Revisionsschacht
Auch: Kontrollschacht, Übergabeschacht, Inspektionsschacht
Ein Revisionsschacht ist der Kontrollschacht einer Grundstücksentwässerung, über den die Grundleitung nahe der Grenze zum öffentlichen Kanal zugänglich ist, um sie zu reinigen, mit der Kamera zu befahren und auf Dichtheit zu prüfen.[1][2] Abwassersatzungen wie die der Stadt Geesthacht verlangen ihn als Übergabeschacht mit offenem Gerinne und 1 m Innendurchmesser, höchstens 2 m hinter der Grundstücksgrenze.[3]
Wo der Revisionsschacht sitzt
Die Stadt Gersthofen verlangt in ihrem Merkblatt unter Verweis auf § 9 ihrer Satzung am Ende jeder Grundstücksentwässerungsanlage einen Kontrollschacht, den sie Revisionsschacht nennt, etwa 1,50 m von der Grundstücksgrenze entfernt, damit die Hausanschlussleitung von dort aus geprüft werden kann.[1] Geesthacht legt in § 13 Absatz 5 seiner Satzung fest, dass der Übergabeschacht höchstens 2 m von der Grenze entfernt liegt, 1 m Innendurchmesser hat, ein offenes Gerinne führt und nicht überdeckt wird, und wer ihn nicht bauen kann, beantragt binnen eines Monats eine Befreiung.[3] Die Stadt Forst in der Lausitz nennt dieselben 2,00 m, einen Durchmesser von 1000 mm, bei Schächten bis 1,20 m Tiefe mindestens 800 mm, dazu ein offenes Gerinne und Steighilfen nach DIN 4034-1.[4]
Läuft bei vollem Kanal Wasser aus einem Kellerablauf, wird der Kellerstrom an der Sicherung getrennt, ehe jemand zum Schacht oder in den Keller geht, der Lichtschalter nimmt den Steckdosen die Spannung nicht. Steht der Sicherungskasten schon im Nassen, fasst ihn keiner an, bis die Feuerwehr oder der Netzbetreiber da sind, und bei weiter steigendem Wasserstand bleibt der Keller leer.
Übergabeschacht und erste Reinigungsöffnung
Nach BauNetz Wissen reicht der Anschlusskanal vom öffentlichen Kanal bis zur ersten Reinigungsöffnung auf dem Grundstück, und das ist der Übergabeschacht, an dem die Zuständigkeit zwischen Gemeinde und Eigentümer wechselt.[2] Geesthacht rechnet den Schacht nach § 5 Nr. 4 der Satzung zur Grundstücksentwässerungsanlage und beschreibt ihn als Einsteigschacht, der DIN 1986-100 und DIN EN 476 entspricht.[3]
Der Schacht hat zwei Aufgaben: Er trennt die Verantwortung, weil die Gemeinde bis zu ihm reinigt und der Eigentümer ab ihm, und er öffnet die Leitung für Spülung, Kamera und Dichtheitsprüfung, ohne dass im Haus eine Reinigungsöffnung aufgeschraubt werden muss. Fehlt er, muss jede Prüfung vom Keller aus durch die Fallleitung oder durch eine Reinigungsöffnung an der Grundleitung erfolgen.
Schächte aus Beton und Kunststoff
Betonschächte bestehen aus Schachtringen, Konus und Abdeckung, und für Schächte aus Kunststoff verlangt die Stadt Forst eine Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik.[4] Der Hersteller Wavin bietet mit dem SX 400 einen Inspektionsschacht mit 400 mm Durchmesser an, der nach seiner Angabe als Übergabeschacht eingesetzt wird, Anschlüsse in DN/OD 110, 160 und 200 aufnimmt und mit einem Gerinne für zwei oder vier Rohre geliefert wird.[5]
Der Schacht entspricht danach DIN EN 752, DIN 1986-3 und DIN EN 13598-2, und derselbe Hersteller führt eine Schachtfamilie bis zum begehbaren Schacht.[5] Ob ein Schacht mit 400 mm genügt oder ein begehbarer Schacht mit 1 m verlangt wird, entscheidet die Satzung der Gemeinde, nicht der Katalog.[3]
Inspektionsöffnung im Gebäude
Steht das Haus auf der Grenze und ist kein Platz für einen Schacht, verlangt die Stadt Forst eine Inspektionsöffnung im Gebäude, die nicht in einem verschlossenen Mieterkeller liegen darf, damit der Betreiber des Kanals jederzeit an die Leitung kommt.[4] Bei einer Hochdruckreinigung des Kanals können nach demselben Informationsblatt aus offenen Reinigungsöffnungen und Revisionsschächten Gase und Aerosole austreten, darum bleiben Deckel im Haus geschlossen und Schächte während der Reinigung abgedeckt.[4]
Eine Reinigungsöffnung im Keller ersetzt den Schacht nur dort, wo die Satzung es zulässt, und sie bleibt nur dann brauchbar, wenn sie frei zugänglich ist und nicht hinter Einbauten oder unter einem Belag verschwindet. Ein Deckel mit Schraubverschluss, der sich ohne Werkzeug öffnen lässt, gehört in jeden Keller, in dem die Reinigungsöffnung die einzige Zugangsstelle ist.
Rückstauebene und DIN 1986-100
Als Rückstauebene gilt nach dem Merkblatt aus Gersthofen die Oberkante der Straße, an der das Grundstück angeschlossen ist, und das Merkblatt verweist für die Ausführung der Anlage auf DIN 1986-100 und DIN EN 752.[1] Ablaufstellen unterhalb dieser Höhe brauchen eine Rückstausicherung. Der Revisionsschacht liegt mit seinem Deckel über der Rückstauebene und zeigt bei Rückstau im Kanal, wie hoch das Wasser steht, bevor es im Keller ankommt.
DIN 1986-100 vom Dezember 2016 enthält die Bestimmungen für Entwässerungsanlagen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056, und ihre Änderungen betreffen unter anderem den Überflutungsnachweis für Grundstücke bis 800 m², die Regendaten nach KOSTRA-DWD-2010 und das Verbot von Abdeckungen auf Lüftungsleitungen in Abschnitt 6.5.1.[6] Die Ausgabe wird im November 2026 durch eine Neufassung ersetzt.[6]
Dichtheitsnachweis am Schacht
Gersthofen verlangt den Dichtheitsnachweis der Grundstücksentwässerungsanlage im Beisein der Stadt und verbietet den Anschluss von Drainagen an den Kanal.[1] In Geesthacht gehört zur Abnahme nach § 12 der Satzung eine Kamerainspektion und ein Nachweis der Dichtheit nach DWA-A 139 und DIN EN 1610.[3]
Für beide Prüfungen ist der Schacht der Ausgangspunkt: Die Leitung wird zwischen Schacht und Haus abgesperrt, mit Wasser oder Luft gefüllt und über eine festgelegte Zeit beobachtet, und die Kamera fährt vom Schacht aus bis zur Fallleitung.
Zugang und Pflege des Revisionsschachts
Ein Revisionsschacht ist nur so viel wert wie sein Zugang: Ein Deckel unter der Terrasse, unter dem Rasen oder unter einem Hochbeet ist bei Rückstau in der Nacht nicht zu finden, darum bleibt der Deckel sichtbar und in der Bestandszeichnung eingetragen. Nach starkem Regen lohnt der Blick in den Schacht, denn Ablagerungen im Gerinne und Wasser, das nach Stunden noch steht, zeigen eine Störung im Anschlusskanal, bevor sie im Keller ankommt.
Beim Kauf eines Hauses gehört der Schacht auf die Liste der Dinge, die vor dem Notartermin angesehen werden: Gibt es ihn, wo liegt er, wann wurde die Leitung zuletzt geprüft, und liegt ein Protokoll der Kamerabefahrung vor. Fehlt all das, ist die Dichtheitsprüfung nach dem Kauf die erste Ausgabe, die der neue Eigentümer einplant.
Was wir am Revisionsschacht sehen
Riecht es im Keller nach Kanal oder steht nach Regen Wasser am Bodenablauf, öffnen wir zuerst den Revisionsschacht: Steht Wasser im Gerinne, staut der Kanal oder die Hausanschlussleitung, ist das Gerinne leer, liegt die Störung zwischen Haus und Schacht. Von dort fahren wir die Grundleitung mit der Kamera ab und orten Verstopfungen, Risse und Versätze mit dem Sender, damit die Stelle am Boden markiert werden kann.
Fehlt ein Schacht, suchen wir die nächste Reinigungsöffnung im Haus und dokumentieren, wo die Leitung zugänglich ist. Nach der Reparatur messen wir die Feuchte im Boden rund um die Leitung und trocknen, wenn Abwasser in den Estrich gelaufen ist.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Stadt Gersthofen: Merkblatt zur Grundstücksentwässerung. Merkblatt Stand Mai 2024, Abschnitte 9 Kontrollschacht, Rückstauebene, Dichtheitsnachweis und Drainagen. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Abwasserleitungen: Arten und Bezeichnungen. Fachwissen Gebäudetechnik, Entwässerung, Beitrag Abwasserleitungen: Arten und Bezeichnungen. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2
- Stadt Geesthacht: Satzung der Stadt Geesthacht über die Abwasserbeseitigung (Allgemeine Abwasserbeseitigungssatzung, AAS). Beschluss vom 11.06.2021, § 5 Nr. 4, § 12 und § 13 Absatz 5. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- Stadt Forst (Lausitz), Städtische Abwasserbeseitigung: Informationen zur Errichtung von Revisionsschächten bzw. zu Anforderungen an eine private Grundstücksentwässerungsanlage. Stand April 2024, Abschnitte zum Revisionsschacht, zu Steighilfen, Kunststoffschächten, Inspektionsöffnungen und Hochdruckreinigung. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Wavin GmbH: Wavin SX 400: Kunststoffschacht mit hervorragender Inspektionseigenschaft (Produktseite). Produktseite Wavin SX 400, Ausführungen, Anschlüsse, Gerinne und Normen. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2
- DIN Media GmbH: DIN 1986-100:2016-12, Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056. Ausgabe 2016-12, Einführungsbeitrag, Änderungsvermerk und Ersatzvermerk. Abgerufen am 20.10.2026. ↑1↑2
Themen von A bis Z
Verwandte Begriffe
Einsatzgebiet
Wasserschaden vor Ort
Leistungen