileitungen weiß oder diese anzunehmen sind.[2]

Der Grenzwert sinkt

Der Grenzwert für Blei wurde nach dem Umweltbundesamt über die Jahrzehnte mehrmals gesenkt, Ende der 1990er Jahre lag er bei 0,040 Milligramm je Liter, später bei 0,025, und seit dem 01.12.2013 gelten 0,010 Milligramm je Liter.[1] Nach Anlage 2 der Trinkwasserverordnung gilt dieser Wert bis zum Ablauf des 11.01.2028, danach 0,0050 Milligramm je Liter.[2]

Überschritten ist der Grenzwert nach der Verordnung, wenn bei einer gestaffelten Stagnationsbeprobung einer der drei Messwerte oder der Messwert einer Zufallsstichprobe darüber liegt.[2] Schon den seit 2013 geltenden Wert hält Wasser, das durch Bleirohre geflossen ist, nach dem Umweltbundesamt vermutlich nicht ein, und im Stagnationswasser wird er oft um ein Vielfaches überschritten.[1]

Grenzwerte für Blei im Trinkwasser
Zeitraum Grenzwert
Ende der 1990er Jahre 0,040 mg/l
danach 0,025 mg/l
seit 01.12.2013 bis 11.01.2028 0,010 mg/l
ab 12.01.2028 0,0050 mg/l

Frühere Werte nach dem Umweltbundesamt, Stand 04.08.2026, geltende Werte nach Anlage 2 Teil II TrinkwV.[1][2]

Auch Teilstücke müssen raus

Auch kleine Teilabschnitte aus Blei sind nach dem Umweltbundesamt kritisch, weil sie im Kontakt mit anderen metallenen Werkstoffen durch galvanische Korrosion unverhältnismäßig viel Blei ins Wasser abgeben können.[1] Beim Austausch ist deshalb darauf zu achten, dass die Bleileitungen vollständig ersetzt werden.[1]

Wird Blei festgestellt, empfehlen die Verbraucherzentralen eine Prüfung durch einen Fachbetrieb, eine Trinkwasseranalyse durch ein anerkanntes Labor und eine vollständige Dokumentation der Maßnahmen, für die Rechnungen und Prüfberichte aufbewahrt werden.[4]

Was Bewohner bis dahin tun können

Für Schwangere, Säuglinge und Kinder bis zum sechsten Lebensjahr ist Wasser aus Bleirohren als Trinkwasser nach dem Umweltbundesamt immer ungeeignet, stattdessen eignet sich abgepacktes Wasser mit dem Hinweis auf die Eignung für Säuglingsnahrung.[1] Filter zur Bleientfernung hält das Amt nicht für sinnvoll, zur Körperpflege ist das Wasser bis zur Abhilfe aus gesundheitlicher Sicht noch nutzbar.[1] Wird eine Überschreitung des Grenzwerts festgestellt, muss nach dem Umweltbundesamt Abhilfe geschaffen werden, letztlich durch das Entfernen der Bleileitungen.[1]

Behelfsmäßig lässt sich der Bleigehalt nach dem DVGW senken, indem man das Wasser vor jeder Nutzung für Trinken und Kochen laufen lässt, bis es gleichmäßig kühl kommt, und das abgelaufene Wasser etwa zum Gießen oder Putzen verwendet.[3] Mieter können den Vermieter schriftlich zur Prüfung auffordern und bei Untätigkeit das Gesundheitsamt einschalten, und den Austausch müssen sie nach den Verbraucherzentralen nicht selbst bezahlen.[4] Was mit Wasser geschieht, das lange in der Leitung steht, beschreibt der Begriff Stagnationswasser.

Bleirohre bei einem Wasserschaden

Nach einem Rohrbruch in einem Altbau sehen wir uns an, aus welchem Werkstoff die Leitung ist. Zeigt sich ein weiches, silbergraues Rohr, kommt ein Flicken nicht in Frage, und wir stimmen mit dem Eigentümer den vollständigen Austausch über unsere Sanitärinstallation ab.

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Belege

Quellen

  1. Umweltbundesamt: Bleirohre: Blei im Trinkwasser ist gesundheitsgefährdend. Stand 04.08.2026. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17
  2. Bundesministerium der Justiz, Gesetze im Internet: Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung, TrinkwV). § 17 und Anlage 2 Teil II. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
  3. DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches: Blei im Trinkwasser. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  4. Verbraucherzentralen, Portal verbraucherzentrale.de: Bleileitungen verboten: Leitfaden zum Austausch von Bleirohren ab 2026. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4
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